MTB-Evolution in Perfektion: Das neue 2012er Scott Spark

Scott Spark 2011

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Ob auf der Rennstrecke mit dem Swisspower-Team um Weltmeister Nino Schurter oder in unzähligen Biketests: Das zigfach siegreiche Scott Spark hat sich einen Platz in der MTB-Ruhmeshalle wahrlich verdient, revolutionierte vor sechs Jahren mit superleichtem Carbon-Rahmen und verstellbarem Federweg das Racefully-Genre. Nun scharrt der Nachfolger mit den Stollen – und das in zwei Varianten, mit 26“- oder 29“-Laufrädern. Zudem werden 26er wie 29er in Carbon oder Aluminium angeboten.

MountainBIKE nahm die nahezu serienreifen Carbon-Versionen (26“ und 29“) bereits in der Toskana unter die Lupe. Generell ist das Spark eine komplette Neuentwicklung. Angefangen bei der Geometrie: Das Oberrohr wuchs um etwa fünf Zentimeter, um besser mit aktuellen Cockpits (kurzer Vorbau, breiter Lenker) zu harmonieren.

Sitz- und Lenkwinkel stehen einen Tick flacher, das Tretlager liegt tiefer als beim Vorgänger. Zudem lässt sich mittels „Travel Chip“ am oberen Hebel des Hinterbaus die Tretlagerhöhe um 10 mm, der Lenkwinkel zwischen 68° und 68,7° sowie der Sitzwinkel zwischen 73,5° und 74,2° verstellen.

Den Federweg bohrten die Scott-Ingenieure auf: Am Heck stehen 120 mm (statt 115 mm) parat, an der Front werkeln ebenfalls 120 mm. Das Spark 29 wartet vorne wie hinten mit 100 mm auf Hindernisse.

Herzstück des Spark bleibt indes das eigenständige Traction-Mode-System, mittels dreistufigen Twinloc-Hebels am Lenker passt der Spark-Pilot das Fahrwerk auf Knopfdruck an. Im „Full Mode“ federn und dämpfen voll aktive 120 mm Federweg, der „Traction Mode“ verknappt den Federweg am Heck auf 85 mm (29er: 70 mm) und erhöht gleichzeitig die Druckstufen-Dämpfung der Gabel. Schließlich blockiert ein weiterer Klick am Twinloc-Hebel Gabel wie Hinterbau.

Komplett neu ist dabei das zusammen mit DT Swiss entwickelte Nude2-Federbein mit zwei Positiv- und einer Negativ-Luftkammer. Während der Vorgänger-Dämpfer im Traction-Mode lediglich die zweite Positiv-Luftkammer schloss, wird beim Nude2 auch der Ölfluss der Lowspeed-Druckstufe unterbrochen. Zudem dämpft die Negativ-Luftkammer nun nicht mehr mit Elastomeren, was in Summe das teils „Flummi-artige“ Fahrgefühl des alten Spark-Traction-Mode eliminieren soll.

In der Praxis überzeugte die Neu-Entwicklung der Schweizer auf dem Cross-Country-Weltcup-Kurs von Maremma. „Der Hinterbau spricht sensibel an, nutzt den Hub dann wunderbar definiert aus, ohne wie beim alten Spark durch den Federweg zu rauschen“, lobte MB-Testchef André Schmidt. Überhaupt wirkte das komplette Fahrwerk sehr harmonisch, der Traction-Mode macht nun auch abseits von glatten Schotterpisten endlich Sinn – zumal die Charakteristik der mittels Twinloc strafferen SID-Gabel von Rock Shox prima zum Hinterbau passt.

Und: Obwohl deutlich verändert, erzeugte die Geometrie bekanntes Spark-Feeling. Schmidt: „Speziell das 26er passte mir auf Anhieb perfekt, ließ sich spielerisch manövrieren, ohne Einbußen bei der Laufruhe.“ Beim Spark 29 verlangte die überraschend flache Geometrie (tiefes Tretlager, Sitzwinkel 72,5° im „Low Setting“) bei steilen Anstiegen mehr Körpereinsatz, belohnte diesen dafür mit fantastischer Traktion.

1790 Gramm soll der neue 26“-Rahmen in Größe Medium inklusive Federbein wiegen – etwa 50 Gramm weniger als beim bereits auf First-Class-Niveau liegenden Vorgänger. Den 29“-Frame gibt Scott mit nicht minder exzellenten 1890 Gramm an.

Der Fokus der Scott-Entwickler lag jedoch auf der Verbesserung der nicht mehr ganz zeitgemäßen Steifigkeiten des Carbonis: konisches Steuerrohr, 12-mm-Steckachse im Heck (Ausfallenden austauschbar!), größere Achs-Durchmesser der Hinterbau-Hardware sowie die im One-Piece-Verfahren gefertigten Steuerrohr- und Tretlagereinheiten sorgten auch in der Praxis für spürbar geringeren lateralen Flex.

FAZIT: Im Gegensatz zum Vorgänger wird das neue Spark das Racefully-Genre nicht revolutionieren, aber es ist in jeder Hinsicht eine gelungene Evolution: noch leichter, spürbar steifer und mit einem wesentlich verbesserten, variablen und intuitiven Fahrwerk als Alleinstellungsmerkmal. Die neue 29“-Version macht die Wahl des passenden Sparks zudem zur (angenehmen!) Qual.

Auf dem Demo-Day der Eurobike 2011 stellt Reto Aeschbacher, Head of Marketing bei Scott, das Scott Spark 29 für MountainBIKE-Magazin.de vor.

08.06.2011
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE