Roc, Ride and Rule: Mittelmeer mal anders

MountainBIKE-Leser Alexander Rebs gewann ein Wochenende mit dem Cannondale-Team und durfte mit zum größten Bike-Festival der Welt.

Alexanders Herz schlägt bis zum Hals. Vor ihm erhebt sich ein gewaltiger Anstieg. Je weiter es nach oben geht, desto weniger Halt finden seine Reifen im sandigen Boden. Die anderen Fahrer aus seiner Gruppe folgen dem Meer von Reifenspuren. Alexander schert plötzlich aus, wählt eine scheinbar unvorteilhafte Linie mit vielen kleinen, buckeligen Felsen. Der Rest muss gerade Absteigen – der plötzlich völlig versandete Weg macht ein Weiterkurbeln unmöglich.

Anders Alexander: Seine felsige Linie bietet genug Grip für die Reifen, am Ende des Berges ist sogar die nächste Gruppe, die ebenfalls schieben musste, eingeholt. „Tja“, lächelt er innerlich, „den richtigen Meister muss man haben.“ In Alexander Rebs Fall sogar einen Weltmeister – und zwar Roel Paulissen vom Team Cannondale-Vredestein. Als den MountainBIKE Leser vor einiger Zeit die Nachricht von seinem gewonnenen Startplatz beim Roc d´Azur erreichte, wusste er noch nicht, was ihm blühte.

Roc, Ride and Rule

Auf Alexander Rebs wartete der komplette Race-Support, in dessen Genuss sonst nur die Profis vom Team Cannondale kommen: Flug, Hotel, Rennmechaniker und ein prall geschnürtes Kleidungspaket. Doch als Highlight stand im Département Le Var, wo das Roc d´Azur dieses Jahr 25-jähriges Jubiläum feiert, zusätzlich ein Scalpel, das ultraleichte Fully des weltbesten Race-Teams für ihn bereit.

Für Alexander Rebs hatte der Gedanke an die verregneten Trails in seiner Heimat Burgwald genügt, um am Gewinnspiel für den Startplatz beim Roc d´Azur im sonnigen Süden Frankreichs teilzunehmen. Steht doch der Event für geballte Bike-Power, bei dem über 100 000 Zuschauer und 15 000 Teilnehmer das Mountainbiken leben und zelebrieren. Dementsprechend war Alexander aus dem Häuschen, als ihn die Nachricht von seinem Gewinnpaket erreichte: „Das ist wirklich grandios, obwohl das Bike allein die Reise schon wert gewesen wäre. Bergab hätte ich mich am liebsten darauf festgeschnallt, so sehr ging es da vorwärts.“

Gerüstet wie die Profis trat unser Leser also zum Bike-Event der Superlative an, um sich - weltmeisterlich unterstützt - richtig zu quälen.

Chacun à son goût - Jeder nach seinem Geschmack

Ob man sich quälen oder einfach genießen will, ist hier frei nach dem französischen Motto jedem selbst überlassen. Die vielen unterschiedlichen Rennen lassen von Jahr zu Jahr Bikerherzen jeder Leistungsklasse höher schlagen. Zusammen mit Profis wie Stefan Sahm, Roel Paulissen, Jochen Käß, Karl Platt und Wolfram Kurschat können die Starter zwischen Cross-Country-Rennen, Marathons unterschiedlichster Distanzen und einigen weiteren Rennen auswählen.

Neu hinzu kamen in diesem Jahr beispielsweise der Maxim Roc Down und der Rando Doc Noire. Egal welches Rennen: Auf dem Festival nahe der Stadt Fréjus wird garantiert jeder Biker-Typ glücklich. Der hauteng gekleidete und eingeölte Vollblut-Racer kommt bei dem Rahmenprogramm wie Trial-Show, Konzerten und Modenschau genauso auf seine Kosten wie der stylische Dirtbiker. Und auch die Jüngsten haben bei speziellen Fahrtechnikkursen ihren Spaß.

„Jetzt weiß ich, warum es Roc d´Azur heißt.“

MB-Leser Alexander Rebs, der nebenbei ein erfahrener Racer ist und bei 20 Starts in dieser Saison bereits 15 Podiumsplätze und sieben Siege aufweisen kann, startete im 55 Kilometer langen Hauptrennen und erreichte von knapp 3500 Startern einen sehr guten 286. Platz: „Ein irres Rennen. Die felsige Location ist wirklich erbarmungslos hart. Jetzt weiß ich, warum es Roc d´Azur heißt.“ Eindeutiger Gewinner des sechstägigen Festivals ist jedoch „Teamkollege“ und Marathon-Weltmeister Roel Paulissen, der neben dem Hauptrennen auch noch souverän die Langdistanz für sich entscheiden konnte.

Hautnah bei den Stars

Zwischen den Rennen nutzte unser Leser dann die einmalige Chance, die Profis vom Team Cannondale besser kennen zu lernen. Wann bietet sich dem Normalo-Biker diese Gelegenheit schon mal? Abends beim Essen im Hotel, oder auch bei der Massage für die geschundenen Beine ließ es sich bestens über alles diskutieren, was das Racer-Herz interessiert. „Egal ob Paulissen, Jakob Fuglsang oder Kashi Leuchs: Mit jedem der Teamfahrer konnte man sich super unterhalten“, resümiert Rebs. Da hat er wohl noch mal Glück gehabt, ist dies doch die letzte Saison, in der die drei Fahrer das Team von Cannondale bilden.

So wechselt Kashi Leuchs zum Team Garmin-Felt und Jakob Fuglsang zum Straßenrennstall CSC. Doch neben dem direkten Kontakt mit den Profis gab es noch andere Highlights für unseren Leser. „Die Betreuung war natürlich auch einzigartig. Da fühlt man sich wirklich ein bisschen wie ein Star.“ Einen Schock gab es beim Einstellen des Bikes: Die verbaute Sattelstütze war zu kurz. Normalerweise kein Problem für die Mechaniker, passenden Ersatz zu finden.

Doch auf dem gesamten, 12 000 Quadratmeter großen Ausstellungsgelände war keine Stütze mit passendem Durchmesser und Länge aufzutreiben. „Da hat sich der Jens (Jens Haug, Brand Manager Cannondale, Anm. d. Red.) ins Auto gesetzt, ist in die nächste Stadt gefahren und hat eine gekauft“, lacht Rebs über die Aufmerksamkeit, die ihm zu Teil wurde.
Im Rennen war er dann natürlich auf sich selbst gestellt. Statt der sensationellen Aussichten auf das Mittelmeer und den Düften der mediterranen Landschaft herrschten während des Wettkampfs für ihn Tunnelblick und der Geruch von Schweiß und Muskelöl vor.

Doch der Racer ist überglücklich mit seinem Gewinn. „Ein unvergesslicher Event. Vielen Dank an MountainBIKE und natürlich an das gesamte Cannondale-Vredestein-Team.“

27.10.2008
Autor: Florian Dietrich
© MOUNTAINBIKE