Mountainbikes im Test

Testbericht: Stoll M1 XCM (Modelljahr 2018)

Foto: Björn Hänssler

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Wie sieht ein ideales Marathonfully aus, wenn man es sich selbst entwerfen könnte? Vielleicht so wie ein Stoll. Bei der jungen Edelmarke aus der Region Schaffhausen steht Individualisierung hoch im Kurs.
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Testurteil

Testurteil überragend
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Wer bei den Schweizern einkauft, bekommt ein rundum individualisiertes Bike. Das fängt dabei an, dass Markenchef und ehemaliges Marathon-Ass Thomas Stoll, wenn er zur Probefahrt bittet, verschiedene Setups für seine Kunden aufbaut. Am Endprodukt ist dann alles auf den späteren Fahrer abgestimmt: Parts, Federwege und sogar das Carbon-Layup des Rahmens, der von einem Rahmenbauer in Deutschland gefertigt wird. Logischerweise hat ein solches Paket seinen Preis. Unter 7500 Euro verlässt kein Stoll-Komplettbike den Laden. Die Arbeit des Maschinenbauingenieurs und früheren Stöckli-Teamchefs Thomas Stoll ist das Geld aber wert, wie unser Testbike eindrucksvoll beweist.

Foto: Björn Hänssler

Damit Racer immer genügend Wasser auf die Strecke mitnehmen können, hat das Unterrohr eine kleine Mulde. So passen auch große Trinkflaschen unter den Dämpfer.

Das kommt mit Fox-/Rock-Shox-Fahrwerk und Sram-Eagle-Schaltung (1 x 12 Gänge) für 8690 Euro, abgestimmt auf einen Biker mit 190 cm Körpergröße und 85 Kilo Gewicht. Für noch schwerere Piloten setzt Stoll für bessere Haltbarkeit Titan- anstatt Inox-Lager am VPP-Hinterbau ein. Und auch wenn das Bike uns (etwas kleineren) Testern minimal zu lang war: Wir alle empfanden das Stoll M1 XCM nahe an der Perfektion.

Den Hebel für die Dämpferplattform braucht niemand, weil der Hinterbau selbst bei harten Antritten keine Antriebseinflüsse zeigt und jeden Pedaltritt in Vortrieb umwandelt. Erst wenn Wurzeln, Steine oder Unebenheiten von unten schlagen, gibt das Heck sensibel nach. Mit 10,3 kg kann das M1 mit den besten CC-Rennmaschinen mithalten, schießt ab wie eine Rakete – trotz der „üppigen“ Federwege von 130/120 mm.

Foto: Björn Hänssler

Den Dämpfer des VPP-Hinterbaus setzt am Oberrohr des Stoll M1 an. Das Heck ist dabei extrem antriebsneutral.

Auch der steile 75°-Sitzwinkel und das sehr kurze Steuerrohr sorgen für enormen Druck auf Front und Pedal. Am meisten hat uns das extrem ausgewogene Handling des ausreichend steifen Bikes überrascht. Mit gemäßigt flachem 69°-Lenkwinkel glänzt das Stoll M1 mit Spurtreue, dreht sich aber trotz langem Vorbau auch direkt in die Kurven. Ein Bike wie aus dem Bilderbuch!

Technische Daten des Test: Stoll M1 XCM (Modelljahr 2018)

Preis: 8680 Euro
Vertriebsweg: Direktvertrieb und Fachhandel
Gewicht: 10,2 kg
Rahmengewicht: 2785 g
Federgabel (Gewicht): 1757 g
Gewicht Laufräder: 3273 g
Verfügbare Rahmenhöhen: XS, S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: L
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkkopfsteifigkeit: 68,1 Nm/Grad
Federgabel: Fox 32 Float Factory
Federweg getestet: 130 mm
Federbein: Rock Shox Deluxe RT3
Federweg getestet: 120 mm
Gänge und Übersetzung: 1 x 12: 32 Zähne vorne/10–50 Zähne hinten
Schaltwerk: Sram XX1 Eagle
Schalthebel: Sram XX1 Eagle
Kurbel: Sram XX1 Eagle
Umwerfer: -
Bremsen vorne/hinten: Sram Level Ultimate 180/180 mm
Sattelstütze: Bike Ahead
Vorbau: Newman SL 75 mm
Lenker: Bike Ahead 740 mm
Naben: Newman
Felgen: Duke
Reifen: Schwalbe Racing Ralph LS 2,25"

Geometrie

Bike-Profil

Fazit

Es gibt nur wenige Marathon-Fullys, die mit dem Stoll M1 konkurrieren können. Das Bike aus Schaffhausen überrennt die Konkurrenz selbst bei offenem Dämpfer mit enormer Antriebseffzienz, ohne dass der Hinterbau zu unsensibel wird. Trotz Race-Position ist das Handling sehr ausgewogen.

19.12.2017
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE