MB 0211 Race-Fullys Teaserbild Daniel Geiger
MB BMC Fourstroke FS
MB Cube AMS Super HPC SL
MB Cube AMS Super HPC SL - Federbein
MB Cube AMS HPC Pro 34 Bilder

13 Race-Fullys von 4.500 bis 5.600 Euro im Test

Die schnellsten Race-MTBs im Test

Wer baut das schnellste Race-Fully? MountainBIKE hat 13 MTB-Modelle für den Temporausch getestet.

Der Race-Jahrgang 2011 führt diesen Trend fort, manifestiert sich in „entspannteren“ Geometrien mit kürzeren Vorbauten und flacheren Lenkwinkeln, in komfortableren Fahrwerken und in ergonomischeren Parts – Streckbank adé! Auch die Federwege wuchsen um bis zu 50 Prozent in weniger als zehn Jahren – eine Entwicklung, die auch im CC-Weltcup von Profis wie Geoff Kabush oder Wolfram Kurschat angestoßen wurde.

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Aber genügen diese Bikes überhaupt noch den Ansprüchen ehrgeiziger Racer? Oder ging die Kernkompetenz „effektiv und schnell“ verlustig? Ist das auf 120 mm Federweg angewachsene Racefully am Ende gar das Tourenbike von morgen?

Intensive Tests in Praxis und Labor

Um diese Fragen zu klären, lud MB 13 Race­fullys der Oberklasse im Preisbereich von 4500 bis 5600 Euro zum Vergleich. Eine elitäre Preislage, aber nicht mal die teuerste: Bis auf BMC, Cube, Radon und Stevens haben alle Hersteller noch ein edleres Pferd im Stall.

Umso besser, dass auch in diesem Testfeld alle ihre Firstclass-Technologien präsentieren: Carbon-Rahmen aus der teuersten Hightech-Faser, aber auch ausgeklügelte Fahrwerks-Verstellungen wie das „mitdenkende“ Specia­lized- Brain-System. Erfreulich für alle mit ­schmalem Geldbeutel: In abgeschwächter Form kommen die technischen Merkmale der Räder sogar an den Einsteigerbikes der jeweiligen Modelle zum Einsatz.

Das Testfeld könnte spannender kaum sein. Bekannte Bikes wie das vielseitige Scott Spark oder das rassige Rennpferd Storck Adrenalin stellen sich ehrgeizigen Neukonstruktionen wie dem Cube AMS oder dem Felt Edict. Allen Probanden gemein ist ein Carbon-Hauptrahmen, oft ergänzt durch einen Carbon-Hinterbau.

Zum intensiven Praxistest reiste die MB-Crew Anfang Dezember in zwei mediterrane Traumreviere: Apt in der Provence und Finale Ligure am Tyrrhenischen Meer, um die Fahrqualitäten auf einer Teilstrecke der „24 Stunden von Finale“ auszuloten. Der anschließende Laborcheck ermittelte die Gewichte von Rad, Rahmen, Gabel und Laufrädern. Die Steifigkeitsmessungen auf EFBe-Prüftischen an Lenkkopf und Tretlager legten weitere Stärken und Schwächen im Testfeld offen.

Leichte und steife Carbon-Chassis

Waren bereits die 2010er Rahmen mit durchschnittlich 2272 Gramm sehr leicht, verschiebt der aktuelle Racefully-Jahrgang die Messlatte weiter: Um beachtliche 109 Gramm speckten die Carbon-Chassis im Schnitt ab. Spitzenreiter ist mit 1930 Gramm wie im Vorjahr das Haibike, das zudem mit guten Steifigkeitswerten aufwartet.

Knapp dahinter platziert sich mit 1954 Gramm der neue Cube-Rahmen, der dank top Steifigkeiten auch beim SGI-Wert (Steifigkeits-Gewichts-Index) auftrumpft: 101,3 Punkte, Rang zwei. Platz eins belegt mit 102,4 Punkten das Storck, die überlegen hohe Steifigkeit gleicht den zweitschwersten Rahmen (2421 g) aus.

Auch Stevens unterstreicht mit 85 Nm/° Lenkkopfsteifigkeit seine Carbon-Kompetenz. Die beachtlichen Unterschiede in der Rahmensteifigkeit machten sich im Fahrbetrieb bei den MB-Testern um 75 Kilo jedoch kaum bemerkbar. Markant spürbar war lediglich die enorme Steifigkeit des Storck, vor allem am Lenkkopf.

Fahrwerke: Schub und satte Traktion

Das mit den Highend-Rahmen geschaffene Vortriebs-Potenzial kann der Fahrer nur über einen effizient arbeitenden Hinterbau abrufen. Und auch hier sind die Zeiten bockharter Folterstühle vorbei, die Entwickler streben einen Kompromiss aus möglichst hohem Fahrkomfort und Vorwärtsimpuls des Fahrwerks an.

Je nachdem, in welche Richtung dieses Pendel ausschlägt, inspiriert auch die Kinematik den Charakter des Bikes: vom straff-tempogierigen Cross-Country-Flitzer bis zum komfortablen Marathonisti. Mit hervorragender Bergauftraktion punkten allen vor­an Specialized und Cube. Ihren feinfühligen, schluckfreudigen Hinterbauten ist es gleich, in welcher Größe Fahrbahnstöße auf das Hinterrad treffen – sie verarbeiten sie souverän, sichern so dauerhaft Vortrieb.

Von der breitbandig justierbaren Arbeitsschwelle des Brain-Dämpfers am Specialized profitieren Rennprofis wie Tourenbiker. Nicht mehr top, aber immer noch auf erstaunlichem Niveau präsentiert sich das Spark mit 110-mm-Hinterbau: Via Lenker-Fernbedienung („Twinlock“) setzt der Fahrer den Federweg auf 80 mm herab und klettert fortan noch emsiger.

Das neue Ghost spricht ähnlich dem Cube zuerst den Racer an: Die hohe Uphill-Traktion treibt das Rad bergauf, bergab ist das Fahrwerk allerdings minimal unkomfortabel. Das Potenzial des leichten Rahmens verspielt das Haibike durch die ungünstige Kinematik, die den Hinterbau zu sehr in die 110 mm Federweg zieht, so Traktion, Vortrieb und Fahrfreude beschneidet.

Die Bikes im Test:

MB BMC Fourstroke FS 01
Fully-Tests
MB Cube AMS Super HPC SL
Fully-Tests
MB Felt Edict Team
Fully-Tests
MB Ghost RT Lector Worldcup
Fully-Tests
MB Haibike Sleek RX
Fully-Tests
MB KTM Taser Master
Fully-Tests
MB Radon Skeen Carbon 10.0
Fully-Tests
MB Rocky Mountain Element RSL 70
Fully-Tests
MB Scott Spark 10
Fully-Tests
MB Specialized Epic Marathon Carbon
Fully-Tests
MB Stevens Fluent Carbon Team
Fully-Tests
MB Storck Adrenalin 1.7
Fully-Tests
MB Trek Top Fuel 9.8
Fully-Tests

Trend: Mehr Federweg am Racefully

13 edle Race-Fullys im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

MB BMC Fourstroke FS 01
MB BMC Fourstroke FS 01 MB BMC Fourstroke FS MB Cube AMS Super HPC SL MB Cube AMS Super HPC SL - Federbein 34 Bilder

Die eher spärlichen 95 mm Federweg am Storck sind selten. Selbst das ist Ihnen zu viel? Alle Bikes verfügen über Plattform- oder Blockierhebel an Federbein und -gabel, um Asphalt-Intermezzi fast ohne jegliche Antriebseinflüsse zu bezwingen.

Die Bausteine Handling und Ausstattung bestimmen final das „Race-Pendel“. Mit der genialen Verquickung von charismatischem Renncharakter und Sahne-Handling glänzt das Specialized selbst auf anspruchsvollsten Trails. Wer sein Racefully ausschließlich als solches sieht, steigt jedoch auf das lang gestreckte Felt, das ultrasteife Storck, das leichtfüßige Ghost oder das noch ehrgeizigere Cube.

Hier sind Eigenheiten wie ein sehr schmaler Lenker (Felt), die starke Frontlastigkeit des Storck oder die Cube-Lenkerhörnchen Teil des Vollgas-Konzepts. Weit marathonlastiger agieren BMC und Rocky, die im Downhill zur Hochform auflaufen. Die kompakte Geometrie mit hohem Cockpit und breitem Riser-Lenker am KTM bedient gar Tourengeschmäcker.

Auch das wuselige Scott und das sehr breitbandige Stevens punkten nicht nur bergab bei fahrtechnisch weniger Versierten durch die Federreserven der langen 120-mm-Gabeln – die 3 x 10-Antriebe bringen den Pedaleur zudem entspannt auf den Gipfel. Apropos Antrieb: Die Güte der Schaltgruppen reicht von „nur“ Shimano XT (am Trek und am günstigen KTM) bis zur exquisiten Sram-XX-Gruppe am Versenderbike Radon.

Am häufigsten griffen die Produktmanager zur prima arbeitenden Sram- X.0-Gruppe – meist durch die erstklassige X.0-Bremse ergänzt. Cube, Ghost und Stevens toppen dies mit der superedlen Shimano XTR.

Gewichte, Steifigkeiten, Charakter und Handling der Test-Bikes

13 edle Race-Fullys im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

MB BMC Fourstroke FS 01
MB BMC Fourstroke FS 01 MB BMC Fourstroke FS MB Cube AMS Super HPC SL MB Cube AMS Super HPC SL - Federbein 34 Bilder

Gewichte:

Die Gabelgewichte von KTM und Radon verstehen sich inklusive 15-mm-Steckachse. Das Laufradgewicht ist die Summe aus dem Laufradsatz mit Schnellspannern, Felgenband, Schlauch, X-King-Einheitspneu (Conti), Bremsscheibe und allen Schrauben.

MB 0211 Race-Fullys - Gewichte

Steifigkeiten:

Auf EFBe-Prüfständen misst MB die Steifigkeiten der Bikes. Die Tretlagersteifigkeit zeigt, wie sich der Rahmen im Antritt verwindet, die Lenkkopfsteifigkeit beeinflusst die Spurstabilität. Auffallend hoch sind die Steifigkeiten am Storck, was sich in der Praxis in sehr hoher Lenkpräzision artikuliert. Geringe Lenkkopfsteifigkeiten wie am Trek waren in der Praxis so nicht spürbar.

MB 0211 Race-Fullys - Tretlagersteifigkeit
MB 0211 Race-Fullys - Lenkkopfsteifigkeit

Charakter:

Die Tabelle zeigt: Racebike ist nicht gleich Racebike! Up- und Downhillstärke der Räder legen Charakter und Einsatzzweck der Modelle fest. CC- wie Marathon-Rennen werden zwar vorrangig bergauf entschieden, für den Normalfahrer ist ein ausgewogenes Rad aber oftmals wichtiger.

MB 0211 Race-Fullys - Charakter
Redaktion

Handling:

In den seltensten Fällen werden Race­fullys ausschließlich im Rennen eingesetzt. Ein gutmütiges Rad mit vorhersehbarer Lenkung, das sicher auch in schnellem und unwegsamem Gelände agiert, dürfte auch für Hobby-Racer vorteilhaft sein. Äußerst agil-nervöse Vertreter wie etwa das Haibike brauchen etwas Erfahrung.

MB 0211 Race-Fullys - Handling

Im Fokus: Die Federkennlinien der Bikes

13 edle Race-Fullys im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

MB BMC Fourstroke FS 01
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Cube:

MB Cube AMS Super HPC SL - Kennlinie
Kennlinie: Cube AMS Super HPC SL

An und für sich harmonischer Verlauf von Gabel und Hinterbau. Nach etwas höherem Losbrechmoment gegenüber der gabel nutzt der Hinterbau den mittleren Federweg prima aus. Zum Schluss stärkere Endprogression.

KTM:

MB KTM Taser Master - Kennlinie
Kennlinie: KTM Taser Master

Das erhöhte Losbrechmoment verhindert ein Wegsacken des Hinterbaus. Im weiteren Verlauf werden die 110 mm schön genutzt, die Endprogression setzt erst spät ein. Anfangs sensibler, harmoniert die Gabel später gut.

Trek:

MB Trek Top Fuel 9.8 - Kennlinie
Kennlinie: Trek Top Fuel 9.8

Kleine Schläge genügen, damit der Trek-Hinterbau anspricht. Der empfundene, hohe Komfort im mittleren Federwegsbereich deckt sich mit der schön linear verlaufenden Kennlinie. Die Fox-Gabel harmoniert prima.

So testet MB die Race-Fullys

13 edle Race-Fullys im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

MB BMC Fourstroke FS 01
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Praxistest:

MB 0211 Race-Fullys - Praxistest
Daniel Geiger
Voll konzentriert: In der Praxis filtern die Tester so entscheidende Unterschiede.

Am Anfang eines jeden MountainBIKE-Tests steht die intensive, leidenschaftliche Praxisprüfung. Die Bühnen für das Duell der weltschnellsten vollgefederten CC-Racebikes waren die anspruchsvollen Terrains von Apt in der Provence und von Finale Ligure.

Dort verlangte etwa ein anspruchsvoller, etwa drei Kilometer langer Rundkurs mit circa 150 Höhenmetern nicht nur den Testprobanden alles ab – auch die Tester kamen an ihre physischen Grenzen. Auch wenn der Kurs regelmäßige, verführerische Blicke auf Küste und Meer bot, Zeit dafür blieb nicht. Zu sehr war die vierköpfige Testmannschaft damit beschäftigt, den unterschiedlichen Fahrqualitäten des Testfelds nachzuspüren.

Die Strecke, die in Teilen zum Kurs der „24 Stunden von Finale“ zählt, fühlte den Bikes mit steilen Anstiegen auf Fels, Highspeed-Downhills und einer abschließenden „Anlieger-Bobbahn“ bis aufs hinters­te Ritzel. Welcher Hersteller verbaut den besten Hinterbau? Wo stimmt das Handling nicht? Welches Bike ist am vielseitigsten?

Prominente Testunterstützung wurde der Redaktion dabei in Person von Friedemann Schmude zuteil. Der Teammanager des erfolgreichen Bulls-Rennstalls brachte seine Erfahrungen als langjähriger Rennfahrer mit ein.

Reifen: Wie auch beim jüngsten Race-Hardtail-Test in MB 12/2010 zogen die Techniker im Vorfeld des Tests Continentals X-King Race Sport in der 2,2“-Variante auf. Der MB-Testsieger in der Race-Kategorie ist federleicht, ein echter Allround-Könner und hilft enorm, die teils feinen Unterschiede unter den Bikes aufzuspüren.

Praxisnoten: Jeder Tester fuhr jedes Bike mindes­tens einmal über die selektive Teststrecke. Nach jeder Runde bewertete er auf dem speziellen Bewertungsbogen isoliert das Rad. In einer abschließenden Besprechung werden offene Fragen geklärt, das Rad beurteilt.

Labortest: Im MountainBIKE-Messlabor werden die Räder zerlegt und die Gewichte von Rad, Rahmen, Gabel und Laufrädern ermittelt. Auf EFBe-Prüfständen messen die Techniker Lenkkopf und Tretlagersteifigkeit.

Endnote: Über einen komplexen Schlüssel aus über 1000 Einzelnoten ermittelt MB zunächst die Endnote jedes Bikes und mit dem punktbesten Bike schließlich den Testsieger.

Das perfekte Race-Fully: So sieht's aus

13 edle Race-Fullys im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

MB BMC Fourstroke FS 01
MB BMC Fourstroke FS 01 MB BMC Fourstroke FS MB Cube AMS Super HPC SL MB Cube AMS Super HPC SL - Federbein 34 Bilder

1. Cockpit: Vorbauten zwischen 80 und 100 mm sind inzwischen Standard. Breite (ab 630 mm), leicht gekröpfte Lenker schenken viel Fahrspaß und Kontrolle.

2. Laufräder: Leichte Laufräder (unter 1500 g) erzeugen satten Vortrieb. Carbon-Felgen machen noch schneller, sind aber sündteuer.

3. Reifen: Breite 2,25“-Pneus bieten mehr Traktion und Pannenschutz als Schmalspurreifen. Gute Allround-Profile wie beim Conti X-King geben zudem Grip und Sicherheit.
4. Übersetzung: Im Trend liegen leichte 2 x 10-Antriebe, die über breitbandig nutzbare 10-fach-Kassetten eine gute Gesamtübersetzung bieten. 3 x 10-Systeme machen die Räder vielseitiger.

5. Geometrie: Steile Sitzwinkel um 74° erzeugen viel Vortrieb, der Fahrerschwerpunkt rückt nach vorne. Lenkwinkel um 70° sind ein Kompromiss aus Agilität und Laufruhe.

6. Federung/Fahrwerk: Luftfederelemente sind Standard, leicht und mannigfach justierbar. Effiziente Hinterbau-Kinematiken unterstützen den Vortrieb, bieten dennoch Komfort.

7. Bremsen: So standfest wie nötig, so leicht wie möglich, lautet das Motto. Nicht nur auf alpinen Abfahrten bietet die Kombination 185/160 mm (vorn/hinten) mehr Reserven.

8. Rahmen: Der Werkstoff Carbon hat sich zu Recht durchgesetzt. Entscheidender Vorteil ist das günstige Gewichts-Steifigkeits-Verhältnis.

Fazit: Bunter und vielseitiger Racer-Haufen