MTB-Test: Elf schnelle 29er-Hardtails aus Carbon

Praxistest: Hoher Spaßfaktor auf dem Trail

Bergauf gefielen alle Bikes mit der zu erwartenden hohen Traktion, dennoch kraxeln nicht alle 29er-MTBs per se gleich stark.
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So klettert das Cannondale nahezu gämsenhaft jedes Steilstück hinauf – kein steigendes Vorderrad, top Vortrieb! Ebenfalls vorbildlich ziehen Bergamont, Lapierre, Niner und Trek bergan.

Scott und Rocky Mountain "lupfen" die Front leicht, lassen sich aber dank ausgewogener Geometrie nicht aus der Ruhe bringen. Anders das Simplon, dessen eher hohe Front an Stufen zum Steigen neigt – in Kombination mit dem nervösen Lenkverhalten fordert das Razorblade volle Konzentration.

Top: Dank bis zu 700-Millimeter breiter Lenker lassen sich die meisten Bikes im Wiegetritt easy von links nach rechts wuchten. Einzig das Niner fällt mit schmalem 630er-Lenker ab.

Fast alle Hersteller mit Zweifach-Kurbel und Zehnfach-Kassette

Stichwort kletterfreundliche Übersetzung: Bis auf Merida mit Dreifach-Shimano-Kurbel (42/32/24) setzen alle Hersteller race-üblich vorne auf zweifach mit Zehnfach-Kassette (11–36). Bei der Wahl der Kettenblätter sollte indes der große Radumfang beachtet werden, denn dieser kostet am Berg mehr Körner.

Nur Scott und Lapierre verbauen eine kraftsparende 38/24-Kurbel von Sram. Der Rest bietet entweder eine Sram-Kurbel mit 39/26 Zähnen oder eine Shimano-XT-Kurbel mit 38/26 Zähnen – schlecht für weniger gut Trainierte.

CC- und Marathon-Profi Thors­ten Marx warnt daher: "Mit dicker Übersetzung kann es an steilen Stichen echt mühsam werden." Er empfiehlt ein 24er-Kettenblatt.

Und wie schlagen sich die 29-Zöller auf schnellen Trails?

In den fürs Mittelgebirge typischen schnellen Abfahrten auf Trails und Forstwegen spielen die 29er mit hoher Laufruhe und Spurtreue ihre Trümpfe aus. Allerdings verlangen speziell das etwas nervöse Simplon sowie das Felt eine ruhige Hand.

Das Ami-Bike stößt mit seiner 80-Millimeter-Gabel schnell an seine Grenzen. Das Bergamont wiederum eroberte mit hoher Agilität die Herzen im Sturm, die kurzen Kettenstreben machen es zum Kurvenwunder. Suchtgefahr verströmen auch das Cannondale und Trek, weil beide ausgewogen und gutmütig den Kampf mit dem Geschlängel zum Freudenfest machen.

Von Race bis Tour: Das Cannondale glänzt als top Allrounder und sichert sich souverän den Testsieg. Eingefleischte Racer werden bei Trek fündig – trotz etwas Übergewicht, das das Superfly knapp das "überragend" kostet. Der MountainBIKE-Kauftipp geht an das auch preislich attraktive, flink-verspielte Bergamont.

13.02.2012
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 01/2012