Shimano XTR 1x12: M9100-Baureihe ab 2019

Video: MOUNTAINBIKE/Shimano
Alle fünf Jahre wieder: Shimano bringt die Edelschaltung XTR neu! Diese schaltet nun durch 12 Gänge, es gibt in Summe drei Varianten für 1-fach-Kurbel, eine für 2-fach. Wir haben die vorläufige Infos zur neuen Top-Gruppe.

Die neue Shimano XTR steht in den Startlöchern! Die Topgruppe der Japaner wird erstmals in drei Varianten verfügbar sein. So sollen XC-Racer, Marathon-Piloten und Enduro-Rennfahrer in den Genuss der neuesten Technologie von Shimano kommen.

Die Unterschiede fallen dabei sehr fein aus: So ist die neue XTR M9100 als Einfach und Zweifach-Schaltung verfügbar sein. Beide setzten dabei auf 12-Ritzel, wahlweise mit 10-45 oder 10-51er-Abstufung.

Ein überarbeitetes Befestigungssystem für Schalt- und Bremshebel gibt Bikern die Möglichkeit zur individuellen Anpassung des Cockpits.

Ein neuer Auslösehebel für versenkbare Sattelsützen erhält ebenfalls Einzug ins neue Flagschiff. Die neue XTR soll gegenüber ihrer Vorgängerin in der XC Konfiguration mehr als 150 g an Gewicht verloren, für den Enduro-Einsatz kommen laut Shimano immerhin noch 90 g Gewichtsersparnis zusammen.

Kurz&Knapp: Die neue Shimano XTR M9100

  • 1x12 und 2x12-Gänge an der neuen Topschaltung
  • Kassettenoptionen
  • Freilaufkörper mit Micro Spline erforderlich
  • Bremsen erstmals mit 2-Kolben und Vierkolben zu haben
  • Di2-Variante wird voraussichtlich 2019 vorgestellt
  • als XC-Variante um 150g leichter, Enduro-Version knapp 90g
  • Preise noch nicht bekannt
Foto: Shimano

Die Kassette: Shimano XTR M9100

Dieses Bauteil bricht die Gesetzte der XTR-Familie. Erstmals bietet die Topgruppe aus Japan 12 Gänge! Die Gangsprünge der neuen XTR sollen besonders gering ausfallen. Trittfrequenz, Rhythmus und Vortrieb sollen laut Entwicklerteam weiterhin hoch bleiben. Dafür geht Shimano auf einen Schritt weiter als Konkurent Sram: Die Kassette der XTR bietet maximal 51 Zähne. Sram hat bei der Eagle aktuell 50 Zähne zu bieten. Die genaue Abstufung der Kassette lautet: (10-12-14-16-18-21-24-28-33-39-45-51Z)

Außerdem bietet Shimano eine zweite Kassette im Lineup. Sie könnte für Biker mit Vorliebe für Zweifachsysteme die erste Wahl werden oder für Racer, die auf jedes Gramm achten. Die Abstufung: (10-12-14-16-18-21-24-28-32-36-40-45Z) Hightech: Die größten Ritzel sind aus Aluminium gefertigt, die mittleren aus Titan und die kleinsten aus Stahl.

Besonderheit: Speziell für Mountainbiker, für die besonders stabile Laufräder bei dennoch geringem Gesamtgewicht des Bikes von Bedeutung sind, hält die neue XTR zudem eine dritte Kassetten-Option (CS-M9110-11) bereit. Basis für stabile Laufräder ist in der Regel ein breiterer Nabenflansch, der jedoch den zur Verfügung stehenden Raum für die Kassette beschränkt. Daher baut die CS-M9110-11 Kassette auf der regulären 10-51-Z-Kassette auf, allerdings ohne das 51er Ritzel. Damit bietet sie nach wie vor ausreichend Bandbreite für viele Einsatzszenarien, baut aber schmaler und ist deutlich leichter. Der Clou: Da diese neue 11-fach-Kassette demzufolge über den identischen Ritzelabstand verfügt wie die 12-fach-Kassetten sind keine speziellen Schalthebel und keine spezielle Kette nötig – sie lässt sich nahtlos in die 12-fach-Systeme integrieren.

Naben-Technologie: Micro Spline

Die neue Riesenkassette der XTR mit 51 Zähnen passt künftig nicht mehr auf normale Shimano-Freiläufe. Das Zauberwort? Micro Spline. Der Freischlaufkörper hat eine neu Struktur und wird vorerst nur auf Shimano- und DT-Swiss-Naben erhältlich sein. Die hauseignee Shimano Nabe (FH-M9110B) wird in Boost und 142mm-Breiten verfügbar sein. Flüsterleise soll der Freilauf sein - die neue Skylence-Technologie mit Ratschensystem soll den Reibungswiderstand und Geräusch minimieren. Die Vorderradnabe der neuen XTR gibt es in 100mm Einbaubreite und in Boost.

Ebenfalls interessant:

Foto: Shimano

Kurbel: Shimano XTR FC-M9100/M9120-1)

An den Kurbelarmen bleibt sich Shimano treu: Weiterhin sind sie hohlgeschmiedet. Neu hingegen sind die Einfach-Kettenblätter mit speziellen Zähnen. Sie sollen die Ketten verlässlich dank DYNAMIC CHAIN ENGEGEMENT PLUS-Technologie auf dem Blatt halten. Die Bandbreite der verfügbaren Kettenblätter reicht von 30-38 Zähnen. Für Enduropiloten und Fahrer die ruppiges Gelände mögen gibt es nun eine eigens entwickelte Kettenführung.

Für Fans von Zweifach-Antrieben hat Shimano eine eigene Kurbel im Repertoir: Die FC-M9120 hat zwei Kettenblätter mit 38 und 28 Zähnen und ist außerdem in einer variante mit verbreiterem Q-Faktor erhältlich.

Foto: Shimano

Schaltwerk: Shimano XTR RD-M9100-GS/SGS

. Aufgepasst: Zwischen Einfach und Zweifach-Systemen unterscheidet sich auch das Schaltwerk. So hört das XTR-Schaltwerk für Einfach auf den Namen RD-M9100-GS/SGS, die 2x-Variante auf RDsM9120-SGS. Das neue XTR-Schaltwerk muss es mit gigantischen 51 Zähnen an der neuen Kassette aufnehmen - deswegen gibt es vom Typ Einfachschaltwerk zwei Modelle: Der mittellange Käfig reich für die 10-45 Kassette, wer die vollen 51 Zähne hinten will muss auf den langen Käfig zurückgreifen.

Das Design ist weiterhin auf XTR-Niveau: Weiterhin sin die Linien zurückhaltend aber dennoch sportlich gestaltet. Für verbesserte Schaltperformance haben die Leit und Spannrollen am Schaltwerk nun 13 anstatt 11 Zähne. Um die Kette zu stabilisieren verbaut Shimano die bekannte Shadow Plus-Technologie mit Reibungsdämpfer.

Für Zweifach-Systeme steht ein Side Swing Umwerfer names FD-M9100 zu Verfügung, der als E-Type, Direct Mount und Klemmschellvariante verfügbar ist.

Foto: Shimano

Schalthebel: XTR M9100

Schnell reagieren, schnell schalten: Das soll mit den neuen Schalthebeln der XTR-Gruppe nun noch leichter vonstatten gehen. Mit dem neuen I-Spec-System werden die Schrauben am Lenker reduziert. Der Schalthebel wird mit einer Schraube an der Bremsklemmung fixiert und ist um 14mm in der Längsrichtung verschiebbar. Im Winkel zum Handgelenk haben XTR-Fahrer nun 60° Spielraum für Anpassungen.

Immer mehr XC-Biker setzten auf absenkbare Sattelstützen. Deswegen bietet die XTR einen eigenen Auslösehebel für Dropperposts an, viele gängige Stützen sollen damit kompatibel sein.

Bewährte Features wie RAPIDFIRE Plus, 2-Way Release und Multi Release hat die neue XTR von ihrer Vorgängerin übernommen. Hinzugekommen ist beim rechten
Schalthebel der M9100 Serie (SL-M9100-R/-IR) dagegen ein Mode-Converter für die Umstellung von 12-fach auf 11-fach. Der linke RAPIDFIRE Plus Mono Schalthebel für 2-fach-Systeme ist dagegen eine komplette Neuentwicklung, bei der mit nur noch einem Hebel aufs große wie aufs kleine Kettenblatt geschaltet wird. So wird der Hebel zum Hochschalten mit dem Daumen nach vorne gedrückt, federt aber nicht wie bisher danach zurück, sondern bleibt in dieser Position arretiert. Zum Herunterschalten aufs kleine Kettenblatt wird einfach diese Arretierung durch nochmaliges Drücken mit dem Daumen oder Zug mit dem Zeigefinger gelöst.

Ebenfalls interessant:

Foto: Shimano

Bremsen (Race): Shimano XTR (BR-M9100)

Für Racer hat Shimano weiterhin die bewährte Zweikolben-Variante der XTR am Start. Besonderheit: Die Gebereinheit stützt sich am Lenker ab, was den Bremsdruck nochmals erhöhen soll. Der Bremshebel selbst soll gegenüber dem Vorgängermodell nochmals abgespeckt haben.

Foto: Shimano

Bremsen (Trail): Shimano XTR BR-M9120

Erstmals gibt es die XTR auch in einer starken Vierkolben-Ausführung. Die BR-9120 richtet sich an abfahrtsorientierte Biker, die eine bissige Bremse suchen. Die Griffweite ist individuell einstellbar, der Bremshebel ist neu entwickelt worden und lässt sich im Leerweg verstellen.

Neu sind an der XTR auch die Beläge sowie die Bremsscheiben. In der Vierkolben-Variante kommen Beläge mit Kühlrippen zum Einsatz, die die Bremspower der XTR nochmals deutlich steigern sollen. Schmankerl für XC-Racer und Grammfeilscher: Für die Zweikolbenbremse gibt es optional Resin-Beläge mit Titan-Trägerplatte.

Die Bremsscheiben verlieren im neuen Modelljahr an Gewicht: So soll der Rotor mit 203mm-Durchmesser 30g an Gewicht verlieren, die 160 und 140mm-Variante fallen um 5 bzw. 10g. Das geschlossene Design hört weiterhin auf den Namen Ice Technologies Freeza und soll Wunder in der Wärmeableitung vollbringen: Gegenüber des Vorgängers sollen die Rotoren nochmals um 20° bessere Ableitungswerte zu stande bringen.

Im Video: Die neue XTR M9100

Video: MOUNTAINBIKE/Shimano

Kommentar: André Schmidt (Redaktionsleiter MOUNTAINBIKE)

Vom Jäger zum Gejagten: Der MegaErfolg der Sram-Eagle-Schaltung zwang Shimano zum Handeln. Es galt, eine ebenbürtige 1 x 12-Schaltung zu entwerfen, gleichzeitig aber den Ruf der XTR als Innovationstreiber zu bewahren – und auch noch, die 2-fach-Fans nicht zu vergraulen. Letzteres ist mir persönlich(!) egal, an mein Bike kommt kein Umwerfer mehr. Und die bahnbrechenden Neuerungen sehe ich bei der XTR auch nicht. Dennoch kann ich kaum erwarten, sie auszuprobieren! Denn nun habe ich wieder die Wahl: Eagle oder XTR. 10–50 Zähne oder 10–51. Knackig, präzise Maschinengewehr Gangwechsel im US-Style oder leichtgängigster Schaltkomfort mit feinstem Japan-Finish. Der Kampf der Giganten ist wieder da. Endlich.

Ebenfalls interessant:

25.05.2018
Autor: Lukas Hoffmann
© RoadBIKE