Cross-Country- und Freeride-MTB in einem: die Wiedergeburt des Cannondale Jekyll

Nach dem spektakulären Hardtail-Mountainbike "Flash" will sich Cannondale mit dem Jekyll dank eines revolutionären MTB-Dämpfungssystems die Krone bei den 150-mm-Trailbikes holen.

Zwei Dämpfer in einem, zwei komplett separat regelbare Set-ups, kurz: zwei Bikes in einem – Welcher Bike-Hersteller träumt nicht von der eierlegenden Wollmichsau, dem Bike für alle Fälle? Einem Leicht-Bike, das agil, ohne wippende, kräftezehrende Störmanöver wie ein Cross-Country-Bolide klettert. Das bergab wie eine Downhillmaschine performt, mit einem direkten Ansprechverhalten, fehlerverzeihend, mit der perfekten Kontrolle.

Mit der Wiedergeburt des Jekylls will Cannondale nichts weniger als das erreichen. Auf den spektakulären Trails im Südwesten der USA, genauer in Park City/Utah, haben die Amerikaner ihr neues 150-mm-Trailbike präsentiert, MountainBIKE war dabei. Nebst einem Relaunch des Racefullys Scalpel und einem neuen 29er-Flash raubten aber vornehmlich die langhubigen Bikes die Aufmerksamkeit der anwesenden Fachpresse: Cannondale will 2011 mit einem 180-mm-Enduro namens Claymore und dem 150-mm-Jekyll zurück in die Liga der erhöhten Federwege.

Nach der Verpflichtung von Entwicklungsguru Peter Denk (der „Vater“ des Scott Genius und Ransom) protzen die Amis geradezu vor Selbstvertrauen: Mit dem 11,6 Kilo leichten Jekyll (Topversion Jekyll Ultimate) riefen sie überaus selbstbewusst gar eine neue Bike-Kategorie aus: „OverMountain“ soll sie heißen – und den Remedys, Genius etc. dieser Welt den Kampf ansagen. Das Claymore wurde zwar fertig montiert präsentiert, der Prototyp war allerdings noch nicht fahrbar.

Im Zentrum stand deshalb das Trailbike. Kernstück der Jekyll-Innovation: die überdimensionale Dämpfer-Konstruktion, einer Kombination separat arbeitender Luft-Dämpfer, die miteinander verbunden sind, aber völlig unabhängig arbeiten. Der in Zusammenarbeit mit Fox entwickelte „DYAD-RT2“-Dämpfer hat zwei unterschiedlich große Luftkammern und ermöglicht ein Uphill- und ein Downhill-Set-up, bei dem SAG, Rebound etc. komplett unabhängig voneinander einstell- bzw. regelbar sind.

„In dem Jekyll steckt ein Cross-Country-Bike und eine Downhill-Maschine“, verkündete Entwickler Peter Denk. Im „Elevate-Modus“ beträgt der Federweg 90, im „Flow-Modus“ 150 mm, die System-Umstellung ist per Hebel am Lenker einfach zu bedienen. Die massive Konstruktion, die im unteren Rahmendreieck durch ein extrem breites, verstärktes Unterrohr sowie zwei Lager im Rahmen hervorgehoben wird, soll einen tiefen Schwerpunkt garantieren. Ebenfalls auffällig: die sehr breit gebauten Ausfallenden und die massive Bremsaufnahme.

„Das Jekyll ist nicht nur eine Wiedergeburt eines alten Modells. Es ist auch eine moderne Rückbesinnung auf den ureigenen Gedankens des Bikens: nämlich mit einem Bike alles fahren zu können“, sagt Peter Denk. „Heutzutage muss man sich doch ein Bike für jeden Einsatzzweck holen: CC, AM, Downhill – diese Entwicklung ist eigentlich ungut für den Sport. Mit dem Jekyll haben wir das Ziel verfolgt, mit einem Rad so viel wie möglich machen zu können - sowohl Marathons, eine Megavalanche als auch eine Alpenüberquerung bewältigen zu können, vor allem aber: ein geiles Tourenbike zu realisieren. Dieses Konzept ist natürlich nicht neu, nur: bislang eben nur mit zu vielen Kompromissen verbunden, vor allem bei den Dämpfungen. Die Performance unserer Luftfederung ist hingegen der einer Stahlfeder sehr, sehr ähnlich.“

Viele Innovationen, hohe Preise: Cannondale gehört nicht gerade zu den günstigsten Herstellern. Für die beiden Highlights muss man tief in die Tasche greifen. Das Jekyll kommt in fünf Varianten, die drei Carbon-Modelle kosten 7499 (Jekyll Ultimate), 5499 (Jekyll 1) und 4299 Euro (Jekyll 2), die Alu-Versionen 3299 bzw. 2499 Euro. Die Preise der drei Claymore-Alu-Modelle betragen 2999, 3799 und 5499 Euro.

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22.06.2010
Autor: Jochen Haar
© MOUNTAINBIKE