Bike-Revier Brixental - die schönsten Touren mit GPS-Daten und Reise-Infos

Streifzüge

Das Brixental in den Kitzbüheler Alpen kann zwar nicht mit Promis und High Society punkten – dafür bietet es ein ideales Terrain für alle, die sich gerne aus eigener Kraft auf zwei Stollenreifen fortbewegen.

Das Klischee vom Kaiser mag Kurt gar nicht leiden. Doch der Begriff „Kitzbühel“ ist eben eindeutig besetzt. Wer denkt beim Namen des Tiroler Nobelresorts nicht sofort an Franz Beckenbauer, Jetset, neureiche Russen und Promistelldichein beim Hahnenkammrennen? Stimmt ja auch – im Winter.

„Die Kitzbüheler Alpen sind viel mehr als nur der Ort Kitzbühel“, sagt Kurt Exenberger mit Nachdruck. „Nämlich eine Bike-Region, die sich vor keiner anderen verstecken muss!“ Kurt muss es wissen. Schließlich war er selbst als Leiter der „Bike-Academy“ in Kirchberg – der Ort liegt nur wenige Kilometer von Kitzbühel entfernt im benachbarten Brixental – an der Entwicklung hin zu einem Bike-Spot mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten beteiligt.

Und als Nationaltrainer der Österreichischen Cross-Country-Olympiamannschaft hat er auch den Vergleich. Wenn er dann manchen Zeitungsartikel liest, geht ihm das Messer in der Tasche auf. „Wir haben hier eine der aktivsten Bike-Szenen in ganz Österreich. Es gibt haufenweise Clubs, Biker haben ein echtes Standing in der Region. Mit Schickimicki hat hier keiner was am Hut!“

Ein Blick auf die Karte untermauert Kurts Hohelied auf die Mountainbike-Region. Wo im Winter zwei Ski Schaukeln schwingen, können Biker im Sommer in einem engmaschigen Netz aus Schotterstraßen, Singletrails und Seilbahntouren aus dem Vollen schöpfen. Zusammen mit dem Panorama vom Wilden Kaiser über das Steinerne Meer bis hinüber zur Gletscherwelt der Hohen Tauern ergibt das einen unvergleichlichen Tourenmix, der Biker an das sagenhafte El Dorado denken lässt.

Also auf geht‘s! Trickreich schlängelt sich die Bike-Route am Autoverkehr vorbei bis hinüber nach Westendorf. Dort ist allerdings Schluss mit lustig. Oder mit Schmäh, wie man hier sagen würde. Was so viel heißt wie: Hier fällt der Startschuss für den Uphill. Eine endlose Schotterstraße führt nach oben und erweist sich auf den letzten 500 Höhenmetern als reichlich humorloses Biest.

Immerhin: Weil die Höhenmeter am Stück kommen, sucht sich jeder am besten sein eigenes Tempo und seinen Rhythmus und freut sich schon mal auf die Belohnung in Form einer epischen Abfahrt.

Ideal für eine Rast ist die Terrasse des Brechhornhauses. Dort bietet der noch schneebedeckte südliche Grenzkamm der Kitzbüheler Alpen mehr als genug Anlass, den Blick vom Kuchenbuffet zu heben.

Weiter geht‘s: Eine letzte Rampe, ein Spazierweg führt an einem idyllischen Bergsee vorbei, dann geht es ab auf den Bike-Trail, der sich vor der muskulösen Kulisse des Hahnenkamms durch Almen und Wälder über 800 Höhenmeter ins Spertental hinunterschlängelt. Unten angekommen, sind die Knie weich. Doch was für ein Fest, was für ein Tag!

Die Planung für den Folgetag zählt zu den leichten Übungen. Wie wäre es etwa mit einem Seilbahn-Marathon? Ausgemachte Sache, denn die „Brixentaler Bike-Safari“ bietet eine ideale Möglichkeit, auf entspannte Weise den Kilometer- und Höhenmeterstand des Tachos beträchtlich zu erhöhen.

Mit der ersten Gondel geht es hoch zur Ehrenbachhöhe, wo ein wundervoller Panoramaweg über die Jufenalm bis rüber zum Pengelstein zieht. Dort verbindet im Winter die „spektakulärste Dreiseil-Umlaufbahn der Welt“ die Skigebiete von Kitzbühel und Jochberg und überspannt dabei einen Graben von gähnenden 450 Metern Tiefe. Im Sommer fährt die Bahn nicht, und somit ist jetzt die Abfahrt ins Tal angesagt – der pure Spaß erwartet uns!

Jetzt noch etwas Fleißarbeit, dann steht der nächste Shuttle per Seilbahn an. Der nennt sich „Panoramabahn“, und der Name ist gleichzeitig Programm – was für eine Aussicht! Oben führt dann eine Schotterstraße zu beiden Seiten des Grates von der Gipfelstation bis zum „Zweitausender“ hinüber und verführt mit einem unverstellten Blick auf die Hohen Tauern und den Großvenediger. Die Abfahrt zum Stangenjoch dagegen sorgt dafür, dass auch der Downhill-Spaß nicht zu kurz kommt. Ein Blick noch vom Joch auf die Eisflanken, und es wird heiß: Wer will, kann es jetzt bis nach Kirchberg ohne eine Pedalumdrehung rollen lassen!

Zurück im Quartier weiß man, was man geleistet hat. Und es wird klar, wie Elisabeth Osl zu ihrer Kondition kam. Die erst 23-jährige Kirchbergerin ist das Aushängeschild des Brixentals in Sachen Bike-Marathon und Cross Country und gilt als hoffnungsvolle Kandidatin für eine Top-Ten-Platzierung Österreichs bei den Olympischen Spielen in Peking. Bei so einem Trainingsgebiet ist es kein Wunder, dass sie sich bereits früh qualifizieren konnte. „Wenn die Lisi in Peking Erfolg hat, dann redet jeder nur noch über das Biken im Brixental“, davon ist Kurt Exenberger absolut überzeugt. Worauf ihm Kaiser Franz wohl entgegnen würde: „Ja, schaun mer a mal!“

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13.08.2008
Autor: Ralf Glaser
© MOUNTAINBIKE