16 Bikes bis 2.000 Euro im MTB-Familienduell

Im Duell: Specialized Stumpjumper HT Comp vs. Camber FSR Elite

Wenn der Rudelführer auf einen Emporkömmling trifft, rauscht es gemeinhin im Buschwerk. Und auch das Specialized-Duell verspricht mit dem legendären Stumpjumper-Hardtail und dem taufrischen 120-mm-Fully Camber knis­terndes High-Noon-Feeling.
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Foto: Benjamin Hahn Specialized Stumpjumper HT Comp

Specialized Stumpjumper HT Comp

Aber: Bereits die Grundausrichtung der US-Bikes zeigt, dass sich diese nur selten ins Gehege kommen. Mit Flatbar, Minidisc im Heck (ab Größe L 160 mm) und Wettkampfreifen am Hinterrad verströmt das Stumpi den Schweiß der Rennstrecke – das Camber preist das Specialized-Marketing hingegen als „Trailbike pur“ an.

Beim Blick auf dessen Ausstattungsliste werden potenzielle Käufer jedoch schlucken: Alivio-Schalthebel sind für ein 1800-Euro-Bike (k)ein starkes Stück – positiv überraschend, dass die Billig-Shifter im Test knackiger funktionierten als ihre Deore-Pendants. Zudem versteckt sich die Güte der Camber-Parts im Detail: So entstammen etwa Griffe und Sattel wie beim Stumpi dem hauseigenen Ergonomieprogramm und sind schlichtweg herausragend – im Gegensatz zu den wenig berauschenden Steifigkeiten.

Foto: Benjamin Hahn Specialized Camber FSR Elite

Specialized Camber FSR Elite

Die Wahrheit liegt indes auf dem Trail, und dort schlägt das Camber dank genial ausbalancierter Geometrie und tief ins Rad zentrierter Position Haken wie ein liebestolles Karnickel. Es fiebert nach Herausforderungen, bleibt dabei easy kontrollierbar – mehr Fahrspaß fürs Geld scheint schwer möglich!

Zumal das Camber kein Sprintstar, aber dank steilem Sitzwinkel ein gewiefter Kletterer ist. Erstaunlich zudem, was die FSR-Kinematik aus dem sonst oft leblosen Ario-Stoßdämpfer kitzelt: Samtig spricht der Viergelenker an, bietet stete Traktion ohne starke Antriebseinflüsse – nutzt jedoch den Hub nicht immer optimal aus.

Und das Stumpjumper? Alles am 10,5-Kilo-Hardtail frönt dem Vortrieb, bergauf ist es trotz top Konkurrenz (Cube, Scott) einsame Spitze. Zudem quirlt es mit messerscharfem Handling durchs Gelände: agil, spritzig, ein echtes Energiebündel. Auch im Downhill bleibt das Stumpi überraschend locker auf Medaillenkurs, gefällt mit hohem Rahmenkomfort – nur die 90 mm Hub der Federgabel wirken antiquiert.

Fazit

Trailspaß hüben, Rennfreude drüben – die Wahl zwischen den beiden (feinen) Specialized-­Bikes fiel der MB-Crew schwer. Das Stumpi ist das „spitzere“ Rad.

24.05.2011
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2011