Test: E-MTBs vs. Mountainbikes

Test: 10 All-Mountains mit und ohne Motor

Video: MOUNTAINBIKE
Lauert der Feind in der Familie? Traditionelle AM-Fullys geraten unter Beschuss – von den eigenen Geschwistern mit E-Motor. Wir haben daher zum Duell der „Waffenbrüder“ geladen: normales All-Mountain gegen motorunterstütztes Pendant. Wir wollten wissen: Mit welchem dieser 150-mm-Fullys gibt es den ultimativen Fahrspaß, fernab aller Glaubenskriege?
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Cannondale Trigger 2 (2018) 5999 Euro Sehr gut
Cannondale Moterra LT 1 (2018) 6299 Euro Sehr gut
Rocky Mountain Altitude C70 (2018) 5900 Euro Sehr gut
Rocky Mountain Altitude Powerplay C70 (2018) 7300 Euro Sehr gut
Scott Genius 710 (2018) 4999 Euro Sehr gut
Scott E-Genius 700 Tuned (2018) 7199 Euro Sehr gut
Specialized Stumpjumper FSR Expert 29 (2018) 5499 Euro Sehr gut
Specialized Turbo Levo FSR Expert 6Fattie (2018) 7299 Euro Sehr gut
Trek Remedy 9.8 (2018) 4999 Euro Sehr gut
Trek Powerfly 9 LT Plus (2018) 5999 Euro Gut

Cannondale Trigger, Rocky Mountain Altitude, Scott Genius, Specalized Stumpjumper, Trek Remedy – klangvolle Namen! All-Mountain-Fullys der Extraklasse, die vor allem eins bieten: ultimativen Fahrspaß. Jeden Tag, überall. Flotte Hausrunde, knackiger Trail-Ride, Alpencross, Hobby-Marathon – alles geht, mehr Bike als diese 150-mm Alleskönner braucht kein Mensch. Oder doch? Die etablierten Allrounder stehen plötzlich unter Beschuss. Auf dem Trail wie im Shop. Und das nicht von immer potenter werdenden Tourenfullys oder leichten Enduros, sondern von ihren eigenen Brüdern, von All-Mountains mit Elektro-Antrieb!

Auch wenn viele Biker jetzt mit der Nase rümpfen: E-MTB boomt. Bergräder mit Motor gehen weg wie die berühmten warmen Semmeln, die Nachfrage übersteigt die Produktion bei weitem – während sich klassische MTBs längst nicht mehr so gut verkaufen wie einst. Kein Wunder also, dass es zu den eingangs erwähnten AMs je ein motorisiertes Geschwisterlein gibt, das zwar nicht immer den gleichen Namen trägt, aber die Familiengene. Und mit den Traktoren der ersten E-Jahre haben Specialized Levo & Co. nichts mehr gemein. Es sind in jeder Hinsicht geländetaugliche Bikes, die ihre klassischen Verwandten nun auch in Sachen Fahrspaß voll angreifen. Wir haben daher erstmals ein erlesenes Testfeld aus normalen MTBs und E-MTBs zusammengestellt.

MTB vs. E-MTB – was soll denn das?

Und wir haben uns im Vorfeld ganz viele Fragen gestellt. Kann man ein motorisiertes und ein muskelbetriebenes Mountainbike seriös miteinander vergleichen? Und darf man das? Kann ein E-MTB überhaupt ein Allrounder (per Defnition All-Mountain) sein, oder ist es nicht eher ein „spezielles Sportgerät“ für die, die nicht mehr so stramm pedalieren können? Oder wollen? Wie stark mindert das extrem hohe Gewicht eines E-MTBs das spielerische Handling, das AllMountains seit jeher auszeichnet? Wie viel Passion bleibt buchstäblich auf der Strecke, wenn der Alpengipfel quasi mühelos erreicht werden kann? Vor allem aber: Was macht denn jetzt wirklich am meisten Spaß? Und welches Bike ist es nun, das ultimative All-Mountain?

Vorab noch ein paar Eckdaten: In Sachen Laufradgröße ließen wir den Herstellern freie Hand, sodass sich im Testfeld AMs mit klassisch breiten 27,5 x 2,35/2,4"-Rädern ebenso wiederfnden wie zwei 29er sowie eine Vielzahl an 27,5-Plus-Bikes. Letztere vor allem im E-MTB-Segment. Und wenn solche großen Namen bei uns vortanzen, muss auch die Oberklasse her.

Deshalb haben wir bei den All-Mountains die Preiskategorie ab 5000 Euro, bei den E-Brüdern ab 6000 Euro gewählt. Alle zehn Bikes mussten dieselbe Teststrecke bewältigen, gespickt mit steilsten Trail-Uphills, gemächlichen Anstiegen, krachenden Wurzel- und Steinfeldern, Drops, Absätzen, offenen Highspeed-Kurven und engen Kehren. Eine Herausforderung für Bike und Fahrer. Mit gleichem Maß haben wir EMTB und „Non-E“ aber nicht gemessen. Beispiele: Eigenschafen wie Vortriebsefzienz und Laufradgewicht rücken mit Motorunterstützung unweigerlich in den Hintergrund. Dabei merkt man auch kaum, ob der Hinterbau zu stark nachgibt oder wippt. Auf der anderen Seite fallen bei den schweren E-MTBs etwa eine ungünstige Gewichtsverteilung oder ein generell träges Handling noch negativer auf als bei normalen MTBs.

Die neuen E-All-Mountains machen richtig Spaß!

Und was ist es nun, das ultimative AM? Natürlich klettern alle E-MTBs viel, viel schneller. Und sie liegen bergab bei Highspeed sicherer auf dem Trail,sind dafür im Kurven-Handling träger. Dagegen sind die klassischen All-Mountains erheblich agiler und spritziger. Solange E-MTBs fast zehn Kilo mehr auf die Waage bringen, wird sich an diesem Befund nichts ändern. Und insofern ist dieser Vergleich natürlich immer noch ein ungleicher.

Aber wie groß ist der Unterschied in Sachen Handling noch? Er wird kleiner, da die E-MTB-Geometrien speziell von Cannondale, Specialized und Rocky denen moderner Mountainbikes immer mehr ähneln. Kompakte, clever integrierte Motoren und Akkus machen es möglich. Und das bedeutet auch, dass E-MTBs in Sachen Fahrfreude massiv aufholen! Oder anders gesagt: Wir hatten beim Testen
einen Heidenspaß.

Egal, ob wir gerade auf einem All-Mountain mit oder ohne Motor saßen. Natürlich bleibt da ein gravierender Unterschied: Das Biken mit E-Unterstützung ist eben anders als ohne Motor. Anders, aber nicht schlechter. Im Uphill ?ießt vielleicht nicht der letzte Schweißtropfen, dafür ergeben sich – gerade auch für versierte Fahrer – ganz neue Möglichkeiten. Den knifigen Lieblings-Trail mal bergauf fahren? Das geht! Und bergab ist es ein forderndes Ganzkörpertraining, diese 23-Kilo-Klopper ans Limit zu bewegen. Auch das ist: anders als gewohnt, aber (leider) geil.

Kurz und Knapp: Die MTB-Welt ändert sich gerade dramatisch, E-MTBs greifen nun auch etablierte Klassiker an, selbst in der eigenen Familie.
Doch genug des Kriegsgrollens: Ließen sich die ersten E-MTBs noch als „Rentnerdrohnen“ verspotten, machen E-All-Mountains in diesem ungewöhnlichen Test einfach nur Spaß. Dass das klassische Mountainbike aber noch lange nicht tot ist (und nie sterben wird), beweisen die unmotorisierten Test-AMs: Alle fünf sind tolle Alleskönner.

Alle getesteten Bikes im VIDEO

Video: MOUNTAINBIKE

Das Testfeld auf einen Blick

» All-Mountain-Fullys mit 150 mm Federweg sind Alleskönner mit Fokus auf maximalen Fahrspaß. Letzteres gilt nun endlich auch für die E-MTBs, die dank moderner Geos und top integrierter Motoren ein fast „normales“ Fahrgefühl bieten.

» Die neuen All-Mountains – mit und ohne Antrieb – wildern im Revier der Enduros. Die Geometrien werden immer länger und flacher, die Parts immer robuster.

» In Sachen Laufradgröße ist das Feld bunt gemischt. Die nichtmotorisierten AMs kommen in 27,5", in 29" sowie in breiten 27,5" Plus. Bei den E-MTBs dominiert 27,5", meist mit fetten Plus-Reifen um 2,8" Breite.

» Leicht sind die Bikes des Jahrgangs 2018 leider nicht! Die normalen AMs bringen im Schnitt 13,5 Kilo auf die Waage, die E-MTBs wiegen sogar rund 23 Kilo.

» Die Ausstattungen der Testbikes sind allesamt sehr gut, robuster Machart und dem hohen Preis angemessen.

Punktevergabe und Benotung

Jedem MOUNTAINBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punktematrix zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, gibt es die Ergebnistabelle bereits seit der letzten Saison zum Nachlesen. Wie jedes Jahr haben wir die Kategorien 2018 auf die Entwicklungen der Saison angepasst. Für die E­MTBs gibt es eine eigene Punktematrix: Motorleistung und ­charakteristik ersetzen die Punkte Lenkkopfsteifgkeit und Rahmengewicht, die bei den motorisierten Bikes eine untergeordnete Rolle spielen. Auch die Gewichtung haben wie entsprechend angepasst. Gleich ist für beide Kategorien die Maximalpunktzahl 250. Die Höchstnote ist „überragend“. Eine Bewertung, die nur die ganz wenigen Bikes bekommen, die quasi perfekt sind. Im Umkehrschluss bedeutet „gut“, dass das Bike auch wirklich gut und kein Reinfall ist. Die Unterschiede zwischen einem „sehr guten“ Bike mit 220 Punkten und einem „sehr guten“ Rad mit 200 Punkten sind ebenfalls deutlich bemerkbar. Modelle im unteren sehr guten Bereich sind of nicht so ausgewogen, dafür ist eine Charaktereigenschaf wie Downhill oder Vortriebsefzienz bisweilen stark ausgeprägt.

Ganz wichtig: Die jeweilige Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, passen wir auf das Testfeld an. Nur so lassen sich Räder innerhalb der unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen. Der Fokus bei den All-Mountains liegt auf dem Handling und dem Fahrspaß, aber natürlich müssen diese Allrounder per Defnition in allen Bereichen überzeugen. Rund die Hälfe der Punkte (Gewicht(e), Ausstattung, Verarbeitung/Sonstiges) resultieren aus Laborergebnissen und der Analyse unserer Techniker. Die anderen Punkte berechnen sich aus den (nicht abgebildeten) Einzelnoten der vier Testfahrer aus dem Praxistest. Logo, das Bike mit den meisten Punkten erhält den Testsieg. Zudem vergeben wir einen zusätzlichen Tipp für das oder die Bike(s) mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.

Foto: MOUNTAINBIKE

Der MOUNTAINBIKE-Profiler

Das Spinnennetz in unseren Testbriefen zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum
eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafk auf.
Die jeweiligen Eigenschafen wie Up- oder Downhill sind meist
gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profl das Bike aufweist. Die Beispielgrafk zeigt ein eher
abfahrtslastiges Bike mit potentem Fahrwerk – keinen wuseligen Sprinter. Und das versteckt sich hinter den Begriffen:

  • Uphill/Vortrieb bzw. Vortrieb/Motor: Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profl ebenso wie die Rollfreudigkeit von Laufrädern/Reifen. Bei den E-MTBs haben wir hier auch den Motor mit einbezogen.
  • Downhill: Ein sicheres Handling ist das A und O, damit ein Bike bergab performt. Dazu ?ießen die Federung sowie einige Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen in das Downhill-Profl ein.
  • Ausstattung: -... umfasst sämtliche Parts wie Schaltung, Antrieb, Federelemente, Laufräder, Reifen oder Anbauteile à la Sattel, Griffe, Cockpit. Aber wir bewerten auch gelungene und innovative Detaillösungen.
  • Rahmen/Fahrwerk: Ein top gemachter Rahmen mit Gewicht, hohen Steifgkeiten und perfektem Fahrwerk bildet die Basis für das perfekte Bike.
  • Laufruhe: Hohe Spurtreue bringt Sicherheit bergab, kann unter Umständen aber ins Träge kippen, speziell wenn der Profler einen geringen Ausschlag zeigt in Sachen Wendigkeit.
  • Wendigkeit: Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Ein Ausschlag nur in diese Richtung (ohne hohen Ausschlag bei Laufruhe) lässt jedoch auf Nervosität schließen.
  • Robustheit: Liegt der Fokus bei Rahmen und Parts auf Leichtbau, sondern auf Solidität, steigt der Ausschlag der Grafk. Der Gegenpart ist Leichtbau.
  • Geringes Gewicht: Niedriges Rahmen-, Parts- und Gesamtgewicht lassen auf ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike schließen.
Foto: Redaktion

MTB-Steifigkeiten und Gewichte

Die Lenkkopfsteifgkeit ist für das Kurvenhandling ein wichtiger Wert. Ist der Lenkkopf zu weich, reagiert das Bike nicht so präzise auf die Steuerimpulse des Fahrers. Werte über 60 Nm/° sind auch für schwere Fahrer ausreichend. Das Specialized erreicht den grünen Bereich nur knapp, was in der Praxis aber kaum bemerkbar war.

Ein All-Mountain mit einem Teil- oder Vollcarbonrahmen sollte in der aufgerufenen Preisklasse die 12 kg knacken, um voll zu punkten. Das scha?t im Testfeld kein Bike. Das Durchschnittsgewicht liegt schon um 13,5 kg, was zum Teil auch der schweren Gravitylastigen Ausstattung der Bikes geschuldet ist.

Gewichte in GrammkomplettRahmen GabelLaufräder
Modell
Cannondale13 480331517904706
Rocky Mountain13 105272219474995
Scott13 490292920034438
Specialized14 360294020245091
Trek13 320298520574664

Foto: Redaktion

E-MTB: Gewicht und Schwerpunkt

Die Tabelle zeigt das Gewicht, die Gewichtsverteilung sowie die Höhe des Schwerpunktes der E-MTBs. Warum diese Werte? E-Bikes wiegen über 20 kg, was das Fahrverhalten deutlich beein?usst. Ein niedriger Schwerpunkt wirkt sich positiv auf die Wendigkeit aus: je tiefer, desto besser lässt sich ein Bike in Kurven legen. Die Gewichtsverteilung gibt Hinweise, ob das Rad eher front- oder hecklastig steuert.

Gewicht komplettGewichtsverteilungSchwerpunkt
ModellvornehintenHöhe
Cannondale23 280 g47,5 %52,5 %500mm
Rocky Mountain22 280 g48,9 %51,1 %505mm
Scott 23 400 g49,5 %50,5 %513mm
Specialized22 370 g48,7 %51,3 %493mm
Trek23 720 g49,7 %50,3 %490mm

Foto: MOUNTAINBIKE

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

1 Rahmen und Fahrwerk: Die E-MTB Rahmen im Test sind meist aus Aluminium, Rocky und Specialized verwenden am Vorderrahmen Carbon. Die unmotorisierten Bikes besitzen alle einen Carbon-Hauptrahmen, am Rocky ist der Rahmen komplett aus Carbon. Die Fahrwerke haben standesgemäß um 150 mm Federweg.

2 Radstand: Je länger er ist, desto laufruhiger/träger wird das Bike. Je kürzer, umso wendiger/nervöser. Die Radstände der klassischen All-Mountains pendeln sich bei Rahmengröße L um 1200 mm ein. Die E-MTBs sind aufgrund deutlich üppigerer Kettenstreben of 30 bis 40 mm länger und entsprechend sperriger im Handling.

3 Kettenstrebenlänge: Kurze Streben um 430 mm verleihen dem Bike Drehfreude. Lange um 445 mm machen es träger/ laufruhiger – allerdings steigt die Front dafür bergauf später. Bei E-MTBs ist es durch die Mittelmotoren schwer, das Heck kurz zu halten, gelingt aber immer besser. Cannondale und Rocky bauen z. B. sehr kurze E-MTB-Hinterbauten, was ein fast „normales“ Handling garantiert.

4 Sitzwinkel: Egal ob MTB oder E-MTB: Um sinnvoll von oben ins Pedal zu treten, sollte der Winkel mindestens 74–75° betragen. Ein steiler Winkel verlagert das Körper gewicht zur Front – gut für steile Uphills.

5 Lenkwinkel: Flache Lenkwinkel liegen im Trend, sie generieren hohe Laufruhe bei Highspeed – bei gemächlichem Tempo kann es aber kipplig werden. Ein steilerer Winkel bringt mehr Agilität, mitunter aber auch Nervosität. Um 66–66,5° ist bei den (E-)All-Mountains aktuell angesagt.

6 Oberrohr: Je länger das Oberrohr, desto sportlich-gestreckter sitzt der Fahrer. Je kürzer, desto kompakter.

7 Reach: Der Reach (Abstand Tretlager mitte–Steuerrohr oben) bezeichnet die Reichweite im Stehen. Ein langer Reach „stellt“ den Fahrer besser ins Bike, macht das Rad tempofest, mitunter aber unhandlicher. 450–460 mm (Größe L) sind für uns optimal. Immer mehr AM-Fullys liegen inzwischen aber darüber.

8 Cockpit: Eine modern-lange,flache Geometrie erzwingt einen kurzen Vorbau und einen breiten Lenker. Ideal fnden wir an einem All-Mountain in Größe L: 50–60 mm Vorbaulänge, 780 mm Lenkerbreite.

9 Laufrad/Reifen: Breite Felgen mit bis zu 30 mm Innenbreite und stabile Reifen um 2,35" mit superbissigem Profl liegen bei All-Mountains im Trend. Bei E-MTBs sind vermehrt 2,8"-Plus-Reifen im Einsatz mit Vor- und Nachteilen – siehe Testbriefe.

10 Bremsen: Je größer die Scheibe, desto standfester und besser dosierbar sind die Bremsen. 180 mm vorne/hinten sind bei All-Mountains P?icht. Besser wären vorne 200 mm. Bei E-MTBs ist das ein Muss.

Punktevergabe MTB

Foto: Redaktion

Punktevergabe EMTB

Foto: MOUNTAINBIKE
TestergebnisPunktzahl
Schwachbis 149 Punkte
Befriedigend150-174 Punkte
Gut175-199 Punkte
Sehr gut200-224 Punkte
Überragend225-250 Punkte

Cannondale: Trigger 2 vs. Moterra LT1

Ungewöhnliche technische Ideen sind die DNA von Cannondale. Am Trigger ist es der Hinterbau: Dieser ist asymmetrisch und erlaubt kurze Kettenstreben: 420 mm. Die Formsprache des Moterra LT1 fällt ebenso auf. Den Akku entnimmt der Fahrer nach unten, der eigentlich platzraubende Bosch-Motor sitzt gedreht im Rahmen. Auch das ergibt ein, für E-MTB-Maßstäbe, kompaktes Bike. Also aufgesattelt, zuerst auf das klassische Bike, das Trigger. Das zeigt sich wie erwartet extrem wendig, hängt beim Kurventanz die komplette Konkurrenz ab – inklusive seines E-Pendants. Wiesel?ink zwirbelt das US-All-Mountain durch den Wald, setzt dank kurzem 45-mm-Vorbau und steifem CarbonRahmen Lenkimpulse gierig um. Der ?ache Lenkwinkel, der lange Reach und die souveräne 150-mm-Fox-Gabel geben Sicherheit, die erst bei extremem Highspeed wegen des kurzen Hecks verloren geht.

Der 145-mm-Hinterbau erschien uns bei schnellen Schlägen zunächst leicht leblos. Mit weniger Druck im Dämpfer (also mehr Sag) arbeitet er besser – und passt dann auch zum super funktionierenden, per Lenker-Remote steuerbaren „Gemini“-System, welches den Dämpfer in zwei Kammern teilt. Im „Flow“-Modus gibt das Heck butterweich den ganzen Hub frei, der „Hustle“-Modus reduziert auf 115 mm und macht den Dämpfer progressiver. Ein zusätzlicher Fahrwerksmodus für Gegenanstiege, Zwischenspurts oder Anlieger, wenn ein stabil stehendes Heck gefragt ist. Das leichte Wippen beim Kurbeln unterdrückt der Hustle-Modus jedoch nicht, für lange Kletterpartien braucht es den Plattformmodus am Dämpfer. Obwohl mit 13,5 kg nicht zu schwer, rollt das Trigger etwas träge vorwärts, weil die Minion-Reifen von Maxxis mehr mit Grip, weniger mit Rollfreude glänzen. Auch der Rest der Parts um den tollen X01-Eagle-Antrieb von Sram ist Enduro-würdig.

Und das Moterra? So wiesel?ink wie das Trigger kann es nicht sein, es muss sich unter den motorisierten Bikes in dieser Hinsicht aber nur dem Rocky geschlagen geben. Mit kurzen 445-mm Kettenstreben und tiefem Schwerpunkt ist es für ein E-Bike herrlich agil, dreht trotz des zünfigen Gewichts (23,5 kg) gut. Den nach unten rausnehmbaren Akku schützt Cannondale mit einem Gummiüberzug – sehr löblich. Beim Display setzen die US-Amerikaner auf die kleine Bosch-Purion-Anzeige. schmeidig über den Trail. Der Fahrer steht dabei ideal ausbalanciert im Bike, das sich dank 160-mm-Fahrwerk und 66,5° ?acher Front schluckfreudig und spurtreu zeigt. In verblocktem Terrain liegt es gar sicherer und satter auf dem Trail als sein „normaler“ Bruder, bei Highspeed eh. Auch die massiven Parts, etwa mit Enduro-Reifen von Schwalbe, schenken massig Grip und enorme Präzision in Kurven. Trotzdem klettert das Moterra zielstrebig, sucht sich angetrieben vom temperamentvollen Bosch-CX-Motor bergauf seine Bahn. Der Fahrer sitzt dabei komfortabel, gut über dem Tretlager und genießt entsprechend auch bergauf echte Flow-Gefühle.

Fazit: Egal ob klassisches Trigger oder motorisiertes Moterra – Cannondale hat Wert auf agiles, wendiges Handling gelegt, das Trigger beeindruckt mit enormem Spielwitz! Doch auch das Moterra dreht sich behände über den Trail, liegt dazu bergab bombensicher – anders als das Trigger. So oder so: zwei starke All Mountains.

Rocky Mountain: Altitude C70 vs. Altitude Powerplay C70

65°-Lenkwinkel, 427-mm-Kettenstrebe, 457-mm-Reach, 160/150-mm-Federweg – das sind die Geometriedaten des Rocky Altitude in Größe L. Und es sind auch die Werte des Altitude Powerplay. Die Geos von E- und Non-E-Bike sind fast identisch! Rocky verspricht daher auch ein quasi gleiches Handling. Stimmt’s? Das klassische, für diese Saison neue Altitude kommt beim Blick aufs Datenblatt einem Enduro nahe: gefräßige Maxxis-Pneus, „fette“ Fox-36-Gabel, 1 x11-Gangschaltung und der erwähnte, extrem ?ache Lenkwinkel. Dieser lässt sich mittels Ride9-Chip auf maximal 66° steiler stellen, wodurch man etwas mehr nach vorne rückt, insgesamt sportlicher sitzt und das Handling einen Hauch direkter wird. So oder so: Bergab hängt das Rocky den unmotorisierten Rest des Testes ab. Länge – Radstand 1204 bis 1212 mm – läuft eben. Kombiniert mit dem schluckfreudigen Fox-Fahrwerk, bügelt das Rocky nahezu alles platt und hält die Spur sicher. Das kurze Heck verpasst dem Bike dabei Spieltrieb, wenngleich die enorme Agilität des Cannondale fehlt

Die erreicht naturgemäß auch das Powerplay nur im Ansatz. Den anderen EMTBs fährt es trotzdem in Sachen Wendigkeit um die Ohren, ist selbst im Vergleich zum Moterra ein famoser Kurventänzer. Dabei sitzt man genauso zentralkomfortabel über dem Tretlager positioniert wie auf dem normalen Altitude, steht bergab dank langem Reach ebenso sicher im Bike. Das Zusatzgewicht von Akku und Motor ändert das Fahrverhalten dennoch (in Summe ist das Carbon-E-MTB mit 22,3 Kilo aber in Relation leicht), verlangt in Kurven mehr Krafeinsatz vom Fahrer. Auf der anderen Seite liegt das Powerplay bei Highspeed wegen des tiefen Schwerpunkts sogar noch sicherer als sein unmotorisiertes Gegenstück, lässt sich von den Sram-Guide-Bremsen nur schwer stoppen, während das mächtige Fox-Fahrwerk den Trail glättet. Möglich wird der erstaunliche E-Fahrspaß durch den hauseigenen Motor. Der sitzt eng am Tretlager, greif mit eigenem Antriebsrad in die Kette, während der Fahrer mit einer klassischen Race-Face-Kurbel seine Watt-Power beisteuert. Berghoch schiebt das Powerplay-Aggregat nicht so homogen wie ein Shimano- oder Brose-Antrieb, aber auch nicht so katapultartig wie der Bosch-Motor an – wobei die Front im Steilen etwas unruhig wird.

Auch das unmotorisierte Rocky brilliert nicht als Kletterexperte, trotz besagt sehr guter Sitzposition. Mit 13,1 Kilo ist das Carbon-Fully zwar das leichteste Testbike, ein Fliegengewicht ist es dennoch nicht. Dazu glänzt der viergelenkige Hinterbau bergauf zwar mit Traktion, verschenkt aber auch Kraf, weil er nicht ganz antriebsneutral arbeitet. Auch die eingeschränkte Bandbreite des qualitativ starken 1 x 11-XT Antriebs von Shimano ist nicht ideal für steile, lange Rampen.

Fazit: Super, Rocky glückt dank hauseigenem Motor das Kunststück, zwei All-Mountains mit quasi identischer Geo anzubieten: mit Motor oder ohne. Beide Bikes überzeugen, haben ihre Stärken jeweils bergab. Das Powerplay überrascht dazu mit richtig viel Fahrspaß – das beste E-MTB im Vergleich!

Scott Genius 710 vs. E-Genius 700 Tuned

Gleicher Name, gleiche Formsprache, dazu jeweils 2,8" breite Plus-Reifen, identischer Federweg und dieselbe, geniale Fahrwerksverstellung – auf den ersten Blick wirken Genius und E-Genius wie aus einem Guss. „On Trail“ aber sind die Unterschiede doch groß, speziell beim Handling. Und beim Fahrspaß.

Hier hat Scott es nicht ganz geschafft, dem E-Genius das mitzugeben, was das brandneue, unmotorisierte Genius zum absoluten Topbike macht. So ist das E-Genius trotz moderner Frontpartie (sehr ?acher 65°-Lenkwinkel, üppiger Reach) ein mächtig großes, über 23 Kilo schweres Fahrrad klassischer E-MTB-Prägung, das sich wegen der sehr langen Kettenstreben und des hohen Schwerpunkts eher behäbig in die Kurven legt. Klar, bei Highspeed bergab liegt es wie ein Brett, bügelt mit mächtigem Fox-Factory-Fahrwerk selbst härteste Schläge weg. Sobald die Fahrt aber langsam wird, enge verzwickte Kurven warten, muss der Fahrer ordentlich am Volant arbeiten. Das Handling ist zwar absolut gesehen nicht schlecht, aber nicht auf der Höhe der E-MTBs von Rocky, Cannondale oder Specialized. Und schon gar nicht mit dem normalen Genius vergleichbar. Denn Letzteres ist ein tolles Bike. Scott setzt zwar auch hier auf ein Höchstmaß an Laufruhe, streckt den Hauptrahmen mit 472 mm Reach, ?acht den Lenkwinkel auf 65,5° ab. Allerdings kombiniert mit 437 mm kurzen Kettenstreben, edlem Carbon-Rahmen und trotz 27,5 Plus leichten Carbon-Laufrädern. Das kombiniert, ergibt ein perfekt ausbalanciertes Bike. Sicher und stabil bei Highspeed, agil in Kurven. So ?ink und direkt wie das Cannondale Trigger zirkelt das Genius nicht über den Trail, aber immer noch äußerst behände und spaßig – wobei Plus-Reifen Geschmackssache sind (das Genius kann optional mit29er-Laufrädern gefahren werden). Das Fahrwerk zeigt nicht ganz die brachiale Schluckfreude des E-Genius, arbeitet aber sauber und unauffällig.

Bergauf wippt der Hinterbau bei beiden Scotts in offenem Modus spürbar. Sobald per Remote der Traction-Mode (Federweg auf 100 mm verkürzt/mehr Progression) eingeschaltet ist, steht das Heck beim Pedalieren aber stabil bei im mer noch guter Traktion. Dann wird das unmotorisierte Genius zum Klettermax, stets zielstrebig, immer ohne steigendes Vorderrad. Der Fahrer sitzt dabei leicht gestreckt, aber noch komfortabel und gut über dem Tretlager. Jeder Pedalhub wird in Vortrieb umgesetzt. Das läuft trotz 13,5 Kilo Gewicht – fast so gut wie mit Motor. Apropos: Am E-Geniusschiebt der beliebte und geliebte Shimano-Antrieb mit, der einmal mehr nicht mit allerhöchster Power, aber dafür mit exzellenter Fahrbarkeit überzeugt. Die Ausstattung ist an beiden Genius top. Leichte Laufräder, Shimano-XTSchaltung (am E-Genius sogarelektronisch), seriöse Bremsen, super Reifen.

Fazit: Genius gleich Genius? Nicht ganz, das klassische All-Mountain konnte uns noch mehr überzeugen, ist in Sachen Handling und Bergabspaß ein wahres Genie, klettert zudem geschickt. Das E-Genius ist im Handling merklich träger, weiß dafür mit maximaler Fahrsicherheit und feinem Motor zu gefallen.

Specialized Stumpjumper FSR Expert 29 vs. Turbo Levo FSR Expert 6 Fattie

Organische Formen, aufregende Linienführung und ein Höchstmaß an Integration: Wer ein Specialized kauf, erwirbt ein Designerstück. Das gilt für das Stumpjumper FSR – für viele wohl das AllMountain schlechthin – und vielmehr noch für das Levo. Als eines der ersten E-MTBs überhaupt begeisterte es vor zwei Jahren mit elegant implementiertem Motor und Akku, mit einer dem normalen MTB ähnelnden, zwischen Anmut und Aggressivität pendelnden Optik. Und typisch Specialized: Stumpjumper wie Levo sind auch in diesem Test alles anders als „normal“. So rollt das Stumpi auf 29"-Laufrädern mit 2,6" breiten Schlappen. Alternativ würde auch 27,5 x 2,8" passen. Jeweils dicke Dinger, die der Fahrer mit deutlichem Nachdruck durch die Kurve führen muss. Das gefällt dennoch, weil die kompakte, aber top ausbalancierte Geometrie mit (für 29er) kurzen 437-mm-Kettenstreben und heutzutage ungewöhnlich steilem 67,5° Lenkwinkel viel Spieltrieb generiert. So lädt das US-Fully freudig zum Kurventanz, der nur wegen der schweren Räder/ Reifen hin und wieder zum gediegenen Walzer wird.

Dafür verleihen die breiten Pneus enorme Sicherheit, sie fressen sich genüsslich in den Boden, schnupfen so manche Wurzel weg. Den Rest erledigt das 150-mm-Fahrwerk, das nicht besonders sensibel, aber aktiv arbeitet. Perfekt ist der Viergelenker im Vorwärtsgang: Der Hinterbau steht antriebsneutral im Hub, gibt bei Unebenheiten sanf nach, bringt so massig Traktion auf den Boden. Dabei sitzt man komfortabel, tritt schön von oben auf die Kurbel der breitbandigen Eagle-GX-Schaltung (1 x 12) von Sram. Ein bisschen wird so überspielt, dass das mit 14,3 kg zu schwere Carbon-Bike eher träge aus den Puschen kommt.

Eine Ausgeburt an Spritzigkeit ist auch das Levo nicht – kein Wunder bei 22,4 Kilo. Der von Brose adaptierte Motor birgt zudem nicht die schiere Kraft eines Boschs, unterstützt dafür fast lautlos, sanft, lässt dem Fahrer ein natürliches Pedaliergefühl – super angenehm! Wie überhaupt: Das Levo fährt sich einfach schön, erinnert im Handling stark ans Stumpi, trägt dessen Fahrspaß-Gene. Der Hauptrahmen ist ebenso kompakt und ausgewogen gezeichnet. Das Levo geht direkt auf die Impulse des Fahrers ein, lässt sich für ein E-MTB willig in die Kurven legen, ohne ganz die Drehfreude des Rocky Powerplay zu erreichen. Und den – beim Levo obligatorischen – 27,5-PlusReifen fehlt ein Schuss Präzision. Dafür bieten sie zusammen mit dem ?achen 66,5°-Lenkwinkel viel Sicherheit und Komfort. Das Fahrwerk funktioniert zuverlässig, aber nicht harmonisch: Die sensible Öhlins-Federgabel saust eher linear durch den Hub, vermittelt nicht die Reserven des schmatzigen Hecks. Typisch Specialized: Die Parts an Levo und Stumpi sind der Fahrfreude, nicht dem Bling-Bling verp?ichtet. Stimmig gewählt, dem Einsatz gerecht, weniger edel.

Fazit: Spaßgaranten! Mit Stumpjumper und Levo legte Specialized die Latte in Sachen Fahrdynamik und Design hoch, beide Bikes überzeugen auch heuer als sehr drehfreudige, in sich stimmige, wunderbar komfortable und für jedermann zugängliche All-Mountains – kleinen Schwächen zum Trotz.

Trek Remedy 9.8 vs. Powerfly 9 LT Plus

Länge läuft! Traditionell baut Trek recht gestreckte Bikes, die mit viel Laufruhe und Fahrsicherheit auftrumpfen, dabei aber nie mit Beweglichkeit geizen. Auch das Remedy als bergabverliebtes 27,5"-All-Mountain mit 160/150 mm Federweg und das Powerfly als sein 150-mm-E-MTB-Pendant gehören – in Relation zur Rahmenhöhe – zu den Langschiffen im Test. Und das merkt man, im Positiven (Remedy) wie im Negativen (Power?y). Länge läuft! Traditionell baut Trek recht gestreckte Bikes, die mit viel Laufruhe und Fahrsicherheit auftrumpfen, dabei aber nie mit Beweglichkeit geizen. Auch das Remedy als bergabverliebtes 27,5"-All-Mountain mit 160/150 mm Federweg und das Powefly als sein 150-mm-E-MTB-Pendant gehören – in Relation zur Rahmenhöhe – zu den Langschiffen im Test. Und das merkt man, im Positiven (Remedy) wie im Negativen (Powefly).

Aber der Reihe nach: Mit mächtiger Lyrik-Federgabel und generell „Gravitylastigen“ Parts (Bremse mit sehr großen Scheiben, Sram-GX-Eagle-Schaltung mit 12 Gängen, robuste Bontrager-Parts) präsentiert sich das Remedy schon fast als reinrassiges Enduro, das in der Kategorie der Alleskönner dennoch locker mitpedaliert. Mit 13,3 Kilo ist es nicht zu schwer – aber auch nicht leicht –, zudem versprüht es viel Vortriebswillen. Man sitzt sportlich, leicht gestreckt über der tiefen Front, optimal über dem Tretlager positioniert. Angenehm leichte Alu-Laufräder mit rollfreudigen Bontrager-Reifen ergänzen den schwungvollen Aufritt, dazu glänzt der 150-mm-Hinterbau mit Trek-eigenem „RE.aktiv“-Federbein mit enormer Antriebsneutralität bei guter Traktion,

Ein RE:aktiv-Dämpfer werkelt ebenso im Powefly, gibt auch da erst bei harten Schlägen seinen ganzen Hub frei, steht ansonsten schön stramm. Zusammen mit der leicht frontlastigen Sitzposition, ultralangen Kettenstreben, traktionsstarken 2,8"-Plus-Reifen sowie krafstrotzendem Bosch-Motor dampf das Trek gnadenlos bergauf, lässt aber auch hier bereits Handlichkeit vermissen.

Bergab setzt sich das fort: Im Vergleich ist es das schwerfälligste, das am wenigsten modern wirkende E-AllMountain. Durch Kurven bewegt sich das Powefly eher unwillig, reagiert auch durch das hohe Gewicht von 23,7 Kilo träge auf Lenkimpulse. Der Fahrer steht dabei hoch über der eigentlich tiefen und steilen (67°-Lenkwinkel) Front, was die Position unangenehm kop?astig macht. Dafür walzt das Trek mit viel Spurtreue über gerade Trail-Abschnitte, liegt auch bei Highspeed sicher. Auch weil das Fahrwerk schluckfreudig mit arbeitet. Die Fox-36-Gabel glänzt trotz preisgünstiger Performance-Ausführung mit Sensibilität und satten Reserven, der Hinterbau wirkt bei kleineren Unebenheiten dagegen etwas straffer, hat aber reichlich Reserven. Auch am Remedy liebt die Heckfederung die harte Gangart, um ihre hohen Reserven zu zeigen – aber die steht dem Bike eh perfekt. Mit ?achem 65,5°-Lenkwinkel und dem angesprochen langem Radstand gleitet es mit viel Spurtreue über den Trail, giert bergab förmlich nach Tempo. So viel Drehfreude wie Altitude oder Trigger bringt es nicht mit, kommt aber ?ott um die Kurven, trittstets mit viel Zug wieder an.

Fazit: Auch wenn sich Remedy und Powerfly in ihrer Formsprache ähneln – auf dem Trail sind es ungleiche Geschwister. Während das Remedy mit rundum gelungenen Fahreigenschaften auftrumpf, bergab wie bergauf voll überzeugt, lässt der sehr lange Zuschnitt des Power?ys zu viel Agilität vermissen.

Alle Bikes auf dem Test in der Übersicht:

12.03.2018
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE