Daniel Geiger
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Bikes um 5000 Euro im Test

12 All-Mountains im Test

Vollspaß voraus! So lautet die Devise bei den beliebten All-Mountain-/Trailbikes. Doch welches der Testbikes um 140 mm Federweg überzeugt?

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Cannondale Habbit Carbon 2
Canyon Spectral CFR 9.0
Focus Jam 8.9 Nine
Merida One-Forty 900
Propain Hugene
Radon Slide Trail 10.0
Rocky Mountain Instinct C70
Santa Cruz Hightower S Carbon C 29
Scott Genius 910
Specialized Stumpjumper Expert Carbon
Yeti SB 130 C1
YT Jeffsy Pro 29

Diese Bikes haben wir getestet

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Rauf wie runter? 12 All-Mountains im Test
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Produkt/Link zum Testbericht Preis Testergebnis
Cannondale Habbit Carbon 2 4.999 €/Fachhandel Sehr gut (842 Punkte)
Canyon Spectral CFR 9.0 (Modelljahr 2020) 4.999 €/Direktvertrieb Überragend (910 Punkte) Testsieger!
Focus Jam 8.9 Nine (Modelljahr 2020) 4.199 €/Fachhandel Sehr gut (808 Punkte)
Merida One-Forty 900 (Modelljahr 2020) 4.999 €/Fachhandel Sehr gut (857 Punkte)
Propain Hugene (Modelljahr 2020) 5.899 €/Fachhandel Sehr gut (879 Punkte)
Radon Slide Trail 10.0 (Modelljahr 2020) 3.799 €/Direktvertrieb Sehr gut (828 Punkte)
Rocky Mountain Instinct C70 (Modelljahr 2020) 5.899 €/Fachhandel Sehr gut (868 Punkte)
Santa Cruz Hightower S Carbon C 29 (Modelljahr 2020) 6.699 €/Fachhandel Sehr gut (865 Punkte)
Scott Genius 910 (Modelljahr 2020) 4.999 €/Fachhandel Sehr gut (857 Punkte)
Specialized Stumpjumper Expert Carbon (Modelljahr 2020) 5.899 €/Fachhandel Sehr gut (866 Punkte)
Yeti SB 130 C1 (Modelljahr 2020) 5.990 €/Fachhandel Sehr gut (861 Punkte)
YT Jeffsy Pro 29 (Modelljahr 2020) 3.899 €/Direktvertrieb Sehr gut (864 Punkte)

Vom All-Mountain über das Super- oder Sport-AM bis hin zum aktuell gehypten Trailbike-Begriff – es gibt wohl kaum eine Bike-Kategorie, de- ren Charakter sich im letzten Jahrzehnt so sehr ausdifferenziert hat. Vor einigen Jahren war im deutschsprachigen Bereich ein Bike mit 150 mm Federweg als All-Mountain und damit als "abfahrtslastiges Tourenbike" definiert, heute spricht man nicht nur in den USA zunehmend von Trailbikes. Doch sprechen wir hier wirklich von ganz anderen Bikes? Mit unterschiedlichen Einsatzbereichen und Talenten?

Daniel Geiger
Tourenbikes mit Enduro-Genen – so könnte man All-Mountains und Trailbikes auch beschreiben. Dass immer mehr Hersteller auf pannensichere Reifen und stabile Enduro-Gabeln setzen, macht sie zu potenten Downhillern. Bergauf ist dafür mehr Wadenschmalz gefragt.

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Trailbike oder All-Mountain?

Ob Trailbike oder All-Mountain, beides sind am Ende nur Marketingbegriffe, die jeder für sich selbst definieren kann. Gefühlt stellt man sich unter einem Trailbike ein agileres, straffer abgestimmtes, verspieltes Bike vor, unter einem All-Mountain eher einen hochgebirgstauglichen Alleskönner. In der Realität verwischt das: Fast alle Hersteller in diesem Test bieten ihre Schätzchen ganz bewusst (und modisch-korrekt) als Trailbikes an – die wuseligen genauso wie die Touren-freundlichen, aber auch die "dicken" Abfahrtsbrummer, die mit langen, flachen Geometrien und saftigen Federwegen an Heck und Front sogar Einsätze im Bikepark zulassen. Für uns ist am Ende die Abgrenzung wichtig: Egal, ob Trailbike oder All-Mountain, es sollte die "goldene Mitte" zwischen leichtem, effizientem Marathon-/Tourenfully mit 120 mm Federweg und properem Enduro mit mindestens 160 mm Hub darstellen. Anders gesagt: fast so flott und vor allem ausdauernd-komfortabel bergauf wie ein Tourer, fast so Trail-gierig bergab wie ein Enduro.

"Mit Spaß runter, entspannt rauf: Wenn ich nur ein Bike besitzen dürfte, dann eines aus dieser Kategorie." Chris Pauls

Um Ihnen die besten Modelle dieser "neuen alten" Kategorie zu zeigen, luden wir zwölf Bikes zum großen Vergleichstest ein. Die Grundbedin- gung: maximal 150 mm Federweg. Preislich haben wir den Gürtel nicht zu eng gezogen, damit auch die immer teurer werdenden US-Firmen chancenreich ins Rennen gehen konnten. Denn gegen die üppig ausgestatteten Versender-Bikes aus Deutschland haben es die Bikes aus Übersee mittlerweile ziemlich schwer. Die Preisdifferenz in diesem Test liegt daher bei knapp 2000 Euro. Das günstigste Bike schickt der Versender Radon, das Topmodell Slide Trail 10.0 kostet lediglich 3799 Euro und ist dennoch besser ausgestattet als die meisten anderen Räder im Test. Das teuerste Bike kommt aus der Edelschmiede Santa Cruz, es kostet 6699 Euro. In Sachen Laufradgröße überließen wir es den Herstellern, uns ein 27,5"- oder ein 29"-Bike zu schicken. Bei der aktuellen Großwetterlage auf den Trails dürfte jedoch klar sein, welche Laufradgröße im Test dominiert: 29 Zoll. Nur Canyon und Merida führen in dieser Federwegsklasse keine 29er im Programm und schickten 27,5"-Bikes in den Test. Den meisten Mountainbikern dürften die Vorteile von 29ern geläufig sein. Dennoch in aller Kürze: Der flachere Abrollwinkel eines größeren Rades bringt wesentliche Vorteile beim Überrollen eines Hindernisses. Die Nachteile sind das höhere Gewicht und ein Hauch weniger Agilität auf dem Trail. Letzteres hat sich durch die modernen 29"-Geos aber schon wieder stark relativiert: kompakte Hinterbauten und niedrige Tretlager lassen auch 29er inzwischen höchst drehfreudig über den Trail zwirbeln. Neu im Trend sind kürzere Gabel-Offsets, die für einen längeren Nachlauf und damit noch mehr Laufruhe sorgen. Das erlaubt es, den Lenkwinkel wiederum steiler zu konstruieren, was einen kürzeren Radstand und damit auch wieder mehr Agilität zur Folge hat.

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Neue Geometrie-Ansätze

Auch unabhängig von der Laufradgröße haben sich an den Neuentwicklungen der vergangenen Jahre die Geometrien stark verändert. So ist der Reach- Wert, der quasi die Reichweite des Fahrers im Stehen beziffert, durchweg angewachsen. L-Rahmen mit mehr als 470 mm Reach sind keine Seltenheit mehr. Das stellt den Piloten besser "ins Bike" und sorgt für optimale Kontrolle. Hinzu kommt, dass immer mehr Hersteller ein neues Geometrie-Konzept verfolgen, bei dem der Fahrer, egal welcher Körpergröße, die Wahl zwischen mehreren Rahmengrößen haben soll. Dies erreichen die Hersteller, indem sie das Sitzrohr und damit den Oberrohransatz extrem niedrig konstruieren. Auch Steuerrohrlänge und Stack-Wert (grob gesagt die Cockpithöhe in Relation zum Tretlager) bleiben niedrig. Ein M-Fahrer, der gerne mit Highspeed unterwegs ist, kann somit das laufruhigere L-Bike wählen – und er sitzt dennoch dann im, nicht auf dem Bike. Andersherum kann ein großer Fahrer ein verspieltes, kompaktes Bike wählen, da die Schrittlänge über die lange Sattelstütze kompensiert wird. Konsequent verfolgen diesen Ansatz in diesem Test aber nur YT, Yeti und Santa Cruz. "Old-School" sind dagegen die langen Steuerrohre an den Bikes von Canyon und Focus – beides sind also "klassische" XL-Räder, die nur entsprechend große Fahrer fahren sollten.

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Im Uphill liegt die Kraft Hier verdienen sich Trailbiker den Downhill.

12 All-Mountains im Test: Die Bikes im Test

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Parts auf Enduro-Niveau

Vor allem die unterschiedlichen Vertriebswege sorgen in diesem Test für ein Gefälle in Sachen Ausstattung. Die (deutschen) Versendermarken Canyon, Propain, Radon und YT stellen die am hochwertigsten ausgestatteten Bikes und sind preislich dennoch am unteren Ende des Vergleichstests an- gesiedelt. Radon verbaut am 3799 Euro teuren Slide Trail 10.0 beispielsweise das komplette Highend- Sortiment von Fox, das alleine einen Einzelhandelspreis von über 2000 Euro hat. Am Propain wiederum gibt es die sündteure elektronische Eagle-AXS- Schaltung von Sram zu bestaunen. Aber auch bei der deutschen Fachhandelsmarke Focus gibt es viel Bike fürs Geld: Das Jam 9.8 Nine ist für 4199 Euro bereits die Top-Variante im Line-up und kommt mit Carbon-Hauptrahmen, Shimano-XTR-Schaltwerk sowie wertigem Rock-Shox-Fahrwerk. Die US-Bikes von Santa Cruz, Yeti, Specialized & Co. warten zwar alle mit sehr liebevoll gemachten, top verarbeiteten Carbon-Rahmen (teils mit innovativen Details oder Kinematiken) auf, können bei den Parts jedoch nicht mithalten. Dennoch sind bei allen Bikes die Ausstattungen "ready to go", es mangelt also maximal an der Güteklasse, nicht an der Funktion. Spannend ist, dass die All-Mountain-/ Trailfullys zum Teil mit Gabeln bestückt sind, die sonst im Enduro-Segment zu finden sind: namentlich Fox 36 Float und Rock Shox Lyrik. Auch die viel verbaute Rock Shox Pike war vor einigen Jahren noch Standard an einem Enduro. Die Reifenbestückung ist ebenfalls fast durchweg auf Enduro- Niveau. Die Zeiten, als vornehmlich Schwalbes Nobby Nic an einem All-Mountain zu finden war, sind definitiv vorbei. Jetzt kommen die Reifen der Wahl von Maxxis, heißen Highroller II oder Mini- on DHF/DHR II. Schwalbe ist nur noch mit einer (sehr guten) Kombi am Propain vertreten. Bei der Schaltung herrscht Einigkeit. Zumindest was die Anzahl der Gänge angeht. Der Umwerfer ist auch in dieser Kategorie ausgestorben, alle Bikes kommen mit 1 x 12 Gängen. Hatte Sram hier in den vergangenen Jahren quasi ein Monopol, steht es in diesem Test "nur" noch 7:5. Sprich fünf der Bikes kommen mit den neuen Shimano-1 x 12-Antrieben. Die Qualitätsunterschiede zwischen Sram und Shimano, aber auch zwischen den einzelnen Gruppen sind übrigens vergleichsweise gering. In dieser Preisklasse sollten man also eher auf die Güte der Federelemente Wert legen, statt auf ein hochwertiges Schaltwerk zu setzen.

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„Wahnsinn, die neuen Trailbikes wildern schon extrem im Enduro-Gefilde. Mehr Bike braucht eigentlich keiner.“ Thomas Schmitt

Viele Bikes mit viel Gewicht

Die angesprochenen Parts mit viel Bergabpotenzial bringen im Talschuss extrem viel Fahrsicherheit und Fahrspaß. Sie machen fast alle Trailbikes in diesem Test zu Mini-Downhillern, die einem Enduro kaum noch nachstehen. Das Ganze hat allerdings auch eine Schattenseite: das Gewicht. Zwischen 12,8 und 14,2 Kilo wiegen die Bikes im Test. Vor allem bei den sechs Bikes über 14 Kilo – Focus, Merida, Santa Cruz, Specialized, Yeti und YT – würde man sich ein paar Gramm weniger wünschen. Wirklich leicht sind nur das Canyon und das Propain, die beide unter der 13-Kilo-Marke liegen.

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"Auch bergauf können fast alle Testbikes überzeugen, obwohl einige spürbar zu viele Pfunde auf den Rippen haben.“

12 All-Mountains im Test: Die Bikes in Action

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Fazit: runter top, rauf okay

Der Fokus der 2020er Trailbikes/All-Mountain-Fullys ist mehr denn je auf nahezu kompromisslosen Downhill-Spaß ausgerichtet. Sogar die vergleichsweise kurzhubigeren Bikes von Cannondale und Propain sind mit Gabeln und Reifen der Enduro- Klasse ausgestattet und weisen laufruhige, bergabverliebte Geometrien auf. Aber keine Sorge, alle Bikes im Test rollen und klettern immer noch anständig, wenn auch nicht nicht annähernd mit dem Esprit eines Cross-Country-Bikes. Unter dem Strich verdienen sich die zwölf Testräder vor allem dank ihrer ausgezeichneten Rahmenbauweisen, Geometrien und Fahrwerke die Note "sehr gut". Das Canyon Spectral fährt durch sein zudem geringes Gewicht und seine starken Parts sogar die Note "überragend" und den Testsieg ein. Den Kauftipp verdient sich das sehr preiswerte, modern geschnittene YT Jeffsy.

Punkte und Benotung

Unser Biketest baut auf einem ganz neu entwickelten 1000-Punkte-Schema auf, das alle wichtigen Fahreigenschaften und Kategorien umfasst. Knapp ein Viertel der Gesamtnote steuern Laborerhebungen wie Gewicht, Verarbeitung und Ausstattung bei. Hauptsächlich ergibt sich die Note aus den Fahreigenschaften auf dem Trail – wie dem Handling, der Vortriebseffizienz, der Bergab-Performance oder der Komfortwer- tung. Achtung: Bei der Benotung des Gewichts haben wir auch die Gewichte der rotierenden Masse (Laufräder, Reifen, Bremsscheiben etc.) mit einfließen lassen. Die Gewichtung der Kategorie passen wir an die Bike-Gattung an. Die All-Mountains im Test müssen zum Beispiel besonders gute Allround und Downhilleigenschaften aufweisen. Bei maximal 1000 Punkten ist das Bike mit den meisten Zählern logischerweise Testsieger.

Das Spinnennetz

... zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in einer der acht Kategorien, desto prägender der jeweilige Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So sehen Sie auf einen Blick, welche Stärken das Bike besitzt. Die Grafik unten rechts zeigt ein eher abfahrtslastiges Bike mit potentem Fahrwerk, weniger wuseligem Handling und zähem Antritt.

Uphill/Vortrieb: Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profil ebenso wie leichte Laufräder und rollfreudige Reifenprofile.

Downhill: Ein sicheres Handling ist elementar, damit ein Bike bergab gut performt. Die Abfahrtspotenz ist aber auch von der Gabel samt Hinterbau abhängig. Arbeiten sie feinfühlig, kommt das Bike souveräner durch ruppiges Gelände. Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen beeinflussen die Abfahrtsleistung ebenfalls.

Ausstattung: Sie umfasst nicht nur die Federgabel, sondern Bremsen, Schaltung, Antrieb, Laufräder, Reifen sowie Anbauteile wie Sattel oder Cockpit. Wir bewerten zudem gelungene Detaillösungen.

Rahmen: Ein top gemachter Rahmen ist die Basis für das perfekte Bike. Wir bewerten den Rahmen zudem auf sein Gewicht und die Detaillösungen.

Laufruhe: Hohe Spurtreue bringt Fahrsicherheit und Präzision speziell im Downhill. Sie kann aber ins Träge kippen, wenn der Profiler bei der Wendigkeit einen geringen Ausschlag zeigt.

Wendigkeit: Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Es lässt aber auf Nervosität in ruppigem Gelände schließen, wenn der Profiler nur in diese Richtung ausschlägt – und bei der Laufruhe kaum.

Robustheit: Liegt der Fokus bei Rahmen und Parts weniger auf Leichtbau, sondern auf Solidität, steigt der Ausschlag der Grafik. Der Gegenpart ist Leichtbau, also in unserem Profiler "geringes Gewicht".

Geringes Gewicht: Ein niedriges Gesamtgewicht steht in der Regel für ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike.

Alle Bikes im detaillierten Testbericht:

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