MB 0111 All-Mountain-Bikes Teaserbild Manfred Stromberg
MB BMC Trailfox TF 01 - Reverb-Variostütze von Rock Shox
MB BMC Trailfox TF 02
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MB Cube Stereo Pro 34 Bilder

13 All-Mountain-MTB von 3.999 bis 4.800 Euro im Test

Allround-Bikes der Oberklasse im Test

Ein Bike wählen, mehrere Charaktere bekommen: All-Mountain-Fullys erfüllen viele Wünsche gleichzeitig. MountainBIKE prüfte, welcher All­rounder am meisten beglückt.

Die exklusive 4500-Euro-Klasse des MB-Tests ist dabei nicht zuletzt auch Prestige-Plattform: Mit Rahmengewichten von teils unter 2,8 Kilo, Hightech-Luft-Federelementen und hochwertigen Antriebs- und Schaltsystemen aus Srams X.9- oder X.0-Gruppe respektive Shimanos XT oder XTR bekommen Biker mehr als solide Technik.

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Vielschichtiges All-Mountain-Testfeld

So unterschiedlich die All-Mountain-Klientel, so verschiedenartig die Testprobanden. Bikes wie etwa das Stevens Glide mit 140-mm-Fahrwerk und vortriebsstarker Tourengeometrie grenzen die AM-Kategorie zu den 120-mm-Tourern ab und konkurrieren mit sehr abfahrtslastigen Fahrmaschinen vom Schlage eines Giant Reign, das die Grenze zu den Downhill-und sprungfreudigeren 160-mm-Enduros zieht.

In dieser Liga spielt auch das ob seines gutmütigen Charakters populäre Trek Remedy eine wichtige Rolle. Sein in den USA produzierter Carbon-Hauptrahmen verbindet geringes Gewicht – mit 2676 g liegt er im vorderen Testdrittel – mit ausreichend hohen Steifigkeiten.

Auf den Carbon-Zug springen die US-Amerikaner nicht allein auf: Sechs weitere Hersteller setzen einen Kohlefaser-Front­rahmen ein. Rose, Haibike und Lapierre ergänzen ihn mit einem Carbon-Hinterbau, um weiteres Gewicht abzuwerfen. Das Haibike setzt sich mit einem Rahmengewicht von 2424 g an die Spitze. Der schwerste Rahmen arbeitet im neuen KTM (3200 g), eine Alu-Konstruktion. Alu muss aber nicht zwangsläufig schwerer sein als Carbon.

Im Gegenteil: Das Liteville besitzt den leichtesten Alu-Rahmen und lässt in puncto Rahmengewicht gleich sechs Carbonis hinter sich. Zudem überzeugt das mittels anderer Umlenkhebel auch zum 120-mm-Tourer oder 160-mm-Enduro transformierbare Variobike im MountainBIKE-Labor: Mit 109 Punkten ist der SGI-(Steifigkeits-Gewichts-Index-)Wert am höchsten, die Tretlagersteifigkeit ist mit 200 N/mm gleichfalls Spitze.

Die Bikes im Test:

MB BMC Trailfox TF 01
Fully-Tests
MB Cube Stereo HPC Race
Fully-Tests
MB Ghost AMR Plus Lector 9000
Fully-Tests
MB Giant Reign 0
Fully-Tests
MB Haibike Heet RC
Fully-Tests
MB KTM Bark 10
Fully-Tests
MB Lapierre Zesty 714
Fully-Tests
MB Liteville 301 MK8
Fully-Tests
MB Rose The Janitor SL
Fully-Tests
MB Rotwild R.X2 FS Pro
Fully-Tests
MB Specialized SJ FSR Expert Carbon
Fully-Tests
MB Stevens Glide Max
Fully-Tests
MB Trek Remedy 9.7
Fully-Tests

Carbon oder Alu: Was ist besser?

13 All-Mountain-Bikes der Oberklasse im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

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MB_0111_AM_Test_BMC-Trailfox-01 (jpg) MB BMC Trailfox TF 01 - Reverb-Variostütze von Rock Shox MB BMC Trailfox TF 02 MB_0111_AM_Test_Cube_Stereo-HPC-Race (jpg) 34 Bilder

Und die vermeintlichen Nachteile? Prinzipiell unkritisch ist der Carbon-Einsatz selbst im AM-Segment, in dem Stürze und eine rustikale Fahrweise nicht gerade Seltenheitswert haben. Carbon kann sogar mehr wegstecken als Alu!

Kritisch zu sehen ist aber weiterhin das abrupte Bruchverhalten von Kohlefasern. Ein Bruch deutet sich kaum an, strukturelle Schäden sind äußerlich schwer erkennbar und von Laien noch schwerer zu beurteilen – der zum Glück unbedrohliche Riss an der Dämpferaufnahme des Rose zeigt, wie sehr der erfolgreiche Einsatz von Carbon von durchdachter Konstruktion und Qualitätssicherung abhängt.

Wie sich die Hinterbau-Performance möglichst effektiv, also ohne Kraft-, Traktions- und Komfortverluste gestalten lässt, darüber herrschen unterschiedliche Ansichten. Liteville etwa setzt bei seiner jüngsten Entwicklungsstufe des 301 wie gehabt auf einen ausgetüftelten Viergelenker mit DT-Federbein ohne Plattform-Funktion.

Spezialität des Specialized – auch das ein Viergelenker – ist das Brain-Federbein, das auf Wunsch nur auf Stöße vom Untergrund, nicht auf Fahrerbewegungen anspricht. Viel Hightech also! Wer geht als Sieger hervor? Welches Bike bietet den höchsten Downhill-Genuss? Alu oder doch besser Carbon?

Für die Fahrtests reiste die Testcrew Anfang November in das noch sonnige Brixen in Südtirol und fühlte den Bikes auf einer abwechslungsreichen Strecke aufs Ritzel. Dabei filterten die MountainBIKE-Tester Unterschiede in Handling, Fahrwerksperformance und Ausstattung heraus. Zurück in der Redaktion, wurde jedes Bike komplett zerlegt, die Gewichte von Rahmen, Gabel und Laufrädern ermittelt, zusätzlich die Steifigkeiten im Lenkkopf und am Tret­lager gemessen.

Ergänzend hielt die Laborcrew die Federkennlinien von Federgabel und Hinterbau fest und glichen die Messwerte mit den Praxiserfahrungen ab.

Hohes Niveau und Enttäuschungen

Eines vorweg: Die (Fahr-)Leistungen des vierzehnköpfigen Testfelds bewegten sich insgesamt auf einem hohem Niveau. Und: Sie bestätigten die hohe Allroundkompetenz der All-Mountain-Kategorie.

Wunderbar für Markt und Fahrer sind die unterschiedlichen Rad-Charaktere! Ein leichtes und sportlich austrainiertes Bike wie das Hai­bike punktete mit enor­mem Vortriebswillen und deutlich spürbaren Cross-Country-Impulsen. Allerdings bereitete das Heet auch einiges an Kopfzerbrechen.

Der Viergelenker ließ sich nicht zufriedenstellend abstimmen, tauchte im Uphill merklich ein und ließ auf strammen Abfahrten nur erahnen, dass hier eigentlich mächtige 156 mm Federweg zur Verfügung stehen.

Ausgeprägte Tourenkompetenz zeigten das Stevens, das Cube und das vorbildlich ausgestattete Ghost. Letzteres markiert gleichzeitig den Übergang in die abfahrtsliebende Fraktion, die sich mit den Modellen von BMC, Giant, Rotwild und Trek ins Spiel bringt. Sein leichtfüßig-reaktionsschnelles Handling macht das Specialized Stumpjumper zum Trail-Meister. Auf Augenhöhe agierte das mit unerschütterlichem Sahne-Handling gesegnete Liteville.

Gewichte, Steifigkeiten, Charakter und Handling der Test-Bikes

13 All-Mountain-Bikes der Oberklasse im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

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Gewichte im Vergleich

Mit der Ausnahme Specialized sind bei den Gabeln die Steckachsen mitgewogen. Das Laufradgewicht ist die Summe aus dem Laufradsatz mit Schnellspannern (wenn vorhanden), Felgenband, Schlauch, Reifen, Bremsscheibe und allen Schrauben.

MB 0111 Allmountain - Gewichte

Tretlager- und Lenkkopfsteifigkeit:

Auf EFBe-Prüfständen misst MB die Steifigkeiten der Bikes. Die Tretlagersteifigkeit zeigt, wie sich der Rahmen im Antritt verwindet, die Lenkkopfsteifigkeit beeinflusst die Spurstabilität. Auffallend ist die weit überdurchschnittlich hohe Tretlagersteifigkeit des Liteville, die sich in der Praxis tatsächlich bei herzhaften Antritten gut spürbar bemerkbar macht.

MB 0111 Allmountain - Tretlagersteifigkeit
MB 0111 Allmountain - Lenkkopfsteifigkeit

Charakter:

All-Mountain-Bikes sind sehr vielschichtige Charaktere. Das zeigt auch diese Tabelle: Bikes wie das BMC, das Giant, das Rotwild oder das Trek punkten vor allem bergab, Modelle wie das Specialized Stumpjumper begeistern durch breitbandige Nutzbarkeit. Tourenwaffe wie Downhill-Gerät: das Liteville.

MB 0111 Allmountain - Charakter
Redaktion

Handling:

Auch hier werden deutliche Unterschiede unter den 14 Testbikes sichtbar. Stoisch ruhig und so prädestiniert für derbe Abfahrten ist das BMC, ebenso wie Litevilles 301. Quirliges Trail-Bike gesucht? KTM hat es. Der neutrale Charakterzug des Specialized zeigt sich ebenso: laufruhig, wenn es sein muss, sonst verspielt.

MB 0111 Allmountain - Handling

Im Fokus: Die Fahrwerke der Bikes

13 All-Mountain-Bikes der Oberklasse im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

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MB_0111_AM_Test_BMC-Trailfox-01 (jpg) MB BMC Trailfox TF 01 - Reverb-Variostütze von Rock Shox MB BMC Trailfox TF 02 MB_0111_AM_Test_Cube_Stereo-HPC-Race (jpg) 34 Bilder

Liteville:

MB 0111 Allmountain-Bikes - Liteville - Kennlinie

Nicht in voller Harmonie stehen die Kennlinie der Rock-Shox-Gabel und des Hinterbaus zueinander. Generell agiert das Heck straffer als die Front. Auch geht der Hinterbau am Ende früher in die Progression über.

Haibike:

MB 0111 Allmountain-Bikes - Haibike - Kennlinie

Der Verlauf der Hinterbau-Kennlinie dokumentiert dessen Schwäche. Zwar spricht er sensibel an, durchläuft aber das Gros des Federwegs deutlich zu schnell. Diese degressive Kennlinie harmoniert auch nicht mit der Gabel.

BMC:

MB 0111 Allmountain-Bikes - BMC - Kennlinie

Die parallelen BMC-Kennlinien stehen beispielhaft für hohe Sensibilität und große Fahrwerksharmonie. Die linearen Kennlinien zeigen: Der Federweg an Federgabel und Hinterbau wird sehr effektiv genutzt.

So testet MountainBIKE die All-Mountain-MTB

13 All-Mountain-Bikes der Oberklasse im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

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MB_0111_AM_Test_BMC-Trailfox-01 (jpg) MB BMC Trailfox TF 01 - Reverb-Variostütze von Rock Shox MB BMC Trailfox TF 02 MB_0111_AM_Test_Cube_Stereo-HPC-Race (jpg) 34 Bilder
MB 0111 Allmountain-Bikes - So testet MB
Manfred Stromberg
Und gib ihm! Die MB-Testcrew rockt sich durchs Geläuf.

Praxistest: Um die mannigfaltigen All-Mountain-Charaktere dieses Tests adäquat prüfen zu können, reiste die MB-Testredaktion Anfang November ins sonnenverwöhnte Brixen nach Südtirol. Auf einer anspruchsvollen Vier-Kilometer-Runde mit circa 150 Höhenmetern, gespickt sowohl mit garstigen, schnellen Downhills als auch verwinkelten Kletterpassagen, kamen Testmaterial und Tester ans Limit. Grundlage, um die AM-Charaktere jeweils entsprechend einzugrenzen, Stärken und Schwächen zu filtern. Jedes der 14 Testbikes wurde von jedem Tester mindestens einmal durch den Testparcours gescheucht.

Praxisnoten: Im Anschluss an jede Testrunde notierte jeder Tester isoliert seine Fahreindrücke zum Rad auf einem speziellen Bewertungsbogen. Die folgende Besprechung klärte final die Fahrleistungen der Bikes. Wer hat den besten Allrounder? Welches Rad ist am leichtfüßigsten?

Labortest: Auf den Praxistest folgte die kritische Begutachtung der Testräder im Labor. Dazu wurden sie zerlegt, anschließend die Gewichte von Rahmen, Gabel und Laufrädern ermittelt. Zusätzlich wurde die Geometrie aufgenommen. Den Abschluss bildete die Messung der Tretlager- und Lenkkopfsteifigkeit auf EFBe-Prüfständen. Auch Detailsünden wie die dürftige Lackqualität am Specialized-Hinterbau legte das Labor offen.

Endnote: Mittels eines komplexen Bewertungsschlüssels ermittelte MB die Endnote und mit dem punktbesten Bike schließlich auch den Testsieger.

Das perfekte All-Mountain-MTB: So sieht's aus

13 All-Mountain-Bikes der Oberklasse im Test - plus 13 preiswerte Alternativen

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MB_0111_AM_Test_BMC-Trailfox-01 (jpg) MB BMC Trailfox TF 01 - Reverb-Variostütze von Rock Shox MB BMC Trailfox TF 02 MB_0111_AM_Test_Cube_Stereo-HPC-Race (jpg) 34 Bilder
MB 0111 Allmountain-Bikes - Perfektes Bike

1. Rahmen: Werkstoffe sind Alu und exklusives Carbon. Stabil sein können beide. Carbon bietet das größere (Gewichtsspar-) Potenzial, ist aber teurer.

2. Federung/Fahrwerk
Luft-Federelemente verhelfen AMs zu geringem Gewicht, ohne die Fahrwerksperformance zu beschneiden. Absenkbare Gabeln à la Fox Talas und Dämpfer mit zuschaltbarer Plattform-Dämpfung verbessern das Kletterverhalten.

3. Geometrie
Flachere Lenkwinkel um 68° sorgen für hohe Laufruhe, wenn der Trail schnell und rau wird. Sitzwinkel von mindestens 73° erzeugen hohen Druck aufs Pedal, sorgen so für gute Kletterqualitäten.

4. Übersetzung
Der Trend zu 2 x 10 konnte sich in der AM-Oberklasse noch nicht durchsetzen. Fast alle Hersteller verbauen einen 3 x 10-Antrieb, den MB auch fürs Alpine empfiehlt.

5. Laufräder
AM-Laufräder sind dank breiter, gewichtsoptimierter Felgen leicht und stabil.

6. Reifen
2,25“-Reifen sind das Minimum. Breitere 2,4“-Reifen bringen mehr Grip und Komfort.

7. Bremsen
180-mm-Bremsscheiben sind Pflicht! Schwere Fahrer verwenden besser eine 203er-Scheibe vorn.

8. Vario-Sattelstützen
Sie erlauben das schnelle Absenken des Sattels, steigern so Sicherheit und Fahrspaß.

9. Cockpit
Breite Lenker tun gut – sie bringen bessere Kontrolle. Minimum im harten Einsatz sind 680 mm.

Fazit: Viel Fahrspaß und Breitbandigkeit