MB 0311 Jekyll vs. Genius Teaserbild Manfred Stromberg
MB Cannondale Jekyll
MB Cannondale Jekyll Ultimate - 1
MB Cannondale Jekyll Ultimate - 2
MB Scott Genius
MB Scott Genius Premium - 1 6 Bilder

Die beiden Super-Allmountain-MTB 2011 im Vergleichstest

Test: Cannondale Jekyll vs. Scott Genius

Welches ist besser: Cannondale Jekyll oder Scott Genius? MountainBIKE testete die Wunderwerke im Direktvergleich.

Im Ansatz gleichen sich beide Bikes verblüffend: Von den Kennzahlen (150 mm Federweg) her sind es All-Mountains, die sich mittels Knopfdruck am Lenker und variabler Fahrwerke in rassige Marathon-Bikes verwandeln sollen.

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Doch wer meistert diesen Spagat besser? Nicht nur für MountainBIKE das Bike-Duell des Jahres! Nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ lud MB die Topmodelle ein: Ultimate (Jekyll) vs. Premium (Genius) – Bescheidenheit klingt anders. Auch beim Preis: Heftige 7499 Euro kostet das Cannondale, stolze 6799 Euro das Scott.

Der Testaufbau und -ablauf

Vier erfahrene MountainBIKE-Tester prüften die Superbikes im Traumrevier Vinschgau wie im heimischen Mittelgebirge. Zudem blieb den Prüflingen der Canossagang auf den Messtisch nicht erspart. MB-Laborchef Haider Knall maß Gewichte, Geo­metrien sowie Steifigkeiten und nahm die Kennlinien der Hinterbauten auf.

Die MountainBIKE-Laborergebnisse

Beide Bikes verfügen über einen Voll-Carbon-Rahmen aus hochmodularen Fasern – teurer geht‘s nicht. Und leichter auch nicht, wie das Genius beweist: 2424 g inklusive des mächtigen Federbeins sind immer noch die Messlatte der 150-mm-Liga. Das Jekyll erreicht gute 2818 g.

In puncto Steifigkeiten wendet sich das Blatt: Das Cannondale glänzt mit top Werten (Tretlager 163 N/mm, Lenkkopf 73 Nm/°), das Scott nicht: Tretlager 98,7 N/mm, Lenkkopf 67,1 Nm/°. In Summe geht der Punktsieg im MB-Labor so an das US-Bike.

Die Fahrwerke

Brüder im Geiste: Jekyll und Genius stellen im Prinzip je zwei Bikes in einem dar. Beim Jekyll wählt der Biker via Lenkerhebel zwischen „Flow“ mit 150 mm Heck-Federweg oder „Elevate“ mit 90 mm. Zudem ist die Fox-Gabel um 30 mm absenk- und in der Druckstufe verstellbar.

Das Scott kontert am Hinterbau mit „Full“ (150 mm) und „Traction“ (95 mm) – wobei der Twinlock-Hebel im Traction-Mode parallel die Druckstufe der Gabel erhöht. Zudem blockiert ein dritter Klick Forke und Dämpfer vollständig, die Fox Talas ist ebenfalls absenkbar. Nebeneffekt: Bei beiden Bikes passt sich die Geometrie leicht an, im offenen Modus senken sich etwa die Tretlager ab, die Winkel werden flacher.

In der Praxis verlangt diese enorme Vielfalt einen vorausschauend fahrenden, mitdenkenden Biker – ein total konträrer Ansatz zum MB-Tourenfully-Test. Der Griff zum Hebel gelingt bei beiden Kandidaten freilich rasch intuitiv, wobei der Scott-Remote leichtgängiger funktioniert.

Die Fahreigenschaften

Gemein ist den Uphill-Modi die deutliche spürbare Verknappung und Straffung des Federwegs – am Jekyll noch ausgeprägter als am Genius. Dennoch gewinnt das Scott das Bergauf-Duell: Es ist leichter, generiert in beiden Fahrwerks-Modi mehr Traktion als sein Kontrahent und zeigt sich wirklich fit für den Marathon-Einsatz. Beim Jekyll ist zudem öfter die Absenkung der Gabel nötig, das Vorderrad steigt sonst früher.

Bergab hingegen wird es zum Mr. Hyde: Der Schwerpunkt liegt spürbar tiefer als beim Genius, der Lenkwinkel steht um ein halbes Grad flacher, der Fahrer ist besser im Bike integriert und kann mit Wonne Vollgas geben. Zusammen mit dem breiten Lenker (730 mm) gelingt die Bike-Kontrolle exzellent, ist das Handling verspielt, ohne dank langem Radstand (1135 mm) je nervös zu werden.

Gegenübergestellt wirkt das Genius hochbeiniger, kürzer. Dennoch schnalzt es agil, direkt, flink über den Trail, lässt im direkten Vergleich aber einen Schuss Präzision (schmaler Lenker) und Laufruhe vermissen.

Dafür gefiel den MB-Testern der aktivere, schluckfreudigere Genius-Hinterbau besser als das US-Pendant: Das Jekyll werkelt merklich straffer, mit viel Feedback vom Trail, aber weniger Komfort. Auf Edelniveau präsentieren sich die jeweiligen Ausstattungen – logo angesichts des Preises. Dennoch lässt das Genius Punkte liegen, bei Reifen, Lenker und vor allem Sattelstütze ist das Jekyll besser.

Das MB-Ergebnis

Das Jekyll entscheidet das "denkwürdige" Duell knapp für sich, aber auch das Genius ist nach wie vor ein Traumrad. Wie überhaupt die Vielseitigkeit dieser Vario-Wunderwerke manchmal doch an Hexerei grenzt ...

Die Bikes im Test:

MB Cannondale Jekyll Ultimate - Federweg-Kennlinie
Fully-Tests
MB Scott Genius Premium - Federweg-Kennlinie
Fully-Tests

So funktionieren die Vario-Fahrwerke

Super-All-Mountains 2011 - Cannondale Jekyll und Scott Genius im Test

MB Cannondale Jekyll
MB Cannondale Jekyll MB Cannondale Jekyll Ultimate - 1 MB Cannondale Jekyll Ultimate - 2 MB Scott Genius 6 Bilder

Federbeine

Beide Dämpfer sind hochkomplex. Der Fox Dyad am Jekyll agiert mit zwei getrennten Druck- und Zugstufen – für jeden Modus eine. Auch der Equalizer2 (Scott) verfügt über zwei Positiv- und eine Negativ-Luftkammer sowie zwei Rebound-Einstellungen. Beiden gemein ist auch der Lenker-Remote.

Jekyll oder Genius? So urteilen die Experten

Super-All-Mountains 2011 - Cannondale Jekyll und Scott Genius im Test

MB Cannondale Jekyll
MB Cannondale Jekyll MB Cannondale Jekyll Ultimate - 1 MB Cannondale Jekyll Ultimate - 2 MB Scott Genius 6 Bilder

Fazit: 1:0

MB Fabian Scholz
Fabian Scholz, MB-Tester

Das Genius gehört noch lange nicht zum alten Eisen, dennoch würde ich zum Jekyll greifen: Vor allem das exzellente Bergab-Handling überzeugt mich voll.

Fazit: 1:1

MB André Schmidt
André Schmidt, Ressortleiter Test

Auch mir gefällt die Jekyll-Geo super. Der schluckfreudigere Genius-Hinterbau gibt aber den Ausschlag pro Scott – Lenker+Stütze würde ich tauschen.

Fazit: 2:1

MB Thomas Schmitt
Thomas Schmitt, deut. DH-Meister

Mehr Fahrspaß und Sicherheit bergab – mich beeindruckt das Jekyll mehr. Die Investition in etwas mehr Gewicht geht – etwa bei den Steifigkeiten – auf.

Fazit: 3:1

MB Manfred Stromberg
Manfred Stromberg, Fahrtechnikexperte

Meine Stimme bekommt das Jekyll. Geometrie und Cockpit machen richtig Laune, laden zum Heizen ein und vermitteln mehr Sicherheit als beim Genius.

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