Mountainbikes im Test

Dauertest: Felt Decree 2 (Modelljahr 2016)

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Felt Decree 2
Praxis hui, Labor (kleines) pfui. Über 3000 Kilometer hinweg erwies sich das Felt Decree 2 als spaßiger, ausgewogener und solider All-Mountain-Begleiter. Der Abschluss-Check förderte dann aber Schwächen bei der Lagerung und teils hohen Verschleiß zutage.

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Hinterbaulager im Bereich Wippe rau laufend, im Bereich Hauptlager linksseitig defekt, rechtsseitig hakelig laufend
  • Parts gemessen am Preis weniger hochwertig
  • Teils sehr hohe Abnutzung der Shimano-XTAntriebs-/Schaltgruppe
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„Das Felt Decree 2 ist sehr sportlich, aber trotzdem spaßig und schnell auf dem Trail. Für mich ein perfektes, modernes All-Mountain.“ Okay, das Praxis-Fazit unseres Testredakteurs Christian Zimek liest sich schon einmal vorzüglich. Über 3000 km hat Christian dann auch mit dem Felt Decree 2 gesammelt, die meisten davon beim täglichen Gelände- und Pendelspaß rund um Stuttgart.

Aber auch für knackige Trail-Hatzen im Harz oder für die Teilnahme beim Marathonrennen in Neustadt musste das Felt Decree 2 herhalten. Enttäuscht hat es Christian dabei nie: „Die Geometrie mit eher flachem Lenkwinkel (66°), aber dennoch nicht zu langem vorderen Rahmendreieck finde ich supergenial, das Felt Decree 2 blieb ruhig selbst auf heftigen Wegen, das Rock-Shox-Fahrwerk ließ es zudem sehr satt liegen.“

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Felt Decree 2 Hauptlager

Erfreulich groß dimensioniert, aber dennoch hinüber. Das stark verdreckte Hauptlager hat sich linksseitig komplett festgefressen, rechtsseitig (Bild) dreht es widerwillig.

Bergauf wusste das Felt Decree 2 dank der effizienten Hinterradfederung und der ausgewogenen Tretposition ebenso zu gefallen, auch wenn das Gesamtgewicht von 12,5 Kilo für ein All-Mountain dieser Preisklasse maximal Durchschnitt markiert – trotz des nur rund 2500 g (inkl. Federbein) leichten Carbon-Rahmens.

Einiges an Gewicht geht dabei zu Lasten der für den Preis nicht gerade fürstlichen Ausstattung etwa mit Shimano-Deore-Bremsen. Christian packte sogar noch ein paar Gramm drauf, da er zur Verbesserung der Ergonomie Griffe und Sattel von SQLab verbaute, zudem den ihm zu rutschigen Nobby-Nic-Vorderreifen gegen einen Schwalbe Magic Mary (Christian: „Marke Klebstoff“) tauschte.

Parts-Wechsel wegen Verschleiß oder aufgrund von Defekten waren dafür bis auf einen Bremsbelagstausch nicht nötig. Überhaupt brauste das Felt Decree 2 tagein, tagaus erfreulich unkapriziös, frei von Zicken und Problemen durchs Unterholz. Den ab km 2400 etwas lauten Freilauf der DT-Swiss-Naben beruhigte Christian mit neuem Fett, das Quietschen des Shimano-XT-Schaltwerks war durch eine Reinigung beseitigt.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Felt Decree 2 Hauptlager Shimano-Kurbel

Das Finish hochwertiger Shimano-Kurbeln gilt normalerweise als sehr gut. Der Dauereinsatz bei Matsch und Dreck hinterließ auf den Alu-Armen aber dennoch hässliche Spuren.

Nicht ganz so positiv liest sich das Dauertesturteil unseres Laborchefs Haider Knall. In Sachen Antrieb/Schaltung monierte Haider die verschlissene Kette (angesichts der Laufleistung okay), das spürbare Spiel des Schaltwerks-Parallelogramms, die extrem verdreckte Kassette sowie die stark verkratzte Shimano-XT-Kurbel. Immerhin: Das meiste davon ist mehr die Schuld von Pflege-Muffel Christian, weniger auf Materialfehler zurückzuführen.

Als Problemzone entpuppte sich die Lagerung des Hinterbaus: „Die Lager im Bereich der Wippe waren mit hochfester Loctite-Schraubensicherung buchstäblich festgeklebt – nicht gut. Zudem laufen sie rau. Das Hauptlager ist total verdreckt, rechts hakelt es leicht, links ist es völlig hinüber“, so Experte Haider.

Die Federgabel Pike sowie das Federbein Monarch Plus stehen dafür zwar dreckig, aber technisch einwandfrei da. Angesichts der Laufleistung von über 3000 km wäre ein kleiner Service dennoch ratsam. Den benötigt auch die Rock-Shox-Vario-Sattelstütze, deren Hydraulikleitung vermutlich Luft gezogen hat – der Sattel senkt sich im belasteten Zustand um 5 mm ab. Dasselbe betrifft auch die Shimano-Deore-Bremse: Beide Hebel lassen sich fast bis zum Lenker durchziehen, auch hier müssten die Leitungen dringend entlüftet werden.

Bar jeder Kritik hingegen: FSA-Steuersatz, Innenlager sowie die Naben der DTSwiss-M1900-Laufräder.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Felt Decree 2 Dauertest Christian Ziemek

Im Dauertest: Felt Decree 2

Felt Decree 2: Getestet von Christian Zimek

  • Preis des Bikes: 4250 Euro
  • Testumfang: 2957 km / 51123 Hm
  • Alter/Beruf: 40 Jahre, Redakteur MOUNTAINBIKE
  • Größe, Gewicht: 1,70 m, 75 kg
  • Bevorzugte MTB-Kategorie: All-Mountain
  • Fahrstil: angepasst ans Gelände, kontrolliert
Foto: Benjamin Hahn

Christian Zimek, Redakteur: „Gut die Hälfte des Dauertests ist rum, das Felt fährt noch immer klaglos.“

Zwischenbericht: 08 2016 (1452 km)

Vielfahrer Christian hat bis dato die meisten Kilometer gesammelt. Und mit ihm das bislang tadellose Felt-All-Mountain.

Fast 1500 km, über 30 000 Höhen- und Tiefenmeter – mein Felt und ich sind inzwischen ganz schön rumgekommen, haben uns etwa eine Woche lang quer durch den Harz gerüttelt. Generell nutze ich das 150/140-mm-All- Mountain (27,5") aber vorwiegend zum Pendeln in die Redaktion. Und zu Trail-Rides rund um Stuttgart. Typischer MTB-Alltag eben. Im Stich gelassen hat mich das Decree dabei noch nicht. Der Carbon-Rahmen selber gibt mitsamt seiner dreigelenkigen Hinterradfederung keine verdächtigen Geräusche von sich, die Rock-Shox-Federelemente arbeiten klaglos, die DT-Swiss-Laufräder (M1900 Spline) laufen rund. Jedoch wird der Freilauf lauter – ein Zeichen, dass die Naben neues Fett brauchen, sagt DT. Zudem quietscht das ansonsten sauber schaltende Shimano-XT- Schaltwerk. Anscheinend ist Dreck in den Shadow-Plus-Mechanismus, also den Kettenstabilisator, geraten.

Foto: Benjamin Hahn

Christian Zimek, Redakteur: „Das eine Bike für alles – leichtfüßig, sensibel und doch hart im Nehmen.“

Zwischenbericht: 05 2016 (755 km)

Allrounder ohne Limit: Das leichte All-Mountain kämpft sich durch jedes Gelände – auf ausgedehnten Touren und harten Enduro-Rides.

Vollgas bergab oder ewig lang bergauf? Mit dem Felt Decree 2 kann ich wirklich alle Facetten des Bikens von Tour bis Enduro genießen. Die Zutaten für ein so vielseitiges Bike sind 27,5"-Laufräder, ein mit 12,3 Kilo tourenfreundlich geringes Gewicht sowie das aktiv ansprechende Fahrwerk mit 150 mm Federweg an der Front und 140 mm am Heck. Dort verbaut Felt ein Monarch- Plus-Federbein von Rock Shox mit Ausgleichsbehälter, was für hohe Schluckfreude sorgt. Glühender Fan der frontseitig verbauten, hochsensiblen Rock Shox Pike RC bin ich ohnehin. Von ihrem Racefully Edict adaptiert, verzichten die Amis am Hinterbau des Decree auf ein Gelenk in Ketten- oder Sitzstrebe, setzen (den Fahrer) stattdessen auf eine flexende Carbon-Sitzstrebe. Das spart Gewicht, defektanfällige Lagerpunkte und erhöht die Steifigkeit. Wie sich überhaupt das Felt sehr direkt, sehr sportlich, sehr agil anfühlt.

Seit Dezember 2015 habe ich mich mit dem Carbon-Bike durch reichlich Schnee, Eis, Matsch und Regen gekämpft und dabei über 700 km abgespult. Probleme traten bis dahin trotz des unfreundlichen Spätwinters keine auf, auch Verdienst der robust-sorglosen Ausstattung mit Shimano-XT-Antrieb/Schaltung (2 x 11) und DT-Swiss-Laufrädern. Die Shimano-Deore-Bremsen passen zwar nicht recht zur sonstigen Ausstattungsgüte (und zum Preis ...), verrichten ihren Dienst bislang jedoch zuverlässig. Viel getauscht habe ich an den Parts noch nicht. Die Nobby Nics von Schwalbe wichen einer Kombi aus frontseitig Michelin Wild Rock‘r 2 und leichter rollendem Wild Grip‘r am Heck. Darüber hinaus habe ich nur Sattel und Griffe durch meine jeweiligen Lieblings-Parts ersetzt.

07.01.2017