Das sind die Geheimtipps vom Olympiasieger

Trainieren mit den Profis: Nino Schurter

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Foto: Jochen Haar

Cool bleiben und Erfolge feiern

Ob ein intensives Short-Track-Race, ein Worldcup oder lange Etappen-Rennen wie das Cape Epic: Die Anforderungen an Nino Schurter sind sehr verschieden, aber seine Rennvorbereitung bleibt eine bewährte Mischung. Gewohnte Rituale und eine Portion Flexibilität erlauben ihm, auf Unerwartetes zu reagieren, ohne die Balance zu verlieren. Vor dem Start versucht der Weltmeister, den Rummel um seine Person niedrig zu halten: Dafür ist nach dem Rennen Zeit. Wie er die letzten Stunden vor dem Rennen verbringt, verrät er hier.

Nino Schurters Ernährungstipps für Rennfahrer

Tipp 1 „Um für ein 90-minütiges Cross-Country-Rennen gut vorbereitet zu sein, lege ich Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dies ist gar nicht so spezifsch, wie manche vielleicht denken. Die Qualität der Nahrungsmittel ist aber etwas, worauf ich großen Wert lege. Bei Etappenrennen wie dem Cape Epic ist es enorm wichtig, Kohlenhydrate und Eiweiß in kleineren, regelmäßigen Portionen zu sich zu nehmen.“

Nino Schurters Ernährungstipps für Rennfahrer

Tipp 2 „Zum Frühstück gibt es Müsli, Joghurt und Früchte, drei Stunden vor dem Rennen weißen Reis mit gutem Olivenöl. Einem Espresso aus unserer tollen Team-Maschine bin ich nicht abgeneigt. Nach dem Rennen esse ich ein Stück Fleisch oder Fisch, etwas Proteinhaltiges. Genauso esse ich vor dem Shorttrack, aber danach ist es wichtiger, schnell an einen Regenerationsshake zu kommen: Die Regenerationszeit ist kürzer.

Nino Schurters Ernährungstipps für Rennfahrer

Tipp 3 „Im Rennen selbst ist meine Hauptenergiequelle ein isotonisches Getränk, leicht mit Kohlenhydraten angereichert. Ein Energie-Gel nehme ich kurz vor Ende des Rennens zu mir, das hängt aber vom Verlauf des Rennens ab. Manchmal trinke ich in der vorletzten Runde noch einen Schluck Cola, um für die verbleibende Zeit an schnell verfügbaren Zucker zu kommen.“

Ninos Profi-Tipp

„Stay cool! Beim Streckencheck und der direkten Rennvorbereitung ist weniger of mehr: Ich versuche, erst möglichst kurz vor dem Start an die Startlinie zu gehen, um dem Rummel fernzubleiben, damit ich mich konzentrieren kann. Mit meinem Team und den gewohnten Leuten letzte Details zu klären macht mir nichts aus, aber ich brauche auch Ruhe, bevor es losgeht.“

Streckencheck

Offizielle Trainingszeiten und damit die Chance, den Kurs abzuchecken, haben die Profs vor den Weltcups meist am Donnerstag, Freitag und Samstag. Nino Schurter sieht man ab und zu auch mal mit Kamera beim Abfahren. Zu genau muss er allerdings nicht mehr hinsehen: „Wir sind ja oft bei denselben Rennen. Einige Runden am Freitag und Samstag reichen da für eine Inspektion aus. Am Morgen vor dem Rennen visualisiere ich die Strecke und gehe sie im Kopf durch.“ Und bei Kursen, die er schon seit Jahren fährt und kennt? „Da spielt mittlerweile die Routine!“, erklärt der amtierende Weltmeister.

Race-Set-up und -Material

„Meine Race-Einstellungen fahre ich auch im Training. Vor dem Rennen spreche ich mit meinem Mechaniker Yanick noch über das Suspension-Set-up, die Reifenwahl und den Reifendruck, den ich im Rennen fahre. Normalerweise steht die Wahl bereits am Tag vor dem Rennen, aber schlechtes Wetter wie bei Olympia in Rio oder in diesem Jahr beim Weltcup in Albstadt erschwert die Entscheidung. Mein Tipp: Bei wichtigen Rennen würde ich keine Experimente machen und auf Bewährtes und Bekanntes setzen.“

Bike-Set-up mit Yanick the Mechanic

Yanick Gyger, bekannt als „Yanick the Mechanic“, ist seit vielen Jahren der Mechaniker des Scott-Sram-RacingTeams. Damit sich Nino Schurter voll auf seine Performance konzentrieren kann, kümmert sich Yanick um das Bike. Nach der Reinigung werden zunächst die Laufräder untersucht: Laufen sie rund, sind die Lager in Ordnung? „Dann prüfe ich die Reifen auf Schnitte und Schäden an den Noppen und Seitenwänden.“ Auch die Bremsen werden genau unter die Lupe genommen: „Ich untersuche die Bremsbeläge und prüfe, ob genug Belag für das Rennen vorhanden ist. Dazu gehört auch, den Wetterbericht und die Bedingungen für das Rennen zu beachten.

Bike-Set-up mit Yanick the Mechanic

Ganz genau schaut Yanick Gyger auch jedes Glied der Kette an, 10 Minuten braucht er für diese Inspektion. Dann wird sie gefettet: „Das Wetter spielt eine Rolle: Wenn es feucht ist, verwende ich Feuchtfett, in trockenen Bedingungen Trockenfett oder Wachs.“

Bike-Set-up mit Yanick the Mechanic

Wenn auch der letzte Gang sauber schaltet, steht am Ende des Check-ups die Probefahrt: „Ich teste das Bike unter Last, eine Auffahrt und eine Abfahrt, um sicherzustellen, dass Bremsen, Schaltung, Dämpfung, Kette, Federung und Lenkung 100 Prozent funktionieren.“ Gemeinsam mit dem Fahrer stimmt Yanick Gyger den Reifen und den Reifendruck ab. Wie bei den Bremsbelägen wird auch dabei das Wetter in Betracht gezogen. Das kann 10 Minuten vor dem Start auch noch mal zu einer Planänderung führen.

Mentale Vorbereitung

„Vor einem Rennen versuche ich, meine innere Ruhe zu bewahren und nicht allzu viel Energie in die Anspannung zu verschwenden – denn diese ist sowieso da. Ich denke schon, dass Siege zu mindestens 50 Prozent im Kopf entschieden werden. Wenn es dann halt mal nicht so läuf wie geplant, ist es wichtig, sich mental nicht runterziehen zu lassen. Dann gilt es, das Beste aus der Situation zu machen. Mein Tipp: Lass dich nicht allzu stark unter Druck setzen und erhalte dir den Fun. It’s just a game!“

Renneinteilung und Taktik

Tipp 1 „Wenn ich bei einem Rennen an die Startlinie gehe, habe ich meistens einen groben Plan. Die Flexibilität ist aber entscheidend, denn meistens kommt es anders als geplant. Nach all den Jahren habe ich zum Glück die Erfahrung, meistens im Rennen unter Druck die richtigen Entscheidungen zu tre?en.“

Renneinteilung und Taktik

Tipp 2 „Der Start eines Rennens ist immer enorm wichtig. Beim Start allein kann man zwar kein Rennen gewinnen, aber verlieren. Ich starte zum Glück recht weit vorn, da ist das Risiko kleiner, dass etwas schie?äuf. Meine Empfehlung ist, schnell zu starten, den richtigen Flow zu fnden und optimistisch zu bleiben, gut ins Ziel zu kommen.“

Renneinteilung und Taktik

Tipp 3 „Siegen ist für mich nach wie vor der größte Ansporn, und es ist schön, wenn ich es schaffe. Am liebsten feiere ich Erfolge mit meiner Familie bei einer guten Flasche Wein oder mit dem Team. Niederlagen erlebe ich zwar nicht so of, sehe sie aber als Chance, beim nächsten Rennen das Geschehene vergessen zu machen.“
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