Acht Bikes ab 150 mm-Federweg im Test
All-Mountain-Bikes im Test

All-Mountain-Bikes sind per Definition die Alleskönner unter den Fullys, bereit für längste Touren und härteste Trails. Können die aktuellen Modelle angesichts steigender Preise und Gewichte den Anspruch noch erfüllen?

All-Mountain-Biketest 01/2022
Foto: Benjamin Zöller

All-Mountain-Bikes/Link zum Testbericht

Preis

Gewicht

Testergebnis

Canyon Spectral 29 CF 9

5499 €

14,2 kg

Überragend

YT Jeffsy 29 Core 4

5199 €

14,1 kg

Überragend

Specialized Stumpjumper Evo Expert

7000 €

14,1 kg

Überragend

Giant Trance X Advanced Pro 2

4999 €

13,8 kg

Sehr gut

Norco Sight C2 Shimano

6799 €

15,2 kg

Sehr gut

Rocky Mountain Instinct Carbon 70

6500 €

14,2 kg

Sehr gut

Scor 4060 ST GX

6299 €

14,1 kg

Sehr gut

Transition Sentinel GX Carbon

6199 €

14,9 kg

Sehr gut

Ein Bike, das alles kann! Klingt utopisch? Ist es auch. So sind Enduro-Bikes in den seltensten Fällen bei einem Marathon-Rennen anzutreffen. Und mit einem XC-Hardtail will niemand ernsthaft an einem Downhill-Rennen teilnehmen. Doch was ist mit den Rädern aus den MTB-Kategorien dazwischen? Schließlich werden diese nur zu gerne von den Herstellern als Bikes für alle Fälle angepriesen. Besonders trifft dies auf die All-Mountains zu, die trotz Trailbike- und Enduro- Boom seit zwei Jahren eine echte Renaissance erleben. Schon der Name All-Mountain spricht schließlich für Allrounder, für Alleskönner.

Unsere Highlights
All-Mountain-Biketest 01/2022
Benjamin Zöller
Goldene Zeiten! Auch die aktuellen All-Mountains sind für viele Bikerinnen und Biker perfekte Wegbegleiter.

Moderne, ausbalancierte Geometrien, zumeist 29"-Laufräder sowie "plüschige" 150 bis 160 mm Federweg vorne und bis zu 150 mm am Heck sollen es möglich machen, selbst schroffstes Terrain mit hohen Geschwindigkeiten sicher zu durchqueren. Und auf der anderen Seite versprechen antriebsneutrale Hinterbauten sowie zumindest halbwegs moderate Gewichte um/unter 14 Kilo, auch mal einen schnellen Ride zu fahren – und stundenlange Alpentouren sowieso. Also gibt es das wirklich, das eine Bike für (fast) alles?

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Die Jahrgangsbesten im Test

Erst in Ausgabe 04/2021 testeten wir einige der hier vertretenen Bikes. Jetzt, nach rund neun Monaten, geht es erneut um die Kernfrage: Wie gut erfüllen die aktuell angesagten Modelle den postulierten Alleskönner-Anspruch? Oder bleiben sie bergauf zu sehr hinter einem 130-mm-Trailbike zurück – und haben bergab gegen ein Enduro mit 170 mm Federweg gar keine Chance? Und vor allem: Wer kann sich die Krone der beliebten All-Mountain- Klasse aufsetzen? Zuletzt war dies das da noch brandneue Specialized Stumpjumper Evo, das die Tester mit "perfekter Geometrie und sattem Fahrwerk" begeisterte. Natürlich ist das "Stumpi" in diesem Test wieder mit von der Partie. Auch das Canyon Spectral 29 CF 9 für 5499 Euro ist ein guter Bekannter, es holte zuletzt unseren Kauftipp. Giant ist ebenfalls wieder mit dabei, diesmal mit dem Trance X Advanced Pro 2 für 4999 Euro, auch das Transition Sentinel Carbon GX für 6199 Euro und das YT Jeffsy 29 Core 4 für 5199 Euro hatten wir so oder in ähnlicher Variante im Test. Aber es gibt auch neue Gesichter: das Norco Sight C2 für 6799 Euro, das Rocky Mountain Instinct Carbon 70 für 6500 Euro sowie das 6299 Euro teure 4060 ST GX der neuen Schweizer Radmarke Scor. Weitere prominente Hersteller waren zum Test eingeladen, konnten aber aufgrund der aktuellen Lieferproblematik kein Bike zum Test zur Verfügung stellen.

Ein (zu) teurer Spaß?

Es fällt auf, dass die Spanne zwischen dem günstigsten und dem teuersten Testbike mit 2000 Euro größer ausfällt, als dies in unseren Vergleichstests normalerweise der Fall ist. Das liegt – wie das generell zünftige Preisniveau in diesem Test – auch an den erwähnten Lieferengpässen sowie den generellen Preiserhöhungen in der Radbranche. So kostete das Stumpjumper zum Zeitpunkt der Testeinladung noch 6800 Euro, bei Druckschluss waren es dann 7000 Euro. Und im Vergleich zum Test in 04/2021 ist es – festhalten! – um 1300 Euro teurer geworden. Dazu Specialized-Sprecherin Juliane Bötel: "Wir haben uns entschlossen, Investitionen auf Produktionsebene zu tätigen, die die Produktverfügbarkeit signifikant verbessern werden. Diese Investitionen, zusammen mit den gestiegenen Kosten in der Supply Chain, können wir nicht allein tragen, was eine entsprechende Preiserhöhung zur Folge hat." Auch sonst preisattraktive Marken wie Giant sind teurer geworden. So ist der Preis des Trance X im Vergleich zum Test in 04/2021 zwar auf den ersten Blick identisch, dafür bekommt man jedoch jetzt das eine Stufe tiefer angesiedelte Modell mit weniger erlesenen Parts. Giant begründet die Erhöhung mit "gestiegenen Frachtraten für Container aus Übersee" sowie "erhöhten Rohstoff und Materialpreisen".

All-Mountain-Biketest 01/2022
Benjamin Zöller
Die Bikes bieten viel Fahrsicherheit, lassen sich äußerst gut bergauf pedalieren und sind dank vieler Verstellmöglichkeiten auch auf Profi-Bedürfnisse abstimmbar.

Den Gegenpol bilden die deutschen Versender-Marken Canyon und YT, die in diesem Test ein wahres Parts-Feuerwerk abbrennen. Zwar ist auch das Spectral CF 9 knapp 500 Euro teurer geworden, erhielt dafür aber die elektronische Sram-GX-AXSSchaltung und weitere Upgrades. Die vollständigen Statements von Canyon, Scor und Specialized findet ihr auf den kommenden Seiten. Ein weiteres Thema, das derzeit die Gemüter erhitzt, sind die stets wachsenden Gewichte der Bikes. Besonders die langhubigen MTBs stehen in der Kritik. Ein Beispiel: 12,4 Kilo wog das Stumpjumper Evo Expert im Jahr 2013, heute bringt es 14,1 Kilo auf die Waage. Die gute Nachricht: Schwerer geworden sind die Modelle im Mittelwertvergleich zum Vorgängerjahrgang nicht. Dennoch bringen das Norco Sight und das Transition Sentinel um die 15 Kilo auf die Waage. Das ist für einen Alleskönner-Anspruch zu viel und rückt die beiden Bikes sehr nahe ans Enduro-Lager heran. Die Kilos sind dabei weniger den hochwertigen (Carbon-)Rahmen als vielmehr den Anbauteilen geschuldet. Immer potentere Federelemente, wuchtige Cockpits, breite Felgen, extra seitenverstärkte Reifen, Vario-Stützen mit mehr Hub oder Bremsen mit großen 200er-Discs belasten nun einmal die Waage. Und was sich bergab mit spürbar(!) sicherem Fahrverhalten bezahlt macht, hemmt bergauf logischerweise den Vortrieb und somit den Spaß. Umso erfreulicher, dass die anderen Bikes im Test "nur" um 14 Kilo wiegen.

All-Mountain-Biketest 01/2022
Benjamin Zöller
Dank kreuzstabiler Parts und höchst potenter Fahrwerke laden die aktuellen All-Mountains zum Abheben ein.

Ebenfalls prima: Trotz der Pfunde ist der Vortriebswille bei allen Bikes absolut okay, die Klettereigenschaften sind sogar größtenteils top. Das liegt an den trotz aller Abfahrtslastigkeit ausbalancierten Geometrien mit sehr steilen Sitzwinkeln (waren einst 73–74° Usus, sind es heute um 77°) sowie den traktionsstarken und meist antriebsneutralen Hinterradfederungen. Überhaupt, die Kinematik- Performance sowie das Handling und damit das Fahrverhalten der aktuellen All-Mountains liegen allesamt auf sehr hohem Niveau. Wer hier zugreift, der bekommt vielleicht nicht bei allen Kandidaten wirklich ein Bike für alle Fälle – aber auf jeden Fall einen veritablen Freudenspender, mit dem das Räubern über leichte bis schwere Trails einen Heidenspaß bereitet.

Ein auch nur im Ansatz schlechtes Bike ist in diesem Test nicht dabei, am Ende sollten also deine Vorlieben über den Kauf entscheiden. So umschmeicheln die supersatt liegenden Schwergewichte von Transition und Norco eher den Enduro-Fan, während sich Giant und Rocky mehr als flinke, ausdauernde Trailbikes mit einem Schuss mehr Federweg empfehlen. Die in unseren Augen besten Alleskönner bieten Canyon, Specialized, Scor und YT. Kein Wunder, dass diese vier Bikes auch punktetechnisch am besten abschneiden. Die Krone setzt sich diesmal das rundum tolle Spectral CF 9 auf, der Kauftipp geht an das Jeffsy Core 4.

All-Mountain-Highlights

Die aktuellen All-Mountains stecken voller cleverer Details. Wir haben fünf herausgepickt, die zeigen, dass die Hersteller Jahr für Jahr ihre Bikes mit neuen, smarten Features versehen.

Ergebnisse im Detail

Punkte und Benotung

Alle unsere Biketests bauen auf einer der jeweiligen Kategorie entsprechenden Punktewertung auf, die alle wichtigen Fahreigenschaften wie z. B. Handling, Vortrieb, Downhill und Uphill umfasst. Ein Drittel der Gesamtnote steuern Laborerhebungen wie Gewicht, Rahmen-Verarbeitung und Ausstattung bei. Hauptsächlich ergibt sich die Note aus umfangreichen Testfahrten auf einer zuvor festgelegten, der Kategorie angepassten Teststrecke. An den Testfahrten nehmen drei bis vier erfahrene Testfahrer mit teils Rennerfahrung oder technisch fundiertem Wissen teil. Bei den All-Mountains standen vor allem die Allround-Eigenschaften und somit der gelungene Mix aus Vortriebseffizienz und Bergab-Performance im Fokus. Die notierten Bewertungen der Tester sowie die Punktevergabe aus dem Labor fließen in die unten stehende Punktetabelle ein. Bei maximal 1000 Punkten ist das Bike mit den meisten Zählern der Testsieger.

All-Mountain-Bike-Test Punkte
MOUNTAINBIKE

Das Spinnennetz

... zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in einer der acht Kategorien, desto prägender der jeweilige Charakterzug.

Enduro Test 09/2021
MOUNTAINBIKE
So sieht unsere "Bewertungsspinne" aus.

Die acht Bikes im detaillierten Test hier:

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12 / 2022

Erscheinungsdatum 06.12.2022

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