Mountainbikes im Test

Testbericht: Scott Genius 10

Foto: Benjamin Hahn Scott Genius 10
Drei in einem! Das Genius glänzt als Tourer wie als AM-Bike und empfiehlt sich durch Twin-Lock auch für Marathons.
Zu den getesteten Produkten

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Komplexes, nicht kontrollierbares Dämpfer-Setup

Testurteil

Testurteil überragend

Scott definierte mit seiner letztjährigen Neuentwicklung die Kategorie „Alleskönner“ neu. 150 Millimeter Federweg, trotzdem Marathon-tauglich, so die Kurzbeschreibung. Ein Konzept, das für 2010 unverändert bleibt und nur eine kleine, äußerst praktische Neuerung erfährt. Der so genannte „Twin-Lock“-Hebel steuert ab sofort Gabel und Dämpfer gleichzeitig an. Der Fahrer bestimmt via Lenkerhebel, ob er völlig offen, mit verhärtetem Hinterbau oder mit blockierten Federelementen pedalieren möchte – Mitdenken erforderlich.

Doch bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit zeigten sich die Tester von der schnellen Ansteuerung begeistert und betätigten den Hebel zum Teil schon intuitiv. Der sogenannte „Traction Mode“ bewährt sich vor allem bei Uphill-Passagen im Gelände. Der ansonsten sehr aktive Hinterbau wippt dadurch spürbar weniger, die Reifentraktion bleibt durch den Restfederweg erhalten.

Der Lockout macht hingegen im Gelände wenig Sinn, sorgt aber auf asphaltierten Teilstücken für deutlich effizienteren Vortrieb und ist vor allem für Tourer mit Race-Ambitionen eine sinnvolle Ergänzung. Ansonsten zeigt sich das Genius mit leicht gestreckter Sitzposition von seiner sportlichen Seite, bringt Druck aufs Vorderrad und bewältigt Anstiege im Eiltempo. Durch das flach stehende Sitzrohr erfolgt der Tritt in die Pedale leicht von hinten.

Das Gewicht kann sich für ein 150-Millimeter-Fahrwerk mehr als sehen lassen. Noch weniger wiegt nur die deutlich teurere Limited-Version. Bergab sorgen reichlich Federweg, gut dosierbare Bremsen und breiter Lenker für Kontrolle und Sicherheit. Die orange eloxierte X.0-Bestückung ist ein echter Hingucker, die XT-Kurbel an einem fast 5000-Euro-Rad kaum standesgemäß.

Die ausgezeichnete Laufruhe im offenen Modus und das hohe Tretlager gehen etwas auf Kosten der Agilität, dennoch trübt das Genius auch auf kurvigen Trails nicht den Spaß. Dafür sorgt schon eher die knifflige Einstellung des Dämpfers: Der Fahrer muss den Herstellerangaben vertrauen, hat keine Kontrolle über Sag oder genutzten Federweg.

Technische Daten des Test: Scott Genius 10

Preis: 4795 Euro
Gewicht: 11,5 kg
Rahmengewicht: * 2410 g
Federgabel (Gewicht): 1916 g
Vertriebsweg: Händler
Rahmenhöhen: S/M/L/XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkwinkel: 68 °
Sitzwinkel: 74 °
Sitzrohr: 452 mm
Oberrohr: 565 mm
Steuerrohr: 117 mm
Federgabel: Fox 32 Talas 150 RL Remote
Federweg getestet: 110–130–150 mm
Federbein: Scott Equalizer 2
Federweg getestet: 95–150 mm
Schaltwerk: Sram X0
Schalthebel: Sram X0
Kurbel: Shimano XT
Umwerfer: Shimano XT
Bremse: Avid Elixir CR MAG
Bremsen-Disc vorne: 185 mm
Bremsen-Disc hinten: 185 mm
Laufräder: DT Swiss XR 15
Reifen: Schwalbe Nobby Nic 2,25“

*inkl. Dämpfer und Remote-Hebel

Fazit

Drei in einem! Das Genius glänzt als Tourer wie als AM-Bike und empfiehlt sich durch Twin-Lock auch für Marathons.

20.10.2009
Autor: Rainer Sebal, Rainer Sebal/Christiane Rauscher
© MOUNTAINBIKE, MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2009, 2010