Im Test: Ritchey Timberwolf

Fahrbericht: Ritchey Timberwolf

Foto: Christian Lampe
Ritchey – schon der Name weckt in mir wohlige Gefühle! Schließlich ist die Marke von Kult-Schweißer und „Immer-noch-Eigentümer“ Tom Ritchey seit der MTB-Gründerzeit dabei.

Ein Ritchey-Bike namens Timberwolf gab’s auch schon – im Jahr 1984. Der 2016er Wolf verbindet Legendäres mit Modernem. So ist der Rahmen selbstredend aus klassischem Stahlgeröhr gebrutzelt, aber mit modernen Details wie konischem Steuerrohr, Hecksteckachse oder interner Zugführung für Vario-Stützen. Die Geometrie? Mutig! Das Timberwolf rollt auf angesagten 27,5"-Rädern (Reifen bis 2,4"-Breite passen rein), der Lenkwinkel steht bei äußerst flachen 67° – und das mit langhubiger 140-mm-Federgabel. Die „Hardtail-Inkarnation eines All-Mountain-Bikes“ nennen die Amis das Ganze. Apropos Ganzes: Das Timberwolf ist nur als 1295 Euro teurer Rahmen erhältlich, das von Ritchey aufgebaute Komplettrad – mit vielen Ritchey-WCS- Parts bestückt – dient nur als Testbasis.

Im Sattel empfand ich das Bike zunächst lang und hoch – obwohl es mir in Größe M bei 175 cm Körperlänge ideal passen sollte. Aber 1100 mm Radstand sind üppig, das hat 29er-Format. Auch ist das Tretlager mit 333 mm sehr hoch gesetzt. Wirklich wuselig-agil fühlt sich das Ritchey im Kurventanz daher nicht an, spurtreu-stabil und erhaben trifft’s eher. Berghoch ist im Vergleich zu „normalen“ CC-Hardtails eh Geduld angesagt: Das Gewicht unseres Testbikes von 11,8 Kilo (der Rahmen wiegt stramme 2500 g!) animiert nicht gerade zu Sprints, zudem ist die Kletterposition durch den arg flachen Sitzwinkel (71,5°) für meinen Geschmack zu hecklastig. Immerhin: Dank der 432 mm langen Kettenstreben gibt’s jede Menge Hecktraktion.

Bergab belohnt einen das Timberwolf dann mit der vollen Dröhnung Fahrspaß für vorangegangene Mühen: Zwar wedelt es nicht verspielt hinab, liegt aber herrlich satt, vermittelt viel Fahrsicherheit. Und das alles noch gepaart mit dem unvergleichlich „smoothen“ Fahrgefühl eines Stahlrahmens.

Fazit:

Wer ein charakterstarkes, bergab-affines, zeitloses Sorglos-Hardtail aufbauen will, wird den Timberwolf-Rahmen lieben – so wie ich. Abstriche bei der Agilität und den Klettereigenschaften muss man in Kauf nehmen.

10.04.2016
Autor: Andre Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2016