Mountainbikes im Test

Dauertest: Focus Sam C Pro (Modelljahr 2016)

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Focus Sam C Pro
Wer ein rassiges, vielseitiges 160-mm-Enduro mit Tuning-Potenzial sucht, sitzt auf dem auch 2017 wieder angebotenen Focus Sam C Pro perfekt. Fahrwerk und Lagerung des Carbon-Rahmens überzeugten auch im Werkstatt-Check, Teile der (Eigen-)Parts weniger.

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Concept-EX-Laufräder mit teils starkem Seitenschlag, Vorderradnabe defekt, Freilauf abgenutzt
  • Knarzender Sattel von Concept
  • Sram-Innenlager auf einer Seite hakelig
  • Teils wenig hochwertige Parts (Bremse!)
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„Drehfreudig, rassig, mit viel Verve! Ein angriffslustiges Enduro, das schnell gefahren werden will“, urteilten wir nach unserem Enduro-Test in Ausgabe 3/16 über das 3799 Euro teure Focus Sam C Pro mit 160-mm-Fahrwerk und Carbon-Rahmen.

Genau das Richtige für unseren Ex-Downhill- und Enduro-Rennfahrer Jens Kraft. Der prügelte zwar nur etwas über 2000 km (Begründung: „Längere Pause wegen Materialentfernung im Rücken ...“) auf das schicke Focus Sam C Pro, ließ es dennoch dem Einsatzzweck entsprechend krachen. Etwa mal im Bikepark von Schöneck und Oberammergau, mal auf ausgedehnten Abenteuertrips etwa in Bozi Dar (Tschechien) oder im Brandnertal (Österreich).

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Focus Sam C Pro Sram-PF30-Lager

Die gruppenlose Sram-Carbon-Kurbel S1000 dreht sich in einem Sram-PF30-Lager. Dies hakelt vor allem rechtsseitig deutlich, müsste bald ausgetauscht werden.

Klasse: Im Praxistest-Protokoll steht unter Defekten und Verschleiß herzlich wenig. Ein Kettenriss bei km 120, getauschte Bremsbeläge bei km 900 und km 1900 – das war’s schon. Und obgleich die Parts für ein 3800-Euro-Fully teils arg billig anmuten (Deore-Bremse, Cockpit und Laufräder der Eigenmarke Concept, gruppenlose Kurbel von Sram), beließ es Jens dabei. Ausnahmen: Je nach Witterung zog er passende Reifen auf, die ihm zu dünnen Originalgriffe tauschte er gegen bewährte Modelle von DMR.

Und sonst? Da bewies sich das Focus Sam C Pro als Pracht-Enduro. Jens: „Eine absolut geile Maschine. Das Focus Sam C Pro sieht richtig cool aus, es passt mir perfekt, ich fühlte mich vom ersten Meter an pudelwohl. Das Focus Sam C Pro liegt satt dank des 66°-Lenkwinkels, ist aber trotzdem auch in Größe L sehr agil.“

Viel Testerlob heimste auch das Fahrwerk mit Pike-RC-Federgabel und Monarch-RT-Federbein (jeweils von Rock Shox) ein: „Supersensibel, stabil im Federweg, schluckfreudig, mit hohen Reserven.“ Da der Hinterbau auch im Bergaufritt nicht störend pumpt und das Gewicht mit 13,2 Kilo im „fairen“ Bereich liegt, nutzte Jens das Focus Sam C Pro auch häufiger zum Pendeln – ein rundum ausgewogenes Enduro also.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Focus Sam C Pro Nabenlager Concept-EX-Laufrad

Eher enttäuschend ist der Zustand der Concept-EX-Laufräder. So weist das Vorderrad einen starken Seitenschlag auf, die Nabenlager drehen nur noch äußerst widerwillig.

Bei der finalen Werkstattprüfung durch unseren Chef-Schrauber Haider Knall gereicht es dem Focus Sam C Pro ebenfalls zu recht viel Lob. Angefangen beim nur von kleinen Kratzern gezeichneten Carbon-Rahmen über den sauber laufenden Acros-Steuersatz und weitergehend zum sehr guten Zustand des Sram-Antriebs-Schaltungs-Mix.

Klasse auch der Zustand aller Lager am Hinterbau, die zudem groß dimensioniert, sehr aufwendig gedichtet und verschraubt sind – nachahmenswert! Die Rock-Shox-Federelemente weisen ebenfalls kaum Verschleiß auf, federn geschmeidig ein und aus. Apropos: Nahezu alle Federelemente im diesjährigen Dauertest zeigen sich in einem viel besseren Zustand, als es in den Vorjahren der Fall war. Verdienst der inzwischen von Fox und Rock Shox häufig verbauten Premium-Dichtungen von SKF & Co.

So sind es am Ende einige der angesprochenen, weniger hochwertigen Parts, die auch beim Labor-Check des Focus Sam C Pro negativ auffallen. Der Concept-Sattel knarzt in schrillsten Tönen, und das Sram-PF30-Innenlager rastet rechtsseitig spürbar ein.

Vor allem aber ist der Zustand der schweren Concept-EX-Laufräder nicht mehr befriedigend: Das Vorderrad weist einen starken Seitenschlag auf, die Lager der Vorderradnabe haben sich beidseitig nahezu komplett festgefressen. Am Hinterrad vermerkte Haider einen leichten Achter sowie den stark verdreckten, bereits stark angegriffenen Freilauf.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Focus Sam C Pro Dauertest Jens Kraft

Im Dauertest: Focus Sam C Pro

Focus Sam C Pro: Getestet von Jens Kraft

  • Preis des Bikes: 3799 Euro
  • Testumfang: 2160 km / 48176 Hm
  • Alter/Beruf: 29 Jahre, Motorradmechaniker
  • Größe, Gewicht: 1,89 m, 82 kg
  • Bevorzugte MTB-Kategorie: Enduro
  • Fahrstil: zügig und sauber

Zwischenbericht: 11 2016 (1488 km)

Top: Das Enduro überstand auch Einsätze auf hart eingestuften Downhill-Strecken.

Eigentlich war ich schon vom ersten Moment an total begeistert von der Enduro-Performance des Sam. Die lange, laufruhige Geometrie und das schluckfreudige Heck sorgen für jede Menge Spaß beim Ballern. Aber Mr. Sam kann noch mehr, zuletzt war ich viel auf für Enduro-Bikes untypischen Strecken unterwegs. Auf den als hart eingestuften Downhill-Abfahrten Bozi Dar in Tschechien, im Brandnertal in Österreich sowie auf den deutschen DH-Strecken von Schöneck und Oberammergau biss sich das Sam (fast) mit Bravour durch. Wären da nicht die weichen Laufräder der Eigenmarke Concept, die ich regelmäßig nachzentrieren musste. Klar, der Einsatz auf Downhill-Kursen ist hart – aber Enduro-Rennen sind es nun mal auch, und dafür ist das Sam ja geschaffen. 1500 km hab ich mittlerweile auf dem Sam abgespult, einziges Austauschteil waren bisher die Bremsbeläge, die ich bei 900 km wechseln musste.

Foto: Jens Kraft

Jens Kraft, Testfahrer: „Handling, Fahrwerk, Optik – das Sam C ist in jeder Hinsicht eine geile Maschine.“

Zwischenbericht: 07 2017 (713 km)

Schnell und stabil: Mit dem Sam hat sich Focus in der ersten Enduro-Liga etabliert.

Ich sag’s mal direkt: eine absolut geile Maschine! Das Focus-Enduro sieht richtig cool aus, es passt mir perfekt, ich fühle mich seit den ersten Metern pudelwohl. Das Sam liegt satt mit seinem 66°-Lenkwinkel auf dem Trail, ist aber trotzdem agil. Auch das 160-mm-Fahrwerk gefällt mir: super sensibel mit genügend Reserven. Obwohl das Bike mit 13,2 Kilo nicht auffällig leicht ist, nutze ich es auch zum Pendeln. Potenzial zum Tuning würde der leichte Carbon-Rahmen eh noch bieten, bis dato habe ich nur die Griffe getauscht. Wobei: Die Shimano-Deore-Bremsen müssten eigentlich runter, die ist an einem solchen Vollgas-Enduro einfach unterdimensioniert. Defekte? Bei Kilometerstand 120 riss die Kette – das war’s aber auch schon.

07.01.2017