Mountainbikes im Test

Testbericht: Giant Anthem Advanced Pro 29 (Modelljahr 2018)

Foto: Björn Hänssler
Ein modernes Racefully mit 29"-Rädern hat Giant die letzten Jahre gefehlt. Jetzt schließt der Gigant diese Lücke ohne jeden Kompromiss. Das neue Giant Anthem Advanced Pro 29 ist eine rasante Race- und Trail-Rakete.
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Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Hinterbau wenig komfortabel

Testurteil

Testurteil sehr gut
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Das neue Anthem ist eine Hymne für Rennfahrer! Sportlich gestreckte Sitzposition. Ein recht steiler 74,5°-Sitzwinkel, der optimale Kraftübertragung auf die Pedale, möglichst von oben, garantiert. Ein straffer Hinterbau, der nur wenig unnötige Energie vernichtet und das Heck mit griffigen, aber gut rollende Maxxis-Reifen dennoch immer am Boden hält. Eine leichte, unkomplizierte und perfekt funktionierende 1 x 12-Schaltung. Überhaupt eine edle Ausstattung mit vielen Carbon-Parts. Kurzum: So sieht ein Racefully rassiger Machart aus!

Foto: Björn Hänssler

Leicht, steif, organisch anmutend: Das Carbon-Chassis erfreut mit fließenden Formen wie hier rund um die hintere Steckachse.

Und das Giant Anthem Advanced setzt die Energie seines Fahrers äußerst effzient in Vortrieb um, ist damit wie geschaffen für harte, knackige Rennen – obwohl die Laufräder für ein Racefully dieser Preisklasse etwas schwer sind und das Gesamtgewicht des steifen Bikes mit 10,4 kg nicht wirklich rekordverdächtig ist. Dennoch: Dieses Rad kann verdammt schnell werden!

Unterstützend wirkt dabei die Geometrie, die dank langem Reach (463 mm) und gemäßigt flacher 69°-Front ein ausgewogenes, aber eher laufruhiges Handling garantiert. Allerdings geht das trotz der recht kurzen Kettenstreben von 436 mm zu Lasten der Wendigkeit. Auch das Cockpit mit 75-mm-Vorbau und 780-mm-Lenker empfanden wir als etwas zu breit, Lenkmanöver bisweilen zu indirekt.

Foto: Björn Hänssler

Die 100-mm-Fox-Gabel ist mit Stepcast-Chassis auf Leichtgewicht getrimmt und passt perfekt zu Giants neuem Racefully.

Das Fahrwerk bietet hingegen alles, was Racern gefällt: Die Fox-Stepcast-Gabel erweist sich mit 100 mm Federweg als potent und schluckfreudig selbst auf sehr wurzeligen und steinigen Passagen. Der bewährte Maestro-Hinterbau mit VPP-typischer Funktionsweise hingegen bietet zwar gute Traktion, agiert aber generell sehr straff. Was im harten Antritt und auf gemäßigten Pisten einerseits gefällt, geht andererseits zu Lasten des Komforts. Wer eine Sänfte auf dem Trail sucht, dem ist der Hinterbau mit kurzen 90 mm Federweg auf ruppigen Passagen wohl zu „harsch“ abgestimmt.

Technische Daten des Test: Giant Anthem Advanced Pro 29 (Modelljahr 2018)

Preis: 7399 Euro
Vertriebsweg: Fachhandel
Gewicht: 10,4 kg
Rahmengewicht: 2209 g
Federgabel (Gewicht): 1376 g
Gewicht Laufräder: 3879 g
Verfügbare Rahmenhöhen: XS, S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: L
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkkopfsteifigkeit: 74,2 Nm/Grad
Federgabel: Fox 32 SC Factory Remote
Federweg getestet: 100 mm
Federbein: Fox Float DPS Evol Factory Remote
Federweg getestet: 90 mm
Gänge und Übersetzung: 1 x 12: 34 Zähne vorne, 10–50 Zähne hinten
Schaltwerk: Sram XX1 Eagle
Schalthebel: Sram XX1 Eagle
Kurbel: Sram XX1 Eagle
Umwerfer: -
Bremsen vorne/hinten: Sram Level Ultimate 180/160 mm
Sattelstütze: Giant Contact SLR
Vorbau: Giant Contact SLR 75 mm
Lenker: Contact SL 780 mm
Naben: Giant XCRO 29
Felgen: Giant XCRO 29
Reifen: Maxxis Ikon TR EXO 2,2"

Geometrie

Bike-Profil

Fazit

Durch und durch Racebike: Das Giant Anthem Advanced zieht ab wie ein Überschallflieger und fräst dank des straff-traktionsstarken Fahrwerks jeden Anstieg hoch. Unter diesem Charakter leidet naturgemäß etwas der Komfort, was hartgesottene Racer aber kaum stören dürfte.

19.12.2017
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE