Antriebspflege mit dem Scott-SRAM-Chefmechaniker

Werkstatt: Antriebspflege mit Profimechaniker Yanick the Mechanic

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Foto: Dennis Stratmann

Kette säubern:

Mit einem Mikrofasertuch reinigt Yanick die Kette. Von Entfettern rät der Profi ab, weil sie Schmier- mittel gänzlich von der Kette spülen.

Schmieren:

Für diesen Schritt schaltet Yanick auf das größte Ritzel. Bei 1-fach- Schaltungen ist der Kettenschräglauf hier am größten. So kann er Öl von oben Tropfen für Tropfen gezielt in die nun geöffneten Kettenlaschen geben. Nun die Kurbel schnell rückwärts drehen – die Fliehkräfte beseitigen überschüssiges Öl. Schmiermittel über Nacht einziehen lassen. Fertig!

Ausbau:

Kleinstes Ritzel auflegen. Bei Sram-Schaltwerken nun den Käfig nach vorne drücken und arretieren (Schloss-Symbol). Das obere Zahnrad mit 3-mm-Inbus lösen.

Käfig demontieren:

Nun das untere Pulley vorsichtig losschrauben, womit Sie gleichzeitig einen Teil des Schaltwerkskäfig lösen. Beide Teile vorsichtig demontieren.

Ordnung halten:

Sortieren Sie Schrauben und Distanzplatten nach Pulley und der Position (vorne/hinten). Die Position ist eingraviert (upper/lower).

Käfig säubern:

Säubern Sie den Käfig des Schaltwerks gründlich.

Pulley reinigen:

Die verschmutzten Schaltröllchen reinigen und Dreckrückstände ggf. abkratzen.

Dichtung öffnen:

Dieser Schritt ist für Profis, weil das Bauteil sehr sensibel ist. Wer es sich nicht zutraut, springt direkt zu Schritt 11. Yanick löst die Dichtung des Kugellagers vorsichtig mit dem Cuttermesser ab.

Lager ausspülen:

Jetzt Lagerreiniger direkt in das Lager sprühen und kurz einwirken lassen.

Lager spülen:

Yanick „schießt“ den Dreck per Druckluft aus dem Lager.

Lager spülen:

Alternativ mit Stofftuch vorsichtig auswischen, ohne die Kugeln aus dem Lager zu drücken.

Lager fetten:

Mit einer Spritze geben Sie das Fett zwischen die Kugeln ins Lager. Yanick verwendet Keramikfett.

Bauteile zuordnen:

Der Distanzring mit dickerer Lippe gehört an die Vorderseite. Upper = oberer Pulley, lower = unterer Pulley.

Montage:

Setzen Sie den oberen Pulley samt zugehöriger Distanzplatten wieder ein. Hinzu kommt der hintere Teil des Schaltkäfigs. Beachten Sie die Laufrichtung der Schaltröllchen, antriebsseitig muss die Beschriftung lesbar sein.

Kette einfädeln:

Achten Sie vor dem Einbau auf den korrekten Kettenlauf. Oben muss die Kette über die Umlenkrolle Richtung Kettenstrebe laufen (siehe Bild).

Schrauben anziehen:

Mit vorgegebenem Anzugsmoment von 3 Nm festziehen. Yanick sichert die Schrauben zusätzlich mit Locktite.

Kette:

Lebensdauer ca. 1500 km Das schwächste Glied des Antriebsstrangs ist die Kette. Sie besteht aus Außen- und Innenlaschen, Bolzen mit Rollen darauf halten das Ganze zusammen. Die Lebensdauer einer Kette hängt von Pflege, Schaltverhalten und Zustand von Kassette und Kettenblättern ab. Unter Normalbedingungen hält eine Kette auf neuen Antriebskomponenten rund 1500 km, bei 1-fach-Antrieben à la Sram Eagle teils deutlich länger. Der Verschleiß ist an der Kettenlängung sichtbar. Diese wird mit speziellen Tools (ab etwa 10 Euro) ermittelt, die den Abstand zweier Glieder über eine definierte Länge messen. Ab einer Längung von 0,075 mm ist bei Kassettenritzeln aus Alu ein Tausch ratsam. Bei Stahlritzeln ab 0,1 mm. Möglich, aber ungenauer ist die Messung per Lineal: Im Neuzustand beträgt der Abstand von zwölf Bolzen an deren Mittelpunkt 14 cm. Ab einer Längung von einem Prozent ist ein Tausch ratsam.

Kassette:

Lebensdauer ca. 5000 km Stahl an beanspruchten, Titan und Alu an weniger „gestressten“ Ritzeln: Die Werkstoffe von Kassettenritzeln werden für möglichst gleichmäßige Abnutzung oft gezielt eingesetzt. Der höchste Verschleiß entsteht durch die unvermeidbare Kettenlängung: Der größere Abstand der Bolzen und Rollen bei einer gelängten und verschlissenen Kette bewirkt, dass diese nicht mehr passgenau in die Zahnprofile des Ritzels greift und die Zahntäler breitgeschliffen werden. Schalten unter Last erzeugt Grate. Daher: regelmäßig auf Abnutzung kontrollieren.

Kettenblätter:

Lebensdauer ca. 5000 km Die großen Kettenblätter an hochwertigen Bikes und Kurbeln sind oft aus Aluminium gefertigt. Ein weiches Metall, das Gewicht spart, aber auch anfällig für Verschleiß ist. Regulärer Verschleiß entsteht ebenfalls durch die Längung der Kette. Beim Kettenblatt wird dies durch spitz geschliffene, asymmetrische „Haifischzähne“ sichtbar. Auch der Kontakt mit Felsbrocken beschädigt die Zähne und verschlechtert die Schaltfunktion. Im schlimmsten Fall ist auch ein Brechen oder Verbiegen des Kettenblatts etwa bei Kettenklemmern möglich. Das kleine Kettenblatt bei 2-fach- Kurbeln besteht oft aus widerstandsfähigerem Stahl.
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