18 Regenjacken im Test

Test: Regenjacken bis 400/über 400 Euro

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

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Nichts ist launischer als das Wetter! Mit diesen Regenjacken in zwei Preisklassen bleibst du auf Tour trotz Wolkenbruch immer trocken und hast damit quasi den Sommer im Rucksack dabei.
Zu den getesteten Produkten

Gute Biker kommen auf den Gipfel, Wasser kommt überall hin. Wem trotz Kaiserwetter-Prognose schon einmal im alpinen Platzregen das Wasser aufgrund einer undichten Naht sprichwörtlich bis zum Hals stand und zu Tourabbruch und Sommererkältung führte, wünscht sich nichts sehnlicher als eine wirklich dichte Regenjacke herbei!

Doch wer sich unter den Bike-Kumpels umhört, findet nirgends die rundum empfehlenswerte Regenrüstung. Nach kurzer Zeit undicht, innen schweißnasser als vom Regen oder sperrig, schwer und trotzdem sündteuer lauten die enttäuschten Kommentare. Dabei ist die Konstruktion einer regendichten Jacke keine Hexerei, erfordert lediglich die Verarbeitung einer wasserdichten, klimaregulierenden Membran sowie das konsequente und saubere Abdichten ausnahmslos jeder Naht des Membranmaterials mit Dichtband (Tape).

Der oft von Herstellern und Handel angeführte Wassersäulen-Wert hingegen erklärt nur, welchem Wasserdruck ein Material standhält, sagt jedoch kaum etwas über die wesentlich relevantere Dichtheit der Jackenkonstruktion aus. Doch viele Hersteller tun sich bei gerade bei konstruktiven Details wie Reißverschlüssen, Taschen oder verschiedenen Materialkombinationen schwer, sogar Reißverschluss Abdeckungen sitzen falsch herum und leiten das Wasser zum Körper statt es fernzuhalten, wie der Regenjackentest in Ausgabe 08/14 zeigte. Ob teuer oder günstig, der Käufer weiß erst nach dem ersten, kräftigen Regenschauer, ob seine teure Investition eine clevere war, meidet jedoch bei Wassereinbruch künftige Touren bei Regen. Doch jetzt ist Schluss! Damit du für jeden Regenguss gewappnet die Wetter-App vom Smartphone löschen kannst, haben wir 14 Regenjacken von 150 bis 400 Euro im künstlichen Dauerregen auf Membran und Tape getestet. Der Durchschnitt liegt bei stolzen 246 Euro. Ebenfalls mit dabei: drei Multisportjacken aus dem Outdoor-Segment. Um herauszu nden, ob eine noch teurere Jacke noch besser schützt, haben wir zusätzlich vier High-End-Modelle der Preisklasse bis 460 Euro getestet.

Regenschutz ist keine Preisfrage

Die beste Regenjacke nützt nichts, wenn sie keine Kapuze besitzt. Denn Modelle ohne Kopfschutz sind nur für leichten Nieselregen geeignet. Auch die Kombination mit einem Helmüberzug lässt den Übergang Helm/Kragen ungeschützt, so dass Bewegungen des Kopfes nicht selten umgehend mit kalten Sturzbächen quittiert werden, die am Körper herab bis ins Sitzpolster rinnen – schon winkt der Krankenstand. Die gute Nachricht: Zwar sind Bike-Jacken mit Kapuze im Schnitt 40 Euro teurer, doch top Regenschutz ist in allen Preisklassen zu haben.

Wahrhaft perfekt schützte die Multisportjacke Houdini Aegis für 400 Euro, ließ keinen Tropfen eindringen, liegt mit einem halben Kilo Gewicht aber auch schwer und sperrig im Rucksack. Ebenfalls top Schutz bieten Direct Alpine (380 Euro) und Vaude (300 Euro). Auf den ersten Blick viel Geld für einen Regenschutz. Aufgrund ihres großzügigen Schnittes, des schwitzfreien Klimas, diverser, cleverer Features und im Falle von Houdini und Vaude auch ihres dezenten Designs eignen sich diese Jacken jedoch für viel mehr als nur zum Biken. Als Freizeitjacke beim Wandern, Klettern, als Wind- und Kälteschutz beim Biken oder im Zwiebelprinzip mit einem Unterhemd und Trikot zur Winterjacke kombiniert, ist mit diesen Modellen das Thema Wetterschutz im Wortsinne rundum abgedeckt.

Anders die ebenfalls starken Schutz bietende, mit 200 Euro vergleichsweise günstige Gore Element – durch ihre körpernahe, nicht zu sportliche Passform und die minimalistische Kapuze ist sie auf den Einsatz beim Biken zugeschnitten und erste Wahl für alle, die einen günstigen Regen- und Windschutz suchen, der wenig Platz im Rucksack einnimmt. Ebenfalls empfehlenswert: die günstigen Modelle von Montane und Scott sowie die High-End-Jacken Gore One und 7Mesh Revelation.

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Mehr als die Hälfte zeigen Mängel

Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten: Alle weiteren Jacken zeigten mehr oder minder große Mängel von unsauber geklebten Tapes und Taschen, die sich nach den ersten Wäschen teilweise ablösten, über konstruktive Mängel wie ungetapete Nähte bis zu falsch positionierten Reißverschluss-Abdeckungen – das geübte Testerauge erkannte meist schon vor dem Beregnungstest, an welchen Stellen Wasser eindringt.

KURZ UND KNAPP

Ob Multisport-Modell um 400 Euro oder eine aufs Biken zugeschnittene Jacke um 200 Euro – Regenjacken mit Kapuze bieten top Wetterschutz und zahlen sich über die Jahre durch Funktion und Haltbarkeit aus.

So testen wir die Regenjacken

Simulierte Alterung: Eine starke Imprägnierung der Außenlage bewirkt einen schön anzusehenden Abperl-Effekt, die wenigsten Imprägnierungen halten sich jedoch länger als ein paar Wäschen und sind mit Imprägniersprays nicht identisch reproduzierbar. Zudem können sie Verarbeitungsmängel und Schwachstellen für einige Zeit vertuschen, weshalb wir sämtliche Testjacken vor dem Dichtheitstest für mehrere Waschgänge in die Waschmaschine gaben. So wurde eine Benutzung über mehrere Monate mit kompletter Durchweichung und hoher Beanspruchung simuliert.

Beregnungstest: Um die Testkandidaten in puncto Regenschutz unter realistischen Bedingungen zu vergleichen, wurde jede Jacke zehn Minuten lang in einem starken Regenschauer auf einem Rollentrainer-Bike gefahren. Zwei Rasensprenger sprühten dabei insgesamt 3000 Liter Wasser über den in verschiedenen Positionen von aufrecht bis gestreckt pedalierenden Tester, um herauszufinden, welche Jacke wirklich schützt. Die Regenmenge entspricht in etwa einem kurzen Starkregen, wie er in alpinen Regionen auftritt, oder einem mittelstarken Dauerregen. Unglaublich, aber wahr: Zehn Minuten reichten aus, um die Schwachpunkte jedes Jackenmodells ausfindig zu machen. Überstand die Jacke diese Zeitspanne, traten keine weiteren Mängel auf. Eine lange Regenhose und Überschuhe komplettierten den Regenschutz.

Praxistest: Bei sommerlichen 25 Grad pedalierten die Tester unter konstanter Flüssigkeitszufuhr mit geschlossener Jacke bergan, um zu prüfen, wie gut die Membran das Jackenklima reguliert. Zudem wurde die Effektivität der Belüftungs-Reißverschlüsse sowie die Passform der Jacken im direkten Vergleich beurteilt.

08.02.2017
Autor: Christina Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 10/2016