Trainieren oder abnehmen

Leichter geht’s leichter. Bergauf zählt jedes Gramm. Aber wann geht Abnehmen an die Substanz?

Jan Ullrich – da sind sich viele Experten einig – hätte schon lange ein zweites Mal die Tour de France gewonnen, wenn er sein Gewicht aus jungen Jahren wieder erreichen könnte. Seine Konkurrenten aber waren in den letzten Jahren leichter und nahmen dem Radsportliebling der Deutschen am Berg immer wieder wertvolle Zeit ab. Doch Ulle ist nicht alleine. Fast alle schweren Biker, vor allem die mit Gewichtsproblemen, haben solche Erfahrungen auch schon gemacht. Spätestens wenn der Hänfling von Bike-Kumpel leichtfüßig vorbeizieht, schwört sich jeder, endlich abzunehmen.
Aber macht Abnehmen schneller? „Extreme Diäten schwächen den Körper und gehen an die Substanz“, warnt Robert Lechner von der European Bike Academy. Wer meint, er würde schneller, wenn er drei Tage nur Wasser trinkt, täuscht sich gewaltig und wird trotz Gewichtsverlust am nächsten Anstieg höchstwahrscheinlich noch weiter abgehängt.
Unnötiges Gewicht aber – das ist unstrittig – macht beim Biken langsam. Und viele Biker tragen trotz regelmäßigen Trainings zu viele Pfunde mit sich rum. „Wer trainiert“, sagt Lechner, „nimmt automatisch ab.“ Falls aber trotzdem zu viel Speck auf den Hüften bleibt, hilft nur eines: die Essgewohnheiten in Frage zu stellen.
Eine ausgewogene Ernährung ist nahezu ebenso wichtig wie das Training selbst. Die Top-3-Tipps von Robert Lechner: hochwertige Fette statt Schnitzel mit Pommes, Obst statt Süßigkeiten und Mineralwasser anstatt Bier und Saft.
Sinnvoll kombiniert mit gezieltem Training, das den Fettstoffwechsel optimiert (siehe Hotline, S. 26), schafft es jeder Biker spielend, sein Idealgewicht zu erreichen. Achten Sie aber trotzdem darauf, nach dem Training Ihrem Körper wieder Energie zuzuführen, sonst drohen Mangelerscheinungen. Nur: Halten Sie dabei Maß und schauen Sie, dass Sie weniger Energie aufnehmen, als Sie am Tag verbrennen.
Von überflüssigen Pfunden können Sie sich trotzdem richtig schnell trennen, wenn Sie etwa kurz vor Ihrem ersten Marathon noch zu viel auf den Rippen haben. „Vermeiden Sie möglichst alle Kohlenhydrate mit hoher glykämischer Last“, rät Lechner. Ist die glykämische Last gering, wird der Blutzuckerspiegel nur wenig beeinflusst – mit positiven Auswirkungen auf Ihre Abspeck-Pläne.
Lebensmittel mit hoher glykämischer Last sind deshalb tabu. Dazu gehören Kartoffeln, weiße Nudeln, polierter Reis oder Weißbrot. Erlaubt sind Beeren, Haferflocken, Naturreis, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Kombiniert mit hochwertigem Eiweiß, ungesättigten Fettsäuren und dem richtigen Training kommt Ihre Fettverbrennung auf Hochtouren. Wampe ade!

22.04.2006
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2006