Allround-MTB: 10 All-Mountain-Bikes im Test

Rock'n Roll

So haben Sie noch nie gerockt! Die neuen All-Mountain-Fullys aus Carbon versprechen rasante Uphills bei voller Potenz bergab!
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Sie rocken vollgepumpt mit Testosteron jeden Trail. Sie rollen voller Esprit und Dynamik jedem Gipfel entgegen. Und sie sind die neuen Stars der Szene: All-Mountain-Fullys aus Carbon. Aber diese spektakulären Zwitter aus rassiger CC-Feile und federwegsreichem Bügelbrett sorgen auch für Kontroversen, stellen für viele gar den Sinn dieser Kategorie in Frage: Quo vadis, All-Mountain?

Um dem nachzugehen, orderte MB zehn Fullys – fünf aus Voll-Carbon, fünf mit Alu-Hinterbau – der Marke „Traumrad“ in den Test. Bikes, die mit Preisen von 3998 bis 4999 Euro wahrlich heiße Ware sind. Die schmächtige 11,0 bis 12,4 kg wiegen und dabei um 140 mm saftigen Federweg bereitstellen – eindrucksvolle Zahlen!

Und: All diese Kohlefaser-Kunstwerke sind noch ofenwarme Neulinge wie das Cube Stereo, das Lapierre Zesty oder das Trek Remedy sowie grundlegend überarbeitete Fullys wie das Ghost AMR oder das Simplon Dozer. Besser lässt sich der Trend zu diesen federleichten Geländespielzeugen nicht beweisen! Weiterer Beleg? Der Versender Rose schickt mit dem Red Bull Tusk und dem Rose The Janitor gleich zwei frische Carbon-AM in den Test, die von autarken Entwicklungsteams stammen.

Beiden gemein ist nur der Direktvertrieb aus Bocholt, verbunden mit dem versendertypisch aggressiv kalkulierten Preis. „Händlersupport“ wie Probefahrt, Erstmontage und Inspektion gibt‘s indes aber via Postweg nur stark eingeschränkt.

Zurück zur Kategorie All-Mountain. Zurück zu den auch bei den MB-Lesern boomenden Fahrspaß-Fullys, deren Defini­tion es ist, bergauf mit der antriebsneutralen Ausdauer eines Tourenfullys und bergab mit der Maskulinität eines Enduros zu glänzen – gekreuzt mit dem quicklebendigen Handling eines Cross-Country-Flitzers.

Kurzum: Diese Alleskönner stellen die goldene Mitte dar und kommen dem „Ein Rad für alles“-Ideal verdammt nahe – ob für die lockere Hausrunde, den technischen Trailride oder den Alpencross.

Doch sind die hier vorgestellten Carbon-Feilen noch echte AMs? Oder gaukeln sie mit ihren aufregenden Federwegen eine Potenz vor, die sie angesichts ihres „Leichtsinns“ gar nicht haben können?

Fragen, die sich – wie angedeutet – durch den gesamten Test ziehen, angefangen bei den Gewichts-Charts: Rahmen um 2500 g stellen in dieser Konstanz eine neue Dimension in der Federwegsklasse dar, beeindruckende 500 g und mehr sparen die meisten Hersteller mit ihren Carbonframes gegenüber deren Alu-Zwillingen ein.

Möglich machen dies modernste Herstellungsmethoden. So verwendet Cube beim „Twin-Mold“-Verfahren neben der Außenform eine Styropor-Latex-Innenform, um die Carbonfasern auch im Inneren zu kontrollieren. Die Folge: gefährliche Faltenbildung wird verhindert, die Faserdichte erhöht, überschüssiges Harz herausgepresst.

Aufwendig und kostspielig – auch das erklärt das hochpreisige Testfeld. Und es erklärt das harmonische Verhältnis von Gewicht und Steifigkeiten, wie es das Stereo aufweist. Aber auch Ghost, Rocky, Simplon und Trek bieten zumindest am Steuerkopf Werte, die den Alu-Pendants ebenbürtig sind oder diese wie beim Altitude sogar übertrumpfen. Das nimmt Carbon-Skeptikern die Sorge, auf einem windelweichen Bock ins Tal zu schlingern!

Lediglich Ibis und Rose zeigen in dieser Disziplin im Labor Schwächen. In der Praxis fanden die MB-Tester zwar auch diese Trailakrobaten als ausreichend spurtreu, schwere Biker könnten aber Lenkpräzision vermissen.

02.02.2010
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 01/2010