MB 1211 All-Mountains Teaserbild Daniel Geiger
MB 1112 Allmountain - BMC
MB BMC Trailfox TF02 SLX-XT
MB Cannondale Jekyll Carbon 2
MB 1112 Allmountain - Cannondale 30 Bilder

11 Allround-MTBs aus Carbon im Test – plus 11 Alternativen aus Alu

11 All-Mountain-Bikes der Oberklasse im Test

Sie sind leicht, aber stabil, agil und dennoch laufruhig – und sie machen süchtig nach Trail-Action. MountainBIKE hat die besten All-Mountain-MTBs der Saison 2012 getestet.

Elf All-Mountain-Bikes aus Carbon lud MountainBIKE zum ersten großen Praxis- und Labortest der Saison 2012, wählte dabei Vertreter der Oberklasse um 4500 Euro – vom neuen Ghost AMR Plus über die Trail-Legende Specialized Stumpjumper bis hin zum Kultobjekt Ibis Mojo.

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4500 Euro? Ein zugegeben fürstlicher Preis. Dafür treiben die Hightech-Fullys die Vorzüge der All-Mountain-Kategorie auf die Spitze: Kohlefaser-Rahmen mit 150 mm Federweg und wertigen Parts versprechen Fahrspaß pur, die leichtesten Testbikes wiegen nur rund 11,5 Kilo.

Zusammen mit effizienten Kinematiken und ausbalancierten Geometrien reicht der Einsatzbereich der Alleskönner so vom ambitionierten Hobby-Marathon über den anspruchsvollen Alpencross bis hin zu her­ausfordernden Enduro-Rides. Uphill- und Downhill-Eignung sind mit je 50 Prozent so ausgeglichen wie in keiner anderen Kategorie. Ein Bike für alles? Here we go!

Im Trend: All-Mountain-Bikes aus Carbon

Basis dieser Breitbandigkeit bildet bei den elf Test-MTBs ein Hauptrahmen aus dem Edel(werk)stoff Carbon, lediglich Ketten- und/oder Sitzstreben sind bei einigen Bikes aus Aluminium. Das Testfeld liegt damit im Trend: Die teuren Kohlefasern, bis vor wenigen Jahren fast nur im Race-Segment eingesetzt, erobern mehr und mehr den Trail-Alltag. Haibike Heet, Ibis Mojo und Simplon Dozer werden gar ausschließlich als Carboni angeboten.

Warum, zeigt der Blick auf die geeichte MounatinBIKE-Waage: Mit 2490 Gramm markiert der Voll-Carbon-Frame des BMC Trailfox den Topwert im Test, taucht damit in den Dunstkreis der Racefullys ein.

Auch die asketischen Rahmen von Ibis, Scott, Simplon und Trek wiegen inklusive Federbein unter 2600 Gramm. Eher „robust“: Ghost und Rotwild, die nur knapp die Drei-Kilo-Marke unterbieten, sowie der fast 3200(!) Gramm schwere GT-Rahmen. Gewichtiger sind auch die meisten Alu-Rahmen nicht, „Alu-Primus“ Liteville 301 wog im Vorjahrestest gar nur 2632 Gramm.

Dafür überzeugen fast alle Kandidaten auf den EFBe-Prüfständen mit guten bis sehr guten Ergebnissen, belegen das günstige Gewichts-Steifigkeits-Verhältnis von Carbon. Lediglich GT und Ibis schwächeln, beide verfehlen am Lenkkopf den „grünen Bereich“ von 60 Nm/°. Grund zur Sorge besteht damit nicht automatisch, die eher leichtgewichtigen MB-Tester (um 70 Kilo) lobten im Praxistest sogar teils das „lebhafte Handling“ der beiden US-Kultbikes. Biker oberhalb der 80-Kilo-Marke sollten aber zumindest eine ausgiebige Probefahrt anberaumen.

Den Vorzügen zum Trotz, misstrauen viele Biker Carbon und bevorzugen Alu – speziell im langhubigen Segment, wo Stürze und radikale Fahrweise schlicht dazugehören. Dabei ist die Wunderfaser per se schlagfester und langlebiger als das Leichtmetall, kritisch ist das ungünstige Bruchverhalten von Carbon. Eine, von außen oft nicht sichtbare, strukturelle Schädigung – etwa nach einem Steinschlag – kann zu einem plötzlichen Rahmenbruch führen.

Gut: Alle Hersteller schützen daher das Unterrohr – entweder mit dämpfender 3M-Klebefolie oder mit speziellen Kunststoffplatten wie bei BMC, Haibike, Ibis und Trek. Auch eine so genannte Anti-Chainsuck-Platte, die Kettenstrebe und/oder Tretlager bei Kettenklemmern vor Schäden bewahrt, ist inzwischen selbstredend an Bord. Nur Haibike verzichtet unerklärlicher Weise auf dieses kleine Alu-Blech.

Die Mountainbikes im Test:

MB BMC Trailfox TF01 XT
Fully-Tests
MB Cannondale Jekyll Carbon 2
Fully-Tests
MB Ghost AMR Plus Lector 9000
Fully-Tests
MB GT Force Carbon Expert
Fully-Tests
MB Haibike Heet RC
Fully-Tests
MB Ibis Mojo SL-R XT-Kit
Fully-Tests
MB Rotwild R.X2 FS Pro
Fully-Tests
MB Scott Genius 20
Fully-Tests
MB Simplon Dozer AM-2
Fully-Tests
MB Specialized Stumpjumper Expert Carb.
Fully-Tests
MB Trek Remedy 9.8
Fully-Tests

Praxistest im MTB-Paradies Brixen

Und, dies sei gerne vorab verraten, der neue All-Mountain-MTB-Jahrgang erfüllte die sehr hohen Erwartungen zumeist mit Bravour. Es gibt wohl keinen Biketest im Jahr, der neben aller Anstrengung bergauf so viel Fahrspaß, so viel „Bock aufs Biken“ weckt wie der Vergleich der Edel-Allrounder.

Grund für diese kleine Lobhudelei sind neben der erwähnten Leichtigkeit des All-Mountain-Seins die ausgeklügelten Fahrwerke und Geometrien der 150-mm-Klasse. Dabei zeigen die Hersteller speziell bei den Hinterbau-Kinematiken erstaunlichen Artenreichtum.

Neben klassischen Viergelenkern (Ghost, Haibike, Rotwild, Specialized), abgestützten Eingelenkern (Cannondale, Scott) und diversen VPP-Varianten (BMC, Ibis, Simplon) gibt es kons­truktive Eigenarten wie die Independent-Drivetrain-Kinematik mit vom Hauptrahmen entkoppeltem Tretlager am GT oder die Split-Pivot-Technik am Trek. Damit nicht genug: Cannondale, Scott, Specialized und Trek setzen auf exklusiv gefertigte, teils hochkomplexe Federbeine oder gar auf Vario-Fahrwerke mit unterschiedlichen Federwegen.

11 All-Mountain-MTB aus Carbon im Test – plus 11 preiswerte Alternativen aus Alu

MB BMC Trailfox TF01 XT
MB BMC Trailfox TF01 XT MB 1112 Allmountain - BMC MB BMC Trailfox TF02 SLX-XT MB Cannondale Jekyll Carbon 2 30 Bilder

Sehr hohes Niveau der Kinematiken

All diese Lösungen eint das Ziel, die Hinterradfederung möglichst effizient zu gestalten: frei von störendem Wippen, Wegsacken oder Pedalrückschlag bergauf; feinfühlig, komfortabel und schluckfreudig bergab. Ein Spagat, den fast alle Fullys überaus galant meistern, wobei BMC, Simplon, Specialized und Trek aus dem bärenstarken Testfeld noch einen Tick herausragen. Leise Kritik mussten nur die Kinematiken von GT und Haibike einstecken: Beide benötigen relativ viel Zeit, um die bestmögliche Abstimmung zu finden, beide agieren zum Ende das Federwegs hin etwas zu progressiv.

Auch an der Front herrscht Abwechslung, jedoch keine Markenvielfalt: Alle elf Hersteller vertrauen den 32-Series-Federgabeln aus dem Hause Fox, jedoch reicht der Reigen dabei von der eher günstigen „RL“-Variante mit offenem Ölbad (Cannondale, Specialized) bis zur sündhaft teuren „FIT RLC“ mit reibungsarmer Kashima-Beschichtung (Ghost, Ibis, Simplon). Aber: Die Performance-Unterschiede in der Praxis waren dabei geringer als erwartet.

Bis auf Ibis und Trek bieten alle All-Mountains die Möglichkeit, die Gabel via „Talas“ um 30 mm abzusenken, um speziell an Anstiegen jenseits der 20 Prozent mehr Druck auf das Vorderrad zu bekommen. Zwingend notwendig ist dieses Feature bei den meisten Testbikes jedoch nicht. Diesem Zweck dienlich sind die zwischen Up- und Downhill austarierten Geometrien, die zumeist demselben, modernen Muster folgen: flacher Lenkwinkel unter 68° für hohe Laufruhe bergab, steiler Sitzwinkel von über 73° für optimales Kletterverhalten auch ohne besagte Gabelabsenkung, langes Oberrohr mit kurzem Vorbau sowie kurze Kettenstreben (um 430 mm) für ein ausgewogenes Handling.

Speziell BMC, Cannondale, Specialized und Trek treffen und trafen dabei voll den Nerv der Zeit und der Tester. Mit wunderbarer Leichtigkeit und Agilität zoomen diese Trail-Räuber ums Eck, bleiben dabei aber dank potenter Fahrwerke und Sahne-Handling selbst im groben Geläuf gelassen, stets perfekt kontrollierbar. Vier Bergräder, die jeden süchtig machen!

Auch in puncto Ausstattung erreicht das Testfeld hohes Niveau – trotz gestiegener Preise für Zuliefer-Parts. So gönnt nur Ghost dem Käufer mit der Sram X0 eine „echte“ Top-Gruppe. Acht der elf Bikes schalten und walten dafür mit der neuen Shimano-XT-Gruppe – kein „Bling bling“, aber funktional top, robust und vor allem nahezu sorgenfrei. Dies gilt noch mehr für die an vier Bikes verbaute, äußerst kraftvolle XT-Bremse. Aber auch die Stopper von Avid, Formula und Magura bieten dank 180-mm-Rotoren sehr gute Verzögerung.

Erstaunlich, dass trotz offensichtlicher Nachteile und steter MountainBIKE-Kritik noch immer einige Hersteller zu schmale Lenkzentralen verbauen. So erreichen die Lenker von Cannondale, Haibike, Scott und Trek nicht die „AM-adäquate“ Länge von mindestens 700 mm, der Vorbau am Haibike ist zu lang, sorgt für ein spürbar indirektes Handling. Super hingegen: Sechs Bikes kommen ab Werk mit einer vom Lenker aus absenkbaren Vario-Sattelstütze, beim Rest ist diese für rund 200 Euro in der Regel nachrüstbar – für MB absolute All-Mountain-Pflicht!

Gewichte und Steifigkeiten der Test-Mountainbikes

11 All-Mountain-MTB aus Carbon im Test – plus 11 preiswerte Alternativen aus Alu

MB BMC Trailfox TF01 XT
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Gewichte:

Sofern Steckachse und Remote-Lockout bei Gabel und/oder Rahmen vorhanden sind, wiegt MountainBIKE diese mit. Das Laufradgewicht ist die Summe aus dem Laufradsatz mit Felgenband, Schlauch, Mantel, Bremsscheibe, allen Schrauben und ggf. Schnellspanner.

MB 1211 Allmountain - Gewichte im Vergleich

Labortest: Tretlager- und Lenkkopfsteifigkeit

Auf EFBe-Prüfständen misst MountainBIKE die Steifigkeiten der Bikes. Die Tretlagersteifigkeit zeigt, wie sich der Rahmen im Antritt und Wiegetritt verwindet, die Lenkkopfsteifigkeit beeinflusst die Spurstabilität. GT und Ibis verfehlen am Lenkkopf den „grünen Bereich“ von 60 Nm/°. Beide fühlten sich auch in der Praxis „weich“, jedoch nicht unsicher an. Schwere Biker sollten Probe fahren!

MB 1211 Allmountain - Tretlagersteifigkeit
MB 1211 Allmountain - Lenkkopfsteifigkeit

So testet MB die All-Mountain-Bikes

Praxistest: Basis jedes MountainBIKE-Tests ist die Praxisprüfung durch vier erfahrene Testfahrer. Diese fand diesmal auf der MountainBIKE-Teststrecke bei Stuttgart und im Trail-Paradies Brixen statt. Beide Kurse zeichneten sich durch typisches All-Mountain-Gelände aus: lange Schotter- und steile Geländeanstiege, flowige Trail-Passagen, schnelle wie technische Downhills.

Praxisnoten: Jeder Tester fuhr jedes der elf Bikes mindestens einmal über die Teststrecke, danach erfolgte auf speziellen Bewertungsbögen zunächst isoliert, dann gemeinsam die Beurteilung: Wie effi­zient ist das Fahrwerk? Wie sicher liegt das Bike bergab? Wie gefällt das Handling? Bei Unstimmigkeiten musste der Kandidat ein zweites Mal auf den Kurs.

Labortest: Zurück im Labor, wurden die Bikes zerlegt, anschließend die Gewichte von Rahmen, Gabel und Laufrädern ermittelt sowie die Geometrien aufgenommen. Den Abschluss bildeten die Messungen der Tretlager- und Lenkkopfsteifigkeit auf
EFBe-Prüfständen. Die Tretlagersteifigkeit zeigt, wie sich der Rahmen im Antritt und speziell im Wiegetritt verwindet, die Lenkkopfsteifigkeit beeinflusst das Lenkverhalten der All-Mountain-Fullys.

Endnote: Über einen komplexen Schlüssel aus rund 700 Einzelnoten, Mess- und Laborergebnissen ermittelte MountainBIKE die Endnote. Aber erst die Testbriefe zeigen, welches Bike zu Ihnen passt. Gerade in einer charakterstarken Kategorie wie der AM-Klasse. Und schließlich ist nicht jedes „sehr gute“ Bergrad auch für jeden Biker der ersehnte Traumpartner.

11 All-Mountain-MTB aus Carbon im Test – plus 11 preiswerte Alternativen aus Alu

MB BMC Trailfox TF01 XT
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Das perfekte All-Mountain-MTB: So sieht’s aus

Cockpit: Grob gesagt je kürzer der Vorbau, je breiter der Lenker, desto besser die Kontrolle. Der Vorbau sollte max. 80 mm lang, der Lenker min. 700 mm breit sein.

Laufräder: ... am besten mit 21 mm Maulweite, um auch 2,4“-Reifen Platz zu bieten. Stabilität ist Trumpf, über 1800 g muss der reine Laufradsatz dennoch nicht wiegen.

Reifen: Minimum 2,25“ breit, fettere Reifen bringen oft mehr Grip und Komfort.

Übersetzung: Ob 2 x 10- oder 3 x 10-Antrieb, ist Geschmacksache. Fürs Alpine sollte der kleinste Gang eine 24–36-Übersetzung bieten.

Geometrie: Flache Lenkwinkel von maximal 68° sorgen für hohe Laufruhe bergab, Steile Sitzwinkel von mindes­tens 73° erzeugen hohen Pedaldruck, verbessern so die Kletterperformance.

Federung/Fahrwerk: 150 mm Federweg und leichte, vielfach justierbare Luftfederelemente sind Standard. Absenkbare Gabeln und Federbeine mit zuschaltbarer Plattform-Dämpfung verbessern Kletterverhalten und Vortrieb.

Bremsen: 180-mm-Bremsscheiben sind Pflicht. Schwere Fahrer verwenden vorne besser eine 200-mm-Disc. Heißer Tipp: die neue XT!

Rahmen: Der (teure) Werkstoff Carbon setzt sich dank günstigem Gewichts-Steifigkeits-Verhältnis auch im All-Mountain-Segment mehr und mehr durch. Über 3000 g mit Dämpfer muss heute kein All-Mountain-Rahmen mehr wiegen.

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Fazit: Starkes Testfeld mit BMC als Sieger

Das BMC Trailfox überragt außer beim Rahmengewicht in keiner Disziplin, beherrscht dennoch jede exzellent – der perfekte Allrounder und damit MountainBIKE-Testsieger!

Abfahrtsorientierte All-Mountain-Biker finden ihr Glück aber auch bei Cannondale, Ghost, Rotwild und Trek. Das verspielteste All-Mountain-MTB? Einmal mehr das virtuose Specialized Stumpjumper.

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