2019er Neuheiten - die besten Mountainbikes schon getestet

Test: Die Top MTB-Bikes für die Saison 2019

Foto: Björn Hänssler Mountainbike Highlighttest 2019 Mondraker Foxy XR Carbon

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Der Jahrgang 2019 steht für den Siegeszug der großen Reifen. Breite 27,5"- und 29"-Laufräder setzen sich auch an abfahrtslastigen Bikes durch und bringen mehr Sicherheit und Fahrspaß auf dem Trail. Wir haben die neuesten Bikes getestet!
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Liteville H-3 MK2 Werksmaschine (2019) 5280 Euro Überragend
Pivot Firebird 29 Pro X01 (2019) 8999 Euro Überragend
Propain Hugene Highend (2019) 6399 Euro Sehr gut
Santa Cruz 5010 X01 CC Reverse (2019) 8499 Euro Überragend
Scott Ransom 900 Tuned (2019) 7499 Euro Überragend
Bold Unplugged (2019) 7200 Euro Überragend
Cube Stereo 120 SL 29 (2019) 2999 Euro Sehr gut
GT Sensor Pro (2019) 5499 Euro Sehr gut
Merida One Twenty 9.800 (2019) 6799 Euro Sehr gut
Mondraker Foxy Carbon RR 29 (2019) 6299 Euro Überragend

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Der Highlighttest - Teil 1

Es gab Zeiten, in denen man sicher sein konnte, was die Cross-Country-Rakete vom Downhill-Boliden unterscheidet: die Laufradgröße. Während es sich die CC- und Tourengemeinde längst auf den großen 29"-Reifen bequem gemacht hatte, waren diese in den abfahrtslastigen Disziplinen als „Traktorreifen“ verschrien. Nur Specialized und wenige Mitstreiter trauten sich ab 2013 an die ungewöhnte Kombination Enduro und 29". Ab 2019 wird aber alles anders. Plötzlich rollen massenhaft langhubige Enduros und All-Mountains mit großen Laufrädern über die Trails. Wer nicht gleich den Sprung zum größeren Laufradmaß wagt, zieht wenigstens Pneus mit mehr als 2,5"-Breite auf die kleinen 27,5"-Felgen.

Exemplarisch dafür steht der erste Teil unseres Highlight-Tests der besten neuen Bikes für die kommende Bikesaison. Fünf Bikes, eines schöner, eines spektakulärer, eines faszinierender als das andere. Eine Trailhardtail mit Plusreifen (Liteville), ein AllMountain (Propain) und zwei Enduros (Pivot, Scott) mit 29"-Laufrädern tummeln sich in unserer Auswahl aus fünf der spektakulärsten neuen Bikes für 2019. Dazu gesellt sich das mit 8500 Euro wahnsinnig teure Santa Cruz. Die Vorteile von großen Laufrädern sind unbestritten. Sie rollen geschmeidiger über Hindernisse, halten die Spur präziser, sind tempofester und haben mehr Grip. Dass sie sich jetzt durchsetzen, liegt daran, dass die Innovationen der letzten Jahre greifen.

Wir reden nicht mehr von den langen, unbeweglichen 29ern alter Tage, die über enge Kehren hinausschossen und Bikes mit kleineren Laufrädern im Kurventanz weit unterlegen waren. Den Ingenieuren ist es dank Boost- (148 mm; Scott, Propain) oder SuperboostAchsbreiten (157 mm; Pivot) gelungen, die Kettenstreben einzukürzen. Am Pivot Firebird 29 und dem Scott Ransom sind die Kettenstreben mittlerweile auf Längen geschrumpf, die man früher von 27,5"-Enduros kannte. Versender Propain hat für seinen langen Pro10-Hinterbau einen Kniff gefunden, den Dämpfer vors Sitzrohr gelegt, um die Kettenstrebe am Hugene auf konkurrenzfähigem Niveau zu halten.

Dank der modernen Geometrien sind die neuen 29er agiler denn je und bringen ihre bekannten Vorteile mit: mehr Fahrsicherheit und mehr Spurtreue – in Addition ergibt das mehr Fahrspaß. Völlig gegen diese Entwicklung stellt sich dieses Jahr Santa Cruz. Ausgerechnet die Marke, die 2018 mit dem Hightower LT und ihrem Racing Team den 29er-Trend in Enduro- und Downhill-Zirkus eingeleitet hat. Die Kalifornier schicken das brandneue 5010 mit 27,5"-Laufrädern ins Rennen. Ein Bike, das aus der Trail- und Tourenecke kommt, in der die kleinen Räder längst als out galten. Aber was wäre ein Trend ohne Hersteller, der gegen den Strom schwimmt?

Der Highlighttest - Teil 2

Das Feilschen ums letzte Gramm scheint vorbei. Lässt man die Cross- Country-Rennmaschinen außen vor, stellt das Gefühl beim überfliegen der letzten Jahrgänge neuer Bikes unweigerlich ein. Bergräder dieses Gefühl beim Über maschinen außen vor, - nehmen wieder an Gewicht zu, weil die Hersteller sie mit immer robusteren Teilen ausstatten und noch mehr Federweg rauskitzeln. Leichtbaufetischisten verteufeln diese Entwicklung ohne Zweifel. Recht haben sie damit nur teilweise: Bissigere Reifen, schluckfreudigere Federgabeln und standfestere Bremsen tun den neuen Bikes beim harten Ritt durchs Gelände nämlich gut. Performance schlägt Leichtbau, heißt die Formel. Dass sie aufgeht, wollen die fünf Topbikes aus dem zweiten Teil unseres Highlight-Tests beweisen.

Wobei das Merida One Twenty 9.800 mit 12,8 Kilo als leichtestes Bike im Feld auf den ersten Blick gar nicht so viele Pfunde auf die Waage bringt. Aber: Das One Twenty ist ein Voll-Carbon-Fully, kostet stolze 6799 Euro und klassifziert sich mit 130/120 mm Federweg als Tourenfully – wo einst die Benchmark von 12 Kilo galt. Auch das GT Sensor mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Hinterbau ist mit 13,8 kg in Relation zum Federweg (130 mm) ein sehr gewichtiges Bike. Gleiches gilt für das Cube Stereo 120 SL 29: 13,7 Kilo sind für einen Tourer schon arg viel, auch mit Alu-Rahmen. Das Mondraker Foxy Carbon RR 29 bringt knapp unter 14 kg auf die Waage – das wäre solide für ein 29er-Enduro, weniger für ein All-Mountain. Das Bike entzieht sich damit seiner alten Kategorie, auch bei den Fahreigenschafen. Nur das Bold Unplugged kann als 29er-Enduro mit 13,8 Kilo in Sachen Gewicht halbwegs überzeugen

Überrascht hat uns, dass die Bikes trotz aller Pfunde ?ott vorankommen. In drei Fällen – Bold, Merida und Mondraker – lässt sich das an toller Antriebsneutralität festmachen. Die Hinterbauten der drei Bikes stehen beim Pedalieren selbst mit offenem Dämpfer hoch im Federweg, wippen (beim Unplugged und beim One Twenty) kaum spürbar oder (beim Foxy) gar nicht. Bei Unebenheiten geben sie dennoch nach, halten das Hinterrad am Boden, sodass es Traktion entfalten kann. Während im Vorwärtsgang und beim Klettern eine hohe Antriebsneutralität das Mehrgewicht teilweise vergessen lässt, sind es bergab die leistungsfähigeren Fahrwerke und gripstärkeren Reifen. Denn eines lässt sich über diese fünf Bikes auf jeden Fall sagen: Sie performen im Gelände besser denn je. Sie liegen mit ihren großen Rädern extrem fahrsicher auf dem Trail, trotzen fast jedem Wurzelund Steinteppich, ziehen spurtreu durch die Kurven. Abfahrtsoptimierte Parts paaren sich mit modernen Geometrien, die das Handling ausbalanciert machen und mit ihren langen Hauptrahmen Selbstvertrauen spenden. Kurzum: Fahrspaß pur!

Foto: Redaktion

Finde dein Idealbike

Das Spinnennetz zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes liegen. Wichtig: Bei den Einzeltests in dieser Ausgabe ist dies je in Relation zum Einsatzbereich/zur Kategorie zu betrachten! Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist eine rundum große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Upoder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profil das Bike aufweist. Die abgebildete Grafik zeigt ein eher abfahrtslastiges Bike mit potentem Fahrwerk – keinen wuseligen Sprinter. Und das versteckt sich hinter den Begriffen:

Uphill/Vortrieb: Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profil ebenso wie die Rollfreudigkeit von Laufrädern/Reifen.

Downhill: Ein sicheres Handling ist das A und O, damit ein Bike bergab performt. Dazu fließen die Federung sowie einige Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen in das Downhill-Profil ein.

Ausstattung: ... umfasst sämtliche Parts wie Schaltung, Antrieb, Federelemente, Laufräder, Reifen oder Anbauteile à la Sattel, Griffe, Cockpit. Aber wir bewerten auch gelungene und innovative Detaillösungen.

Rahmen/Fahrwerk: Ein hochwertig gemachter Rahmen mit geringem Gewicht, hohen Steifigkeiten und perfektem Fahrwerk bildet die Basis fürs Traumbike.

Laufruhe: Hohe Spurtreue bringt Sicherheit bergab, kann unter Umständen aber ins Träge kippen, speziell wenn der Profiler einen geringen Ausschlag in Sachen Wendigkeit zeigt.

Wendigkeit: Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Ein Ausschlag nur in diese Richtung (ohne hohen Ausschlag bei Laufruhe) lässt jedoch auf Nervosität schließen.

Stabilität: Liegt der Fokus bei Rahmen und Parts weniger auf Leichtbau, sondern auf Solidität, steigt der Ausschlag der Grafik. Der Gegenpart ist Leichtbau.

Geringes Gewicht: Niedriges Rahmen-, Partsund Gesamtgewicht lassen auf ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike schließen.

So testen wir Mountainbikes

Auswahl: Wir sind bei diesem Test von unserer üblichen Praxis abgewichen. Anstatt in langen Diskussionen nach Kriterien wie Preis und Einsatzgebiet ein vergleichbares Testfeld zusammenzustellen, galten für diesen Test die Kriterien neu, innovativ und spannend. Die Bikes gehören unterschiedlichen Kategorien an. So ist das Santa Cruz 5010 ein Bike für Trailtouren, das Propain Hugene ein AllMountain und das Liteville H-3 MK2 ein Trailhardtail, während Scott Ransom und Pivot Firebird abfahrtsstarke Enduros sind. Alle fünf Bikes haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind neue Modelle und Trendsetter.

Praxistest: Jeder Biketest wird von einem Testleiter sowie drei erfahrenen Testern/ Redakteuren durchgeführt. Auf einem zum jeweiligen Einsatzzweck der Bikes passenden, selektiven Rundkurs wird jedes Rad von jedem Tester mindestens einmal gefahren. Danach notieren die Fahrer ihre Noten und Eindrücke in acht Bereichen – etwa in Sachen Vortriebseffizienz, Fahrwerk, Downhill oder Handling. Nach Ende des Praxistests werden alle Bikes gemeinsam besprochen und die Noten auf ungewöhnliche Abweichungen hin überprüft. Diesen Test führten wir auf den Trails rund um Leonberg und Stuttgart, in Sasbachwalden und in der Eifel durch.

Labortest: Alle Bikes werden gewogen und komplett in ihre Einzelteile zerlegt. Die Rahmen werden (wie auch Gabeln und die Laufräder) einzeln gewogen, danach vermessen. Alle Gewichte sowie die Daten in den Geometrie-Skizzen sind keine Herstellerangaben, sondern werden durch unser Labor ermittelt. Alle Parts werden notiert und mit den Angaben der Hersteller verglichen. Die Ausstattung fließt ebenfalls in die Endnote mit ein. Anschließend vermisst unser Labor-Juniorchef Chris Knall auf Prüfständen des renommierten EFBE-Instituts die Steifigkeiten der Rahmen. Diese Werte fließen wie auch Gewichte in die Endabrechnung mit ein.

05.11.2018
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE