MB Supertourer 2010 im Test Teaserbild Arturo Rivas
MB Liteville 301- Fahrbild
MB Liteville 301- Kettenführung
MB Liteville 301- Detail
MB Scott Genius 10 13 Bilder

Supertourer 2010 im Test: Liteville 301, Scott Genius 10, Specialized Stumpjumper

Spielkameraden

Schnell, effizient, vielseitig. MB präsentiert die heißesten Allrounder für 2010 und ­erklärt die Fahrwerkskonzepte im Detail.

Sie überzeugen mit der Schnelligkeit und Effizienz von Racefullys, bieten satten Federweg für anspruchsvollste Trails und stecken die Grenze des momentan technisch Machbaren ab. Festhalten! Die neuen „Alleskönner“ von 2010 sind da.

Voll gepackt mit ausgeklügelten Details und optimierten Parts, aber auch völlig unterschiedlichen Fahrwerks-Philosophien, dabei noch leichter, noch stabiler und noch universeller. Die backfrischen Modelle Liteville 301 und Specialized Stumpjumper sowie das leicht modifizierte Scott Genius sind der Traum jedes Allround-Bikers.

Ein kostspieliger zumal, denn das günstigste Bike im Test, das Genius, kostet 4795 Euro. In eine neue Preisdimension bei Tourenbikes stößt Specialized vor: stramme 7500 Euro. Klar deshalb, dass MB in diesem Test trotz aller Begeisterung besonders kritisch hinschaute – schließlich sollen Sie wissen, wofür Sie Ihr Sparbuch auflösen.

Pfiffige Details, optimierte Parts

Der neue 301er-Rahmenkit von Liteville besitzt nur noch wenig Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängermodell. Geänderte Rohrquerschnitte sollen die Steifigkeit noch mal deutlich steigern. Der Federweg variiert je nach verwendetem Umlenkhebel zwischen 120, 140 oder 160 Millimeter, die Geometrie ändert sich entsprechend mit.

Der von MB getestete Rahmen stammte noch aus der Vorserie und besaß nicht alle geplanten Features. So soll die endgültige Version etwa ein konisches Steuerrohr schmücken und ohne Dämpfer nur 2320 Gramm wiegen. Auch die optional erhältliche Dreifach-Kettenführung, die an der Kettenstrebe sitzt, wartet noch auf den letzten Feinschliff.

Der Rahmen ist gespickt mit praktischen Features und durchdachten Schnittstellen. Etwa eine spezielle Öffnung im Oberrohr, die eine aufgeräumte Montage von Vario-Stützen mit Re­mote-Hebel ermöglicht. Fast schon selbstverständlich: das X12-Steckachsensystem von Syntace und die ISCG-Aufnahme für Hammerschmidt-Kurbeln.

Specialized hat das Projekt „optimales Tourenfully“ für sich neu definiert. Der mehrfache Testsieger und Tourenliebling Stumpjumper wurde komplett überarbeitet und federt ab sofort mit 140 statt bisher 120 Millimeter. Die neue Federgabel mit Carbon-Krone und -Schaft sowie der speziell entwickelte Dämpfer mit neuer Anlenkung arbeiten 2010 mit optimierter „Brain“-Technik. Zusätzlich lässt sich die Gabel via Hebel auf 115 Millimeter Federweg absenken.

Auch in Sachen Ausstattung gehen die Amerikaner neue Wege. Das Top-Modell FSR Carbon kombiniert Srams neue XX-Schaltkomponenten inklusive Zehnfach-Kassette mit der hauseigenen Dreifach-Carbon-Kurbel. Macht zusammen 30(!) Gänge.

Das Scott Genius gilt als Urvater der neuen „Allround“-Kategorie. Der Mix aus 150 Millimeter Federweg und superleichtem Carbon-Rahmen sorgte bereits im letzten Jahr für Furore. Für 2010 spendiert Scott seinem Schützling den so genannten Twin-Lock-Hebel, eine dreistufige Fernbedienung, die das gleichzeitige Blockieren von Gabel und Dämpfer ermöglicht.

Um Antriebseinflüsse zu eliminieren und gleichzeitig guten Komfort zu bieten, setzen die Hersteller auf unterschiedlichste Konzepte. Liteville vertraut einzig und allein auf die Kinematik seines viergelenkigen Hinterbaus, ohne zusätzliche „Anti-Wipp“-Hilfen.

Scott überlässt es dem Fahrer selbst, ob er via Twin-Lock-Hebel mit komplett offenem Fahrwerk, verhärtetem Hinterbau oder vorne und hinten blockiert fahren möchte. Specialized steuert mit einstellbarer Brain-Dämpfung, wann die Federung anspricht und wann die Ventile geschlossen bleiben. Viel Theorie? Stimmt. Um die zu überprüfen, schickte MB die Luxus-Bikes zum ausgiebigen Praxistest.

Das können die Allrounder wirklich

Das Liteville überzeugt mit Wohlfühlgeometrie, enormer Steifigkeit und robusten Parts für raues Gelände. Ein erstklassiges All-Mountain, leicht genug für vortriebsorientierte Tourer, aber mit genügend Reserven für Enduro-Ausflüge. Beim Pedalieren im Sitzen stabilisiert der Kettenzug den Hinterbau nahezu perfekt, im Wiegetritt erzeugt das Fahrwerk das für offene Systeme übliche, leichte Wippen.

Auf dem Genius fühlen sich durch die etwas gestrecktere Geometrie sportlich orientierte Fahrer wohl. Satter Federweg und ein rundum überzeugendes Cockpit sorgen bergab für Kontrolle und Sicherheit – ein Bike für anspruchsvollste Touren und effizient genug für Marathons. Die Fahrwerk­anpassung erfolgt schnell und nahezu intuitiv via Remote-Hebel, verlangt aber stets die Aufmerksamkeit des Fahrers.

Das neue Stumpjumper wiegt in der von MB getesteten Vorserie gerade mal 10,7 Kilo, lässt sich dank größerem Federweg und agilem Handling mit unglaublichem Speed über kurvige Trails jagen. Das Stumpi bleibt aber auch mit 140 mm ein Tourer, der eine enorme Bandbreite abdeckt. Die Brain-Dämpfung reduziert je nach Einstellung effizient Wippen. Eine damit einhergehende Verhärtung des Fahrwerks und daraus resultierende Komforteinbussen lassen sich aber nicht verhindern.

Alle drei Testbikes punkten mit ­enormen Allround-Fähigkeiten, dennoch kristallisierten sich deutliche Unterschiede heraus, die ihre bevorzugten Einsatzgebiete erkennen lassen. Die Fahrwerkskonzepte weisen stets Stärken und Schwächen auf. Kein System ist perfekt, die richtige Wahl hängt von den persönlichen Vorlieben ab.

Fazit

Wer sich zwischen schnellen Touren und anspruchsvollsten Abfahrten bewegt und die Sensibilität eines offenen Systems genießen will, greift zum 301. Für vielseitige Tourer, die nach Belieben zwischen schluckfreudigem Fahrwerk und effizienter Race-Abstimmung wechseln möchten, bietet das Genius den besten Kompromiss. Verspielte Tourenfahrer mit Renn­ambitionen fahren mit dem sündteuren Stumpjumper am besten.

Alle wichtigen Mountainbike-Neuheiten 2010

MB Eurobike 2009 Bergamont Fastlane
MB Eurobike 2009 Bergamont Fastlane MB Eurobike 2009 Bionicon Tesla MB Eurobike 2009 BMC Fourstroke FS01 01 MB Eurobike 2009 BMC Fourstroke FS01 02 96 Bilder

Frisch von der Messe - noch mehr Bike-Neuheiten für 2010

MB Eurobike 2009 Nachlese Bikes - Bionicon Tesla
MB Eurobike 2009 Nachlese Bikes - Bionicon Tesla MB Eurobike 2009 Nachlese Bikes - BMC Fourstroke FS 01 MB Eurobike 2009 Nachlese Bikes - Breezer MB Eurobike 2009 Nachlese Bikes - Cannondale Flash 36 Bilder

Zu den MB Bike-Tests

Online-Shopping rund ums MTB: Bikes, Parts und Equipment kaufen

Die 2010er Supertourer im Test:

MB Liteville 301
Fully-Tests
MB Scott Genius 10
Fully-Tests
MB Specialized Stumpjumper
Fully-Tests

Die Fahrwerkskonzepte der Bikes im Detail

Supertourer 2010 im Test - Liteville 301, Scott Genius 10, Specialized Stumpjumper

MB Liteville 301
MB Liteville 301 MB Liteville 301- Fahrbild MB Liteville 301- Kettenführung MB Liteville 301- Detail 13 Bilder
MB Liteville 301 - Detail 2
Benjamin Hahn

Jeder Hersteller verfolgt seine eigene Fahrwerks-Philosophie, das Grundziel bleibt immer das Gleiche: Unebenheiten soll die Federung effizient ausbügeln, um Traktion und Komfort zu bieten. Hingegen soll beim Pedalieren das Fahrwerk in seiner Position verharren, um ­Energie effizient für den Vortrieb zu nutzen. Lite­ville setzt auf die Vorteile einer 4-Gelenker-Kinematik, die sich bei schlauer Anordnung der Drehpunkte sehr antriebsneu­tral verhält (Bild oben). Der virtuelle Hauptdrehpunkt liegt am 301 so, dass der Kettenzug den Hinterbau spürbar stabilisiert. Durch unrunden Tritt, besonders im Wiegetritt, neigen offene Systeme generell zum Pumpen. Dann hilft nur ein Lockout.

MB Scott Genius 10 - Twin-Lock-Hebel
Benjamin Hahn

Scott überlässt die gewünschte Fahrwerkssensibilität dem Fahrer via Twin-Lock-Hebel (Bild li.). Stufe 1: offenes System, maximale Aktivität des Hinterbaus. Stufe 2: Durch Reduzierung der Luftkammer im Dämpfer wird der Hinterbau progressiver. Das reduziert nerviges Wippen, der Reifen behält aber einen Großteil seiner Traktion – der „Traction Mode“. Stufe 3: Gabel und Dämpfer werden blockiert, kein Wippen, aber auch kein Komfort. Das Wechseln zwischen den Stufen erfolgt blitzschnell, verlangt aber stets die Aufmerksamkeit des Fahrers.

MB Specialized Stumpjumper - Ventil
Benjamin Hahn

Specialized übernimmt mit „Brain“ quasi das Denken für den Fahrer (Bild re.). Ein Ventil an Gabel und Dämpfer öffnet sich bei definierter Schlagintensität durch Bodenwellen und gibt den Federweg frei. Parallel dazu regelt eine einstellbare Druckstufendämpfung das Ansprech­verhalten, verringert abrupte Losbrechmomente und ermöglicht auch eine völlig offene Federung. Vor- und Nachteil in einem: je höher die Druckstufe, umso effizienter arbeitet die Wippunterdrückung, aber bei gleichzeitig abnehmender Sensibilität.