Mountainbikes im Test

Dauertest: Pivot Mach 429 SL (Modelljahr 2016)

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Pivot Mach 429 SL
Im Original-Aufbau mit 120-mm-Gabel mixt das sündteure Pivot Mach 429 SL Trail- mit Racebike-Tugenden, fährt sich höchst ausgewogen mit exzellentem Fahrwerk. In Anbetracht der Laufleistung von weit über 3000 km geht der Verschleiß absolut in Ordnung.

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Für ein reines Racefully im Originalaufbau zu schwer und zu flach (Sitzwinkel)
  • Speichen der Carbon-Laufräder (DT Swiss XRC 1200) mit etwas zu geringer Spannung
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Eigentlich ist unser Werkstatt-Chef und Schrauber-Guru Haider Knall ein harter Kerl. Er fährt leidenschaftlich gerne Marathons und elendlange Touren. Er bekommt das festgefressenste Innenlager mit seiner gottgegebenen bloßen Handkraft gelöst, angeblich dreht er mit seinen Zähnen Schrauben mit einem Moment von 20 Nm in Schwedenstahl. Und natürlich schwört dieses Mannsbild aufs Hardtail.

2016 aber mutierte unser „Haidi“ zum Softie, sattelte auf ein Marathon-Fully um. Seine Begründung: „Nach fast einer Dekade ohne Vollfederung wollte ich einfach wissen, was sich speziell im Race-Segment getan hat.“ Haiders Wahl fiel auf US-amerikanische Edelware: das 29er Pivot Mach 429 SL der angesagten Marke Pivot mit Carbon-Rahmen, 100 mm Heckfederweg, 120er-Gabel und erlesenen Parts.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Pivot Mach 429 SL Hebel am Shimano-XTR-Schaltwerk

Vermutlich durch einen Sturz wurde der Hebel zum An- und Ausschalten des Kettenstabilisators am Shimano-XTR-Schaltwerk beschädigt: Er rastet nicht mehr ein.

So ziert(e) Shimanos Edelschaltung XTR das Pivot Mach 429 SL ebenso wie sündteure Carbon-Laufräder von DT Swiss oder Fox-Federelemente in kostspieliger Factory-Ausführung. Ein Aufbau, den Haider zwar goutierte, wahrhaft glücklich machte er ihn aber nicht: „Die 120-mm-Gabel verleiht dem Pivot Mach 429 SL einen für mich zu ‚tourigen‘ Touch. Auch das Gewicht von fast 11,5 Kilo ist für ein Racefully zu hoch. Als Trailbike hingegen macht es verdammt viel Spaß, fährt sich ausgewogen, mit Sahne-Fahrwerk.“

Das bei km 2400 dann vorgenommene General-Tuning hatte es in sich: Carbon-Laufräder von Haiders eigener Marke Haico, die damals brandneue und ultraleichte Fox-Stepcast-Forke mit 100 mm Hub, ein Umbau von 2 x 11 auf 1 x 11 sowie diverse Leichtbau-Teile von Schmolke und Tune schwitzten fast 2500 g aus dem Pivot heraus!

Haider: „Durch die kurzhubigere Gabel stehen Lenk- und Sitzwinkel ein Grad steiler, das Pivot Mach 429 SL fährt sich so deutlich schärfer, agiler, klettert noch besser. Eine knapp über 9 Kilo wiegende Race-Rakete – so, wie ich das Bike eigentlich von Beginn an haben wollte.“

Deutlich über 3000 km stehen am Dauertestende auf der Uhr, die meisten davon absolviert rund um Tübingen, im Schönbuch, Neckartal und Schwarzwald. Abgesehen vom Radikalumbau musste Haider nicht oft Hand anlegen: Tausch der Kette, zwei Mal neue Bremsbeläge – normale Abnutzung halt.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Pivot Mach 429 SL Lager Hinterbau

Grundsätzlich drehen sich noch alle Lager des DW-Link-Hinterbaus sehr gut und ruckelfrei. Im Bereich des unteren Umlenkhebels sollten sie aber gereinigt und abgeschmiert werden.

Den sehr guten Pflegezustand des teuren Pivot Mach 429 SL bestätigt auch die finale Laboruntersuchung. So sehen sowohl der Kohlefaserrahmen als auch sämtliche Anbauteile (Cockpit, Sattelstütze etc.) aus wie frisch aus dem Ei gepellt. Der komplette Antriebsstrang um Kette, Kassette und Kurbel weist laufzeitentsprechenden Verschleiß auf, auch Steuersatz und Innenlager drehen noch nicht rau – würden sich aber jeweils über eine Reinigung und frisches Fett freuen.

Ähnliches gilt für die komplexe Lagerung der DW-Link-Hinterradfederung. Alle Lager drehen ruckelfrei, speziell im Bereich des unteren Umlenkhebels wäre aber eine Pflegeeinheit ratsam. Ein kleiner Service würde angesichts der Laufleistung auch den Fox-Factory-Federelementen gut bekommen, die aber per se noch erstklassig funktionieren, kaum Verschleiß zeigen, nicht trocken gelaufen sind.

Die von Haider weiterhin als Trainingsräder benutzten DT-Carbon-Wheels zeigen leichte Seitenschläge – kein Problem, generell könnte jedoch die Speichenspannung höher sein. Ein Neukauf stünde jedoch beim Schaltwerk an. Vermutlich in Folge eines Sturzes ist der Hebel des zuschaltbaren Kettenstabilisators („Shadow Plus) am XTR-Werfer defekt.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Pivot Mach 429 SL Dauertest Haider Knall

Im Dauertest: Pivot Mach 429 SL

Pivot Mach 429 SL: Getestet von Haider Knall

  • Preis des Bikes: ca. 9000 Euro
  • Testumfang: 3216 km / 51123 Hm
  • Alter/Beruf: 51 Jahre, Zweiradmechaniker, Werkstattleiter MOUNTAINBIKE
  • Größe, Gewicht: 1,90 m, 86 kg
  • Bevorzugte MTB-Kategorie: CC/Marathon
  • Fahrstil: als Routinier immer bereit, den jungen Schnöseln eins überzubraten
Foto: Benjamin Hahn

Haider Knall, Werkstattleiter: „Jetzt ist das Pivot das, was ich haben wollte: eine scharfe Race-Rakete.“

Zwischenbericht: 11 2016 (2953 km)

Vom schnellen Tourenfully zur absoluten Rennfeile: Unser Werkstattchef Haider hat massiv Gewicht aus seinem US-Edelbike geschwitzt.

Da sich ab Mitte August doch noch perfektes Bike-Wetter einstellte, habe ich ordentlich Kilometer auf mein US-Edelross geschrubbt. Die meisten in der Gegend um Tübingen, auf Wegen im Schönbuch und im Neckartal. Zudem konnte ich ein paar Tage auf Südtiroler Trails rocken und eine Art Trans Schwarzwald absolvieren. Kurzum: Fast 3000 km stehen jetzt auf dem Tacho, auf denen sich das Mach 429 SL im Originaltrimm – mit 120-mm-Federgabel und XTR-Antrieb (2 x 11 Gänge) klaglos verhielt.

Zwei neue Ketten, die ich aus Prinzip nach 1000 km wechsle, neue Bremsbeläge – auch die Betriebskosten waren bislang kaum der Rede Wert. Dafür habe ich nun in einen „For race only“-Umbau investiert, mit dem Ziel, das Gewicht von 11,4 Kilo auf unter 10 Kilo zu drücken. Die Mittel dazu: Umwerfer und ein Schalter weg, Tune-Sattel und -Stütze, Schmolke-Lenker, hier und da ein paar Titan-Schrauben, Continental-Race-Reifen sowie von mir selbst aufgebaute Carbon-Laufräder. Außerdem habe ich die 120er-Forke durch eine brandneue Fox 100 SC ersetzt, wodurch Lenk- und Sitzwinkel um gut ein Grad steiler steiler stehen. Das Pivot fährt sich nun deutlich schärfer, agiler, klettert besser. Und erst das Gewicht: 9,5 Kilo mit Pedalen!

Foto: Benjamin Hahn

Haider Knall, Werkstattleiter: „Nach vielen Hardtail-Jahren war ich gespannt auf ein aktuelles Racefully.“

Zwischenbericht: 07 2016 (1045 km)

In den USA sorgt Pivot schon lange für Furore – und auch uns überzeugen die edlen US-Maschinen.

Ich habe mir zum Dauertest ein Racefully ausgesucht, weil es am besten zu meiner Fahrweise passt: immer gut Zug auf der Kette. Weil ich neugierig war, was sich in diesem Segment getan hat – zuletzt bin ich fast nur Hardtails gefahren. Das Pivot mit 116 mm Federweg am Hinterbau hält, was es verspricht, geht sehr gut vorwärts und bietet im Gelände massig Traktion – bergauf und bergab. Was mir noch nicht gefällt: Mit der 120-mm- Fox-34 fühlt sich das Rad zu tourig an, vermutlich wechsle ich doch auf eine 100-mm- Forke. Ansonsten habe ich von der super-hochwertigen Ausstattung (komplette Shimano XTR, Fox-Factory-Federelemente, DT-Carbon-Laufräder) bis auf den zu weichen WTB-Sattel nichts geändert. Bis zur Wettkampfsaison will ich das Bike aber noch um gut ein Kilo abspecken. Ansonsten steht bald eine neue Kette an. Und ein kleiner Hinterbauservice – leichte Knarzgeräusche stören.

07.01.2017