15 Supertourer im großen Vergleichstest

Rahmengewicht: Carbon schlägt Aluminium

Im Mittel notiert das Labor die Rahmengewichte bei 2800 Gramm. Kein Sensationswert, manches All-Mountain-Chassis ist leichter.
Zu den getesteten Produkten

Deutlich unter dem Testdurchschnitt liegt mit 2500 g der Ghost-Carbon-Rahmen – bei guten Steifigkeitswerten und somit ein Fingerzeig in die Materialzukunft der Touringbikes. Das steifste Chassis indes ist noch immer aus Alu und kommt von Bergamont: Mit 254,9 Punkten sind die Steifigkeiten am Contrail die höchsten, gefolgt von Rose und Felt.

Die geringen Lenkkopfsteifigkeiten von Cannondale und Rotwild stellen keinen direkten Anlass zur Sorge da, sie fielen im Testbetrieb nicht auf. Allerdings: Schwere Fahrer, die gern mit voll gepacktem Rucksack in anspruchsvollem Gelände unterwegs sind, unterziehen diese Bikes vor einem möglichen Kauf besser einer Probefahrt. Das beste Verhältnis aus Rahmengewicht und -steifigkeit (= SGI-Wert) erzielt das Rose (89,5), dicht gefolgt vom Bergamont (87,6).

Hohes Niveau auch in der Praxis

Eine gute Rahmenbasis macht indes noch kein in seinen Fahreigenschaften komplettes Tourenbike. Erst das Zusammenspiel eines antriebsneutralen, effizienten und trotzdem feinfühligen Fahrwerks mit einer ausgewogenen, Fahrsicherheit vermittelnden Geometrie ergibt in der Praxis ein geschlossenes Gesamtkonzept.

Erfreulich dabei: Das Niveau der Kinematiken ist fast ausnahmslos hoch, die Hinterbauten meist auf „Anti-Squat“ (Wippunterdrückung) getrimmt. Dies macht den steten Griff zu Plattform- oder Lockout-Hebel obsolet, bestätigt erneut den „Keep it simple“-Ansatz.

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Die Hinterbauten am Cannondale und Votec enttäuschen, verhindern so das „sehr gut“. Anders die „Causa Steppenwolf“: Beim Tundra überzeugt das Fahrwerk, das nervöse, unpräzise Handling verhagelt die bessere Note.

Apropos Zusammenspiel von Fahrwerk und Handling. Hier glänzen BMC, Ghost und Trek zwar grundsätzlich als Allrounder, besitzen dank ihrer satten Fahrwerke aber speziell bergab und im groben Gelände ausgeprägte Stärken, kratzen fast an der Herrschaft der All-Mountains.

Dass andererseits auch ein straffes Sportfahrwerk bei einem Allrounder Sinn machen kann, zeigt exemplarisch das her­ausstechende Radon, bei dem die Race-las­tige Geometrie gekonnt mit größtenteils tourentauglichen Parts gekreuzt wurde – nur die 2-fach-Kurbel macht wie am Votec alpine Abenteuer zur Kraftprobe.

Als gewiefteste Alleskönner trumpfen das quirlig-lebendige Bergamont, das ausgewogene Rotwild und nicht zuletzt das Canyon auf. Speziell beim Nerve XC darf das Credo gelten: aufsitzen, reintreten und Fahrspaß erleben – egal in welcher Geländesituation! Eine neue Tür in Sachen Fahrspaß eröffnet den 120-mm-Tourern das mit erstaunlich hohen Trailfertigkeiten ausgestattete, wuselige Specialized.

16.03.2011
Autor: Florian Storch
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2011