MB 0308 Laufräder So testet MB Rundlauf

Von Cross-Country bis Enduro: Elf Laufräder im Test

Präzisionsarbeit

Leicht, stabil, schnell! Perfekt aufgebaute Laufräder arbeiten zuverlässig wie ein Uhrwerk. MB nahm elf Modelle von Cross Country bis Enduro unter die Lupe.

Etwa 6000 Jahre sind vergangen, seit das Rad erfunden wurde. Interessant, dass die Natur für diese Jahrtausend-Erfindung ausnahmsweise kein Vorbild war. Das Rad verdankt seine Entstehung einzig und allein der Fantasie und dem Abstraktionsvermögen des Menschen. Das grundsätzliche Prinzip ist bis heute unverändert – eine Scheibe dreht sich um eine
Achse.

In Sachen Bauweise und Material hat sich allerdings einiges getan. Fungierte früher eine schwere Steinscheibe mit durchgestecktem Ast als Lastesel, besitzt ein modernes MTB-Laufrad filigranste Speichen, die schier unglaublichen Belastungen standhalten. Gerade im Mountainbikesport wirken besonders hohe Kräfte, etwa durch Stoßbelastungen auf ruppigen Trails oder bei Landungen nach Sprüngen. Gleichzeitig verlangen die Fahrer nach leichten Laufrädern, um möglichst wenig Energie im Vortrieb zu verlieren.

Die Hersteller arbeiten deshalb unermüdlich daran, ihre Produkte durch neue Technologien und optimierten Materialeinsatz noch leichter und stabiler zu machen. Jährlich kommen neue Laufräder auf den Markt, die das Tuning-Herz ambitionierter Biker höher schlagen lassen. Grund genug für MB, zum Laufradtest zu laden und die Neuentwicklungen mit Altbewährtem zu vergleichen. Zum Testfeld zählen neun Modelle für Cross Country/Tour und zwei für den Enduro-Einsatz von 400 bis 1230 Euro.

Der Reiz neuer Laufräder

Gründe, auf einen neuen Laufradsatz zu wechseln, gibt es viele. Häufig zwingen Defekte oder fortgeschrittener Verschleiß zu einem neuen Satz. Ständige Speichenbrüche etwa weisen auf starke Spannungsunterschiede innerhalb des Laufrades hin. Komplett neu einzuspeichen lohnt sich bei alten Naben und Felgen meist nicht.

Verschleiß tritt vor allem in Verbindung mit Felgenbremsen auf. Jahrelanges Bremsen nagt am Material der Felge, was am Ende zu Lasten der Sicherheit geht. Ein günstiger Zeitpunkt, um mit den neuen Laufrädern gleich auf Scheibenbremsen umzurüsten. Aber auch ohne Defekt oder Verschleiß bringt ein Wechsel Vorteile. An kaum einem Bauteil am Bike bringt eine Gewichtsreduzierung mehr als bei Laufrädern. Im Vergleich zu starren Teilen, die nur in Fahrtrichtung beschleunigen, müssen Massen wie Laufräder, Reifen und Schläuche zusätzlich rotieren und verlangen deshalb wesentlich mehr Energie.

Leichte Laufräder in Top-Qualität finden Cross-Country-Fahrer und Tourer bereits um 450 Euro. Rennfahrer und Gewichtsfetischisten greifen auch mal tiefer in die Tasche, um ihren Drang nach superleichten Parts zu befriedigen.

Enduro-Piloten belasten Laufräder deutlich höher, wodurch das Hauptaugenmerk auf die Stabilität fällt. Experimente mit superschmalen Felgen und minimaler Speichenanzahl haben in diesem Einsatzbereich nichts verloren. Neben all der Technik darf man einen Punkt nicht vergessen: Neue Laufräder werten Ihr altes Bike auch optisch auf.

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Bremse

Die elf Laufräder aus diesem Test

MB Easton XC Two Disc
Rund ums Laufrad
MB Fulcrum Redmetal 1
Rund ums Laufrad
MB Mavic Crosstrail
Rund ums Laufrad
MB Whizz Wheels DT 340 XR 4.2
Rund ums Laufrad
MB Fulcrum Redmetal Zero
Rund ums Laufrad
MB Easton XC One Disc
Rund ums Laufrad
MB Shimano XTR WH-M 975
Rund ums Laufrad
MB Tune Princess & Prince
Rund ums Laufrad
MB Mavic Crossmax SLR
Rund ums Laufrad
MB DT Swiss E2200
Rund ums Laufrad
MB Shimano XT WH-M 776
Rund ums Laufrad

Das Testfeld im Überblick

Fulcrum etwa sorgt bereits seit drei Jahren im Rennradsport für Furore. Jetzt schlagen die Italiener auch im Offroad-Bereich zu und bieten Laufräder in verschiedenen Klassen an. Hersteller Easton, der mit dem XC One bereits im letzten Laufradtest (Heft 4/07) punkten konnte, erweitert seine Palette um das günstigere Modell XC Two.

Auch DT bietet einen Laufradsatz für faires Geld. Das feuerrote Enduro-Modell E2200 avanciert sofort zum Hingucker. Leider nicht am Test teilnehmen konnte DTs neuer, superleichter Carbon-Laufradsatz XRC 1250 – es stand noch kein serienreifes Modell zur Verfügung (Vorabinfos siehe Kasten). Shimano kontert im Endu­ro-Bereich mit dem neuen XT-Satz und verspricht hohe Stabilität bei niedrigem Gewicht. Die Highend-Variante XTR befindet sich als Referenz im Testfeld.

MB 0308 MB 0308 Laufräder Testobjekte Downhill-Fahrer 1
Stabilität und Haltbarkeit stehen bei Laufrädern an erster Stelle.

Auch das bewährte Crossmax SLR von Mavic tritt gegen sämtliche Newcomer an. Mit dem Crosstrail liefern die Franzosen den günstigsten Laufradsatz im Testfeld. Tune indes rührt die Werbetrommel für die neuen Luxusliner Princess & Prince. Sabine Spitz und Co. haben den ultraleichten Satz bereits ausgiebig im Weltcup getestet. Whizz Wheels hingegen bleibt dem klassischen Laufradbau treu und schickt einen vergleichsweise preiswerten Laufradsatz aus soliden DT-Komponenten in den Test.

Erstaunliche Messwerte

MB 0308 MB 0308 Laufräder Testobjekte 2 Downhill-Fahrer
Ein leichtes und zugleich steifes Laufrad lässt bei schnellen Antritten keine Energie verpuffen.

Es bedarf eines hohen Aufwands, um die feinen Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen herauszufinden. Feine Unterschiede, die dennoch unterm Strich viel ausmachen. Geringe Gewichtsdifferenzen mögen auf einem kurzen Trip kaum spürbar sein. Auf längeren Touren summiert sich die erforderliche Mehrenergie dagegen merklich und führt zur früheren Ermüdung des Fahrers. Auch den Unterschied zwischen weichen und harten Laufrädern spüren selbst sehr erfahrene Biker kaum. Aber: Weiche Modelle verformen sich bei jedem Pedaltritt und schlucken wertvolle Vortriebsenergie. Vergleichstests auf dem Trail bringen hier keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Nur eine Untersuchung im Prüflabor zeigt die Unterschiede und ermöglicht seriöse Aussagen.

MB-Laufradexperte Haider Knall entwickelte dafür einen speziellen Prüfstand, der die relevanten Daten von Laufrädern erfasst und in eine vergleichbare Form bringt. Über 30 Messwerte werden pro Laufrad ermittelt und für die anschließende Auswertung herangezogen. Neben den bewährten Standardmessungen von Gewicht, Rundlauf und Seitensteifigkeit ermöglicht die neue Prüfvorrichtung zwei weitere wichtige Messverfahren: Das gemessene Massenträgheitsmoment gibt Auskunft über die Drehfreudigkeit der Laufräder.

Leicht zu beschleunigende Räder bringen im Rennen die entscheidenden Sekunden und sparen Kraft auf der Tour. Die Torsionssteifigkeit entscheidet, wo die eingebrachte Kraft des Fahrers hingeht. Wandelt sich die kostbare Energie sofort in eine Vorwärtsbewegung um? Oder schluckt das Laufrad erst mal einen Teil durch Verformung? Mehr Details dazu im Kasten „So testet MountainBIKE“.

Mit Spannung erfolgte die anschließende Auswertung der ermittelten Daten. Was leisten die Newcomer, und wie schnei­den die Mittelklasse-Laufräder gegen die Luxusmodelle ab?

Das leisten die Neuen

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Auf ruppigen Abfahrten zählt Stabilität mehr als ein möglichst geringes Gewicht.

Fulcrum wird seinem guten Ruf aus dem Rennradsport gerecht. Das Luxusmodell Redmetal Zero gehört zwar nicht zu den allerleichtesten, sorgt aber in puncto Rundlauf und Steifigkeit für Topwerte. Die etwas günstigere Version „1“ steht der Highend-Version kaum nach und liefert bei der Torsionssteifigkeit trotz der stark asymmetrischen Speichenaufteilung sogar die höchsten Werte. Das XC One von Easton liefert gewohnt gute Ergebnisse in allen Bereichen. Die günstige Neuentwicklung XC Two zeigt seine Klasse beim Rundlauf und der Steifigkeit, verliert aber das Rennen durch leichtes Übergewicht.

Die Augenweide E 2200 von DT punktet bei der Stabilität. Knüppelharte Abfahrtspisten und meterhohe Drops können dem Enduro-Satz nichts anhaben. In Sachen Gewicht zeigt Shimanos neues XT-Modell, dass auch im härteren Einsatzbereich Gewichtsparen möglich ist. 130 Gramm weniger als das E2200 freuen vor allem Enduro­fahrer, die auch bergauf ordentlich Gas geben. Die Race-Variante XTR zeigt ihre hohe Qualität vor allem im Rundlauf. Selbst nach dem standardisierten Abdrückverfahren an der Felge wies der japanische Import kaum Seitenschlag auf.

Shimano verwendet gerade Speichen ohne die übliche Kröpfung. „Die fehlende Biegung verhindert ein nachträgliches Setzen der Speichen und erspart späteres Nachzentrieren “, sagt Laufradexperte Haider Knall. „Aber auch Speichen mit Kröpfung, vom Profi eingespeicht, sind wartungsfrei und halten ein Leben lang.“

Das Crossmax SLR von Mavic begeistert rein optisch bereits durch seine Messerspeichen aus Aluminium. Die radiale Einspeichung auf der Antriebsseite erhöht die Seitensteifigkeit, sorgt aber für Schwächen bei Torsionsbelastungen. Ansonsten liefert das französische Highend-Laufrad Topwerte in allen Bereichen und bedient vor allem Racer, die einen optimalen Mix aus niedrigem Gewicht und guter Steifigkeit suchen. Der vergleichsweise günstige Crosstrail-Laufradsatz liefert durchschnittliche Werte bei allen Messungen.

Mavic verwendet als Nippelmaterial bei beiden Laufrädern Aluminium. Im Gegensatz zu Messingnippeln sparen die Alu-Teile etwa 16 Gramm pro Laufrad. Der Nachteil des Leichtmetalls ist die hohe Korrosionsanfälligkeit. „Nach einer harten Wintersaison lassen sich die Alu-Nippel kaum noch drehen und sorgen für erhebliche Probleme beim Nachzentrieren“, meint Haider Knall. Vor allem durchgehend runde Speichen bieten keinerlei Möglichkeiten zum Gegenhalten. Messerspeichen oder Abflachungen an einer runden Speiche schaffen Abhilfe. Wer sich den Ärger gleich ersparen will, nimmt 32 Gramm Gewicht mehr in Kauf und setzt auf unproblematische Messingnippel.

Biker, die kompromisslos leichte Laufräder suchen, kommen an Tune nicht vorbei. Die deutsche Edelschmiede weiß, wo man das letzte Gramm herauskitzelt. Ob Sperrklinken aus Titan, Ausfräsungen am Freilauf oder carbonverstärkte Nabenflansche, Gewichtstuning hat hier oberste Priorität. Der einzige Punkt, an dem die Schwarzwälder nicht sparen, ist der Preis. Mit satten 1230 Euro reißen die Leichtgewichte ein großes Loch in den Geldbeutel. Ver­glichen mit dem relativ preiswerten Crosstrail-Laufrad für 400 Euro, kostet am Princess & Prince jedes Gramm weniger 1,27 Euro. Bei so massiv betriebenem Leichtbau drängt sich die Frage förmlich auf, ab wann ein Laufrad ein Sicherheitsrisiko darstellt.

„Fahrergewicht, Einsatzgebiet und vor allem der Fahrstil entscheiden, ob Leichtbau Sinn macht und ab wann die Sache gefährlich wird“, sagt Laufradexperte Knall. Fahrer, die ihren eigenen Fahrstil noch nicht richtig einschätzen können, sollten lieber auf Nummer Sicher gehen und ein stabileres Modell vorziehen. Das erspart auf lange Sicht Frust und Ärger.

Klassischer Laufradbau

Kein Blickfang, aber mit Messwerten auf ganz hohem Niveau präsentieren sich die preiswerten Whizz-Wheels-Laufräder. „Wir machen Hausmannskost ohne Experimente“, so Bernd Warth von Whizz Wheels. Der Erfolg gibt ihm recht. Das klassisch eingespeichte Laufrad mit DT-Komponenten nimmt es locker mit den Highend-Modellen auf – für deutlich weniger Geld. Da stellt sich die Frage, ob andere Einspeichtechniken überhaupt notwendig sind beziehungsweise Sinn machen. „Der Trend geht zurück zu den bewährten zwei- oder dreifach überkreuzten Speichen.

Die Ablösung der Felgen- durch die Scheibenbremse erlaubt kaum mehr Experimente, etwa mit radial eingespeichten Laufrädern“, so Knall. Die eingeleite­ten Bremskräfte erreichen enorme Ausmaße, die überkreuzte Speichen deutlich besser aufnehmen. Auch Komponentenriese Shimano verzichtet auf Experimente und positioniert Speichen wieder nach traditionellem Muster.

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Diese Modelle überzeugten ganz besonders

Eines steht allerdings fest – geringes Gewicht kostet Geld. Den optimalen Mix aus Leichtbau und Stabilität liefert Mavic mit seinen SLR-Laufrädern. Aber auch für weniger Geld stehen sehr gute Modelle zur Auswahl. Allen voran das Whizz Wheels mit hoher Punktezahl in allen Bereichen. Enduro-Piloten haben die Wahl zwischen dem enorm stabilen E2200 oder dem relativ leichten XT-Laufradsatz.

MB Mavic Crossmax SLR
Testsieger: Mavic Crossmax SLR.
MB Whizz Wheels DT 340 XR 4.2
Kauftipp: der Laufradsatz DT 340 XR 4.2 von Whizz Wheels.

Mehr als 6000 Jahre Forschung und Entwicklung stecken in den heutigen Hightech-Laufrädern. Aber erst die Fortschritte der letzten Jahre ermöglichten extremen Leichtbau in Verbindung mit enormer Stabilität. MB sagt: Genießen Sie diesen Vorsprung durch Technik.

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Die Gesamtleistung der Test-Laufräder im Überblick

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Redaktion

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So testet MountainBIKE Laufräder

Gewicht:
Einfach zu messen und sehr aussagekräftig. Leichte Laufräder sparen ordentlich Energie.

Mittigkeit:
Nabe und Felge müssen exakt fluchten. Ein spezielles Messgerät ermittelt den Versatz der Felge und zeigt, ob das Laufrad professionell oder nachlässig eingespeicht wurde.

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Bild 1: Ermittlung des Höhen- und Seitenschlags.

Rundlauf:
Auch die Rundlaufgenauigkeit spiegelt die Qualität des Laufrades wider. Mit Hilfe einer Messuhr ermittelt der Prüfer Höhen- (siehe Bild 1) und Seitenschlag durch Drehen des Laufrades. Die Messung des Seitenschlags erfolgt in zwei Schritten: einmal vor und einmal nach einer definierten Seitenbelastung. Dabei wirkt eine Kraft von 250 N entlang der Felge und verformt das Laufrad sowohl nach links als auch nach rechts. Der Unterschied zwischen den beiden Messwerten zeigt die bleibende Verformung, die Auskunft über die Stabilität des Laufrades gibt. Seiten- und Höhenschlag zusammen ergeben die Rundlaufgenauigkeit.

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Bild 2: Messung der Seitensteifigkeit.

Seitensteifigkeit:
Eine Prüfkraft von 250 N bei Cross-Country- und 350 N bei Enduro-Laufrädern wirkt seitlich auf die Felge (siehe Bild 2). Die dabei gemessene Verformung beschreibt den Widerstand des Laufrades gegen Belastungen von der Seite. Je steifer das Laufrad, umso weniger Verwindung tritt beim Treten auf – der Energieverlust bleibt gering. Der Abstand zwischen den beiden Nabenflanschen beeinflusst den Wert erheblich. Je flacher der entstehende Speichenwinkel, umso besser werden die Seitenkräfte aufgenommen. Radiale Einspeichung, große Nabenflanschdurchmesser und breite Felgen erhöhen in geringerem Maße ebenfalls den Widerstand gegen seitliche Verwindung.

MB 0308 Laufräder So testet MB Torsionssteifigkeit:
Bild 3: Ermittlung der Torsionssteifigkeit.

Torsionssteifigkeit:
Bei jedem Tritt leitet die Kette über das Ritzelpaket ein Drehmoment in das Laufrad ein. Die dabei entstehenden, enormen Belastungen drehen die Nabe relativ zur Felge, was einen Teil der vom Fahrer eingebrachten Antriebs­energie verbraucht. Der in Bild 3 abgebildete Prüfstand simuliert eine Pedalkraft von 1000 N. Eine spezielle Zangenvorrichtung fixiert die Felge, eine Kette leitet – wie beim Fahren – das Drehmoment ein. Je geringer die dabei entstehende Verformung, desto steifer das Laufrad und umso effizienter der Vortrieb. Auch bei Bremsmanövern mit Scheibenbremsen entstehen enorme Belastungen, die das Laufrad auf Verdrehung beanspruchen. Die Steifigkeit hängt vor allem von der Art der Einspeichung ab. Gekreuzte Speichen nehmen dabei die Kräfte deutlich besser auf als radial eingespeichte.

MB 0308 Laufräder So testet MB Trägheitsmoment
Bild 4: Bestimmung des Trägheitsmoments.

Trägheitsmoment:
Das Bremsen oder Beschleunigen eines Laufrades erfordert eine bestimmte Kraft, die nicht nur vom absoluten Gewicht, sondern auch von der Gewichtsverteilung abhängt. Je weiter außen die Masse liegt, desto träger das Laufrad und die erforderliche Kraft. Eine schwere Felge ist deshalb ungünstiger als etwa eine schwere Nabe. Zum Messen des Trägheitsmoments beschleunigt eine definierte Masse das gelagerte Laufrad (siehe Bild 4). Zwei am Prüfstand montierte Lichtschranken messen dabei die Zeit, die das Gewicht über eine bestimmte Wegstrecke benötigt. Antriebsgewicht und die Lagerung des Laufrades sind so gewählt, dass der Einfluss der Lagerreibung in der Achse vernachlässigbar klein wird. Je schneller das Gewicht durch die Lichtschranken saust, umso leichter lässt sich das Laufrad auch in der Praxis beschleunigen.

Ein zu kleines Trägheitsmoment kann sich bei einer Abfahrt allerdings auch negativ auswirken. Auftretende Hindernisse wie Steine und Schlaglöcher überrollen träge Laufräder wesentlich leichter als drehfreudige Leichtbaumodelle und halten somit die Abfahrtsgeschwindigkeit aufrecht.

Speichenspannung/Lagerqualität: Nicht gemessen wurden die Streuung der Speichenspannung sowie die Lagerqualität. Speichenspannungen hängen maßgeblich von Form und Material der Speichen ab. Die Spannung von Messerspeichen aus Alu lässt sich nicht sinnvoll mit runden Stahlspeichen vergleichen. Die Messung der Lagerqualität kann nur an den ausgebauten Lagern erfolgen. Werte wie etwa das Lagerspiel hängen jedoch stark davon ab, wie fest das Lager in die Nabe eingepresst ist. Rückschlüsse vom ausgebauten auf den eingebauten Zustand sind schwierig und deshalb für einen seriösen Vergleichstest nicht sinnvoll.

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Diese Vorteile bieten leichte Laufräder

Sprint: Eine Zehntelsekunde sparen die leichten Tune-Laufrädern im Sprint gegenüber dem vergleichsweise schweren Enduro-Satz von DT – von 0 auf 25 km/h mit einer konstanten Vortriebsleistung von 350 Watt (s. Grafik unten). Die Zeitdifferenz resultiert sowohl aus dem Gewichtsunterschied als auch aus den unterschiedlichen Trägheitsmomenten der beiden Laufrad-Modelle. Eine Zehntelsekunde klingt nach relativ wenig, summiert sich aber bei längeren Fahrzeiten erheblich und kann im Rennen die entscheidenden Sekunden bringen.

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Redaktion



Uphill: Gleiches Bike, gleicher Fahrer, gleicher Anstieg und unterschiedliche Laufräder ergeben 48 Sekunden Zeitdifferenz. Das zeigt der rechnerische Vergleich zwischen zwei identischen Fahrten, einmal mit CC-Laufrädern von Tune und einmal mit den Enduro-Laufrädern von DT (s. Grafik unten). Die Berechnung bezieht sich auf einen konstant steilen 1000-Höhenmeter-Uphill bei einer gleichmäßigen Vortriebsleistung von 200 Watt. Leichte Laufräder sparen Zeit und Kraft. Aber:Für schwere Fahrer und auf ruppigen Abfahrten zählt Stabilität mehr als Zeit.

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Redaktion

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Für Gramm-Fetischisten und dicke Geldbeutel: Carbon-Laufräder von DT Swiss

XRC 1250 heißt der mit Spannung erwartete CC-Laufradsatz von DT Swiss. Testfähige Muster aus der Serienproduktion waren leider bis Redaktionsschluss nicht verfügbar – Testergebnisse liegen deshalb nicht vor. Schade, denn die komplett aus Carbon gefertigten Felgen stellen ein absolutes Novum im MTB-Laufradbau dar. Der Hersteller verspricht eine – gemessen am Gewicht – herausragende Steifigkeit.

Carbon, Titan, Keramik - DT Swiss geizt auch sonst nicht mit exklusiven Lösungen. In den Edelstahlkäfigen der Kugellager drehen sich extrem leicht laufende und verschleißarme Keramikkugeln. Die Titanachsen der DT-typischen Schnellspanner mit Ratschenfunktion sparen auch das letzte überflüssige Gramm ein. Alu-Nippel fixieren die je 24 zweifach gekreuzten Speichen pro Laufrad an den Carbonfelgen. Lohn der Mühe: 580 Gramm wiegt das vordere (Tune 593 g), 650 g (674 g) das hintere Laufrad. Nicht nur Leichtbaufetischisten bekommen da glänzende Augen.

Zu kaufen gibt es die Edel-Laufräder voraussichtlich ab März 2008. Kein Grund allerdings, bereits jetzt nervös mit den Füßen zu scharren: Für viele Interessenten werden die Kohlefaser-Räder auf ewig ein Traum bleiben. Warum? Sie kosten sage und schreibe 2400 Euro pro Paar. Selbst die Tune-Laufräder aus dem aktuellen Test erscheinen da als echtes Schnäppchen.

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Ein Traum aus Carbon: das CC-Laufrad XRC 1250 von DT Swiss.

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Laufrad-Tipps vom Profi

MB: Wodurch unterscheiden sich gute von schlecht aufgebauten Laufrädern?
H. Knall: Vor allem an der Speiche lassen sich Qualitätsmängel schnell feststellen. Der Speichenkopf muss flach auf dem Nabenflansch aufliegen, die Speiche möglichst gerade vom Flansch abgehen. Das garantiert lange Haltbarkeit und verhindert vorzeitiges Nachzentrieren. Nippel und Speiche sollten – beim Blick in die Felge – bündig abschließen. Auf der gegenüberliegenden Seite sollte dagegen kein Gewindegang rausschauen. Wenn doch: Finger weg! Berühren zwei Speichen einander beim Kreuzen, sollte der entstehende Biegeradius bei beiden Speichen gleich sein. Andernfalls herrschen ungleiche Spannun­gen. Ein abgedrehter Nippel-Vierkant ist ebenfalls ein Indiz für Schlamperei.

MB: Wo liegt der Vorteil konifizierter Speichen gegenüber Modellen mit konstantem Durchmesser?
H. Knall: Konifizierte Speichen wiegen weniger und sorgen für eine längere Haltbarkeit. Die Erfahrung zeigt, dass die geringere Elastizität von nicht konifizierten Speichen schneller zum Ermüdungsbruch führt.

MB: Welche Speichenanzahl ist empfehlenswert?
H. Knall: Auch im Leichtbau ist die sinnvolle Untergrenze 24. Experimente mit einer geringeren Anzahl gehen auf Kosten der Dauerhaltbarkeit. Wer stabile Laufräder sucht, nimmt 32 Speichen.

MB: Wo lässt sich am ehesten seriös Gewicht einsparen?
H. Knall: Am meisten bringt die Gewichtseinsparung an Felgen und Speichen. Diese Komponenten liegen am weitesten vom Drehpunkt entfernt und bestimmen maßgeblich das Massenträgheitsmoment des Laufrads. Die Jagd nach dem letzten Gramm beginnt bereits bei den Nippeln. Alu- statt Messingnippel sparen an einem Laufrad mit 24 Speichen 16 Gramm.

MB 0308 Laufräder Tipps H.Knall
MB-Laufradexperte Haider Knall baut auch für Profis Laufradsätze auf.

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Parts Rund ums Laufrad Lukas erklärt: So funktioniert Tubeless am MTB Lukas erklärt: Tubeless am MTB

Viele Biker tauschen im Reifen Schlauch gegen Dichtmilch.

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