MB 1110 Scott Genius vs. Liteville 601 Daniel Geiger
MB Scott Genius LT 10 - Twinloc-Hebel
MB Scott Genius LT 10 - Equalizer-3-Federbein
MB Liteville 601
MB Liteville 601 - Dämpfer 11 Bilder

Im Test: Scott Genius LT vs. Liteville 601

Duell der Super-Allmountains 2011

Mit 180-mm-Fahrwerk demonstrieren sie ihre Downhill-Kompetenz, aber mit dem Gewicht eines All-Mountains. Scott oder Liteville – wer stellt den neuen Trail-König?

Der Gardasee. Ein Mountainbike-Traumrevier, für das sich Biker bisher zwei Bikes wünschten. Eines, das sich über die langen, alpinen Schotterauffahrten hermacht, eines, das die harten, oft steinig-selektiven Downhills frisst. Aber beides vereint in einem Tourer mit Freeride-Federwegen von 180 mm?

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Das klang so wahrscheinlich wie unrasierte Beine in einem Weltcup-CC-Rennen. Doch nun kommen mit dem neuen Liteville 601 und dem Scott Genius LT 10 Bikes, die genau diese beiden Wünsche erfüllen – hier der leichtfüßige Tourer im Anstieg, dort der Bolide, der mit seinen gewaltigen Fahrreserven auf harten Abfahrten und bösen Trails jede Situa­tion souverän im Griff hat.

Tests am Gardasee und im MB-Labor

Hört sich verdammt verlockend an, fast zu schön, um wahr zu sein. Doch wer profitiert von Touren-Enduros solcher Couleur? Und: Kann ein Tourenbike funktionieren, das 180 mm Federweg an Vorder- und Hinterrad bietet? Ist so was pedalierbar? Wer braucht so was überhaupt? Fragen genug für MB, um damit die Tragfähigkeit dieses Universalkonzepts von Liteville und Scott in einem tiefgreifenden Test zu überprüfen.

Klar, dass dieser Test am Gardasee stattfinden musste! Erwartungsvoll ging‘s an den Lago, um die Fahrqualitäten in einfachen wie diffizilem Gelände abzufragen. Das Gebiet um den Monte Baldo im Norden des Sees stellte das anspruchsvolle Testgelände. Im Anschluss mussten die beiden Bikes im MB-Prüflabor zeigen, was in ihnen steckt. Nach EFBe-Standard ermittelten die MB-Techniker die Rahmensteifigkeiten, erfassten zudem die Gewichte von Rahmen, Gabel und Laufrädern. Auch die Federkennlinien von Hinterbau und Gabel wurden aufgezeichnet.

Selbes Ziel, unterschiedliche Ansätze

Liteville wie Scott teilen das ehrgeizige Ziel eines möglichst breitbandigen Touren­enduro-Konzepts. Die Wege dorthin sind indes sehr unterschiedlich. Litevilles 601 setzt traditionell auf den Werkstoff Aluminium. Der gekonnte Umgang mit dem Leichtmetall – unter anderem spart das konische 1,5“- auf 1 1/8“-Steuerrohr wichtige Gramm ein – ermöglicht das beachtenswerte Rahmengewicht von 3442 g bei nominell 190 mm Federweg.

Anders als Scott setzt Liteville auf einen klassisch-bewährten Viergelenk-Hinterbau mit „Horstlink“-Drehpunkt vor der Hinterradachse für eine möglichst antriebsneutrale Federkinematik. Clever und smart: Den eigenen Vorlieben und der Strecke entsprechend, kann über das Zahnprofil an der oberen Federbeinaufnahme der Lenkwinkel zwischen sehr flachen 63,7° und steileren 65,2° fixiert werden. Gleichzeitig lässt sich so das Tretlager absenken.

Carbon-Know-how am Scott Genius LT

Carbon ist Trumpf – das gilt für Scotts Genius LT, Nachfolger des populären Enduro Ransom. Der gewichtsoptimierte Carbon-Rahmen nutzt die gestalterischen Möglichkeiten von Kohlefaser-Konstruktionen – Stichwort tiefes Oberrohr für hohe Beweglichkeit. Die Rahmenkonstruktion (inkl. Twinloc-Hebel und Steckachse) ist mit 3120 g spektakulär leicht. Eine Leistung – manches All-Mountain-Chassis ist deutlich schwerer.

Carbon-Skeptiker könnte die Scott-Garantie überzeugen: Drei Jahre Garantie hat der Rahmen auch im Renneinsatz, fünf, geht der Besitzer einmal jährlich zum Händler-Service. Den muskulösen Carbon-Hauptrahmen wertet Scotts Technologie-Highlight auf: Das Twinloc-System kombiniert einen zweistufigen Lenker-Schalthebel mit dem einzigartigen Equalizer-3-Federbein.

Mit einem Klick am Hebel reduziert sich der Hinterradfederweg von 187 mm auf kletterfreundliche 110, ein weiterer Klick, und Hinterbau sowie Federgabel sind komplett blockiert. Auch Scott rundet sein Konzept mit einer cleveren Geometrieverstellung ab: Wer Downhill lieber hört als Uphill, kann eine Metallscheibe an der Feder­beinaufnahme umlegen und fährt fortan mit flacherem Lenkwinkel und zugleich niedrigerem Tretlager.

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Die Bikes im Test:

MB Liteville 601
Fully-Tests
MB Scott Genius LT 10
Fully-Tests

Leichte, tourige Ausstattung

Super-Allmountains 2011 im Test - Scott Genius LT vs. Liteville 601

MB Scott Genius LT 10
MB Scott Genius LT 10 MB Scott Genius LT 10 - Twinloc-Hebel MB Scott Genius LT 10 - Equalizer-3-Federbein MB Liteville 601 11 Bilder

So laufen Liteville wie Scott auf gewichtsoptimierten Laufradsätzen für effizienten Vortrieb, geführt durch überall griffige Schwalbe Fat Alberts in üppiger 2,4“-Breite. Kräftige Bremsen stärken das Vertrauen ins Rad. Damit die lockere Bergauffahrt kein Werbeversprechen bleibt, kommen an beiden Bikes die neuen 3 x 10-Schaltsysteme von Sram und Shimano zum Einsatz.

Gut so, denn die auf ganzer Breite schaltbaren 10-fach-Kassetten sind kraftsparend. Sinnvoll auch: die funktionelle, schaltbare Kettenführung am Liteville und der auf eine Führung vorbereitete Scott-Rahmen. Praxisnah, besonders für diese regelmäßig bergauf wie bergab gerittenen Bikes: die höhenverstellbare Vario-Sattelstütze am Scott. Liteville-Käufer sollten unbedingt eine ordern.

Auf der langen Auffahrt zum Monte Baldo die Überraschung: Dass sich Bikes mit dem Federweg eines Freeriders so effizient pedalieren lassen, das gab‘s bisher nicht. Kein Fahrwerkswippen beschneidet brutal den Vortrieb, in ihrer hohen Kletterkompetenz sind Scott wie Liteville absolut mit der AM-Verwandtschaft vergleichbar. Allerdings setzt sich das Scott mit seiner Twinloc-Fahrwerksverstellung am Berg doch etwas vom Liteville ab.

Wer nutzt diese Bikes voll aus?

Weil der Pilot mit so viel Federweg so unerwartet leicht und mit AM-ähnlicher Agilität auf den Gipfel spurtet, tritt die Frage „Wem nützen diese Bikes?“ merklich in den Hintergrund. Denn den Reserve-Federweg nimmt ein Fahrer gerne mit, bezahlt er ihn doch nicht durch ein höheres Gesamtgewicht – wenn er für die Luxusversionen das Geld auf den Tisch blättern kann.

Ist die Fahrfreude bergauf schon hoch, erfährt sie auf frechen, wurzeligen oder felsigen Trails eine deutliche Steigerung, im Downhill vor allem im Fall Liteville ihre Krönung. Hier liegen die Bikes sehr satt, sind die Fahrwerke mit deutlich mehr Potenzial fürs Grobe wie etwa mittlere Sprünge oder hohe Steinkanten ausgestattet. Die Ideallinie verfehlt? Kein Problem, Federung und Dämpfung werden es schon richten.

Die steifen Chassis ermöglichen diese außerordentliche Spurpräzision. Schnelle Kurven- und Richtungswechsel bei hohem Speed in anspruchsvollem Gelände? Sie sind auch dank des breiten Cockpits und der leichten Laufräder selbst für den weniger Geübten erstaunlich mühelos einzuleiten. Und auch von den satten Federwegs­reserven profitieren nicht nur Könner.

Bei so viel Licht muss es auch Schatten geben: Das Vorserienmodell der Federgabel Rock Shox Lyrik brachte durch die überdämpfte Druckstufe Unruhe in das gelungene Scott-Fahrwerk, so dass das eigentlich so potente Fahrwerk konnte im Downhill nicht alle seine Trümpfe ausspielen konnte.

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Gewichte und Steifigkeiten der Testbikes

Super-Allmountains 2011 im Test - Scott Genius LT vs. Liteville 601

MB Scott Genius LT 10
MB Scott Genius LT 10 MB Scott Genius LT 10 - Twinloc-Hebel MB Scott Genius LT 10 - Equalizer-3-Federbein MB Liteville 601 11 Bilder

Die leichten Rahmen – voran der Scott mit lediglich 3120 g – stellen beide 180er-Bikes auf eine sehr leichte Basis, ohne dass deswegen andere Parameter wie die Rahmensteifigkeit beschnitten werden. Die liegt jeweils im gesunden Bereich. Die Unterschiede an Tretlager und Lenkkopf wurden in der Praxis nicht wahrgenommen.

MB 1110 Scott Genius vs. Liteville 601 - Messwerte
*Laufradgewichte inkl. Reifen, Schlauch, Felgenband, Bremsrotor, Schrauben **SGI = Steifigkeits-Gewichts-Index

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Fazit: Eine ganz neue Art von Bikes

Super-Allmountains 2011 im Test - Scott Genius LT vs. Liteville 601

MB Scott Genius LT 10
MB Scott Genius LT 10 MB Scott Genius LT 10 - Twinloc-Hebel MB Scott Genius LT 10 - Equalizer-3-Federbein MB Liteville 601 11 Bilder

Bisher waren solch große Federwege ein klares Indiz für einen stark eingeschränkten Einsatzbereich – Devise Downhill. Doch das 601 und das Genius LT 10 sind so leicht, effektiv pedalierbar und dynamisch im Handling wie ein All-Mountain, aber noch vielfältiger. Die MB-Tester verschwendeten jedenfalls auf den vertrackten Lago-Trails keinen Gedanken mehr auf je ein Bike.

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