16 Bikes bis 2.000 Euro im MTB-Familienduell

Im Duell: Merida Twenty-Nine Lite 1800-D vs. One-Twenty 1200-D

Kein Duell wie die anderen, aber voll im Trend: Bei Merida tritt ein 29“-Hardtail gegen die Fully-Konkurrenz an.
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Foto: Benjamin Hahn Merida Twenty-Nine Lite 1800-D

Merida Twenty-Nine Lite 1800-D

Mit der Kernfrage: Machen die Riesenräder die Traktionsnachteile des Hardtails gegenüber der Vollfederung wett? Und, so viel vorweg: Ja, sie tun‘s!

Doch der Reihe nach: Zunächst fällt die in vielen Bereichen identische und bis auf die harten Reifen gelungene Ausstattung auf – beste Vor­aussetzungen für ein Duell auf Augenhöhe. Selbst das Gesamtgewicht differiert nur um 900 g, wobei das One-Twenty im Fully-Vorderfeld landet, das Twenty-Nine das Hardtail-Schlusslicht markiert. Kein Wunder, die 29“-Parts (Laufräder, Reifen, Gabel) wiegen mehr als ihre 26“-Pendants.

Aufgrund des höheren Gewichts und der größeren Kreiselkräfte der Laufräder benö­tigt das Twenty-Nine mehr Kraft zum Zwischensprint, hält die Geschwindigkeit dafür besser und bietet im Gelände für ein Hardtail ungeahnte Traktion. Steine? Wurzeln? Rillen? Augen geradeaus und einfach drüberrollen!

Und das alles kombiniert mit einer ungemein entspannten Sitzposition: Tief ins Rad integriert, fühlt man sich als eine Art Mensch-Maschine. Gut: Rasche Kurvenwechsel bedingen zwar etwas Nachdruck, gelingen dank auf Agilität getrimmter 29“-Geometrie dennoch problemlos.

Foto: Benjamin Hahn Merida One-Twenty 1200-D

Merida One-Twenty 1200-D

Prima eingecheckt fanden sich die MB-Tester auch auf dem One-Twenty wieder – nur der Versatz der Sattelstütze erscheint unnötig. Mit vorgeschobenem Sattel stimmen Druck auf Front und Pedal, das Marathon-Fully beschleunigt flink, kraxelt behende und verführt mit ausbalancierter Geometrie zum Trail-Tango.

Aber: Wie beim KTM Lycan überzeugt der M210-Stoßdämpfer von DT Swiss nicht. Zwar spricht er innerhalb der Mehrgelenker-Kinematik fein an und generiert Traktion bergauf – bei schnellen Schlägen neigt er jedoch zum Verhärten.

Im unharmonischen Schlagabtausch mit der super sensiblen, aber früh wegtauchenden Gabel kommt im Groben Unruhe ins Rad. Und das Twentyniner? Fährt dem Fully trotz straffer Gabel ausgerechnet in „dessem Gefilde“ fast mühelos davon, glänzt zudem mit 1A-Komfort!

Fazit

Leichter, deutlich güns­tiger und mit herausragenden Fahreigenschaften: Das Twenty-Nine war für die MB-Crew am Ende sogar das „bessere Fully“.

24.05.2011
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2011