18 Regenjacken und -hosen im Härtetest

Wasser marsch!

Im Herbst müssen Biker stets mit Regen rechnen. Deshalb gilt: trocken bleiben!
Zu den getesteten Produkten

„Zum Wetter: Nach Durchzug eines Wolkenbands, das mitunter kräftige Schauer bringt, kühlt es tagsüber auf neun bis zwölf Grad ab.“ An solche Wettervorhersagen müssen Biker sich mit dem nun beginnenden Herbst wieder gewöhnen. Vorbei sind die Tage, an denen ein warmer Sommerregen eine beinahe schon erwünschte Abkühlung brachte.

Muss wegen Wind und Wetter die gewohnte Feierabendrunde jetzt ein paar Monate ausfallen und das Bike im Keller eingemottet werden, das fragen sich viele Biker. Keineswegs, antwortet MB und empfiehlt dringend, den Inhalt des Kleiderschranks aufzurüsten. Denn mit dem richtigen Equipment gegen Regen und Schlamm macht Biken auch an nassen Tagen im Herbst mächtig Spaß!

Um herauszufinden, was der Nässe trotzt, hat MB umfangreich getestet: leichte Jacken ab 30 Euro für alle, die einfachsten Schutz gegen Nässe suchen, ohne viel Geld ausgeben zu wollen. Weiter: hoch funktionelle Jacken mit einer Vielzahl an nützlichen Features – die mit bis zu 325 Euro allerdings sehr teuer sind.

Auch die Damenwelt kommt nicht zu kurz: drei speziell geschnittene Lady-Jacken zwischen 80 und 200 Euro hat MB zum Test bestellt. Ebenfalls am Start sind sechs lange und drei kurze Regenhosen, deren Preisbereich zwischen 60 und 190 Euro liegt. Das Wichtigste vorneweg: Wenngleich hochpreisige Jacken und Hosen Bikern aufgrund von Ausstattungsmerkmalen wie Extra-Taschen, Kapuzen oder verstellbaren Bündchen einen spürbaren Mehrwert bringen, sind preisgünstige Alternativen nicht zwingend eine schlechte Wahl.

Zumeist fehlen lediglich bestimmte Features, die Funktion, sprich Wetterschutz und Atmungsaktivität, ist jedoch auch im unteren Preissegment grundsätzlich gegeben.

Zehn Hersteller wurden von MB gebeten, insgesamt 18 Produkte für den Test zur Verfügung zu stellen. Klar, dass die Spannbreite verschiedenster Konstruktionen und Materialien groß ist. Deshalb galt es, deren Qualität objektiv miteinander zu vergleichen. In den Prüflaboren von Membran-Hersteller Gore fand MB beste Bedingungen: Im Regenturm musste jedes Bekleidungsstück einen 30-minütigen Regenguss über sich ergehen lassen, den Gore als „bayerischen Landregen“ definiert.

In einem zweiten Schritt bestimmten die Techniker die Atmungsaktivität jeder Jacke und jeder Hose. Die Ermittlung des so genannten MVTR-Wertes lässt Rückschlüsse auf das Innenklima zu, das ein schwitzender Biker erzeugt. Beide Werte zeigen, wie gut die Jacken ihren angestrebten Zweck erfüllen.

Kein Labor- ohne Praxistest: Das in den letzten Wochen ständig wechselnde Wetter mit trockenen, heißen Tagen und vielen schwülen, nassen Abschnitten kam gerade recht! In beinahe jeder erdenklichen Wettersituation wurden die 18 Kandidaten auf den Stuttgarter Haustrails unter die Lupe genommen.

Im Fokus: Funktionieren alle Features wie Reißverschlüsse, sind Taschen gut zugänglich, lassen sich die Klamotten gut anpassen? Für diese im Bewertungspunkt „Funktionalität“ zusammengefassten Eigenschaften ver­gab MB ebenso Pluspunkte wie für eine saubere Verarbeitung oder eine gute Passform. Klar: Zu kurze Ärmel, ein flatternder Schnitt oder zu enge Ärmel nerven schnell! Alles zusammen zeigte deutlich, welche Bekleidung den Dreiklang aus Regenschutz, Atmungsaktivität und Trailtauglichkeit meisterte.

Die Anforderungen an Regenbekleidung sind hoch: Einerseits steht der Wunsch nach maximalem Nässeschutz, kein Wassertröpfchen darf sich im Idealfall den Weg ins Bekleidungsinnere bahnen. Wer sich vor Augen führt, dass eine komplett verschlossene Plastiktüte diese Aufgabe am besten erfüllen würde, versteht, welche Aufgabe allein die Wahl des richtigen Materials für die einzelnen Hersteller darstellt. Denn: Auf der sprichwörtlich anderen Seite verlangen Biker, dass unter Anstrengung entstehender Schweiß nicht auf der Innenseite der Kleidung kondensiert. Für Regenklamotten gilt deshalb schlicht: Kein Wasser rein, alles Wasser raus.

Die Lösung: Hightech-Materialien wie Gore-Tex Paclite Shell, eVent, T3000 – um nur einige zu nennen. All diese klangvollen Bezeichnungen stehen für verschiedene Membranen, welche die Hersteller nutzen, um den extremen Anforderungen beim Biken gerecht zu werden. Sie alle sind mehr oder weniger in der Lage, Regen abperlen zu lassen, entstehenden Schweiß als Wasserdampf jedoch herauszulassen. Wie gesagt: mehr oder weniger. Während sämtliche getesteten Membranen dem Guss im Regenturm standhielten – jedoch nicht alle Konstruktionen dicht waren, zeigten sich beim MVTR-Test deutliche Unterschiede.

Mit einem Wert von 1965 kam Shimanos Accu 3D besagter Plastiktüte recht nah, während am oberen Ende der Skala Sugois Helium mit einem Messwert von über 32 000 sämtliche Zeiger an den Anschlag brachte. Zum Verständnis: Top-Membranen wie die auch von Löffler und Mavic eingesetzte Gore-Tex Paclite Shell erreichen Werte um 18 000 und gelten damit als extrem atmungsaktiv. Gleiches gilt ebenso für eVent, den wohl härtesten Gore-Konkurrenten im Kampf um die optimale Funktionsmembran.

Diese beiden definieren seit Jahren die Spitze in puncto Dampfdurchlässigkeit, andere herstellerspezifische Membranen liegen mit MVTR-Werten zwischen 2500 und 8500 deutlich darunter, funktionieren aber auch noch akzeptabel.

Wäre der Test an dieser Stelle beendet, gäbe es ein klares Ergebnis: Sämtliche Membranen halten Regen zu 100 Prozent draußen und atmen gut, wobei Sugoi mit seiner ultraleichten Helium den Testsieg holt. Doch so einfach ist es nicht, Laborergebnisse allein sagen nichts über die Alltagstauglichkeit aus. Speziell bei Jacken spielt die Konstruktion eine entscheidende Rolle: Jeder Reißverschluss ist ein potenzielles Eintrittsloch für Wasser, Armabschlüsse und Hüftbündchen müssen exakt sitzen, auch am Kragen darf kein Wasser eindringen. Genau deshalb gibt es so unterschiedliche Modelle wie Roses Race ProFibre oder Vaudes Spray eVent, die minimalistisch mit nur einem Front-Reißverschluss gearbeitet sind. Oder aber ein Luxusmodell wie die Creek von Neuling Mavic, die sogar Erweiterungsschlitze zum Tragen eines Trinkrucksacks unter der Jacke aufweist – inklusive Schlauchdurchführung vorne!

Die drei ohne spezielle Features gearbeiteten Herren-Modelle von Rose, Shimano und Vaude sollten – den Messwerten und der Ausstattung nach – perfekt funktionieren, mit Ausnahme von Shimano stimmt das auch. Nur die Accu 3D ließ Wasser durch ihre achselnahen Belüftungsöffnungen eindringen, alles andere blieb dicht. Gleiches galt für die leichte Sugoi: Mini-Wassereinbrüche gaben einen Punkt Abzug in dieser Kategorie. Anders die aufwendigen Konstruktionen: Während bei den Herren nur Mavics Top-Modell Creek einen Tropfen durchließ, zeigten die Damenjacken von Pearl Izumi und Shi­mano leichte Schwächen im Regenschutz – und wurden deshalb abgewertet. Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Modelle keine Anhänger finden: Wer auf den Komfort zusätzlicher Taschen und Verstellmöglichkeiten nicht verzichten will, kann mit diesem Manko möglicherweise gut leben.

Apropos Ausstattung: Alle Modelle verfügen über Standards wie Reflex-Elemente oder verlängerte Rücken. Bei Gore, Mavic und Pearli lässt sich dieser sogar wegklappen. Das Nonplusultra definiert Mavic: Clevere Frontbelüftung, Kapuze, Uhren-Sichtfenster, gut zugängliche Brusttasche – die Creek ist ab Verkaufsstart im Januar 2009 „state of the art“ – aber nicht zum Spartarif zu haben. Ihr Preis von 325 Euro fällt exorbitant aus. Ebenfalls super ausgestattet: Gores Alp-X, die dank Mesh angenehm sitzt, sich simpel verstauen lässt und ebenfalls zwei Taschen sowie eine Frontbelüftung aufweist.

MB hat das Hosen-Testfeld aufgeteilt: Dabei sind kurze Hosen, die sich bei mildem Wetter – also auch im Sommer – etwa für Matschfahrten nach einem Regenguss eignen. Die Mehrheit stellen aber lange Regenhosen für Schmuddelwetter. In erster Linie sollen Regenhosen, nicht anders als die Jacken, optimal vor Nässe schützen. Die beiden Jeantex-Modelle weisen allerdings eine Eigenart auf: Der Hamburger Hersteller schneidert extrem sportlich und stattet seine Hosen deshalb mit seitlichen Elastikeinsätzen aus, welche für bessere Ventilation sorgen sollen.

Leider gelingt das nicht, das T3000-Material klebt schnell auf der Haut. Folge: Es kann keine Luft mehr zirkulieren, der Vorteil der seitlichen Öffnung schwindet. Trotz allem bieten diese Hosen ausreichenden Schutz bei mäßigem Regen, nur starke Güsse bringen Wasser ins Hoseninnere. In puncto Hautgefühl zeigt Gore, wie es geht: Die Alp-X weist auf der Innenseite weiches Material auf, das sich angenehm trägt und Ankleben verhindert.

Wichtig an einer Regenhose: die Möglichkeit, die Passform an Hüfte und Bein einstellen zu können. Alle langen Regenhosen weisen diese Eigenschaft auf sowie die kurzen Modelle von Protective und Vaude. Beides hilft, das Wasser draußen zu halten.

27.10.2008
Autor: Thorsten Lewandowski
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 10/2008