MB 1210 Race-Hardtails Teaserbild Manfred Stromberg

14 edle Race-Hardtails im Test

Wer baut das schnellste Race-Hardtail?

Traumhaft leicht, hocheffizient und zu fürstlichen Preisen – MB machte den 14 schnellsten Race-Hardtails Feuer.

Um das Leistungsspektrum aller 14 Race­bikes exakt zu erfassen, jagten die Tester zunächst mit Tempo über die abwechslungsreiche MB-Teststrecke. Schon hier zeigen sich essenzielle Unterschiede, Stärken wie Schwächen der Kandidaten. Es folgt der aufwendige Check im MB-Labor.

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Wichtig: Nicht nur Gewicht und Rahmensteifigkeiten werden erfasst, auch der Komfort der Konstruktion wird ermittelt und mit den praktischen Fahreindrücken gespiegelt. Wie lässt sich ein Race-Hardtail mit Traumgewicht realisieren? Man konstruiert Carbon-Chassis, die bei entsprechender Umsetzung gleichzeitig leicht und sehr steif sind.

Kein Wunder also, dass alle 14 Testräder auf eine Kohlefaser-Basis setzen. Die bewegt sich durchgehend an der Grenze des derzeit technisch Machbaren. Das zeigt der Blick auf die spektakulären Rahmengewichte: Im Mittel sind die Carbon-Rahmen um rund 2,5 Prozent leichter geworden als das MB-Testfeld 2010. Das ist freilich nicht sehr viel, zeigt aber, auf welchem Niveau sich die Konstruktionen bewegen und wie schwer es ist, tatsächlich einige Gramm zu schinden.

Sensationell gelingt das Scott mit dem Scale-Chassis: Schon bei 895 g stoppt die Waage – ein Fabelwert, der deutlich unter dem des letztjährigen Spitzenreiters Cannondale Flash (2010: 957 g) liegt.

Um das Tor zur weiteren, durchdachten Gewichtsreduzierung aufzustoßen, nutzen die Hersteller verschiedene Schlüssel. Weit verbreitet ist die Rahmenfertigung über ein Monocoque-Verfahren, in das die Hersteller teils auch weitere Fertigungsvarianten einbinden.

Durch belas­tungsgerechten Einsatz unterschiedlicher Faserqualitäten an den entsprechenden Stellen im Rahmen wird zudem Material eingespart. Jüngster Kniff der Carbon-Ingenieure und umsetzenden Hersteller: die „Innenreinigung“ der Carbon-Chassis. Bei diesem, beispielsweise von Cube, Felt und Scott eingesetzten Fertigungsprozess wird überschüssiges Carbon-Material und das die Faserlagen verbindende Harz durch den Einsatz einer Rahmeninnenform, die später entfernt wird, gelöst. Ergebnis: weniger Gewicht.

Schließlich bildet der Werkstoff Carbon vielfältige Möglichkeiten, den Rahmenkomfort zu steigern. Bestes Beispiel ist das Cannondale Flash, das durch präzisen Einsatz und das Arrangement der Carbon-Lagen unterein­ander hohen vertikalen Flex erzeugt, im Fahrbetrieb in Form des hohen Komforts spürbar – im Sitzen und auch im Stehen.

Doch damit nicht genug: Mit der speziellen „Save“-Sattelstütze im elastischen 27,2-mm-Maß offenbart das Bike im Sitzen selbst über grobe Wurzelalleen noch gute Dämpfung und Traktion.

Komfortsieger Merida, starkes Cube

Dabei belegt das Flash noch nicht einmal Rang eins in der Komfort-Wertung – die geht mit knappem Vorsprung an Meridas 0.Nine. Es bietet gar ein kleine Fahrfehler verzeihendes Fahrfeeling, das sich schon nach Minimalfederweg am Hinterrad anfühlt.

Speziell auf langen, harten Strecken kommt man in den Genuss eines besonders lebendigen Hardtail-Radgefühls, das die Haltemuskulatur etwa auf selektiven Wurzelpassagen merklich weniger strapaziert. Komfort-Zweiter ist das auch in Sachen Steifigkeit mit an der Spitze rangierende Canyon, das sich noch knapp vor dem Flash platziert.

Das Ziel dieser körperlich greifbaren Entlastung liegt nahe: Der Aktive ermüdet langsamer, bleibt länger konzentriert, ist am Ende damit schneller. Das Schöne daran: Das bringt nicht nur den Profi nach vorne, sondern hilft auch dem Breitensportler beim nächsten Marathon oder einer ehrgeizigen Tour!

Ein klarer Fingerzeig in die Hardtail-Zukunft, an dem auch die vibrationsdämpfenden Bikes von Specialized und Ghost teilhaben, während die Modelle von Trek und Storck noch der alten Philosophie treu bleiben.

Leicht zu beschleunigen sind alle 14 Hardtail-Racer. Die Differenzen bei der für Schlussspurts wichtigen Tretlagersteifigkeit waren in der Praxis kaum wahrnehmbar. Die Spitze bildet mit dem Storck ein alter Bekannter: 181 N/mm – steifer im Zentrum der Krafteinleitung ist kein Bike. Cannondale, Cube und Simplon folgen mit geringem Abstand.

Deutliche Unterschiede zeigen die Lenkkopfsteifigkeiten, wobei sich das Cube in dieser Wertung an die Spitze setzt. Problematisch sind die Bikes mit geringerer Steifigkeit im Lenkkopf nicht. Schwere Fahrer kombinieren am Merida zum weniger steifen Lenkkopf (94 Nm/°) allerdings lieber eine steifere Gabel, um ein leichtes, nicht aber kritisches Tänzeln des Vorderrads bergauf zu verhindern.

Die gelungene Verquickung des 983 g leichten Rahmens mit satten Steifigkeiten kürt das Cube zum neuen SGI-König (= Steifigkeits-Gewichts-Index). Ihm dicht auf den Fersen ist das Flash. Manko Cube: Es ist deutlich weniger komfortabel. Da ist der zarte europäi­sche Trend zu ergonomischen Cockpits durch breite Lenker mit mehr Rückbiegung nur gutzuheißen, will man die Bikes auch in ruppigem Geläuf in der Spur halten.

Gute Beispiele liefern der Lowriser-Lenker am Trek oder das Syntace-Modell am Canyon. Besser noch, wenn wie vor allem beim Felt, Cannondale oder Hai­bike das Handling sitzt und den Fahrer sicher auch durch schwierige Passagen führt.

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Die Race-Hardtails im Test:

MB Cannondale Flash Hi-Mod 1
Hardtail-Tests
MB Canyon Grand Canyon CF 9.0 LTD
Hardtail-Tests
MB Cube Elite HPC SL
Hardtail-Tests
MB Felt Six LTD
Hardtail-Tests
MB Ghost HTX Lector Pro Team
Hardtail-Tests
MB Haibike Greed RX Pro
Hardtail-Tests
MB Merida 0.Nine Team-D
Hardtail-Tests
MB Radon Black Sin 10.0
Hardtail-Tests
MB Scott Scale Premium
Hardtail-Tests
MB Simplon Razorblade SSL
Hardtail-Tests
MB Specialized Stumpjumper HT S-Works
Hardtail-Tests
MB Stevens Scope Team SL
Hardtail-Tests
MB Storck Rebelion 1.0 XX
Hardtail-Tests
MB Trek Elite 9.9 SSL
Hardtail-Tests

Gewichte und Steifigkeiten der Testbikes

Gewichte:

Sofern Steckachse und Remote-Lockout bei der Gabel vorhanden sind, wiegt MB diese mit. Das Laufradgewicht ist die Summe aus dem Laufradsatz mit Schnellspannern, Felgenband, Schlauch, Conti-X-King-RS-Einheitspneu, Bremsscheibe und Schrauben.

MB 1210 Race-Hardtails - Gewichte

Steifigkeiten:

Auf EFBe-Prüfständen misst MB die Steifigkeiten der Bikes. Die
Tretlagersteifigkeit zeigt, wie sich der Rahmen im Antritt verwindet, die
Lenkkopfsteifigkeit beeinflusst die Spurstabilität. Auffallend hoch sind alle Tretlagersteifigkeiten, Unterschiede in der Praxis aber nur schwer wahrnehmbar. Spitzenreiter in puncto steifster Lenkkopf ist das Cube Elite HPC SL.

MB 1210 Race-Hardtails - Tretlagersteifigkeit
MB 1210 Race-Hardtails - Lenkkopfsteifigkeit

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Die Komfortwerte der Bikes

Labortest:

Unter vielen Mountainbike-Herstellern gilt es 2011 als ausgemacht: Ein Race-Hardtail rast nur dann auf Höhe der Zeit, wenn die Gesamtkonstruktion nicht nur sehr steif und beschleunigungsstark ist, sondern auch komfortabel ist.

Dies schont die Haltemuskulatur des Racers und schützt ihn so vor schneller Ermüdung. Diese Komfort-Tendenz untersucht MB auf einem hauseigenen Prüfstand. Dazu wurde ein Satteldummy in einer definierten Sitzhöhe auf der Original-Sattelstütze fixiert, anschließend mit einem Gewicht von 80 Kilo belastet. Der MB-Prüfstand ermittelt dann über zwei Messuhren sowohl die vertikale Verformung der Konstruktion „nach unten“ als auch die horizontale Verformung „nach hinten“ in Millimetern.

Messmethode und errechneter Wert gehen vom sitzenden Fahrer aus! Über den Satz des Pythagoras errechneten die MB-Tester den vom Stütz-Klemmkopf zurückgelegten Weg. Merke: je größer die Auslenkung in Millimetern, desto höher der Fahrkomfort.

Praxischeck:

Ergänzend zu anderen wichtigen Fahreindrücken formulierten die erfahrenen MB-Tester den subjektiv wahrgenommenen Komforteindruck der Bikes. Er spiegelt sich in der Komfortwertung wider, die mit circa sieben Prozent Anteil in die Gesamtnote jedes Bikes einfließt.

Erkenntnisse:

Oft gingen die Praxiserfahrungen der Tester mit den Labor-Messungen konform. Die Komfort-Spitze nimmt wie schon im Vorjahr Meridas 0.Nine ein, gefolgt vom Canyon und dem Cannondale Flash. Die im Testbetrieb als sehr hart erlebten Modelle von Storck und Trek bestätigt das MB-Labor.

MB 1210 Race-Hardtails - Komfort

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So testet MB die Race-Hardtails

Praxistest:

MB 1210 Race-Hardtails - Praxistest
Manfred Stromberg
Die MB-Crew beim Testen.

Zu Anfang auch dieses MB-Tests stand der intensive Praxistest. Das dreiköpfige Testteam legte auf der sehr abwechslungsreichen MB-Teststrecke Hand ans Gas der 14 Racer, lotete ihre Qualitäten auf diversen Untergründen aus.

Dazu bot der Parcours reichlich Gelegenheit: Schotteruntergrund, Asphalt-Intermezzi, teils rutschige Trails – Möglichkeiten genug, die Räder genau kennenzulernen. Jedes Bike wurde von jedem Tester über die Vier- Kilometer-Strecke mit 250 Höhenmetern getrieben.

Reifen: An Race-Hardtails dürfen sich die Produktmanager in punc­to Gewicht so richtig austoben. Bestes Beispiel: die Reifen. Möglichst leicht lautet – nachvollziehbar (Leichtlauf, Gewicht etc.) – die Devise. Weil aber die Reifen in dieser Radkategorie ­enormen Einfluss auf die Fahreigenschaften haben, montierte MB an allen Bikes als Einheitsreifen Contis CC-Allrounder X-King Race Sport in 2,2-Zoll.

Praxisnoten: Nach jeder Testrunde notierte jeder Tester isoliert seine Eindrücke zum Rad auf speziellen Bewertungsbögen. Im Anschluss erfolgte die gemeinsame Besprechung der Fahrleistungen der Räder. Welches klettert am besten? Wer hat das komfortabelste Rad? War das Cockpit ergonomisch?

Labortest:

MB 1210 Race-Hardtails - Labortest
Daniel Geiger
Die Race-Hardtails im Labor.

Auf den Praxistest folgt die Laborprüfung: Die Räder werden zerlegt, anschließend die Gewichte von Rahmen, Gabel und Laufrädern ermittelt. Zusätzlich die Geometrie aufgenommen. Abschließend erfolgte auf EFBe-Prüfständen die Messung der Tretlagersteifigkeiten und Lenkkopfsteifigkeiten sowie des Rahmenkomforts.

Endnote: Über einen komplexen Bewertungsschlüssel ermittelt MB die Endnote und mit dem punktbesten Bike schließlich auch den Testsieger.

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Fazit: Hardtails haben Zukunft

Die „Race-Hardtails 2.0“ zeigen auch: „Hinten hart fahren“ macht Spaß, ist mit dem oft hohen Fahrkomfort sogar ein Genuss, wenn auch ein teurer. Testsieger durch den harmonischen Gesamttrimm ist das Cannon­dale, gefolgt vom Fun-Racer Haibike und dem quirligen Scott Scale.

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