Dauertest: Specialized Epic S-Works (2018)

Das Specialized Epic S-Works im Dauertest

Foto: Claudius Schulte
Fast 10.000 Euro teuer, unter 10kg leicht und dabei eine echte Rennpfeile: Wie schlägt sich das Specialized Epic in unserem Dauertest über mehr als 3.000km?
Foto: Tore Morhenn

Zwischenbericht aus dem Heft 03 2018:

Das Epic hat als Racefully längst den Legendenstatus erreicht. Wie schlägt sich die Neuauflage im Dauertest bei Redakteur Lukas?

Wow! Schon beim Gedanken an mein neues Dauertest-Racefully gerate ich ins Schwärmen. Die Geometrie des Epic ist für Rennfahrer wie mich ideal, sehr aus gewogen: Kurze Kettenstreben sorgen für Spieltrieb, der nicht zu knapp bemessene Reach bewirkt ein sicheres Fahrver halten. Der Vortrieb ist auch dank der Carbon-Laufräder hervorragend, die Reifen kamen ab Werk tubeless montiert.

Sehr überzeugend finde ich auch das „intelligente“ Hinterbausystem namens Brain. Durch ein Trägheitsventil erkennt es, ob der Schlag aufs Fahrwerk vom Gelände ausgelöst wird, gibt dann den Federweg frei. Einen Lockout-Remote spart Specialized so ein. Das System arbeitet zwar nicht unmerklich – auf verblock ten Trails vernimmt man leise Ruckler –, dafür ist die Funktion top. Generell werkelt das 100-mm-Fahrwerk mit Rock Shox-Gabel und -Dämpfer straff, was mir als Racer aber sehr gut gefällt. Der Preis für das technische Meisterwerk ist je doch gesalzen: Auf das Beantworten der
berühmten Kaufpreis-Frage ernte ich oft ungläubiges Kopfschütteln. Apropos: Vor ein echtes Luxusproblem stellte mich die elektronische Shimano-XTR-Di2-Schaltung. Der in der Sattelstütze verbaute Akku musste ins Sitzrohr wandern. Warum? Inzwischen habe ich eine Magura-Vario Sattelstütze installiert: 100 mm Verstell weg reichen aus, um aus dem Epic noch mehr Bergab-Spaß herauszuholen.

Weitere Umbauten? Für meinen Heimataus?ug in den Deister bei Hannover tausch te ich die serienmäßig verbauten Fast Trak-Reifen gegen Matsch-Pneus von Continental. Technische Probleme: bis dato Fehlanzeige!

Im Detail: Der Rahmen und seine Features

Innovate or die - das ist das Motto von Specialized. Folglich innovativ geben sich die Amerikaner traditionell an ihren Bikes. So wurde auch das Racefully mit einigen sinnvollen Features versehen. Besonders ist dabei das S.W.A.T-Systen. Keine Sorge: Es handelt sich nicht um die Polizei-Eliteeinheit aus den USA.

S.W.A.T steht für Storage, Water, Air, Tools - also fast alles was man auf dem Trail braucht.
An den serienmäßig verbauten Flaschenhalter verbaut Specialized ein kleines Minitool, das mit allen wichtigen Werkzeugen versehen ist (von Torx, über Innensechskant - so viel wie nötig, so wenig wie möglich)

Im Steuerrohr, oder viel mehr in der Ahead-Kappe, gibt es im Epic einen Kettennieter samt Kettenglied. Prima, wenn doch mal die Kette reißt.

Über den Rahmen selbst lässt sich nur schwärmen. Specialized verwendet für die Topmodelle à la S-Works spezielle Fasern - 12m Fact genannt - die noch leichter und robuster sein sollen. Das Lackfinish ist dem horrenden Preis angemessen - alles wirkt sehr edel und hochwertig. Auch bei einigen Ausflügen ins Unterholz habe ich noch keinen Kratzer ins Epic bekommen. Vielleicht ist daran auch die geklebte Schutzfolie am Unterrohr beteiligt.

Schaltung und Bremsen am Specialized Epic S-Works

Seriemäßig kommt das Topmodell Epic S-Works mit Shimano Di2 Schaltung und einer Race Face Next SL-Carbonkurbel.

Auch die Bremspower übernimmt eine Shimano XTR Race Bremse. Nachdem ich nun in den vergangenen drei Jahren bereits die griftige Bremse der Japaner im Dauertest bewegen durfte (KTM Scarp Sonic 12-s XX1 2017 und Canyon Exceed SLX 9.9 SL, 2016) entschied ich mich, eine neue Bremse für das Jahr 2018 zu montieren.

Dabei fiel meine Wahl auf die Magura MT8 Raceline. Die Schwabenstopper kommen im Sondermodell im giftigen Neongelb, bei der Scheibengröße setzte ich als Leichtgewicht (64 kg bei 176cm Größe) vorne und hinten auf 160mm-Bremsscheiben. Übrigens: Auch das Specialized Racing Team im MTB-Worldcup setzt auf diese Bremse - bis auf die Sattelstütze (die meisten Athleten fahren noch ohne Dropperpost), Lager (die Pros fahren sündteure Ceramicspeed-Lager) und Schaltung (XX1-Eagle) ist mein Dauertester also ziemlich nah am Teambike orientiert.

16.6: Der Härtetest beim Sella Ronda Hero

Mein Renn-Jahreshighlight hat es in sich: Beim Sella Ronda Hero Marathon in den Dolomiten bin ich mit meinem Kollegen Sebastian auf der WM-Strecke von 2016 gestartet. Die Reportage zu unserem Höllenritt liest du in der MOUNTAINBIKE Ausgabe 10/2018.

Foto: Lukas Hoffmann

Der Deister-Meine Homebase (22.12.2017)

Mein Weihnachtsurlaub steht an. Bisher zeigt der Tacho knappe 100km. Zeit, dass es bis zum Jahresstart noch einige mehr werden.

Für mich geht es in den Norden - in meine Heimat Springe, nahe Hannover. Süddeutsche werden jetzt schmunzeln: Nein, ich fahre mit dem Mountainbike keine Deiche auf und ab. Nein, wir haben den Deister! Ein kleines, aber feines Mittelgebirge. Für mich DIE MTB-Region im Norden, wenn man mal von den Harbuger Bergen absieht.
Im Deister bin ich zum Mountainbikesport gekommen, folglich gespannt bin ich, wie sich das Epic auf meinen Hometrails schlägt.

Durch vielen Regen in der Adventszeit ist es unheimlich matschig - gut, dass ich für mein Vorderrad einen schmalen Continental Mud King mitgenommen habe. Damit habe ich wenigstens an der Steuerachse-Grip.

Ich werde langsam warm mit dem Epic - auch wenn ich knapp drei Abfahrten benötigt habe bis das Fahrwerks-Setup endlich perfekt ist.

Am ersten Weihnachtsfeiertag entziehe ich mich dem Fressmarathon ein wenig und baue die Magura Vyron in mein Bike ein. Die elektronische Variosattelstütze soll die leichte Carbonstütze von Specialized ersetzten und die Abfahrtstauglichkeit des Epics noch weiter verbessern. So leicht ist der Einbau aber nicht: Der Akku der elektronischen Schaltung sitzt in der Stütze verbaut oberhalb des Tretlagers. Ich muss ihn lose in den Rahmen legen, damit die Magura-Stütze Platz findet.

Foto: Lukas Hoffmann

Es geht los - Der Dauertest 2018 mit dem Epic (14.12.2018)// 0 km

Zwei Wochen vor Weihnachten stand Santa Claus vor mir. Okay. Fast. In unserer Mountainbike-Werkstatt nahe Stuttgart durfte ich endlich das neue Dauertest-Bike für das Jahr 2018 auspacken. Zugegeben - ich war gespannt, hatten mir die Jungs von Specialized noch nicht verraten um welche Ausstattung es sich bei der Sendung handelt.

Nachdem die Folie entfernt war, macht sich gleich der schimmernde Lack bemerbar - rot, schwarz. Das kann nur der Weihnachtsmann sein!

Natürlich baue ich das Bike gleich auf und schwing ich mich direkt aufs Rad - vorher gibt es aber am Porsche Platz in Stuttgart noch ein kleines Fotoshooting. So sauber und jungfräulich wird das Epic schließlich nie wieder aussehen.

22.08.2018
Autor: Lukas Hoffmann
© MOUNTAINBIKE