Mountainbikes im Test

Testbericht: Specialized S-Works Epic XTR Di2 (Modelljahr 2018)

Foto: Detlef Göckeritz MountainBike Racefully Test 2018
Schnell, schneller, Specialized. Das edle Epic ist im Spurt unschlagbar, klettert ungemein leichtfüßig, ja feurig! Bergab liegen die anderen Bikes satter, wer seinen Sport beherrscht, wird aber auch da seine Freude an diesem Leichtbau-Boliden haben.
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Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Im Vergleich wenig Fahrkomfort

Testurteil

Testurteil sehr gut

März 2018, Stellenbosch in Südafrika. Der Neuseeländer Sam Gaze gewinnt sensationell den ersten Cross-Country-Weltcup der Saison. Sein Bike: das Epic. 9410 Gramm! Das Specialized unterbietet nicht nur klar die magische 10-Kilo-Marke, es ist auch das leichteste Bike im Test.

Und das, obwohl es viel Zubehör „mitschleppt“: Flaschenhalter inkl. Minitool, im Steuersatz verborgener Kettennieter sowie Ersatz-Ket- tenschloss. Noch einen Ersatzschlauch im Racer-Stil an die Sattelstütze getapet – und alles ist an Bord! Okay, der Fahrer fehlt noch.

Foto: Detlef Göckeritz MountainBike Racefully Test 2018

Über der Hinterradachse sitzt das Trägheitsventil – buchstäblich das Hirn der „Brain“-Dämpfung. Die Auslösehärte ist mittels des blauen Reglers einstellbar.

Und der nimmt zwar ausreichend sportlich, doch nur in dezenter Streckung Platz, auch die hohe Front überrascht. Also mehr Tourer als Racer? Nö, schon beim ersten Pedal-Zucken wird klar, hier geht’s voran!

Das Epic beschleunigt dank leichter Carbon-Räder und extrem flinker Reifen so feurig wie kein anderes Testrad, wandelt das Muskelspiel kompromisslos in Vortrieb um, kraxelt mit unverschämter Leichtfüßigkeit. Das alles ist auch ein Verdienst der legendären „Brain“-Dämpfung.

Foto: Detlef Göckeritz MountainBike Racefully Test 2018

Die „Brain“-Technik in der SID-Federgabel hat Specialized für 2019 noch einmal überarbeitet. Vollauf überzeugt hat sie uns aber auch diesmal nicht.

In Gabel wie am Hinterbau (mit dem Federbein verbunden) sitzen Massenträgheitsventile. Diese reagieren auf Stöße vom Untergrund, geben nach einem „Initialschlag“ den Hub frei. Ist der Untergrund eher glatt bzw. bewegt sich der Fahrer etwa im Wiegetritt, bleibt das Fahrwerk straff.

Die Auslösehärte ist einstellbar. Am Hinterrad funktioniert das klasse, auch wenn sich das Epic immer einen Hauch(!) ruppiger anfühlt als die Konkurrenz. Dafür spart sich der Fahrer den steten Griff zum Lockout-Remote.

An der Gabel hat Specialized das System überarbeitet, das erste Viertel des Hubs ist nun immer „offen“, was der SID-Brain-Gabel mehr Sensibilität schenkt – sich in harten Passagen aber immer noch wenig komfortabel anfühlt.

Foto: Detlef Göckeritz MountainBike Racefully Test 2018

Als einziges Testbike besitzt das Epic nur 1 x 11 Gänge, die dafür aber elektronisch angesteuert werden. Und? Shimanos (alte) XTR Di2 fasziniert uns noch immer!

Überhaupt lässt sich der Uphill-König bergab von der Konkurrenz wieder einfangen. Das Epic wedelt zwar höchst agil, mit messerscharfem Handling ins Tal, der hohe Schwerpunkt, der eher steile Lenkwinkel, die weniger bissigen Reifen sowie das angesprochen straffe Fahrwerk mahnen aber zur präzisen Linienwahl.

Die Ausstattung ist Specialized-typisch speziell, ragt mit Shimanos XTR Di2 aber angenehm aus dem Sram-Eagle-Einerlei hervor.

Technische Daten des Test: Specialized S-Works Epic XTR Di2

Modelljahr: 2018
Preis: 9999 Euro
Gewicht: 9,4 kg
Rahmengewicht: 2006 g
Federgabel: 1529 g
Gewicht Laufräder: 3278 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkkopfsteifigkeit: 67,6 Nm/°
Federgabel: Rock Shox SID World Cup PS Brain
Federweg getestet: 100 mm
Federbein: Rock Shox/Specialized Micro Brain AS
Federweg getestet: 100 mm
Gänge und Übersetzung: 1 x 11: 30 Zähne vorne, 10–42 Zähne hinten
Schaltwerk: Shimano XTR Di2
Schalthebel: Shimano XTR Di2
Kurbel: Race Face Next SL
Umwerfer:
Bremse: Shimano XTR Race
Bremsen-Disc vorne: 180 mm
Bremsen-Disc hinten: 160 mm
Sattelstütze: S-Works FACT Carbon
Vorbau: S-Works SL 75 mm
Lenker: S-Works Carbon 720 mm
Naben: Roval Control SL Carbon
Felgen: Roval Control SL Carbon
Laufradgröße: 29 ''
Reifen: S-Works Fast Trak 2Bliss 2,3"/2,1"
Testurteil: Sehr gut (224 Punkte)

Geometrie

Bike-Profil

Fazit

Schnell, schneller, Specialized. Das edle Epic ist im Spurt unschlagbar, klettert ungemein leichtfüßig, ja feurig! Bergab liegen die anderen Bikes satter, wer seinen Sport beherrscht, wird aber auch da seine Freude an diesem Leichtbau-Boliden haben.

13.08.2018
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2018