Allround-MTB: 10 All-Mountain-Bikes im Test

Carbon: Stoff der unbegrenzten Möglichkeiten

Ein großer Vorteil der Kohle-Konstrukte: Der Werkstoff Carbon lässt nahezu unbegrenzte Gestaltungsfreiräume, die sich die Entwickler auch gerne rausnehmen.
Zu den getesteten Produkten

So fällt das Rocky mit beherzt geschwungenen Rohren wörtlich aus dem Rahmen, fast alle Bikes bieten eine erquickliche Fülle an Detaillösungen über integrierte Lager, Umwerfersockel bis hin zu Postmount-Bremsaufnahmen. Nett anzuschauen und zweifelsohne funktionell – dem Käufer dürfte indes der Schutz der empfindlichen Carbon-Oberfläche mehr am Biker-Herzen liegen. Zumal in einer Kategorie, wo es per Definition zu häufigen Feindkontakten mit anhänglichen Felsen und frechen Steinen kommt!

Erschreckend, dass nur Cube, Ghost, Lapierre, Simplon und Trek das Unterrohr zumindest mit einer Folie gegen Steinschläge schützen. Bei Red Bull und Rose fehlt den Carbon-Kettenstreben sogar der obligatorische Metallschutz gegen Kettenklemmer. Hier ist Nachbesserung nötig!

Bleibt das größte Hemmnis vor dem Kauf eines „Plastikfahrrades“, die Sorge, dass der Carbon-Rahmen buchstäblich unter dem Hintern wegexplodiert. Nicht unbegründet, denn dem Verbundwerkstoff fehlt das gutmütige Bruchverhalten der Metalle. Dennoch: Auch wenn es keinen verpflichtenden Überlasttest für Mountainbikes gibt, fährt bei den umfassend geprüften Modellen der Premiumhersteller das gute Gewissen mit. Die Angst vor einem plötzlichen Totalversagen dieser Hightech-Frames scheint unbegründet.

Jedoch steigt das Bruchrisiko schlagartig, wenn die Faserstruktur nach Sturz oder Felskontakt Schäden davonträgt – keine Seltenheit in dieser Fahrspaß-orientierten Kategorie! In der Regel bleibt dem Biker dann nur, sein verwundetes Baby zum Händler zu tragen und das Ausmaß des Desasters abschätzen zu lassen. Gut: Fast alle Hersteller bieten ein so genanntes Crash-Replacement, bei dem der defekte Rahmen zum meist um 50 Prozent reduzierten Preis ersetzt wird. Die genauen Bedingungen erfahren Sie bei Ihrem Händler.

Dass Alu aber allen Carbon-Vorzügen und widerlegten Vorurteilen zum Trotz nicht zum alten Eisen gehört, zeigt der Vergleich zwischen zwei gleich teuren Varianten des Rocky Mountain Altitude. Mit spannenden Ergebnissen! Zudem finden Sie in der Mediashow noch geldbeutel-freundlichere Alternativen zu den Testbikes – ebenfalls zumeist aus Alu.

11.01.2010
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 01/2010