Scott Genius Tuned Stefan Eigner

Scott Genius Tuned 900 (2020)

Scott Genius Tuned (Modelljahr 2020) im Test

Viel Federweg bei wenig Gewicht – so lautetet schon immer das Motto des Schweiz-Fullys. In der jüngsten Ausbaustufe zeigt es sich abfahrtslastiger denn je, ohne seine Vielseitigkeit eingebüßt zu haben.

Testurteil: Überragend (227 Punkte)

Was uns gefällt:

 Tolles Vario-Fahrwerk

 Sicher und satt bergab

 Exzellente Parts

 Äußerst breitbandig

Was uns nicht gefällt:

„Kommt jetzt das ‚Über-Fully‘“? So titelten wir in unserer Eurobike-Berichterstattung im Jahr 2003. Gemeint war: das Scott Genius. Dieses verfolgte eine damals provokante Philosophie – hoch wie ein Marathonfully, runter wie ein Freerider – und ging dafür in Sachen Hinterradfederung neue Wege. Der Dämpfer ließ sich (und er tut es bis heute) in drei Stufen vom Lenker aus einstellen: voller Federweg, Traction-Control mit reduziertem Hub sowie angepasster Dämpfung und gesperrter Hub. Dazu achtete Scott stets darauf, viel Federweg (anfänglich waren es 120 mm) mit möglichst geringem Gewicht zu kreuzen, um sich mit dem Genius jeglicher Kategorisierung zu entziehen. „Über-Fully“ eben.

Scott Genius Tuned
Bjoern Haenssler
Über den Ramp-Control-Hebel lässt sich die Progression des Dämpfers einstellen – ein neues Feature.

Ganz so diätetisch kommt das aktuelle Genius nicht mehr daher. Das von uns getestete Topmodell Genius 900 Tuned bringt es auf 12,8 Kilo. Ein sehr guter Wert für ein 150-mm-Fully aber auch kein außergewöhnlicher. Dafür gibt es aber auch nicht nur sehr feine Teile (Sram-X01-Eagle-Gruppe), sondern auch robuste, abfahrtslastige – wie die Sram-Vierkolben-Bremse mit großen Scheiben oder die mächtig breiten 2,6„-Maxxis-Schlappen.

Aufgesattelt geht einem gleich das Herz auf. Man sitzt zentral, tief im Bike, aber gleichzeitig angenehm aufrecht – so schaut ein modernes All-Mountain aus! Eine Wohlfühlatmosphäre, die sich im Fahrbetrieb fortsetzt. Das Genius gehorcht aufs Wort, lässt sich akkurat steuern, betont dabei die Laufruhe durch die flach-lange Geometrie aber spürbar mehr als die Wendigkeit. Entsprechend lässt es sich im groben Bergab vortrefflich kesseln, draufhalten und drüberbrettern lautet die Devise. Das sehr spurtreue, höchst sichere Handling wird dabei bestens ergänzt vom sensiblen, schluckfreudigen Fahrwerk.

Scott Genius Tuned
Bjoern Haenssler
Bestens bekannt ist dafür der „Twinloc“-Hebel zur Fahrwerksverstellung.

Apropos: Die Fahrwerksverstellung, die inzwischen die Gabel mit einbezieht, klappt wie eh und je intuitiv. Dabei zeigt sich das Genius 900 selbst im offenen Modus größtenteils wipparm, zudem angenehm leichtfüßig und kletterfreudig.

Und ist es weiterhin das “Über- Fully„? Vielleicht angesichts der Konkurrenz nicht mehr. Ein überragendes Bike aber ist es noch immer!

Scott Genius Tuned (Modelljahr 2020) im Test

Preis/Vertriebsweg 6999 Euro/Fachhandel
Komplettgewicht 12,8 kg
Größe/Material S, M, L, XL/Carbon
Oberrohr/Kettenstrebe 630 mm/439 mm
Reach/Stack 476 mm/617 mm
Lenk-/Sitzwinkel 65,0°/76,0°
Schaltung 1 x 12 Gänge, 32 : 10–50 Zähne, Sram-X01-Eagle-Gruppe
Bremsanlage Scheibenbremse Sram Guide RSC 200/180 mm
Federung vorne Fox 34 Float Factory, 150 mm
Federung hinten Fox Nude TR, 100+150 mm
Laufräder Syncros Revelstoke 1.5
Reifen Maxxis Rekon Exo TR 29 x 2,6"
Sonstige Ausstattung Vario-Sattelstütze Fox Transfer Factory (150 mm Hub)

Charakter: sehr/eher laufruhig

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