Teil des
MB 1209 Race-Hardtails Teaserbild Arturo Rivas
MB 1209 Cannondale Flash Team
MB 1209 Carbon-Hardtails - Cannondale Flash Carbon 3
MB 1209 Felt The Six
MB 1209 Carbon-Hardtails - Felt Six Team
MB 1209 Focus Raven Extreme 30 Bilder

Race-MTB: 15 Carbon-Hardtails im Test

Hard-Attack

Feuer frei für die schnellsten Bikes der Welt! MB jagte 15 Rennfeilen über den Weltcup-Kurs von Offenburg.

Wolfsdrop, Dual Speed, Snake Pit – Namen wie Punkrock für Cross-Country-Fans, denn es sind die Schlüsselstellen der berühmtesten Strecke im Weltcup: Offenburg. Schauplatz des schwersten Rennens der CC-Welt und Schauplatz dieses MB-Tests mit der elektrisierenden Frage: Wer baut das schnellste Bike der Welt?

Und eines sei vorweg versprochen: Die getesteten Carbon-Hardtails sind nicht minder spektakulär als die mit Tentakelarm-artigen Wurzelfeldern, Anliegern, Drops und quasi vertikalen Steilabfahrten gespickte Strecke im Schwarzwald. Mehr noch: Erstmals seit das Scott Scale vor einem halben Jahrzehnt die Leichtbauwelt revolutionierte, scharren hier Bikes mit den Stollen, die für echte Aha-Erlebnisse sorgen. Hardtails, die keine acht Kilo mehr wiegen, die bis zur letzten Schraube auf den Renneinsatz gedrillt sind und dabei – das ist die eigentliche Überraschung – erstaunlichen Komfort bieten!

15 Vollgastiere bestellte MB in den Test, jagte sie zunächst über die selektive MB-Teststrecke, dann zusammen mit Marathon-Star Stefan Sahm über den Offenburg-Kurs, ehe die Carbon-Kunstwerke den Stressgang durch das MB-Labor antraten. Dabei gleich zehn backfrische Neulinge – das oft totgesagte Hardtail lebt!

Keine Frage, Preise von 5000 bis 8000(!) Euro sind ein Schlag ins Portmonnaie. Dennoch griff MB für diesen Test in die Vollen: Nur so ist das Attribut „schnellste Bikes der Welt“ würdig zu vergeben, nur so lässt sich dieser voller Innovationen steckende Hardtail-Jahrgang erfassen. Außerdem: Biken ist Emotion! Und wer kommt beim Anblick dieser Traumbikes nicht ins Schwärmen? Zudem finden Sie in der Mediashow preisbewusste Modellvarianten – oft mit identischem oder nur marginal schwererem Carbonframe, aber günstigeren Parts.

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Die Race-Hardtails im Test:

MB 1209 Cannondale Flash Team
Hardtail-Tests
MB 1209 Felt The Six
Hardtail-Tests
MB 1209 Focus Raven Extreme
Hardtail-Tests
MB 1209 Fuji SLM LTD
Hardtail-Tests
MB 1209 Giant XTC Advanced SL 0
Hardtail-Tests
MB 1209 Haibike Greed RX
Hardtail-Tests
MB 1209 KTM Myroon Prestige
Hardtail-Tests
MB 1209 Lapierre Pro Race 900
Hardtail-Tests
MB 1209 Merida 0.Nine XX
Hardtail-Tests
MB 1209 Scott Scale Limited
Hardtail-Tests
MB 1209 Simplon Razorblade XX
Hardtail-Tests
MB 1209 Specialized S-Works Stumpjumper HT 29er
Hardtail-Tests
MB 1209 Stevens Scope Team XX
Hardtail-Tests
MB 1209 Storck Rebelion 1.0
Hardtail-Tests
MB 1209 Trek Elite 9.9 SSL
Hardtail-Tests

Rekord: Hardtails unter 8 Kilo

15 Carbon-Racer im Test - plus 15 preiswerte Alternativen

MB 1209 Cannondale Flash Team
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Im Schnitt wiegen die 15 Carbon-Boliden 8,57 kg – 610 g weniger als beim Vorjahrestest! Mit den Newcomern Cannondale Flash und Merida
0.Nine knacken zwei Bikes gar die 8-Kilo-Grenze – wobei sich das Flash seine sensationellen 7,52 kg mit kaum alltagstauglicher Bereifung erschleicht. Übrigens: Ein Tour-de-France-Renner darf laut Reglement nicht weniger als 6,8 kg wiegen ...

Die Gründe für diesen Magerwahn sind vielschichtig, die Kohlefaser-Kreationen der Hersteller dabei „nur“ die Basis: Auch wenn das Flash mit 957 g Rahmengewicht eine weitere Bestmarke setzt, der Rest pendelt sich zwischen (ausgezeichneten) 1000 und 1100 g ein. Richtig abgekocht wurde dafür bei den Parts, speziell Srams neue 2x10-Topgruppe XX, die an gleich zwölf Testbikes schaltet und waltet, sorgt für eine deutliche ­Diät.

Zudem sind immer mehr Bauteile aus Carbon gefertigt: Gabelkrone, Felgen, Kurbeln etc. Cannondale-Entwickler Peter Denk: „Mit den Rahmengewichten nähern wir uns immer mehr dem physikalisch Möglichen. Mir tut es fast schon weh, wie viel Zeit wir mit 1 Prozent Gewichtsersparnis verbringen, nur um dann Komponenten ans Bike zu schrauben, die wir sofort um 10 Prozent leichter machen könnten.“

Cannondale und Specialized quetschen mit Systemintegration einige Gramm heraus, etwa mit den hauseigenen Kurbeln. So wiegt die S-Works-Kurbel mit XX-Blättern 650 g – circa 100 g weniger als die „Original“-XX.

Auch abseits der Grammfeilscherei zeigen die neuen Rahmenkunstwerke ein erquickliches Potpourri technischer Raffinesse: konisches Steuerrohr, integrierte Steuersatz- und Tretlager, Bremsaufnahmen aus Carbon nach Postmount-Standard, Carbon-Ausfallenden und, und, und – alles mit dem Ziel der Gewichtsreduktion und des Steifigkeitsgewinns.

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Carbon: Komplexe Handwerkskunst

15 Carbon-Racer im Test - plus 15 preiswerte Alternativen

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Indes setzen immer mehr Hersteller (Cannondale, Merida, Simplon, Specia­lized) auf komplexe Mischprozedere aus Monocoque-, Tube-to-Tube- und Muffenbauweise, um für den jeweiligen Bereich das optimale Verfahren anzuwenden. Dennoch: Pauschal lässt sich nicht sagen, welche Bauweise die beste ist.

Zumal die Art und Bündelung der Carbon-Fäden, die verwendeten Harze, die je nach Kräfteverlauf angeordnete Faserrichtung oder die Nachbearbeitung genauso elementar sind – erst eine oft mittels Datarecording-Messfahrten und Computer-Simulationen optimierte Abstimmung von Rahmenform, Herstellungsverfahren und Layup (Laminierung) führt zum Erfolg.

Ein Erfolg, der durch die Messung von Tretlager- und Lenkkopfsteifigkeit objektivierbar ist. Denn der leichteste Rahmen nutzt nichts, wenn er sich beim Antritt verwindet wie Spaghetti im Dampfgarer. Erneut setzt das Flash in der Summe eine erstaunliche Bestmarke, die bis dato nicht mal ein Alurahmen erreichte. Logische Folge ist ein SGI-Wert (Quotient aus Steifigkeit und Gewicht), der mit 364 Punkten den bisherigen Primus Simplon Razorblade um gut 100 Punkte distanziert. Bei aller Euphorie bleibt zu hoffen, dass die zuletzt zur Ruhe gekommene Spirale aus „immer leichter, immer steifer“ nicht aufs Neue überstrapaziert wird.

Auch abseits solcher Rekorde weisen die Kandidaten durchweg gute bis sehr gute Werte auf. Nur Lapierre (Tretlager und Lenkkopf) und KTM (Lenkkopf) fielen im Labor wie in der Praxis als „zu weich“ auf.

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Testbikes mit viel Fahrkomfort

15 Carbon-Racer im Test - plus 15 preiswerte Alternativen

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Speziell Cannondale und Merida bieten eine noch nie dagewesene Schonung des Hardtail-Piloten, selbst ruppige Anstiege oder Wurzelteppiche sind so zumindest partiell im Sitzen fahrbar.

„Fühlt sich nach fast 5 cm Federweg an“, staunten die MB-Tester nach den ersten Ritten mit Flash und 0.Nine. Eher harte Trailgenossen wie das Fuji oder Stevens wirken da im direkten Vergleich unbarmherzig und strapaziös. Dabei geht es nicht um Racer-Ayurveda, sondern um Physiologie. Peter Denk: „Das leichteste und steifste Rad ist nicht zwangsläufig das schnellste. Wir sahen noch Potenzial in der Schonung der Haltemuskulatur. Viele nennen es Komfort, ich nenne es legales Doping, denn durch die Linderung der Kraftspitzen auf den Fahrer geht dessen Puls bei gleicher Leistung messbar zurück.“

Zudem beobachteten die MB-Tester, dass die auf vertikalen Flex getrimmten Hardtails eine bessere Traktion bieten, sich „weniger bockig“ fahren und im Groben merklich später die Bodenhaftung verlieren.

Wie wird diese Piloten-Entlastung erreicht? Zum einen setzen viele Hersteller auf spezielle Carbon-Sattelstützen, die entweder durch ein sich verjüngendes Mittelteil (Cannondale), durch starken Versatz und/oder durch dünnen 27,2-mm-Durchmesser (u. a. Haibike) flexen. Spürbar, aber nur, wenn der Pilot im Sattel sitzt.

Ein flexendes hinteres Rahmendreieck bietet hingegen auch im Stehen Entlastung und Traktion. Dabei müssen nach der Gesetzmäßigkeit eines Dreiecks mindestens zwei Schenkel nachgeben können. Spindeldünne Sitzstreben kombiniert mit massiven, brettharten Kettenstreben, wie an einigen Bikes zu beobachten, sind folglich kaum mehr als ein optischer Gimmick.

Auch das Layup wird mit einbezogen: So sollen beim Flash etwa steife Hochmodularfasern an den Seiten der Streben und nachgiebige High-Tensity-Fasern an den Ober- und Unterseiten vertikalen Flex bei hoher Torsionssteifigkeit bieten.

Zusätzlich zu den messbaren Größen Rahmen und Stütze beeinflussen nahezu alle Parts den „Komfort“: der Sattel, die Reifen inklusive des gefahrenen Drucks, die Griffe, die Laufräder etc. Auch im Profi-Bereich: „Im Vergleich zu früher werden großvolumigere Reifen gefahren – und durch die Systeme mit Latexmilch viel geringere Luftdrücke.

Ich fahre für mehr Grip und Komfort meist mit 2,25“-Reifen und maximal 1,8 Bar“, so Stefan Sahm. Im Gegensatz zu flexenden Streben geht etwa ein gepolsterter Sattel aber mit einer Gewichtszunahme einher – das Bike wird zwar komfortabler, aber auch langsamer.

Gewicht, Steifigkeit, Komfort – erstaunlich, wie frappierend die Unterschiede in der auf den ersten Blick homogenen Testgruppe ausfallen. Rund 1200 g Differenz zwischen dem leichtesten und schwersten Bike (Reifen-bereinigt) sind bergauf in dieser Klasse eine Welt. Und wer nach einer Runde auf einem Komfort-optimierten Racer auf einen „steifen Bock“ steigt, fühlt sich danach wie der berühmte Hamster im Mixer.

Aber auch beim Handling ist die Streuung enorm, von super­agilen CC-Flitzern wie dem Merida über breitbandige Boliden wie dem Simplon bis hin zu laufruhigen Marathonbikes wie dem Stevens reicht die Palette. Die Testbriefe zeigen, welche Rennfeile Ihrem Einsatzzweck und Ihren Vorlieben entspricht.

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Messlabor: Gewichte und Steifigkeiten

15 Carbon-Racer im Test - plus 15 preiswerte Alternativen

MB 1209 Cannondale Flash Team
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MB 1209 Carbon-Hardtails - Gewichte im Vergleich

Gewichte

Bei der Federgabel wiegt MB, sofern vorhanden, Remote und Steckachse mit. Das Laufradgewicht ist die Summe aus dem eigentlichen Laufradsatz mit Schnellspanner, Felgenband, Schlauch, Original-Mantel, Bremsscheibe und sämtlichen Schrauben.

MB 1209 Carbon-Hardtails - Tretlagersteifigkeit
MB 1209 Carbon-Hardtails - Lenkkopfsteifigkeit

Labortest

Auf EFBe-Prüfständen misst MB die Steifigkeiten der Bikes. Die Tretlagersteifigkeit zeigt, wie sich der Rahmen im Antritt verwindet, die Lenkkopfsteifigkeit beeinflusst die Spurstabilität. Fast alle Bikes liegen im grünen Bereich, nur das Lapierre fällt in beiden Bereichen (und in der Praxis) ab. Beim KTM fiel in Praxis wie Labor der weiche Lenkkopf auf. Überragend ist das Cannondale.

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Messlabor: Die Komfortwerte der Testbikes