16 Bikes bis 2.000 Euro im MTB-Familienduell

Im Duell: KTM Race Cross vs. Lycan 4.0

Kreuzstabile Aluminium-Rahmen, garniert mit fast ausschließlich Shimano- und Ritchey-Parts – KTM setzt bei seinen Kaufklasse-Bikes meist auf Altbewährtes, stellt Hobby-Marathonisti wie Tourenfans Sorglosigkeit in Aussicht!
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Foto: Benjamin Hahn KTM Race Cross

KTM Race Cross

Und: Zusammen mit dem Specialized-Pärchen tritt das österreichische Doppel mit den jeweils günstigsten Test-Bikes an. Abstriche in der Güte der Parts beim Tourenfully Lycan sind die logische Folge.

Wirklich schmerzlich sind diese aber nur bei der Bremse: Die kraftlosen, breiig zu dosierenden Shimano-M575-Stopper verstören dafür im Gelände umso mehr – trotz der vorbildlich großen 180-mm-Scheiben.

Foto: Benjamin Hahn KTM Lycan 4.0

KTM Lycan 4.0

Ärgerlich, weil das Lycan das Zeug zum Trail-Feger par excellence hat: Voller Drehfreude schwirrt es ums Eck, reagiert auf kleinste Lenkimpulse, saust dabei aufgrund des steilen Lenkwinkels (fast zu) flippig gen Tal. Komm tanz mit mir – dieser Aufforderung folgt auch das Race Cross gerne.

Obwohl für die MB-Tester etwas sperrig (Biker um 175 cm greifen besser zum 17“-Bike), agiert das „bocksteife“ Hardtail wendig und direkt. Der 600-mm-Minilenker fordert jedoch unnötig hohe Konzentration am Volant – speziell im Downhill, wo das KTM dank perfekter Führung der Reba-Gabel, ordentlicher Brems-Power und flacher Winkel eigentlich viele Reserven offeriert.

Beim Canossagang bergauf wird die flache Geometrie indes zum Büßergewand. Druck auf die Front zu geben, das fällt schwer. Folge: Das Vorderrad bekommt zu früh Luft unter die Stollen.

Auch am Lycan-Lenker ist im Uphill ob der höheren Front Körpereinsatz gefragt, das traktionsstarke Fahrwerk hilft aber bereitwillig übers Gröbste hinweg. Bergab tastet der Viergelenker ebenso feinfühlig den Trail ab, macht bei schnellen Schlägen aber spürbar „dicht“.

Aus der MB-Erfahrung heraus funktioniert der per se tolle, schwimmend gelagerte Hinterbau mit Fox-Stoßdämpfer (ab Lcyan 3.0) um Längen besser.

Mit unterschiedlich erfreulichen Ergebnissen verlief auch der Labor-Auftritt der Austria-Bikes. Beiden gemein sind teils exorbitant hohe Steifigkeiten – bei allerdings jeweils etwas zu viel Speck auf den Alu-Rippen.

Fazit

Mehr Komfort trotz nicht ganz ausgeschöpften Fahrwerks-Potenzials: Die MB-Tester würden mehrheitlich zum verspielt-agilen Lycan greifen.

24.05.2011
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2011