Mountainbikes im Test

Dauertest: Bergamont Encore Team (Modelljahr 2016)

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Bergamont Encore Team
Das Bergamont Encore Team verbrachte eine harte Zeit bei uns. Tester Dennis Rein hat es kaum geschont, entsprechend hoch war der Verschleiß. Unter dem Strich überstand das Bergamont Encore Team die Belastung aber gut, lediglich die Laufräder hauchten zu früh die Lebensgeister aus.

Bewertung

Was uns gefällt

Was uns nicht gefällt

  • Sun-Ringlé-Laufräder mit diversen Problemen: anfällig für Dellen, lösende Speichen
  • Interne Zugführung klapprig, zudem zu scharfkantige Eingänge
  • Spiel am Parallelogramm des Sram-X01-Schaltwerks
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„Touren mit Schwerpunkt auf Enduro, aber auch oft unterwegs auf angelegten Strecken und im Bikepark“, so beschreibt unser Tester Dennis Rein sein Jahreswerk mit dem Bergamont Encore Team. Dabei führte es die zwei quer durch Westeuropa und zu diversen MTB-Hotspots: Teils mehrtägige Biketrips nach Morzine und Portes du Soleil (Frankreich), nach Livigno (Italien) oder nach Sölden (Österreich) standen im Fahrtenbuch.

Geschont wurde das Bergamont Encore Team von unserem Enduro- und Downhill-Experten wahrlich nicht. Angesichts der enormen Belastungen auf teils höchst anspruchsvollen DH-Strecken zählen die „nur“ rund 2000 Jahreskilometer quasi doppelt.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Bergamont Encore Team Hinterbaulager

Die großzügig dimensionierten Hinterbaulager überzeugen. Im Bereich Wippe/Sitzstrebe hat sich jedoch Dreck gesammelt, der Lauf ist eher rau – aber nicht stockend.

Die lange Verschleiß- und Defektliste verwundert daher kaum, sie geht ob des knallharten Einsatzes aber in Ordnung: verbogenes und später ersetztes Schaltauge, mehrfach gereinigter und nachgefetteter Steuersatz (Cane Creek), abgefahrene Maxxis-High-Roller-Reifen, verschlissene Griffe, abgenutzte Bremsbeläge.

Für mehr und steten Ärger sorgten jedoch die Sun-Ringlé-Charger-Laufräder: Bereits ab km 600 prägten einige tiefe Dellen die Alu-Felgen, ein starker Achter folgte, schließlich lösten sich immer wieder diverse Speichen. Auch mehrfaches Nachzentrieren blieb ohne dauerhaften Erfolg, sodass Dennis die Rundlinge bei km 1000 austauschen musste. Die Gabel wechselte er gleich mit: von der soliden, aber nicht überragenden Manitou Mattoc Pro auf die famose Fox 36 Float.

Mit diesen Upgrades bewies sich das Bergamont Encore Team schlussendlich als das, was es ist: ein bockstarkes, bergablastiges, dennoch vielseitiges, mit 13,7 Kilo nicht zu schweres Enduro. „Die Geometrie ist perfekt geschnitten für den modernen, rennorientierten Enduro-Einsatz. Der sehr lange Reach stellt auch große Fahrer wie mich ideal ins Rad, der flache Lenkwinkel (65°) sorgt selbst bei Highspeed-Geballer für wunderbare Laufruhe, der Hinterbau arbeitet schluckfreudig, ohne durch den Hub zu rauschen“, so Dennis.

So nervte am Ende vor allem ein vermeidbares Detail: die im Rahmeninneren verlegten, dort klappernden, zudem schwergängigen Schaltzüge. Kritik, die unser Werkstattleiter Haider Knall bei der den Dauertest 2016 abschließenden Generaluntersuchung bestätigte: „Die Eingänge für Schalt- und Bremsleitung sind zu scharfkantig, führen zu Knickbelastungen.“

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Bergamont Encore Team innen verlegte Züge

Nervig: Die im Inneren des Rahmens verlaufenden Züge klappern, zudem ist der Eingang zu scharfkantig. In Folge der Knickbelastung verlangen Gangwechsel hohe Fingerkraft.

Generell jedoch stellt Haider dem strapazierten Bergamont Encore Team ein erstaunlich ordentliches Zeugnis aus. So hat der robuste Alu-Rahmen nur wenige Kratzer abbekommen, die meisten der großzügig dimensionierten Lager zeigen sich in gutem Zustand. Lediglich die stärker verdreckten Lager im Bereich Wippe/Sitzstreben laufen etwas rau, hakeln aber nicht.

Tadellos präsentiert sich das Rock-Shox-Federbein, ebenso die (wie angesprochen nachgerüstete) Fox-Federgabel. Auch der Sram-1 x 11-Antrieb wäre in Sachen Ketten- und Kassetten-Verschleiß noch für einige hundert Kilometer gut, obgleich das X01-Schaltwerk leichtes Spiel aufweist, das Shimano(!)-Pressfit-Innenlager eher zäh rotiert und das E‘thirteen-Kettenblatt minimal verbogen ist.

Sehr gut: Sowohl die Vario-Sattelstütze vom Typ Rock Shox Reverb Stealth wie die Sram-Guide-Bremse (von der sich Dennis in der Praxis aber mehr Power gewünscht hätte) haben den Dauerstress schadlos überstanden.

Foto: Benjamin Hahn MOUNTAINBIKE Bergamont Encore Team Dauertest Dennis Rein

Im Dauertest: Bergamont Encore Team

Bergamont Encore Team: Getestet von Dennis Rein

  • Preis des Bikes: 4499 Euro
  • Testumfang: 2081 km / 62385 Hm
  • Alter/Beruf des Testers: 25 Jahre, Student und MOUNTAINBIKE-Tester
  • Größe, Gewicht: 1,92 m, 84 kg
  • Bevorzugte MTB-Kategorie: Enduro und Downhill
  • Fahrstil: aktiv, schnell, dynamisch
Foto: Ben Wiesenfarth

Dennis Rein, Testfahrer: „Abgesehen vom hohen, aber normalen Verschleiß ist das Encore ein Traum-Enduro. Speziell nach Tausch der Federgabel.“

Zwischenbericht: 12 2016 (1756 km)

Kein Pardon! Unser Testfahrer Dennis nimmt das 160-mm-Enduro aus Hamburg entsprechend hart ran – mit Folgen für die Anbauteile.

Einiges hat mein Bergamont-Enduro inzwischen gesehen: Morzine und Portes du Soleil in Frankreich, Livigno in Italien, Sölden in Österreich, diverse Bikeparks und „Hardcore-Trails“ im Schönbuch und auf der Schwäbischen Alb. Geschont habe ich das 160-mm-Fully dabei keine Sekunde, die aktuell 1750 km zählen wohl doppelt und dreifach ... Dementsprechend hoch ist der Verschleiß: Hinterreifen abgefahren und erneuert, Bremsbeläge dito, untere Steuersatzschale getauscht, weil Dichtung defekt, verbogenes Schaltauge gewechselt. Auch die Sun-Ringlé-Laufräder flogen raus: Nach circa 1200 km lösten sich ständig Speichen, mehrfaches Nachzentrieren blieb ohne Erfolg. Schlussendlich habe ich die im Original verbaute Manitou-Federgabel gegen eine Fox 36 getauscht – mit enormem Performance-Gewinn. Zusammen mit dem exzellenten Handling und dem potenten Hinterbau nun ein absolutes Spaß- und Ballerbike!

Zwischenbericht: 08 2016 (767 km)

Was ein Enduro-Hammer! Mit dem neuen Encore begeistert Bergamont vor allem versierte Biker – wie unseren Flugakrobaten Dennis.

Schon beim ersten Aufsatteln war mir klar: Dieses Bike liebt es hart. Und braucht’s hart. Das Encore ist kein Rad für Enduro-Frischlinge, spricht eher Rennfahrer oder zumindest versierte Biker an, die erst ab „Mach5“ ihren Puls spüren. Dafür spricht vor allem die angesagt lange Geometrie. So steht der Lenkwinkel bei sehr flachen 65°, der Reach (465 mm) des Größe-L-Bikes ist wie der Radstand (1225 mm) extrem üppig. Je schneller und je ruppiger es bergab geht, desto sicherer und laufruhiger liegt das Encore – geil!

Wer nicht an so ein Langschiff gewöhnt ist, wird aber bei Kurvenwechseln zunächst etwas Agilität vermissen. Selbst im Bikepark fühle ich mich mit dem 160/165-mm-Fully gut aufgehoben, schnell zieht es durch Anlieger und über Doubles, erst bei großen Gaps fehlen die Reserven eines Big Bikes. Im Gegensatz zu einem echten Brummer lässt sich das Encore aber noch sehr gut bergauf pedalieren, der ansonsten schluckfreudige Hinterbau bleibt recht wipparm.

Hier stört mich eher das Gewicht: Ein halbes Kilo weniger würde es deutlich leichtfüßiger machen. Der harte Einsatz hat auch erste Spuren hinterlassen. Das Sunringlé- Hinterrad zeigt Dellen und einen leichten Achter, der Steuersatz rüttelt sich häufig los, ebenso die Befestigung des Sram-X01-Schaltwerks. Auch der Bremshebel weist Spiel auf, generell könnte die Sram-Guide-RS-Bremse für meinen Geschmack bissiger sein – schon im Vorjahr kam ich im Dauertest mit den US-Stoppern einfach nicht klar. Absolut problemlos bis dahin: der solide Alu-Rahmen mitsamt Rock- Shox-Federbein.

Zwischenbericht: 05 2016 (252 km)

Flach-lange Geometrie, progressives Fahrwerk: Das Encore ist ein Enduro-Geschoss!

Ultraflacher Lenkwinkel (65°), tiefes Tretlager, sehr langer Reach (465 mm, Größe L) – das Encore im knalligen Team-Lack ist ein hypermodernes Enduro genau nach meinem Geschmack. Dank des langen Hauptrahmens passt es mir in Größe L trotz meiner Länge von 190 cm ideal, vom ersten Meter an bin ich vom extrem laufruhigen, aber nicht zu trägem Handling schwer begeistert – perfekt für Highspeed-Geballer. Zudem macht das 160/165-mm-Fahrwerk einen potenten Eindruck. An der Mattoc-Pro-Federgabel lässt sich sogar die Endprogression einstellen, sie verrichtet bis dato einen unauffällig-guten Job. Auch das mehrgelenkige Heck spricht aktiv und schluckfreudig an, ohne zu weich zu sein. Im Gegenteil, wie die Geometrie passt die Hinterradfederung ideal zu meinem eher harten, progressiven Fahrstil. Defekte im Dauertest? Noch keine, was angesichts der wenigen Kilometer aber ja auch normal ist.

01.11.2016