Tuning-Tipps der MTB-Weltcup-Stars

So machen Sie Ihr Bike noch schneller

Nino Schurter, Ralph Näf und Manuel Fumic: Die vier schnellsten Racer der Welt verraten für MountainBIKE ihre besten Tuning-Tipps.
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Uli Fahl und Xzibit sind entgegen der Wahrnehmung Brüder, zumindest im Geiste: Der Leichtbau-Papst von Tune und das Gangsterrap-Schwergewicht von MTV kamen beide mit göttlichen Missionen auf die Welt. Der eine, Fahl aus Südbaden, predigt schnörkellose, drahtige Geschosse. Seine Lustobjekte: Zweiräder, Marke Muskelantrieb. Fahls Glaube ans „Nullgewicht“: unerschütterlich.

Der andere, Xzibit aus South Central/Los Angeles, betet in der TV-Show „Pimp my Ride“ zwar das Gegenteil an, nämlich runde Kurven und protzige Schlitten mit massig Horsepower. Seine Bibel hat einen Chromüber­zug. Beiden aber gemein: die Besessenheit ultimativen Tunens. Untersätze besser, geiler machen. Tuning als Religion – welcher Biker würde das nicht unterschreiben?

Die vier als Mechaniker getarnten Blaumänner sind in der Bike-Szene einschlägig bekannte Tuning-Fetischisten: Nino Schurter, zweifacher U23- und 2009 auch Elite-Weltmeister. Sein Bike: ein acht Kilo leichtes Scott Scale. Der Schweizer glaubt an sich selbst, speziell aber an Schlauchreifen. Tuning am Bike? „Kaum noch Potenzial.“ Manuel Fumic, U23-Weltmeister und Deutscher Meister: Sein Cannondale Flash ist nicht nur MB-Testsieger, sondern mit 7,7 Kilo auch rekordverdächtig leicht.

Ralph Näf, Welt- und Europameister: Sein Merida 96 wiegt 8,5 Kilo, das leichteste Fully im Weltcup. Tuning ist für Näf mehr als eine Glaubensfrage. Kommt irgendeiner mit ein paar Gramm weniger, „schläft der Näf nachts schon mal unruhig“, scherzen seine Mechaniker. Schließlich Julien Absalon, Doppel-Olympiasieger und mehrfacher Weltmeister. Bekannt dafür, ein „schwereres“ Bike zu fahren und doch regelmäßig allen den Schneid abzukaufen.

Sein 8,4 Kilo leichtes Orbea Alma ist Stangenware, seine Philosophie französisch leger auslegbar: „Bei mir zählt Effizienz. Mit ein paar Gramm mehr kann ich leben, wenn mir diese Sicherheit garantieren.“

Den Benchmark unter den Racern im Weltcup setzt Fumics Teamkollege Marco Aurelio Fontana – dessen Flash wiegt 7,4 Kilo – mit Srams XX („einfach“ montiert), Furios-Fred-Reifen von Schwalbe und „Ultimate“-Carbon-Laufrädern von Mavic.

Damit sind die Mountainbiker noch 600 Gramm vom Mindestgewicht der Rennrad-Pros entfernt: 6,8 Kilo müssen die Renner von Armstrong, Evans, Contador und Co. bei Tour de France, Giro d‘Italia, Vuelta etc. auf die Waage bringen.

Für Menschen wie Uli Fahl, den Godfather of Tuning himself, muss ein Mindestgewicht, so wie es den Freunden der Straßenfraktion auferlegt ist, ein Gräuel sein. 1990, zu Zeiten von Fahls Anfängen, ging es darum, die 13-Kilo-Marke zu knacken. Heute, 20 Jahre später, feilschen Profis an Bikes, die nur noch die Hälfte wiegen. Cannondales Flash etwa haben Fahls Tuner schon mal auf unter sechs Kilo abgespeckt – angeblich mit vertretbaren Steifigkeitswerten. Doch wann kommt das Mindestgewicht für Wettkampf-Mountainbikes?

Klar ist: Racer werden wohl kaum langsamer, Material und Trainingsmethoden vielmehr immer besser. Ergo: Athleten immer schneller. Und die Kurse im Weltcup: immer spektakulärer, immer rasanter. Und immer gefährlicher.

Meterhohen Drops – wie etwa 2009 bei der WM in Australien – halten die federleichten Carbon-Boliden kaum mehr stand. Und so stellt sich die Frage: Wohin soll es mit dem Leichtbau noch gehen? „Die Faszination, zu beweisen, was technisch möglich ist, wird immer da sein“, beschwört Fahl. „Sicher gibt es auch im Rahmenbau noch Tuning-Potenzial. Vor allem aber bei Laufrädern kann man viel Gewicht sparen.“

Rotierende Massen sind leistungslimitierend – je weniger in Schwung gesetzt werden muss, desto weniger Kraftaufwand ist nötig. Doch nicht nur hier scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Komponentenhersteller wie Sram und Shimano zeigen, dass auch bei Parts noch sehr viel Spar-Potenzial steckt.

Srams Komplettgruppe XX wiegt gerade mal noch schlappe 2279 Gramm, wohlgemerkt: inklusive Bremsen. Kontrahent Shimano pimpt mit der 2011er XTR sein Flaggschiff ebenfalls um ein Ritzel – und macht den Gewichtsrückstand im Vergleich angeblich wieder wett.

Der zwanghafte Drang zu „leichter, besser, schöner“ ist die eine Seite. Racer und Tuning-Freaks schreien stets nach leichteren, effizienteren Gefährten. Und die hörige als auch willfährige Industrie folgt dem Schrei nur allzu gern. Das gehört zur Faszination Mountainbiken.

Andererseits gibt es den Placebo-Effekt: Wer bei 100 Kilo Systemgewicht zehn Gramm sparen will, muss vor allem eines haben: einen starken Glauben. Besser sollte er aber erst woanders anfangen, etwa beim eigenen Körpergewicht. Profi Fumic bringt es auf den Punkt: „Gutes Training und ein Mehr an Gewicht (am Rad) ist manchmal das bessere, sicherere Tuning.“ Mit Fahl ist Fumic von Sports wegen bereits Bruder im Geiste. Mit Gangsterrapper Xzibit würde er sich auch bestens verstehen.

26.05.2010
Autor: Jochen Haar
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2010