Mountainbikes im Test

Testbericht: Cannondale Jekyll 1 (Modelljahr 2018)

Foto: Axel Brunst

Fotostrecke

Aus eins mach zwei: Ein Spezial-Dämpfer von Fox soll das Cannondale Jekyll vom reinrassigen Enduro in einen Allrounder verwandeln. So oder so ist das Bike bergab eine Granate, die Laufruhe und Verspieltheit in sich vereint.
Zu den getesteten Produkten

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Bergauf etwas träge

Testurteil

Testurteil sehr gut
Loading  

Gemini waren im alten Rom Zwillinge. Bei Cannondale und Fox steht der Begriff für eine neue Dämpfertechnologie, die zwei Luftkammern miteinander kombiniert. Ist das Ventil zwischen den Zwillingen geöffnet, fängt der Hinterbau mit 165 mm Hub im „Flow“-Modus Schläge butterweich ab. Schiebt der Fahrer den Remote-Hebel vor, bleiben im „Hustle“-Modus 130 mm übrig. Das Heck reagiert zwar immer noch feinfühlig, arbeitet mit 20 Prozent weniger Luftvolumen aber viel progressiver. Klar nützt das auch bergauf.

Foto: Axel Brunst

Der Hinterbau des Jekyll ist asymmetrisch, wodurch die Kassette und Kurbel 6 mm nach rechts wandern und trotz kurzer Streben 2,5" breite Reifen ins Heck passen.

Cannondale sieht den Hustle-Modus aber nicht primär als Kletterhilfe, sondern als zusätzliche Fahrwerkseinstellung für den Trail. Mit strafferem Heck lässt sich das 27,5"-Bike härter und direkter durch Kurven und Kompressionen hetzen, und es entwickelt in flowigen Passagen ein unglaubliches Tempo. Wenn es dagegen richtig kracht, öffnet der Fahrer das Ventil und das Cannondale Jekyll bügelt gnadenlos alles platt: Im Flow-Modus arbeitet das mächtige Fox-Fahrwerk noch sensibler, steht im mittleren Federweg hervorragend im Hub, geht auch bei hohen Drops nie in die Knie.

Das Handling ist für aggressive Fahrer eine Wucht, weil die Geometrie perfekt für den Trail-Tanz ist: die Kettenstrebe brutal kurz, der Lenkwinkel flach, der Hauptrahmen und damit der Reach (455 mm, Größe M) sehr lang. Das ist das Maß, das den Biker top ins Bike stellt und ihm bei Highspeed die volle Kontrolle ermöglicht. In langsamen Passagen und bei langen Anstiegen tut sich das hochsteife Carboni trotz des für ein Enduro fairen Gewichts von 13,1 Kilo etwas schwerer.

Foto: Axel Brunst

In der Folge sind auch die hauseigenen Hollowgram-Laufräder asymmetrisch eingespeicht.

Bergauf wippt der Hinterbau selbst im progressiveren Hustle-Modus leicht mit, und es empfiehlt sich, auch noch per Hebel am Dämpfer den Plattform-Modus zuzuschalten. Zumal der Rollwiderstand der traktionsstarken Maxxis-Reifen hoch ist. Wie die Pneus sind Bremsen, Cockpit und Antrieb (1 x 12) für Abfahrtsspaß ausgelegt und damit ideal zum Cannondale Jekyll passend.

Technische Daten des Test: Cannondale Jekyll 1 (Modelljahr 2018)

Preis: 7499 Euro
Vertriebsweg: Fachhandel
Gewicht: 13,1 kg
Rahmengewicht: 3118 g (inkl. Gemini)
Federgabel (Gewicht): 2047 g
Gewicht Laufräder: 4383 g
Verfügbare Rahmenhöhen: XS, S, M, L, XL
Getestete Rahmenhöhe: M
Rahmenmaterial: Carbon
Lenkkopfsteifigkeit: 87,7 Nm/Grad
Federgabel: Fox 36 Float Factory FIT
Federweg getestet: 170 mm
Federbein: Fox Float Factory X Evol
Federweg getestet: 130+165 mm
Gänge und Übersetzung: 1 x 12: 30 Zähne vorne, 10–50 Zähne hinten
Schaltwerk: Sram XX1 Eagle
Schalthebel: Sram X01 Eagle
Kurbel: Truvativ Descendant Carbon
Umwerfer: -
Bremsen vorne/hinten: Sram Guide RSC 200/180 mm
Sattelstütze: Race Face Turbine Dropper (Vario, 150 mm)
Vorbau: Cannondale C1 35 mm
Lenker: Cannondale C1 780 mm
Naben: Cannondale Hollowgram 30
Felgen: Cannondale Hollowgram 30
Reifen: Maxxis Minion DHF/DHR II Exo TR WT 2,5"

Geometrie

Bike-Profil

Fazit

Cannondales Jekyll ist bergab eine Vollgas-Maschine, die zum rasanten Trailtanz auffordert. Mit seinen beiden Fahrwerkseinstellungen lässt der Gemini-Dämpfer Enduristenherzen höher schlagen. Die vorne flach-lange, hinten extrem kurze Geo dürstet nach aggressivem Fahrstil.

19.12.2017
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE