Im Test: Ghost Pathriot LC 10

Fahrbericht: Ghost Pathriot LC 10

Foto: Daniel Maasewerd
Die Bayern haben ihr 27,5"-Touren-/ Trailfully Riot auf Steroide gesetzt: Das Pathriot kommt mit 170/150 mm Federweg und erwies sich auf Madeira als vorzügliches Enduro-Geschoss.

Als Ghost 2013 das futuristisch anmutende 130-mm-Fully Riot vorstellte, gab es bereits Gerüchte zu einer Longtravel- Version. Die kam ein Jahr darauf zunächst als „Mogelpackung“, als Riot (LT) mit längerer Gabel. Zur letztjährigen Eurobike rollten die Oberpfälzer aber den wahren Enduro-Ballermann aus: das Pathriot mit Carbon-Rahmen, 170-mm- Forke, 150 mm Federweg am Heck (in der Topversion mit Stahlfederbein!) und progressiver Race-Geometrie. Fahrfertig war das Wunderwerk im April dieses Jahres – und Ghost lud gleich zum Ride- Camp nach Madeira.

Gut so, denn während hierzulande der Winter sein x-tes Comeback feierte, herrschten auf der portugiesischen Insel Idealbedingungen, um die 6499 Euro teure, nobel ausstaffierte (Sram-XX1-Schaltung, Tune-Naben, Fox-Factory-Gabel) Topversion Pathriot LC 10 auszureizen.

Und das klappt(e) vorzüglich: Durch den ultralangen Reach (460 mm, Gr. L) steht man unerschütterlich stabil im Rad, der eher ache 66,5°-Lenkwinkel sorgt ebenfalls für Spurtreue, der maximal breite 800-mm-Carbon-Lenker für Kontrolle. Dennoch empfand ich das Ghost erstaunlich agil, allein schon, weil es mit 12,9 Kilo leichtgewichtig daherkommt. Enduro-Novizen werden also nicht gleich überfordert, dennoch richtet sich das Pathriot klar an den versierten Piloten mit Renn(sieg)-Ambitionen. Auch der aufwendig konstruierte Viergelenker-Hinterbau mit schwimmend gelagertem Federbein passt dazu: Er spricht – auch dank des genialen Stahldämpfers von Cane Creek – hauchzart an, bietet dann viel „Pop“ und für 150 mm Federweg erstaunlich viel Reserven.

Den Berg hinauf geht es flott: Der steile 75°-Sitzwinkel bringt viel Wucht aufs Pedal, die leichten Laufräder beschleunigen willig, am Federbein lässt sich sogar eine Wippunterdrückung zuschalten.

Fazit:

Agil und spielbereit auf flowigen Wegen, mit hohen Reserven und viel Sicherheit im ruppigen Gelände,
leichtfüßig bergauf – das Pathriot zeigt sich als souveränes Enduro. Und ist dank des Stahlfederbeins auch ein Hingucker.
Dennis Rein, Tester

26.01.2017
Autor: Dennis Rein
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2017