Weniger Federweg für Trail-Feuerwerk?
Canyon Spectral 125

Mit dem Spectral 125 bringt Canyon den kleinen Bruder des beliebten All-Mountain-Fullys. Das perfekte Trailbike?

Canyon Spectral 125
Foto: Canyon

Kurz und knapp: Canyon Spectral 125 (2022)

  • 29er-Fully mit 140 mm Federweg vorne und 125mm am Heck
  • drei Carbonmodelle und zwei aus Alu
  • sehr flache und lange Geometrie
  • progressive Federung
  • ab 2499 Euro, Gewichte ab 13,8 kg

Nachdem Canyons All-Mountain Spectral für diese Saison in allen Laufradgrößen – 27,5", "Mullet" und 29" – rockt, kommt nun auch noch das Spectral 125. Nomen est omen bietet das neue "Mini"-Spectral 125 mm Federweg am Heck, an der Front sind es 140 mm. Das klingt nach einem klassischen Tourenbike. Doch Canyon betont, dass der neuste Spross der Spectral-Familie Fahrerinnen und Fahrer ins Visier nimmt, die es bergab richtig krachen lassen wollen. Für Tourenfahrer steht stattdessen weiterhin das Neuron mit 130 mm Hub zur Verfügung, das deutlich "konservativer" konzeptioniert ist.

Canyon Bikes

Statt auf die besagten drei Laufradgrößen setzen die Koblenzer am Spectral 125 ausschließlich auf eine 29"-Version. Die sehr flache und äußerst lange Geometrie übernimmt der Neuling vom großen Bruder. 64,1°-Lenkwinkel und ein Reach von 486 mm bei Rahmengröße L sprechen Bände: Das Spectral 125 will definitiv ab auf anspruchsvolle Trails. Dennoch soll es einen schnelleren Antritt und entspanntere Klettereien garantieren als das 160/150-mm-Spectral So hat Canyon bei der Entwicklung die Kinematik neu ausgelegt, um noch mehr Antriebsneutralität zu generieren, zudem ist der Carbon-Rahmen vollständig überarbeitet. Er soll im Vergleich zum "Großen" 100 g einsparen und 2239 g ohne Dämpfer wiegen. Einen Flip-Chip zur dezenten Anpassung der Geo gibt es ebenfalls. Der auch angebotene Aluminium-Rahmen verzichtet übrigens auf diese Geo-Verstellung. Die Alu-Modelle kosten preisattraktive 2499 Euro und 2999 Euro, die Carbon-Varianten stehen für 3499, 4499 oder 5799 Euro im Onlineshop.

Wer auch dank der Rahmendiät einen leichten Trail-Flitzer erwartet, dürfte vom Gewicht des neuen Bikes eher enttäuscht sein. 14,2 Kilo bringt unser XL-Testbike im Highend-Aufbau CF 9 auf die Waage. Dabei ist es allerdings auch in der "Kategorie 4" eingestuft, die sogar Bikepark-Einsätze erlaubt. Die Ausstattung passt dazu: Angeführt wird das Spectral 125 von einer wuchtigen Fox-36-Federgabel, dazu gibt es kreuzstabile Canyon-G5-Parts, auch pannensichere und gripstarke Maxxis-Reifen sind mit von der Partie. Für 5799 Euro sind zudem eine elektronische Sram-GXEagle-AXS-Schaltung und hochwertige DT-SwissCarbon-Laufräder an Bord

Erster Test: So fährt sich das Canyon Spectral 125

Auf los geht’s los: Schon beim Aufsitzen spürt man die Verwandtschaft mit dem großen Spectral. Der modern-steile 77,5°-Sitzwinkel sowie die generell durchaus sportliche Sitzposition verhelfen dem Spectral 125 zu sehr ordentlichem Vortrieb. Der Hinterbau glänzt dabei durch stoische Ruhe im Uphill, ohne zu sehr an Traktion zu geizen. Dennoch fühlt sich das Canyon in der Ebene und am Berg nicht so richtig spritzig an – das hohe Gewicht ist eben nicht wegzudiskutieren Biegt man in den Downhill ab, fallen jedoch alle Hemmungen. Mit hoher Wendigkeit und zugleich viel Laufruhe brilliert das Spectral auf flowigen wie auf anspruchsvollsten Pfaden. Das mit 437-mmKettenstreben angenehm kurz gezeichnete Heck sowie der deutliche "Popp" des knappen Heckfederwegs verleihen dem Canyon zudem einen äußerst ausgeprägten Spieltrieb: Man will einfach an jeder Wurzel abziehen. Generell bietet die progressiv gestaltete Heckfederung viel Feedback vom Untergrund, aber auch hohe Reserven. Zusammen mit dem ebenso "forschen" Handling eignet sich das Spectral 125 perfekt für Bikerinnen und Biker mit einem ausgesprochen aktiven, aggressiven Fahrstil, die dafür bewusst auf das letzte Quäntchen Federweg verzichten können und wollen. Für Komfortsuchende dürfte das langhubige Spectral hingegen weiterhin die bessere Wahl sein und für Langstreckenfans das deutlich leichtere Neuron.

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