Mountainbikes im Test

Testbericht: Liteville H-3 MK2 (Modelljahr 2019)

Foto: Bjoern Haenssler Mountainbike Highlights

Fotostrecke

Wer Lust auf knackige Geländeritte hat, der braucht eigentlich auch Fully. Liteville allerdings beweist, dass ein Hardtail auch auf maximal anspruchsvollen Trails Spaß und Fahrsicherheit bringen kann.
Zu den getesteten Produkten

Bewertung

Was uns gefällt


Testurteil

Testurteil überragend
Loading  

Neu ist die Idee eines Hardtails für ambitionierte All-Mountain-Einsätze nicht. Schon Anfang der Nullerjahre kamen vornehmlich aus England (Stahl-)Hardtails, die für langhubige Federgabeln ausgelegt waren, nicht für die üblichen 100 mm. Mit Aufkommen der 2,8-3,0" breiten Plus-Reifen erlebten die – nun Trail-Hardtails getauften – Räder vor drei Jahren gar einen kleinen Boom, von dem aber nicht mehr viel übrig ist.

Eigentlich schade, denn das H-3 beweist, welch ein Potenzial in der Gattung steckt. Klar, ein Schnäppchen ist es nicht (aber angesichts der top Ausstattung auch nicht überteuert), ein famoses Bike dafür umso mehr.

So sind die Parts höchst solide, das Gesamtgewicht mit 10,9 Kilo super. Und das mit einem an Detailreichtum kaum zu überbietendem Alu-Rahmen, fetten 27,5 x 2,6"-Schlappen und VarioSattelstütze. Letztere stammt von Eightpins, ist zu 100 % integriert und bietet je nach Rahmen- und Fahrergröße bis zu 220 mm Hub - wow!

In der Ebene und im lockeren Bergauf hängt das Leichtgewicht die direkte Fully-Konkurrenz wie das Santa Cruz 5010 (S. 40/41) also locker ab, zumal die von uns optional gewählten Syntace-Carbon-Laufräder (plus 480 Euro, das Upgrade auf die empfehlenswerte Sram-X01- Eagle-Schaltung kostet ebenso viel) brutal beschleunigungs- gierig sind.

Aber auch im steilen Uphill glänzt das H-3 mit zentraler Sitzposition und erstaunlicher Traktion. Ein Erstaunen, das sich bergab fortsetzt. Es ist fast schon frech, wie gut das Liteville auf dem Trail liegt. Es ist steif, präzise, famos geführt von der Pike-140-mm-Federgabel, herrlich drehfreudig über das kurze Heck – aber auch jederzeit fahrstabil, höchst spurtreu dank des sehr flachen Lenkwinkels und selbst im groben Gerumpel überraschend ruhig, fast komfortabel.

Ein noch potenterer Vorderreifen à la Schwalbe Magic Mary oder Maxxis Minion würde das Abfahrtsglück perfekt machen. Zumindest für ein Hardtail.

Technische Daten des Test: Liteville H-3 MK2 (Modelljahr 2019)

Preis: 5280 Euro
Vertriebsweg: Fachhandel
Gewicht: 10,9 kg
Rahmengewicht: 2290 g
Federgabel (Gewicht): 1852 g
Gewicht Laufräder: 4102 g
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL, XXL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Aluminium
Lenkkopfsteifigkeit: - Nm/Grad
Federgabel: Rock Shox Pike RCT3
Federweg getestet: 140 mm
Federbein: -
Federweg getestet: - mm
Gänge und Übersetzung: 1 x 12: 32 Zähne vorne, 10–50 Zähne hinten
Schaltwerk: Sram X01 Eagle
Schalthebel: Sram X01 Eagle
Kurbel: Sram X01 Eagle
Umwerfer: -
Bremsen vorne/hinten: Sram Guide RSC 200/180mm
Sattelstütze: Eightpins Seatpost (Vario, ca. 165 mm)
Vorbau: Syntace Megaforce2 40 mm
Lenker: Syntace Vector Carbon 760 mm
Naben: Syntace C33i Straight
Felgen: Syntace C33i Straight
Reifen: Schwalbe Nobby Nic TLE Apex 27,5 x 2,6"

Geometrie

Bike-Profil

Fazit

Wären Hardtails stets so gewesen wie das H-3, wäre das Fully wohl nie erfunden worden. Im Downhill jagt das bis ins Detail brillant durchdachte Liteville die voll gefederte Konkurrenz, in der Ebene und im gemäßigten Uphill zieht das Leichtgewicht gar vorbei. Ein Traumrad für Puristen!

10.10.2018
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE