Dauertest: Stoll M1 Gold

Das Stoll M1 Gold im Dauertest

Foto: Andre Schmidt
Exklusives aus der Schweiz und Deutschland. Der Rahmen des Stoll- Fullys wird unter anderem aufs Fahrergewicht abgestimmt gefertigt.

„Stoll? Nie gehört!“ Wenn du wie ich auf schnelle, edle Fullys um 120 mm Feder- weg für Marathon und Tour stehst, sollte die Schweizer Marke aber ganz schnell in dein Blickfeld rücken. Denn was der kleine Nobelhersteller aus dem Kanton Schaffhausen auf die Räder stellt, ist schlicht ergreifend. Neben einem 29er- Hardtail steht eine Fully-Plattform zur Verfügung – mit 120 oder 130 mm Federweg am Heck. Dazu passen Gabeln mit 100–140 mm Hub. Alle Bikes bei Stoll sind aus Carbon. Das Beste aber: Sie werden exakt nach Kundenwunsch bei Bike Ahead in Würzburg gefertigt. Der Kunde kann nach ausgiebiger Beratung und Probefahrt wählen, ob er seinen Rahmen lieber ein bisschen schwerer/steifer haben will oder voll auf Gewichtsreduktion setzt – und das bei einer Lieferzeit von nur maximal drei Wochen beim Fully!
Mit 70 Kilo Lebendgewicht habe ich mich für ein leichtes Layup (mit Dämpfer wiegt der Rahmen knapp 2500 g) und für ein Marathon-typisches Setup mit 120/130 mm Federweg entschieden, wobei der eine Zentimeter „Überschuss“ am Heck eher als Durchschlagsreserve zu verstehen ist. Die von mir gewählte „Gold“-Konfiguration ist die zweitteuerste, kommt mit Sram-XX1-Eagle-Antrieb (1 x 12 Gänge), Fox-Fahrwerk, Shimano- XTR-Bremsen und Carbon-Felgen von Duke. Der dafür aufgerufene Preis von circa 8000 Euro klingt hoch, ist aber angesichts des maßgefertigen Carbon-Layups und der Edelparts mehr als fair.
Und wie fährt es sich nun? In einem Wort: fantastisch. Das Handling ist ein Traum, das geringe Gewicht von knapp über 9 Kilo eh, die Beschleunigung der 29"-Räder brillant, und auch das Fahrwerk – schön sportlich-straff abgestimmt, wie ich es mag – arbeitet vorzüg- lich. In Sachen Dauertest gibt es nach nur 500 km natürlich noch nichts zu klagen, generell wirkt die Verarbeitung des Rahmens aber perfekt, auch die Lager sind schön groß dimensioniert. Und eins ist klar: Geschont wird dieses Bike nicht, das will jeden Tag gefahren werden!

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Teil 2:

Über ein halbes Jahr sind wir nun zusammen, mein Stoll und ich. Und aus der Liebe auf den ersten Blick (in Deutschland hergestellter Voll-Carbon- Rahmen mit maßgefertigtem Layup, Edelparts, geile Optik!) hat sich eine fürsorgliche Beziehung entwickelt. Wobei, allzu sehr musste ich mich um das Schweizer Edelross gar nicht kümmern. Defekte und damit Reparaturen sind bislang ausgeblieben, alles schnurrt und surrt so, wie es sich gehört. Die Sram-XX1-Eagle-Schaltung arbeitet sich weiterhin klaglos durch ihre 1 x 12 Gänge, zeigt nahezu keinen Verschleiß, auch die teuren Fox-Factory-Federelemente flutschen wie am ersten Tag, und der Lack des Rahmens macht einen sehr robusten Eindruck, hat bislang noch jeden Steinschlag abwehren können. Einzig die hintere Scheibe der Shimano-XTR-Bremsanlage nervt nach Abfahrten mit Schleifgeräuschen – ob- wohl sie eigentlich perfekt zentriert zwischen den Backen sitzt.
Ein paar Parts habe ich jetzt dennoch getauscht. Für mehr Abfahrtsspaß liftet eine Magura-Vyron-Vario-Stütze meinen ebenfalls relativ neuen Tune- Sattel rauf und runter. Vorteil der Magura: Dank Wireless-Remote ist sie schnell ein- und ausgebaut, falls ich doch wieder auf eine leichte Carbon- Stütze wechsle. Ganz neu rotieren die spektakulären Syncros-Silverton-SL- Laufräder, die ich nun einem fast zwei Monate langen Test-Martyrium in den Alpen unterziehen werde. Apropos: Nachdem das M1 bis dato nur im Mittelgebirge bewegt wurde, bin ich arg gespannt, wie sich das Leichtgewicht (aktuell 10,3 Kilo ohne Pedale!) im Alpinen schlagen wird. Aber ich bin guter Dinge: Die Geometrie passt mir schließlich ausgezeichnet, und das Fahrwerk ist auch mit „nur“ 120/130-mm-Federweg jederzeit Herr über den Trail.

23.10.2018
Autor: Andre Schmidt
© MOUNTAINBIKE