Mountainbikes im Test

Testbericht: Focus Jam Elite 27 (Modelljahr 2018)

Foto: Benjamin Hahn MountainBike All Mountain Test 2018
Das preiswerte Jam bietet mit top Handling und feinem Fahrwerk eine top Basis fürs All-Mountain-Abenteuer – ist aber in Summe zu schwer. Wer noch rund 300 Euro in Laufräder (etwa DT M1900) investiert, bekommt ein superbes Bike.
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Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Sehr hohes Gesamtgewicht,...
  • ... in Ebene und am Berg träge

Testurteil

Testurteil gut

Zumal die Basis stimmt: Der Alu-Rahmen wiegt zwar mit rund 3,5 Kilo ein wenig viel, ist aber fein gemacht, robust und gut steif. Ergänzt wird dieser von zigfach bewährten Fox-Federelementen (34-Rhythm-Gabel und Float-Performance-Dämpfer), die den ungleich teureren Modellen kaum nachstehen.

Auch die Vario-Stütze von Kind Shock gefällt, die mit bedacht gewählten BBB-Anbauteile ebenso, und die klebrigbreiten Maxxis-Minion-Reifen sind eh eine Wucht.

Foto: Benjamin Hahn MountainBike All Mountain Test 2018

Clever: Der Umwerfer der Shimano-Deore- Schaltung sitzt auf einem Steg zwischen den Sitzstreben, kann so mit ein- und ausfedern.

Zwar verwaltet die Shimano-Deore nur 2 x 10 Gänge, die Übersetzung ist aber für alle All-Mountain-Schandtaten ausreichend. Und die nicht ganz so kräftige Deore-Bremse pimpt Focus mit Kühlrippenbelägen.

Also alles bestens? Jein, denn mit fast 15 Kilo wiegt das Jam in Summe dann doch zu viel, alleine die rotierende Masse (Reifen, Laufräder, Kassette etc.) steuert 5161 g bei.

Und das merkt man: Beschleunigung ist dem Jam fast ein Fremdwort, in Sachen Vortrieb zockelt es dem Rest des Feldes hinterher – auch wenn die Sitzposition gut (minimal hecklastig) ist und der aufwendig umgelenkte Hinterbau mit Antriebsneutralität erfreut.

Foto: Benjamin Hahn MountainBike All Mountain Test 2018

„Fold“ nennt Focus die aufwendige Hinterradfederung, bei der die Anlenkung des Federbeins mehrfach in sich verschachtelt ist.

Auch im steilen Bergauf stimmen Trak- tion und Balance, leichtfüßig klettert das Focus aber kaum. Sind die Mühen des Aufstiegs geschafft, gibt es dafür kein Halten mehr.

Bergab liegt das Cloppenburg-Bike ungemein satt, das Fahrwerk ist perfekt zwischen Sensibilität und Stehvermögen abgestimmt, das Handling ein Gedicht – und das obwohl das Jam im Vergleich zu den beiden anderen Downhill-Granaten von Canyon und YT relativ kurz geschnitten ist, also noch eine gehörige Portion Drehfreude mit zum Trail-Glück dazusteuert.

Technische Daten des Test: Focus Jam Elite 27

Modelljahr: 2018
Preis: 2199 Euro
Gewicht: 15,0 kg
Rahmengewicht: 3439 g
Federgabel: 1937 g
Gewicht Laufräder: 5161 g
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Aluminium
Lenkkopfsteifigkeit: 72,4 Nm/°
Federgabel: Fox 34 Rhythm
Federweg getestet: 150 mm
Federbein: Fox Float DPS Evol Performance
Federweg getestet: 150 mm
Gänge und Übersetzung: 2 x 10: 36/26 Zähne vorne, 11–42 Zähne hinten
Schaltwerk: Shimano Deore
Schalthebel: Shimano Deore
Kurbel: Race Face Aeffect
Umwerfer: Shimano Deore
Bremse: Shimano Deore
Bremsen-Disc vorne: 180 mm
Bremsen-Disc hinten: 180 mm
Sattelstütze: Kind Shock E30i (Vario, 125 mm)
Vorbau: BBB 60 mm
Lenker: BBB 770 mm
Naben: Shimano Deore
Felgen: Race Face AR30
Laufradgröße: 27,5 ''
Reifen: Maxxis Minion DHF/DHR II Exo TR 2,5"/2,4"
Testurteil: Gut (193 Punkte)

Geometrie

Bike-Profil

Fazit

Das preiswerte Jam bietet mit top Handling und feinem Fahrwerk eine top Basis fürs All-Mountain-Abenteuer – ist aber in Summe zu schwer. Wer noch rund 300 Euro in Laufräder (etwa DT M1900) investiert, bekommt ein superbes Bike.

01.08.2018
Autor: Andre Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2018