Canyon 2018: Das neue Torque & Spectral

Foto: Boris Beyer Canyon Spectral 2018

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Die Gerüchteküche brodelt über: Welche neuen Bikes bringt Versender-Gigant Canyon 2018 auf den Markt? Wir haben es gecheckt und durften das neue Spectral schon fahren.

Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis Canyon die ersten neuen Modelle im Lineup für 2018/2019 zeigt. Wir zeigen, welche Bikes die Koblenzer für 2018/2019 in Petto haben.

Plus: Erster Fahrbericht zum brandneuen Spectral und zum Torque

Das neue Canyon Spectral:

Kurz & Knapp: Das neue Canyon Spectral:

  • All-Mountain Fully mit 27,5-Zoll Rädern und 150/140mm Federweg
  • Neuer Hauptrahmen mit feiner ansprechendem Hinterbau und "liegender" Dämpferposition
  • Flachere, längere, stärker abfahrtsorientierte Geometrie
  • Rahmen bietet die Möglichkeit zur Montage eines Umwerfers
  • Preise von 2199 Euro bis 6999

Wurde das Spectral dank seiner durch und durch perfekten Mischung aus Uphill-Tauglichkeit und Abfahrts-Performance bei geringem Gewicht und Sahne-Fahrwerk von unseren Lesern bereits zum Mountainbike des Jahres 2016 gewählt, zielt es anno 2018 noch stärker Richtung Tal. Beim komplett neu designten Rahmen ließen sich die Ingenieure vom hauseigenen Downhill-Bike Sender inspirieren, was auf den ersten Blick an der Fahrwerkskonstruktion mit zwischen Sitzstrebe und Unterrohr „liegendem Dämpfer“ sichtbar wird. Trotz Downhill-Tunings folgt Canyon mit dem Spectral dem aktuellen 29“-Trend bei langhubigen Bikes jedoch nicht und stellt das Bike auf 27,5“-Laufräder, die Reifen kommen jedoch in der angesagten Zwischenbreite 2,6“, die sich als neuer Standard bei trailverliebten Bikes und Bikern zu etablieren scheint. Eine Wahl, die laut Canyon den besten Kompromiss aus Traktion und agilem Handling bietet. Der Lenkwinkel steht mit 66° für ein All-Mountain überaus flach, ein Grad flacher als beim Vorgänger. Die Oberrohrlänge und der Reach, also der horizontal gemessene Abstand von Tretlagermitte zur Steuerrohrmitte, wurden etwa einen Zentimeter länger gezeichnet. Sie wachsen in Rahmengröße M auf 605 mm und 440 mm an. Grau ist alle Zahlentheorie, doch sie verspricht ein Höchstmaß an grün gesäumter Abfahrtseuphorie, wenn es im Trail ans Eingemachte geht. Auch die Kettenstreben sind mit nun 430 mm nicht mehr extrem kurz, wodurch der Radstand um knapp zwei Zentimeter auf 1172 mm anwächst. Klettern dürfte das neue Spectral also exzellent wie gehabt, wurde der fürs Pedalieren in langen Anstiegen nicht zu flache Lenkwinkel von 74,5° doch beibehalten.
Hinterbaudesign „inspired by Sender“.

Canyon Spectral 2018: Neuer Hinterbau

Zwar ist man in puncto Federweg bei 150 mm an der Front und 140 mm am Heck geblieben, die Übernahme der Heckfederung vom Downhill-Bike Sender mit annähernd horizontal liegendem, statt senkrecht stehendem Dämpfer soll die Hinterbau-Performance optimieren. So erlaubt diese Bauart eine direktere Anlenkung des Dämpfers mit extrem kurzer Umlenkwippe, was eine verbesserte Traktion und effizientere Ausnutzung des Federwegs gewährleisten soll. Zudem kann ein längerer Dämpfer mit mehr Hub verbaut werden. Ab Rahmengröße M kommen 230 mm lange, bis Größe S 210 mm lange Dämpfer zum Einsatz. Zudem soll der Hinterbau bei Schlägen im ersten Drittel des Federwegs feiner ansprechen. Im mittleren Drittel des Federwegs soll das Bike Untergrund-Feedback geben und wie eine Plattform wegsacken verhindern. Im letzten Drittel des Federwegs wird mit einer progressiven Kennlinie verhindert, dass der Dämpfer durch den Federweg „rauscht“ oder durchschlägt. Etwaige Probleme mit der Montage eines Flaschenhalters durch den liegend montierten Dämpfer treten nur bis Größe S auf. Canyon kontert dies mit einem Doppelflaschenhalter, dessen zwei 400-ml-Flaschen seitlich entnommen werden. Zudem kann im vorderen Winkel des Rahmendreiecks optioanl ein kleines Zubehörkistchen montiert werden, das Stauraum für Werkzeug, Riegel, Schlauch und Co. bietet.

Canyon offeriert das Spectral in drei Rahmenvarianten. Die zwei teuersten Modelle für 6999 und 4999 Euro kommen mit Hauptrahmen und Hinterbau aus Carbon. Drei Modelle mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Hinterbau sind in der Preisspanne zwischen 2999 bis 3999 Euro angesiedelt. Zudem wurden drei Modelle mit Aluminium-Rahmen zwischen 2199 bis 2699 Euro angesetzt. Erfreulich für Freunde des beidhändigen Schaltens: sämtliche Spectral-Modelle bieten die Möglichkeit, einen Umwerfer zu montieren.

Foto: Boris Beyer Canyon Spectral 2018

Canyon Spectral 2018: Zwischen All-Mountain und Enduro

Redakteur Christian Zimek testete das Spectral CF 9.0 SL mit Sram-XO1-Eagle-Schaltung, Fox-Factory-Fahrwerk, Sram-Guide-RSC-Bremse, DT-Swiss-Laufrädern und einer 2,6 Zoll breiten Maxxis-Reifenkombi aus Minion DHF und Recon+. Und das Bike liebt es hart! Die Geometrie lässt das Bike nicht zu nervös oder träge über heftige Trails tanzen, selbst in gröbstem Geläuf vermittelt das Bike jede Menge Sicherheit und animiert, die Grenzen auszuloten. Bei heftigen Schlägen meint man, mit 160 mm Heckfederweg unterwegs zu sein, doch ist das Bike beileibe kein Brummer. Mit seinen 12,5 kg (Herstellerangabe) klettert es vorzüglich mit hoher Traktion, das minimal stärkere Wippen im Vergleich zum Vorgänger fällt kaum auf, zudem steht ein gut erreichbarer Dämpfer-Lockout parat. Wer 2018 ein potentes All-Mountain sucht, kommt am Spectral nicht vorbei.

Im Video: Das neue Canyon Spectral

Video: MOUNTAINBIKE / Boris Beyer
Foto: Canyon

Das neue Canyon Torque

Kurz & Knapp: Das neue Torque
?Freeride-Fully mit 180 mm Federweg an der Front, 175 mm am Heck
?Komplett neu designter Rahmen mit Wippendrehpunkt am Sitzrohr und liegender Dämpferposition, angelehnt ans Downhill-Bike Canyon Sender
?Rahmen mit zwei Material-Varianten: Carbon-Hauptrahmen mit Alu-Hinterbau oder Aluminium komplett
?Preise zwischen 2199 und 4999 Euro

Fans der heftigen Gangart, die selbst an einem Enduro-Bike Federwegsreserven vermissen, sich aber auch keinen schweren Downhiller mit Doppelbrückengabel ins Haus holen wollen, finden in Freeride-Bikes die perfekte Alternative. Auch das neue Torque zielt mit seinen 180 mm Federweg an der Front und 175 mm am Heck auf die Zielgruppe zwischen Endurist und Abfahrtsfreak. Drei Ausstattungsvarianten mit einer Preisspanne von 3499 bis 4999 Euro besitzen einen Hauptrahmen aus Carbon, kombiniert mit einem Alu-Heck. Vier Modelle mit reinem Aluminium-Rahmen bietet Canyon im Preisbereich zwischen 2199 und 2999 Euro an. Wie beim Spectral haben die Koblenzer auch beim Torque das Hinterbaudesign des Downhill-Bikes Sender übernommen. Feines Ansprechen bei kleinen Schlägen im ersten Drittel des Federwegs, Stabilität und lineares Ansprechen im zweiten Drittel und progressive Charakteristik als Durchschlagschutz im letzten Drittel des Federwegs standen im Lastenheft der Entwickler. Auf wendigen 27,5"-Laufrädern stehend, sorgt der sehr flache 65,3°-Lenkwinkel für souveräne Kontrolle und ein ruhiges Händchen, wenn der Trail zum Schlag ausholt. Die Kettenstreben sind mit 425 mm wendig-kurz gehalten, auch ein sehr kompaktes Oberrohr und ein nicht zu langer Reach (440 mm bei Größe M) sprechen für ein wendig-spritziges, verspieltes Handling. Auf den Downhill-Trails von Madeira konnten wir das Bike in der Top-Ausstattung CF 9.0 Pro bereits testen. Die Ausstattung bietet erlesene Teile, wohin man auch schaut: Fox-Factory-Federelemente, Sram-X01-Eagle-Schaltung, Sram-Code-RSC-Bremsen, Mavic-Deemax-Pro-Laufräder. Die 2,5" breiten Mavic-Claw/Charge-Reifen sind wir mit einem Reifendruck von 1,6 Bar gefahren, um ausreichende Traktion auf den verschlammten Trails zu erzielen. Generell zeigt das Torque-Fahrwerk sofort die Gene eines Downhillers, schluckt Drops und Steinfelder mühelos weg. Die Drehfreude ist für ein so federwegsreiches Bike enorm, ohne dass es spürbar an Laufruhe einbüßt.
Nachwuchs in der Gravity-Familie

Weitere Neuigkeit: Das angesprochene Downhill-Bike Sender ist ab sofort auch mit Alu-Rahmen ab 2499 Euro erhältlich. Zudem werden alle Gravity-Bikes künftig mit Komponenten der neuen Hausmarke G5 bestückt. Die selbstentwickelten Lenker, Vorbauten und Griffe sollen die marktüblichen Sicherheitsstandards deutlich übertreffen.

Racefullys: Was folgt auf das Lux?

Das Racefully Lux ist - vorsichtig gesagt - ein wenig in die Jahre gekommen. Bereits drei Modelljahre hält sich der "Luchs" nun schon im Produktportfolio der Koblenzer gehalten. Zeit für einen Wechsel.

Wir erwarten spätestens zum legendären Etappenrennen Cape Epic ein neues Racefully. Denn: Das Topeak-Ergon Racing Team um Marathon-Weltmeister Alban Lakata (38) ist auf Canyon-Bikes unterwegs. Traditionell gehört der Österreicher mit seinem Team Kollegen Kristian Hynek zu den Gesamtsieg-Favoriten. Die Konkurrenz schläft nicht: Das für die Koblenzer Equipe brandgefährliche Team Bulls hat ein brandneues Arbeitsgerät bekommen. Das Wild Edge. Und auch bei Specialized wurde eine neue Waffe für Jaroslav Kulhavy und Christoph Sauser entwickelt: Das brandneue Epic soll Etappen gewinnen und die beiden zurück auf den Epic-Thron bringen. Wir sind das Epic bereits gefahren. Hier gehts zum Testbericht

Auch im Cross-Country wird es auf den technischen Strecken immer anspruchsvoller für die Fahrer. Canyons Top-Athletin Pauline Prevot dürfte sich über ein neues, leichteres Fully freuen.

11.12.2017
Autor: Lukas Hoffmann
© MOUNTAINBIKE