Fahrtechnik: Sieben Tipps für mehr Bike-Spaß

Sie können die Fotostrecke mit den Richtungspfeilen der Tastatur bedienen
←   →
Foto: Dennis Stratman Mountainbike-Fahrtechnik-Tipps für Einsteiger: Richtige Grundposition

Die richtige Grundposition

Egal ob bergab oder auf der Ebene, die Grundposition bringt Ihnen einen sicheren Stand und lässt Sie in Kurven sowie auf steinigem oder wurzligem Untergrund flink agieren. Stehen Sie entspannt. Verteilen Sie Ihr Gewicht auf die waagerecht gestellten Pedale, der Körperschwerpunkt sollte über dem Tretlager liegen, winkeln Sie die Arme leicht an und gehen Sie leicht in die Knie – jetzt sind Sie gewappnet für Stock und Stein. Die leicht gebeugten Arme und Beine schlucken Unebenheiten auf dem Trail locker weg und bieten Ihnen ein Plus an Federweg. Kurvenmanöver können Sie spielerisch einleiten, und obendrein geben Sie auch noch eine gute Figur ab. Tipp: Üben Sie die Grundposition auf einem Parkplatz oder in einem verkehrsberuhigten Bereich.

Die falsche Grundposition

Gehen Sie nicht zu tief in die Knie, das kostet unnötige Energie und macht Sie unflexibel.

Flexible Gelenke - richtig abfedern

Auf grobem Untergrund ist es wichtig, dass Sie aus der Grundposition in eine agile, aktive Fahrposition wechseln. Winkeln Sie Arme und Beine so weit an, dass Sie die Unebenheiten ausgleichen können. Auf dem Bild sehen Sie, wie MB-Fahrtechnik Experte Manfred Stromberg die Trail-Unebenheiten mit den Armen und Beinen abfedert. Sein Blick ist dabei vorausgerichtet, die Augen "scannen" den Untergrund. Arme und Beine sind auf die bevorstehende Situation vorbereitet und absorbieren Schläge, ähnlich wie Stoßdämpfer, mit gedämpften Ein- und Ausfederbewegungen. Bei richtiger Fahrweise bleibt der Oberkörper ruhig, während Arme und Beine die Arbeit verrichten. Tipp: Üben Sie den Bewegungsablauf in leichtem Gelände.

Flexible Gelenke - falsch abfedern

Überstreckte und verkrampfte Gliedmaßen sorgen für eine "holprige" und somit unsichere Fahrweise.

Bergab fahren - die richtige Position

Stellen Sie vor steilen Abfahrten Ihren Sattel tiefer. Wenn Sie in der Grundposition stehen, sollte sich der Sattel ungefähr auf Kniehöhe befinden. Luxus-Tipp: Mit einer absenkbaren Vario-Sattelstütze (z. B. Rock Shox Reverb, 322 Euro) können Sie den Sattel bequem vom Lenker aus verstellen. "Sobald Sie nicht mehr treten müssen, sollten Sie die Grundposition einnehmen", empfiehlt Fahrtechnik-Trainer Stromberg. Im Stehen federn Sie Schläge besser ab, Sie rea­gieren schneller und manövrieren das Bike spielerisch. So können Sie das Bike in Kurven oder bei plötzlich auftauchenden Hindernissen unter sich leicht schräg stellen und diese somit flüssig umfahren.

Bergab fahren - die falsche Position

Fahren Sie niemals im Sitzen bergab, da Sie Hindernissen und Bodenstößen sonst mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind! Vor steilen Abfahrten stellen Sie zudem den Sattel tiefer – ein hoher Sattel behindert die Bewegungsfreiheit enorm.

Die richtige Blickrichtung

Blicken Sie weit vor das Vorderrad. Schwieriges Gelände sollten Sie gründlich "scannen", um auf jegliche Gefahren vorbereitet zu sein. Verharren Sie niemals mit dem Blick auf einem Hindernis. Denn generell gilt: Sie fahren immer in die Richtung, in die Sie blicken. Tipp: Visieren Sie während der Kurvenfahrt das Kurvenende an, das macht Sie deutlich schneller.

Die falsche Blickrichtung

Durch einen "zu kurzsichtigen" Blick kann es zu Fahrfehlern kommen. Auf dem Bild ist gut zu erkennen: Der Blick ist zu nah vor das Rad gerichtet, die Bikerin steuert ihr Bike in die falsche Richtung. Kurven und Hindernisse können durch fehlende Weitsicht nicht frühzeitig erkannt werden, die Orientierung auf dem Trail fehlt.

Die richtige Haltung

Vor allem auf Abfahrten sollten Sie eine entspannte Position einnehmen und nicht verkrampfen. Passen Sie Ihre Gewichtsverlagerung der Geländeneigung an, das Körpergewicht sollte über der Tretlagermitte liegen. Jetzt meistern Sie Abfahrten kontrolliert, Brems- und Lenk- impulse können mit maximaler Kontrolle übertragen werden. Die Arme und Beine sind locker und reagieren auf Unebenheiten.

Die falsche Haltung

Viele Anfänger verlagern ihr Körpergewicht meist zu weit nach hinten. Die Folge: Der Schwerpunkt liegt auf dem Hinterrad, das Vorderrad verliert an Bodenhaftung und kann kaum Brems- und Lenkimpulse umsetzen. Zusätzlich sind die Arme so sehr gestreckt, dass schnelle Lenkbewegungen fast unmöglich sind. Senken Sie vor der Abfahrt Ihren Sattel ab, somit haben Sie genügend Beinfreiheit, um die Grundposition einzunehmen.

Richtig Bremsen

Motorradfahrer wissen seit der Fahrschule, dass die Vorderradbremse die meiste Bremsenergie aufbringt – wie am Mountainbike. Konzentrieren Sie sich deshalb vor allem auf das dosierte(!) Ziehen der Vorderrad-bremse, dann lassen sich selbst steile Schotterhalden sicher und kontrolliert hinunterfahren. Betätigen Sie die Hinterradbremse zusätzlich, aber nur so stark, dass der Reifen nicht blockiert. Tipp: Üben Sie die richtige Dosierung von Vorder- zu Hinterradbremse auf einer steilen Asphaltrampe, der erhöhte Reibwert des Bodens gibt Ihnen Sicherheit.

Falsch Bremsen

Viele Mountainbiker bremsen selbst nach jahrelangem Biker-Dasein falsch! Oft wird die Vorderradbremse, paradoxerweise aus Angst vor einem Sturz, kaum betätigt. Dabei ist genau dies in steilem Gelände besonders gefährlich. Denn: Müssen Sie hinten zu stark bremsen, blockiert der Reifen und rutscht unvermittelt weg. Stürze sind oft die unangenehme Folge.

Richtig Absteigen im Gelände

Auch Absteigen will gelernt sein. Speziell in steilem Gelände wissen viele Biker nicht, wie Sie sich gefahrlos vom Bike trennen. Sollten Sie die Kontrolle in einer Abfahrt verlieren, verlagern Sie Ihr Gewicht impulsartig nach hinten. Strecken Sie die Arme weit nach vorne und lassen Sie das Bike einfach unter sich hinweggleiten. Bei Sturzgefahr lassen Sie den Lenker los und schieben das Bike von sich weg. Das Rad purzelt davon und Sie kommen sicher zum Stillstand – eleganter können das selbst Profis nicht. Tipp: Versuchen Sie bei Stürzen, das Bike aktiv von sich wegzuwerfen.

Falsch Absteigen im Gelände

Wird es Ihnen zu steil oder zu gefährlich, dann setzen Sie Ihren Fuß auf keinen Fall vor die Pedale. Das Gefälle, der Impuls vom Abstieg und die stark frontlastige Position können sonst dafür sorgen, dass Sie sich samt Bike überschlagen.
Mehr zu dieser Fotostrecke: MTB-Fahrtechnik: Sieben Tipps für mehr Spaß auf dem Bike